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Verfrühte Pubertät

(Precocious Puberty)

Von

Andrew Calabria

, MD, Perelman School of Medicine at The University of Pennsylvania

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2020| Inhalt zuletzt geändert Sep 2020
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Quellen zum Thema

Bei der verfrühten Pubertät setzt die sexuelle Reifung beim Jungen vor dem 9. Lebensjahr und beim Mädchen vor dem 8. Lebensjahr ein.

  • Die Ursache für die verfrühte Pubertät ist häufig nicht bekannt, sie kann jedoch durch anatomische Auffälligkeiten oder Tumoren im Gehirn ausgelöst werden.

  • Symptome sind ein früher Wachstumsschub und eine frühe Entwicklung von Scham- und Achselhaaren.

  • Die Diagnose basiert auf Röntgenuntersuchungen, Bluttests und bildgebenden Verfahren.

  • Die Behandlung hängt von der Art der verfrühten Pubertät ab, kann aber eine Hormontherapie beinhalten.

Normale Pubertät

Die Pubertät ist eine Aufeinanderfolge von Ereignissen, in denen körperliche Veränderungen eintreten, die zu körperlichen Eigenschaften eines Erwachsenen und zur Geschlechtsreife führen. Normalerweise laufen diese Veränderungen während der Pubertät in einer bestimmten Reihenfolge ab und führen so zur sexuellen Reife.

Die Pubertät setzt ein, wenn der Hypothalamus (der Teil des Gehirns, der die Hirnanhangsdrüse kontrolliert) beginnt, ein chemisches Signal, das sog. Gonadotropin-freisetzende Hormon, abzusondern. Die Hirnanhangsdrüse reagiert auf dieses Signal, indem sie Hormone namens Gonadotropine (luteinisierendes Hormon und follikelstimulierendes Hormon) absondert, die das Wachstum der Geschlechtsdrüsen stimulieren (die Hoden [Testis] bei Jungen und die Eierstöcke bei Mädchen). Diese Geschlechtsdrüsen sondern Sexualhormone ab, wie Testosteron oder Östrogen, die die Pubertät auslösen.

Die ersten Anzeichen der Geschlechtsreife sind beim Jungen eine Vergrößerung von Hoden und Hodensack, gefolgt von einer Verlängerung des Penis. Anschließend wachsen Scham- und Achselhaare. Bei Jungen beginnt die Pubertät gewöhnlich im Alter von 10 bis 14 Jahren (siehe Pubertät bei Jungen).

Bei Mädchen ist das erste Anzeichen der Pubertät gewöhnlich der Beginn der Brustentwicklung (Knospen der Brüste). Kurz darauf beginnt die Scham- und Achselbehaarung zu wachsen. Bei Mädchen beginnt die Pubertät gewöhnlich im Alter zwischen 8 und 13 Jahren (siehe Pubertät bei Mädchen).

Meilensteine der sexuellen Entwicklung bei Mädchen und Jungen

Die sexuelle Entwicklung läuft während der Pubertät in einer festgelegten Reihenfolge während einer bestimmten Zeitspanne ab. Es hängt aber von der Person ab, wann die Veränderungen beginnen und wie schnell sie voranschreiten.

Bei Mädchen beginnt die Pubertät im Alter von 8 bis 13 Jahren und dauert ca. 4 Jahre.

Bei Jungen beginnt die Pubertät etwa mit 10 bis 14 Jahren und dauert ungefähr 3 Jahre.

Die Grafik zeigt einen typischen Ablauf und ein normales Entwicklungsspektrum für die Meilensteine der sexuellen Entwicklung.

Meilensteine der sexuellen Entwicklung bei Mädchen und Jungen

Bei beiden Geschlechtern beginnen die Nebennieren Hormone abzusondern, die das Wachstum von Scham- und Achselbehaarung fördern. Diese Nebennierenhormone werden von anderen chemischen Signalen kontrolliert als die anderen Pubertätshormone.

Formen der verfrühten Pubertät

Bei verfrühter Pubertät entwickelt sich der Körper des Kindes früher als erwartet zu dem eines Erwachsenen. Eine verfrühte Pubertät kommt bei manchen Familien häufiger vor.

Es gibt drei Formen der verfrühten Pubertät:

  • Zentral ausgelöste verfrühte Pubertät

  • Periphere verfrühte Pubertät

  • Unvollständige Pubertät

Die Ursachen und Symptome der drei Formen unterscheiden sich voneinander.

Zentral ausgelöste verfrühte Pubertät

Diese Form der verfrühten Pubertät ist insgesamt häufiger, bei Mädchen 5- bis 10-mal so häufig.

Diese Form wird dadurch verursacht, dass bestimmte Geschlechtshormone (Gonadotropine) von der Hirnanhangsdrüse frühzeitig ausgeschüttet werden. Durch diese Hormone reifen die Eierstöcke bzw. Hoden (die Geschlechtsdrüsen) und wachsen. Sobald sie ausgereift sind, beginnen die Geschlechtsdrüsen andere Geschlechtshormone, wie Östrogen oder Testosteron, abzusondern, die die Pubertät auslösen. Die körperlichen Veränderungen entsprechen denen einer normalen Pubertät für ein Kind diesen Geschlechts, nur dass sie früher einsetzen.

Bei Jungen wachsen die Hoden, ihr Penis verlängert sich, sie bekommen Gesichts-, Achsel- und Schambehaarung und sie erhalten ein männliches Aussehen.

Bei Mädchen wachsen die Brüste, die Schambehaarung und Achselbehaarung. Auch setzt die erste Menstruation ein.

Bei beiden Geschlechtern kommt es zu einem Wachstumsschub, was ein rasches Ansteigen der Körpergröße zur Folge hat. Im Gegensatz zu einer normalen Pubertät endet das schnelle Wachstum hier frühzeitig, sodass diese Kinder letztendlich zu kleineren Erwachsenen werden.

Normalerweise finden Ärzte für diese frühzeitige Hormonausschüttung, insbesondere bei Mädchen, keine Ursache, doch manchmal kann sie durch einen Tumor oder eine andere Anomalie im Gehirn, typischerweise in der Hirnanhangsdrüse oder dem Hypothalamus (dem Bereich des Gehirns, der die Hirnanhangsdrüse steuert), ausgelöst werden. Neurofibromatose (eine Störung, bei der viele fleischige Geschwülste an Nervengewebe unter der Haut und in anderen Körperteilen wachsen) und einige weitere seltene Störungen werden mit der zentral ausgelösten verfrühten Pubertät in Verbindung gebracht. Schwere, unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann eine zentral verfrühte Pubertät verursachen. Manchmal wird die zentral ausgelöste verfrühte Pubertät durch die Behandlung bestimmter Erkrankungen verursacht (wie eine Operation, eine Bestrahlung oder Chemotherapie zur Krebsbehandlung). Kinder mit Familienmitgliedern mit verfrühter Pubertät haben ein erhöhtes Risiko, die Störung zu entwickeln.

Periphere verfrühte Pubertät

Diese Form ist weitaus seltener. Bei der peripheren verfrühten Pubertät wird die Freisetzung von Östrogen oder Testosteron (und Testosteron-ähnlicher Hormone, den so genannten Androgenen) nicht von Gonadotropinen aus der Hirnanhangsdrüse stimuliert. Stattdessen werden die hohen Androgen- oder Östrogenspiegel durch einen Tumor oder eine andere Anomalie in der Nebenniere oder in einem unreifen Hoden bzw. Eierstock produziert. Diese Hormone bewirken nicht, dass die Hoden bzw. Eierstöcke selbst reifen, sondern lösen die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale aus. Da Jungen und Mädchen jeweils Östrogen bzw. Androgene bilden können, hängen die körperlichen Veränderungen der Pubertät vom gebildeten Hormon und nicht vom Geschlecht des Kindes ab. Daher führen Tumoren und Auffälligkeiten, die Östrogen bilden, bei Jungen und Mädchen zum Wachstum des Brustgewebes. Die, die Androgene produzieren, verursachen dagegen ein Wachstum der Scham- und Achselbehaarung, Körpergeruch, Akne bei Jungen und Mädchen, sowie eine Verlängerung des Penis (jedoch keine Vergrößerung der Hoden) bei Jungen.

Unvollständige Pubertät

Bei manchen Kindern treten nur ein paar Anzeichen der Pubertät frühzeitig auf. Typischerweise wachsen die Brüste (Thelarche) oder die Schambehaarung frühzeitig (Adrenarche) ohne die anderen Veränderungen im Zusammenhang mit der Pubertät, wie das Wachstum der Hoden bzw. Eierstöcke, Menstruation oder einen Wachstumsschub. Bei manchen Mädchen entwickeln sich die Brüste in den ersten beiden Lebensjahren, aber sie haben noch keine erhöhten Hormonspiegel. Bei Kindern mit frühzeitiger Entwicklung der Schambehaarung (typischerweise im Alter zwischen 6 und 8 Jahren) kommt es oft zu Körpergeruch und Akne. Die Veränderungen schreiten nur langsam voran.

Diese frühzeitigen körperlichen Veränderungen werden nicht durch eine Erkrankung verursacht und nur wenige Kinder entwickeln tatsächlich eine verfrühte Pubertät. Ein frühes Wachstum der Schambehaarung entsteht, weil die Nebenniere den Androgenspiegel erhöht. Gonadotropine und Östrogene sind beim Wachstum der Schambehaarung jedoch nicht erhöht.

Diagnose

  • Röntgenbilder der Hand und des Handgelenks

  • Bluttests

  • Möglicherweise bildgebende Verfahren bestimmter Organe

Wenn bei einem Kind Anzeichen von Frühreife, schnellem Wachstum oder einer gestörten Pubertät vorliegen, werden vom Arzt Röntgenaufnahmen der Hand und des Handgelenks gemacht, um die Knochenreife festzustellen (Röntgenuntersuchung zur Bestimmung des Knochenalters).

Wenn das Röntgenbild zeigt, dass die Knochen des Kindes für sein Alter zu reif sind, ist normalerweise eine genauere Beurteilung indiziert. Bluttests werden durchgeführt, um die Hormonspiegel zu bestimmen.

Bei der zentral ausgelösten verfrühten Pubertät können Magnetresonanztomographien (MRT) des Gehirns durchgeführt werden, um es auf Tumoren des Hypothalamus oder der Hirnanhangsdrüse zu untersuchen. Ärzte können Gentests bei Kindern durchführen, die Familienmitglieder mit einer verfrühten Pubertät haben.

Bei der peripheren verfrühten Pubertät kann eine Ultraschalluntersuchung des Beckens und der Nebennieren durchgeführt werden, um nach Eierstock- oder Nebennierentumoren zu suchen.

Behandlung

  • Behandlung der Krankheitsursache

  • Synthetische Hormontherapie

Bei Kindern, die lediglich ein frühzeitiges Scham- und Achselhaarwachstum aufweisen, ist normalerweise keine Behandlung der verfrühten Pubertät notwendig. Sie müssen jedoch regelmäßig untersucht werden, damit der weitere Verlauf der verfrühten Pubertät beobachtet werden kann. Kinder, bei denen die Brustentwicklung bereits vor dem 2. Geburtstag eingesetzt hat, werden untersucht, um zu ermitteln, ob das Wachstum nach dem 2. Lebensjahr weiter andauert.

Die Behandlung einer feststellbaren Ursache der verfrühten Pubertät, wie beispielsweise das Entfernen eines Tumors oder einer Zyste, kann den Pubertätsverlauf zum Stillstand bringen.

Wenn keine behandelbare Ursache bei der zentralen verfrühten Pubertät feststellbar ist, können Medikamente den Pubertätsverlauf verlangsamen. Die Entscheidung, Medikamente zu verabreichen, hängt von vielen Faktoren ab, einschließlich dem Alter des Kindes, der Dauer der Pubertät, der Geschwindigkeit des Wachstums des Kindes und der Körpergröße des Kindes. Das Ziel der medikamentösen Behandlung ist es, dem Kind zu ermöglichen, zu seiner normalen Körpergröße heranzuwachsen und die Ängste des Kindes zu lindern, die sich früher als bei Gleichaltrigen entwickeln. Behandlungsmöglichkeiten umfassen synthetische Hormonspritzen, welche die Produktion von Sexualhormonen stoppen. Die Spritzen werden monatlich oder alle drei Monate verabreicht. Die Hormone können auch durch ein Implantat verabreicht werden, das alle 12 Monate unter die Haut eingeführt wird.

Die periphere verfrühte Pubertät kann durch Medikamente, die die Wirkung der Sexualhormone blockieren, zum Stillstand gebracht werden.

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