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Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Von

John W. Barnhill

, MD,

  • Weill Cornell Medical College and New York Presbyterian Hospital

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bezeichnet wiederholte und intrusive Erinnerungen an ein überwältigendes traumatisches Ereignis. Die Erinnerungen dauern > 1 Monat und beginnen innerhalb von 6 Monaten nach dem Ereignis. Die Pathophysiologie der Störung ist nicht vollständig verstanden. Zu den Symptomen gehören außerdem die Vermeidung von Stimuli, die mit dem traumatischen Ereignis verbunden sind, Albträume und Flashbacks. Die Diagnose wird anhand der Anamnese gestellt. Die Behandlung besteht aus Expositions- und Pharmakotherapie.

Wenn schreckliche Dinge passieren, können diese viele Menschen anhaltend beeinflussen; bei manchen sind die Auswirkungen von solcher Dauer und Schwere, dass sie die Funktionsfähigkeit stark beeinträchtigen und Krankheitswert haben. Generell aktivieren Ereignisse, die eine PTBS hervorrufen können, Gefühle von Furcht, Hilflosigkeit oder Entsetzen. Derartige Erlebnisse können direkt erfahren werden (z. B. schwere Verletzungen oder in Lebensgefahr zu schweben) oder indirekt (z. B. Zeuge zu sein, wie andere Menschen schwer verletzt werden, sich in lebensbedrohlichem Zustand befinden oder sterben; Lernen aus Ereignissen, die engen Familienmitgliedern oder Freunden widerfahren sind). Kampf, sexuelle Übergriffe und Natur- oder vom Menschen verursachte Katastrophen sind häufige Ursachen von PTBS.

Die Lebenszeitprävalenz beträgt knapp 9% bei einer 1-Jahres-Prävalenz von ca. 4%.

Symptome und Beschwerden

Die Symptome einer PTSD können in Kategorien unterteilt werden: Einbrüche, Vermeidung, negative Veränderungen in der Wahrnehmung und Stimmung sowie Änderungen in der Erregung und Reaktivität. In den meisten Fällen haben die Patienten häufige ungewollte Erinnerungen, in denen sich das auslösende Ereignis immer wieder abspielt. Albträume über das Ereinigs sind häufig.

Weniger häufig sind vorübergehende wache dissoziative Zustände, in denen die Ereignisse erneut als real erlebt werden (Flashbacks), was die Patienten in manchen Fällen dazu bringt, sich wie in der ursprünglichen Situation zu verhalten (z. B. laute Geräusche wie ein Feuerwerk können einen Flashback auslösen, bei dem die Betroffenen glauben, wieder im Krieg zu sein, was wiederum dazu führt, dass die Patienten einen Unterschlupf aufsuchen oder sich schutzsuchend auf den Boden werfen.)

Die Patienten vermeiden Stimuli, die mit dem Trauma verbunden sind, und fühlen sich oft emotional abgestumpft und desinteressiert an Alltagsaktivitäten.

Manchmal sind die Symptome eine Fortsetzung der akuten Belastungsstörung, oder sie können getrennt auftreten, beginnend bis zu 6 Monaten nach dem Trauma. Manchmal setzten die Symptome mit vollem Ausdruck verzögert ein, und sie können Monate bis Jahre nach dem traumatischen Ereignis auftreten.

Depression, andere Angststörungen und Substanzmissbrauch sind bei Patienten mit chronischer PTBS verbreitet.

Neben der traumaspezifischen Angst können die Patienten auch unter Schuldgefühlen wegen ihres eigenen Verhaltens bei dem Ereignis leiden oder darunter, dass sie überlebt haben und andere Menschen nicht.

Diagnose

  • Klinische Kriterien

Die Diagnose wird klinisch anhand der Kriterien im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition (DSM-5) gestellt.

Um die Kriterien für die Diagnose zu erfüllen, müssen die Patienten direkt oder indirekt einem traumatischen Ereignis ausgesetzt worden sein, und die Symptome von jeder der folgenden Kategorien für eine Zeitdauer ≥ 1 Monat aufweisen.

Intrusive Symptome (≥ 1 der folgenden):

  • Er hat wiederkehrende, unfreiwillige, intrusive und störende Erinnerungen

  • Er hat wiederkehrende beunruhigende Träume (z. B. Albträume) von dem Ereignis

  • Er handelt oder fühlt, als würde das Ereignis erneut passieren, von Flashbacks bis hin zum kompletten Wahrnehmungsverlust der Umgebung

  • Er verspürt intensiven psychischen oder körperlichen Stress beim Erinnertwerden an das Ereignis (z. B. am Jahrestag oder durch ähnliche Geräusche, wie sie während des Ereignisses zu hören waren)

Vermeidungssymptome (≥ 1 der folgenden):

  • Er vermeidet Gedanken, Gefühle oder Erinnerungen, die mit dem Ereignis zusammenhängen

  • Er meidet Aktivitäten, Orte, Konversationen oder Menschen, die Erinnerungen an das Ereignis auslösen

Negative Auswirkungen auf Kognition und Stimmung (≥ 2 der folgenden):

  • Gedächtnisverlust von wesentlichen Teilen des Ereignisses (dissoziative Amnesie)

  • Persistierende und übertrieben negative Überzeugungen oder Erwartungen über sich selbst, andere oder die Welt

  • Anhaltende verzerrte Gedanken über die Ursache oder Folgen des Traumas, was dazu führt, sich selbs oder anderen die Schuld zu geben.

  • Persistierender negativer emotionaler Zustand (z. B. Angst, Entsetzen, Wut, Schuld, Scham)

  • Deutlich vermindertes Interesse oder Teilnahme an bedeutenden Aktivitäten

  • Ein Gefühl der Loslösung oder Entfremdung von anderen

  • Persistierende Unfähigkeit, positive Emotionen zu erleben (z. B. Glück, Zufriedenheit, liebevolle Gefühle)

Veränderte Erregungszustände und Reaktivität (≥ 2 der folgenden):

  • Schlafstörungen

  • Reizbarkeit oder Wutausbrüche

  • Rücksichtsloses oder selbstzerstörerisches Verhalten

  • Probleme mit der Konzentration

  • Verstärkte Schreckreaktion

  • Hypervigilanz

Darüber hinaus müssen die Manifestationen bedeutendes Leiden verursachen oder soziale oder beruflichen Funktion wesentlich beeinträchtigen und nicht der physiologischen Wirkung einer Substanz oder einer anderen medizinischen Erkrankung zuzuschreiben sein.

Therapie

  • Psychotherapie

  • Medikamentöse Therapie (z. B, mit SSRIs)

Eine Vielzahl von Psychotherapien wurde erfolgreich zur Behandlung von PTBS eingesetzt. SSRI oder eine andere Pharmakotherapie werden auch benutzt.

Ohne Behandlung lassen die Symptome oft nach, wobei die Störung nicht gänzlich abklingt, manche Menschen bleiben allerdings stark beeinträchtigt.

Bei der wichtigsten eingesetzten Psychotherapieform, der Expositionstherapie, werden Betroffene mit Situationen konfrontiert, die sie normalerweise meiden, weil sie Erinnerungen an das Trauma auslösen könnten. Das wiederholte Durchleben der traumatischen Erfahrung in der Vorstellung löst üblicherweise nach einer anfänglich leichten Steigerung des Unbehagens die Anspannung.

Eye movement desensitization and reprocessing (EMDR) ist eine Form der Konfrontationstherapie. Bei dieser Therapie werden die Patienten gebeten, dem bewegenden Finger des Therapeuten zu folgen, während sie sich vorstellen, dem Trauma ausgesetzt zu sein.

Es hilft außerdem, bestimmte rituelle Verhaltensweisen wie übermäßiges Waschen, um sich nach einem sexuellen Übergriff wieder sauber zu fühlen, zu beenden.

SSRIs können Angst und/oder Depression reduzieren. Prazosin scheint hilfreich bei der Verringerung von Albträumen zu sein. Stimmungsstabilisierer und atypische Antipsychotika werden manchmal verschrieben, ihr Einsatz ist jedoch nicht genügend gestützt.

Da die Angst häufig intensiv ist, kommt der supportiven Psychotherapie eine entscheidende Rolle zu. Therapeuten müssen offen, empathisch und sympathisch sein, indem sie die psychischen Schmerzen ihres Patienten und die Realität der traumatischen Erlebnisse erkennen und anerkennen. Zu Beginn der Behandlung müssen viele Patienten Möglichkeiten zur Entspannung und zur Kontrolle von Angstzuständen (z. B. Achtsamkeit, Atemübungen, Yoga) erlernen, bevor sie die Exposition ertragen können, die einen Schwerpunkt der PTSD-Behandlung darstellt.

Bei der sog. Schuld der Überlebenden kann eine Psychotherapie hilfreich sein, die darauf abzielt, den Patienten dabei zu helfen, ihre selbstkritischen und strafenden Einstellungen zu modifizieren.

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