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Überblick über sexuelle Funktionsstörungen bei Männern

Von

Irvin H. Hirsch

, MD, Sidney Kimmel Medical College of Thomas Jefferson University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2019| Inhalt zuletzt geändert Jun 2019
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Unter sexueller Funktionsstörung (sexuelle Dysfunktion) versteht man Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr. Die sexuelle Funktionsstörung umfasst eine Vielzahl an Erkrankungen, die sich auswirken auf:

  • Sexualtrieb (Libido)

  • Die Fähigkeit, eine Erektion zu bekommen und aufrechtzuerhalten (erektile Dysfunktion oder Impotenz)

  • Die Fähigkeit zur Ejakulation

  • Die Fähigkeit, eine Erektion ohne Deformität des Penis zu erreichen

  • Die Orgasmusfähigkeit

Eine sexuelle Funktionsstörung kann physische oder psychische Ursachen haben. Viele sexuelle Probleme resultieren aus einer Kombination von beidem. Ein physisches Problem kann psychische Probleme (wie Angstzustände, Depressionen oder Stress) nach sich ziehen, die ihrerseits das körperliche Problem verstärken. Männer können sich selbst unter Druck setzen oder fühlen sich von ihrem Partner unter Druck gesetzt, sexuelle Höchstleistungen zu vollbringen. Gelingt dies nicht, ist Stress die Folge (Versagensangst). Diese Angst kann belastend sein und die Lust an sexuellen Beziehungen weiter mindern.

Ejakulationsstörungen sind die häufigsten sexuellen Funktionsstörungen bei Männern. Zu den Erkrankungen zählen

Eine Erektionsstörung (erektile Dysfunktion) kommt bei Männern im mittleren und höheren Alter häufig vor. Manche leiden auch unter einer verringerten Libido.

Psychische Gründe für sexuelle Funktionsstörungen

  • Wut gegenüber dem Partner

  • Angst

  • Depression

  • Unstimmigkeiten mit dem Partner oder Langeweile in der Beziehung

  • Angst vor Schwangerschaft, vor der Abhängigkeit von einem anderen Menschen oder vor Kontrollverlust

  • Distanzgefühle gegenüber sexuellen Aktivitäten oder dem Partner

  • Schuldgefühle

  • Hemmungen oder Unwissenheit in Bezug auf Sexualverhalten

  • Versagensangst (während des Geschlechtsverkehrs)

  • Vorherige sexuell traumatisierende Erfahrungen (z. B. Vergewaltigung, Inzest, sexueller Missbrauch, frühere sexuelle Funktionsstörungen)

Normale Sexualfunktion bei Männern

Die normale Sexualfunktion ist ein komplexes Wechselspiel physiologischer und psychischer Faktoren. Nerven-, Kreislauf- und Hormonsystem wirken mit der Psyche zusammen, um eine sexuelle Reaktion auszulösen. Die sexuelle Reaktion des Mannes wird von einem empfindlichen und fein austarierten Zusammenspiel dieser Systeme kontrolliert.

Sexuelle Lust (auch Sexualtrieb oder Libido) ist der Wunsch nach sexueller Betätigung. Sie kann durch Gedanken, Worte, visuelle Reize, Gerüche und Berührungen ausgelöst werden und führt zum ersten Stadium des sexuellen Reaktionszyklus,

wodurch die sexuelle Erregung ausgelöst wird. Während sexueller Erregung sendet das Gehirn über das Rückenmark Signale zum Penis. Die Arterien, welche die Schwellkörper (Corpora cavernosa und Corpus spongiosum) mit Blut versorgen, reagieren entsprechend und weiten sich (Entspannung und Dilatation). Die geweiteten Arterien lassen die Blutversorgung dieser Bereiche drastisch ansteigen, die nun prall mit Blut gefüllt sind und sich ausdehnen. Durch die Ausdehnung wird Druck auf die Venen ausgeübt, die normalerweise das Blut aus dem Penis abtransportieren. Sie werden zusammengedrückt, der Abfluss des Blutes wird verlangsamt und der Blutdruck im Penis erhöht sich. Der erhöhte Druck im Penis lässt ihn steif werden, es kommt zu einer Erektion. Dabei steigt auch die Muskelspannung im gesamten Körper an.

In der Plateauphase werden Erregung und Muskelspannung intensiviert.

Der Orgasmus ist der Höhepunkt der sexuellen Erregung. Hierbei steigt die Muskelspannung im gesamten Körper weiter an und die Beckenmuskeln ziehen sich zusammen, bis es zum Samenerguss (Ejakulation) kommt.

Durch Nervenimpulse ziehen sich die Muskeln in den männlichen Geschlechtsorganen (Samenblasen, Prostata sowie Nebenhodengänge und Samenleiter) zusammen und führen zum Samenerguss. Diese Kontraktionen treiben den Samen in die Harnröhre. Durch Kontraktion der Muskeln, welche die Harnröhre umgeben, wird der Samen aus dem Penis gestoßen. Der Blasenhals zieht sich ebenfalls zusammen und verhindert, dass Samen zurück in die Harnblase fließt.

Die männlichen Geschlechtsorgane

Die männlichen Geschlechtsorgane

Obwohl Orgasmus und Ejakulation oft fast gleichzeitig auftreten, handelt es sich um getrennte Ereignisse. In seltenen Fällen kann es auch ohne Orgasmus zum Samenerguss kommen. Ebenso gibt es Orgasmen ohne Ejakulation; das gilt besonders vor der Pubertät oder im Zusammenhang mit Nebenwirkungen gewisser Medikamente, z. B. Antidepressiva, oder nach einer Operation, z. B. bei der der Grimmdarm (Kolon) oder die Prostata entfernt wurden. Ein Orgasmus ist normalerweise ein höchst lustvoller Moment.

In der Rückbildungsphase kehrt der Körper wieder in den unerregten Zustand zurück. Sobald die Ejakulation oder der Orgasmus eingetreten ist, ziehen sich die Arterien im Penis und die glatte Muskulatur der Corpora cavernosa und Corpus spongiosum zusammen. Dadurch verringert sich die Blutzufuhr, der Blutabfluss steigt und der Penis erschlafft (Detumeszenz). Nach dem Orgasmus dauert es eine gewisse Zeit, bis eine neue Erektion möglich ist (Refraktärzeit). Bei jungen Männern sind dies etwa 20 Minuten oder weniger, bei älteren Männern dauert es länger. Die Zeit zwischen Erektionen nimmt generell mit fortschreitendem Alter zu.

Sexuelle Aktivität und Herzkrankheit

Sexuelle Aktivität ist gewöhnlich weniger belastend als mittelschwere bis schwere körperliche Anstrengung und daher in der Regel für Männer mit Herzkrankheiten ungefährlich. Das Herzinfarktrisiko ist bei sexueller Aktivität zwar größer als in Ruhe, aber dennoch sehr gering.

Trotzdem sollten sexuell aktive Männer mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (wie Angina pectoris, Bluthochdruck, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und Blockierung der Aortenklappe bzw. Aortenklappenstenose) ärztlichen Rat einholen. Gewöhnlich ist sexuelle Aktivität ungefährlich, wenn die Erkrankung leicht ist, sie kaum Symptome hervorruft und der Blutdruck normal ist. Bei einer mittelschweren Erkrankung oder weiteren gesundheitlichen Problemen, die das Herzinfarktrisiko erhöhen können, sind unter Umständen Untersuchungen nötig, um das potenzielle Risiko sexueller Aktivität zu bestimmen. Bei einer schweren Erkrankung oder einem vergrößerten Herzen, das den Blutfluss aus der linken Herzkammer blockiert (obstruktive Kardiomyopathie), sollte auf sexuelle Aktivität verzichtet werden, bis eine Behandlung die Symptome gebessert hat. Patienten sollten ihre Ärzte befragen, wann sie nach einem Herzinfarkt wieder sexuell aktiv sein dürfen. Wenn leichte bis moderate körperliche Aktivitäten keine Brustschmerzen oder Kurzatmigkeit verursachen, empfiehlt die American Heart Association, dass sexuelle Aktivitäten bereits eine Woche nach einem Herzinfarkt wieder möglich sind.

Die Einnahme von Sildenafil, Vardenafil, Avanafil oder Tadalafil ist bei Männern gefährlich, die Nitroglyzerin einnehmen, da das den Blutdruck bedrohlich senken kann.

Bei der Untersuchung des Risikos sexueller Aktivität wird das Herz in der Regel hinsichtlich Anzeichen einer schlechten Blutversorgung beobachtet, während der Mann auf einem Laufband trainiert. Wird das Herz während dieser körperlichen Betätigung ausreichend durchblutet, ist ein Herzinfarkt bei sexueller Aktivität sehr unwahrscheinlich.

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