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Körperdysmorphe Störung

Von

Katharine A. Phillips

, MD, Weill Cornell Medical College;


Dan J. Stein

, MD, PhD, University of Cape Town

Inhalt zuletzt geändert Jun 2018
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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

Eine körperdysmorphe Störung wird durch die Beschäftigung mit ≥ 1 wahrgenommenenm Mangel im Aussehen, der nicht offensichtlich sind, oder von anderen Menschen nur gering wahrgenommen werden. Die Beschäftigung mit dem Aussehen muss klinisch bedeutende Verzweiflung oder Beeinträchtigung der sozialen, beruflichen, akademischen oder anderweitigen Funktionsfähigkeit verursachen. Und irgendwann während des Verlaufs der Erkrankung müssen die Patienten wiederholt und übermäßig ≥ 1 wiederholte Verhaltensweisen (z.B. Spiegelkontrolle, Vergleich ihres Aussehens mit dem anderer Menschen) als Reaktion auf die Beschäftigung mit dem Aussehen ausführen. Die Diagnose wird anhand der Anamnese gestellt. Die Therapie schließt medikamentöse Behandlung (spezielle, SSRIs oder Clomipramin), Psychotherapie (spezielle, kognitive Verhaltenstherapie) ein.

Die körperdysmorphe Störung beginnt üblicherweise in der Adoleszenz und scheint bei Frauen etwas häufiger vorkommen. Zu irgendeinem beliebigen Zeitpunkt haben etwa 1,7 bis 2,9% der Menschen diese Störung.

Symptome und Zeichen

Die Symptome einer dysmorphen Körperstörung können sich allmählich oder abrupt entwickeln. Obwohl die Intensität variieren kann, geht man davon aus, dass die Störung meist chronisch ist, sofern die Patienten nicht angemessen behandelt werden. Die Besorgnis richtet sich üblicherweise auf das Gesicht oder den Kopf, sie kann jedoch auch jeden anderen Teil des Körpers betreffen oder von einem Körperteil zum anderen wechseln. Die Patienten können z. B. besorgt sein über dünner werdendes Haar, Akne, Falten, Narben, Gefäßmale, die Farbe ihres Teints oder übermäßige Gesichts- oder Körperbehaarung. Oder sie können auf die Form oder Größe von Nase, Augen, Ohren, Mund, Brüsten, Gesäß, Beinen oder anderer Körperteile fokussieren. Bei Männern (und selten bei Frauen) kann sich die Störung als sog. Muskeldysmorphie zeigen; es dreht sich alles um die Idee, ihr Körper sei nicht schlank und muskulös genug. Die Patienten können die Körperteile, wie sie nicht mögen, als hässlich, unattraktiv, deformiert, scheußlich oder monströse beschreiben.

Patienten verbringen in der Regel viele Stunden am Tag mit Gedanken über ihre wahrgenommenen Mängel und glauben oft fälschlicherweise, dass andere Menschen diese besonders wahrnehmen oder sie aufgrund dieser Mängel verspottet werden. Die meisten prüfen sich selbst ständig im Spiegel, andere vermeiden jeden Blick in den Spiegel und wieder andere wechseln zwischen beiden Verhaltensweisen.

Andere häufig vorkommende zwanghafte Verhaltensweisen sind übermäßige Körperpflege, Dermatillomanie (um wahrgenommene Hautdefekte zu entfernen oder zu fixieren), Haare ziehen oder zupfen, das Suchen von Bestätigung (über die wahrgenommenen Defekte) und häufiges Umziehen. Die meisten versuchen, ihren wahrgenommenen Makel zu tarnen–beispielsweise indem sie mit einem Bart bemerkte Narben überdecken oder ihr leicht schütter werdendes Haar unter einem Hut verbergen. Viele unterziehen sich dermatologischen zahnärztlichen, chirurgischen oder anderen kosmetischen Behandlungen zur Korrektur des wahrgenommenen Makels; solche Eingriffe sind jedoch in der Regel nicht von Erfolg gekrönt und können die Beschäftigung mit dem Makel verstärken. Männer mit Muskeldysmorphie können zu Androgen-Suppelementen greifen, was gefährlich sein kann.

Weil Menschen mit einer körperdysmorphen Störung wegen ihres Aussehens befangen sind, kann es sein, dass sie es vermeiden, in die Öffentlichkeit zu gehen. Für die meisten ist die soziale, berufliche, akademische und anderweitige Funktionsfähigkeit wegen ihrer Bedenken über ihr Aussehen beeinträchtigt—ost substanziell. Manche verlassen ihr Haus nur nachts, andere überhaupt nicht. Soziale Isolation,Depression, wiederholte Klinikaufenthalte und suizidales Verhalten sind verbreitet.

Der Grad der Einsicht variiert, aber sie ist in der Regel schlecht oder nicht vorhanden. D. h., dass die Patienten wirklich glauben, dass der nicht gemochte Körperteil wahrscheinlich (schlechte Einsicht) oder endgültig (nicht vorhandene Einsicht oder wahnhafte Überzeugungen) abnormal aussieht, hässlich oder unattraktiv ist.

Diagnose

  • Klinische Kriterien

Da viele Patienten zu verlegen und beschämt sind, um ihre Symptome zu enthüllen, kann es vorkommen, dass eine dysmorphe Körperstörung jahrelang nicht diagnostiziert wird. Sie unterscheidet sich von normaler Besorgnis über das äußere Erscheinungsbild dadurch, dass die Beschäftigung damit sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und zu einer beträchtlichen Belastung führt und/oder die Funktionsfähigkeit einschränkt.

Die Diagnose einer dysmorphen Körperströrung wird anhand der Anamnese gestellt. Ist der Patient einzig um Figur und Gewicht besorgt, könnte eine Essstörung die korrektere Diagnose sein; betrifft die hauptsächliche Sorge das Aussehen der Geschlechtsmerkmale, kann die Diagnose einer Störung der Geschlechtsidentität in Betracht gezogen werden.

Zu den Kriterien der dysmorphen Körperströrung gehören:

  • Beschäftigung mit einem oder mehreren wahrgenommen Mängeln im Aussehen, die nicht offensichtlich sind, oder von anderen nur als gering wahrgenommen werden.

  • Leistung von sich wiederholenden Verhaltensweisen (z.B. Spiegelkontrolle, übermäßiges Pflegen) als Reaktion auf die Auftretensprobleme zu einem bestimmten Zeitpunkt während der Störung.

  • Die Beschäftigung verursacht erhebliche Belastungen oder beeinträchtigt die Funktionsfähigkeit in sozialen, beruflichen und anderen Bereichen.

Behandlung

  • SSRIs und Clomipramin

  • Kognitive Verhaltenstherapie

SSRIs und Clomipramin (ein trizyklisches Antidepressivum mit starker serotonergen Wirkung), sind oft sehr effektiv bei Patienten mit körpereigenen dysmorphen Störungen. Die Patienten benötigen oft höhere Dosen als in der Regel für Depressionen und die meisten Angststörungen erforderlich sind.

Kognitive Verhaltenstherapie, die auf die Symptome der körperdysmorphen Störung zugeschnitten ist, ist derzeit die Psychotherapie der Wahl. Kognitive Ansätze sowie Exposition und Prävention von Ritualen sind wesentliche Elemente der Therapie. Ärzte setzen Patienten den Situationen, die sie fürchten oder sonst vermeiden, aus, während auf die Ausübung der Rituale verzichtet wird.

Die kognitiv-verhaltenstherapeutische Therapie umfasst in der Regel auch andere Elemente, wie z. B. Wahrnehmungsumschulung und Umkehr der Gewohnheit beim Hautpflücken oder beim Ziehen oder Zupfen von Haaren. Die Umkehrung der Gewohnheit beinhaltet Folgendes:

  • Sensibilisierungstraining (z. B. Selbstüberwachung, Identifizierung von Auslösern für das Verhalten)

  • Stimuluskontrolle (Ändern von Situationen - z. B. Vermeidung von Auslösern - um die Wahrscheinlichkeit des Auslösens des Verhaltens zu verringern)

  • Konkurrenzfähiges Antworttraining (Patienten unterrichten, andere Verhaltensweisen zu ersetzen, wie Faustballen, Stricken oder das Sitzen auf den Händen für das übermäßige Verhalten)

Da die meisten Patienten nur eine geringe oder oder auch gar keine Einsicht besitzen, sind oft eine motivierende Techniken nötig, um ihre Bereitschaft zur Teilnahme und den Verbleib in der Therapie zu erhöhen.

Viele Experten glauben, dass die Kombination von von kognitiver Verhaltenstherapie mit einer medikamentösen Therapie in schweren Fällen am besten ist.

Wichtige Punkte

  • Die Patienten sind mit ≥ 1 wahrgenommen Mangel in ihrem Aussehen beschäftigt, der nicht offensichtlich ist, oder anderen Menschen nur geringfügig erscheint.

  • Zu einem bestimmten Zeitpunkt während der Erkrankung reagieren die Patienten auf ihre Äußerungsbedenken, indem sie sich wiederholende Verhaltensweisen (z.B. Spiegelkontrolle, übermäßiges Pflegen) durchführen und/oder Maßnahmen ergreifen, um den wahrgenommenen Defekt zu tarnen oder zu entfernen.

  • Die Patienten besitzen in der Regel nur geringe oder keine Einsicht und glauben wirklich, dass der nicht gemochte Körperbereich abnormal oder unattraktiv aussieht.

  • Behandlung mit einer kognitiven Verhaltenstherapie, die speziell auf die dysmorphe Störung des Körpers und/oder die medikamentöse Therapie mit einem SSRI oder Clomipramin zugeschnitten ist.

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