Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Harnwegsinfektionen (HWI) bei Kindern

Von

Geoffrey A. Weinberg

, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Inhalt zuletzt geändert Jan 2018
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
Quellen zum Thema

Harnwegsinfektionen (HWI) sind durch einen Gehalt von 5 × 104 Kolonien/ml in einem Katheterurin oder bei älteren Kindern im wiederholten Spontanurin von 105 Kolonien/ml definiert. Bei Kleinkindern werden die HWI oft mit anatomischer Fehlbildungen in Verbindung gebracht. HWI können Fieber, Gedeihstörungen, Flankenschmerz und Zeichen einer Sepsis verursachen, vor allem bei Kleinkindern. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika. Zur Verlaufskontrolle werden bildgebende Untersuchungen des Harntraktes durchgeführt.

HWI können die Beteiligung der Nieren, der Blase, oder beides zur Folge haben. Sexuell übertragbare Infektionen der Harnröhre (z. B. Gonokokken oder Chlamydien-Urethritis) werden in der Regel nicht als HWI bezeichnet, obwohl die Harnwege betroffen sind.

Zu den Mechanismen, die den Harntrakt steril halten, gehören die Azidität des Urins und der freie Fluss des Urins mit normalen Entleerungsmöglichkeiten, normalen ureterovesikalen und urethralen Sphinkteren, ein gesunder immunologischer Status und eine unveränderte Mucosa. Anomalien in einem dieser Schutzmechanismen prädisponieren zu einer HWI.

Ätiologie

Im Alter von 6 Jahren haben 3–7% der Mädchen und 1–2% der Jungen eine Harnwegsinfektion durchgemacht. Das Alter mit der größen Häufigkeit von HWI ist bimodal, mit einem Höhepunkt im Säuglingsalter und dem anderen Höhepunkt im Alter zwischen 2 und 4 Jahren (der Zeitpunkt des Trockenwerdens für viele Kinder). Das Verhältnis von weiblich:männlich liegt bei 1:1 bis 1:4 in den ersten 2 Monaten des Lebens. (Die Schätzungen schwanken wahrscheinlich wegen den unterschiedlichen Anteilen von unbeschnittenen Männern in den Untersuchungsgruppen und wegen des Ausschlusses von Kindern mit urologischen Anomalien, die jetzt häufiger schon in utero durch pränatale Ultraschalldiagnostik erkannt werden). Das Verhältnis von weiblich zu männlich nimmt mit dem Alter ständig zu und liegt im Alter von 2 Monaten bis zu 1 Jahr bei 2:1, während des 2. Jahres bei 4:1 und nach dem 4. Jahr bei > 5:1. Bei den Mädchen ist die Infektion aufsteigend und verursacht meistens keine Bakteriämie. Die deutliche Prävalenz von HWI bei Mädchen nach der Säuglingszeit ist sowohl mit der kürzeren weiblichen Harnröhre als auch auf männliche Beschneidung zurückzuführen.

Prädisponierende Faktoren bei jüngeren Kindern sind

  • Mißbildungen und Behinderungen des Harntraktes

  • Frühgeburt

  • Permanenter Blasenkatheter

  • Bei Jungen, fehlende Beschneidung

Weitere prädisponierende Faktoren bei jüngeren Kindern sind Verstopfung und Morbus Hirschsprung.

Prädisponierende Faktoren bei älteren Kindern können sein

  • Diabetes

  • Trauma

  • Bei Frauen, Geschlechtsverkehr

Anomalien der Harnwege bei Kindern

Harnwegsinfektionen bei Kindern sind ein möglicher Hinweis auf eine Fehlbildung des Harntraktes (z. B. Obstruktion, neurogene Blase, Verdopplung der Harnröhre). Diese Fehlbildungen haben oft einen wiederkehrenden Infekt zur Folge, vor allem wenn ein vesikoureteraler Reflux vorliegt (VUR). Ungefähr 20–30% der Säuglinge und Kinder im alter von 12 bis 36 Monaten mit einer HWI haben einen VUR. Je jünger das Kind beim ersten HWI ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für einen VUR. Der VUR wird nach obiger Tabelle in verschiedene Schweregrade eingeteilt (siehe Tabelle: Schweregrade des vesikoureteralen Reflux*).

Wiederkehrende HWI ist eindeutig mit VUR verbunden, vor allem VUR der höheren Klassen. Dieser Verbindung ist wahrscheinlich durch zwei Faktoren bedingt — VUR prädisponiert für Infektion und rezidivierende Infektionen können VUR verschlechtern. Der relative Beitrag der einzelnen Faktoren bei Kindern mit rezidivierenden HWI ist unklar. Kinder mit einem ernsteren Reflux können ein höheres Risiko besitzen, Bluthochdruck und Nierenversagen (verursacht durch dauernde Infekte und eine chronische Pyelonephritis) zu entwickeln. Der Beweis hierfür ist allerdings nicht definitiv ( Harnwegsinfektionen (HWI) bei Kindern : Vesikoureteraler Reflux (VUR)).

Tabelle
icon

Schweregrade des vesikoureteralen Reflux*

Grad

Eigenschaften

I

Es sind nur die Harnleiter beteiligt, aber nicht das Nierenbecken.

II

Reflux erreicht das Nierenbecken, aber die Kelche sind nicht geweitet.

III

Die Harnleiter und Nierenbecken sind geweitet, mit minimaler oder gar keiner Abflachung der Kelche.

IV

Die Dilatation ist erhöht und die spitzen Winkel der Kelchsystem Fornices sind nicht mehr erkennbar.

V

Die Harnleiter, das Becken und Kelche sind grob erweitert.

Papilläre Eindrücke fehlen häufig.

* Wie vom International Reflux Study Committee definiert.

Erreger

Viele Erreger können in einem anatomisch fehlgebildeten Harntrakt Harnwegsinfektionen verursachen.

Bei relativ normalen Harnwegen sind die häufigsten Erreger

  • Stämme von Escherichia coli mit spezifischen Adhäsionsfaktoren für das Übergangsepithel der Blase und der Ureteren

E. coli sind für > 80 bis 90% aller HWI in allen pädiatrischen Altersgruppen verantwortlich.

Die verbleibenden Ursachen sind andere gramnegative Enterobakterien, insbesondere Klebsiella,Proteus mirabilis, und Pseudomonas aeruginosa. Enterokokken (Streptokokken der Gruppe D) und Koagulase-negative Staphylokokken (z. B. Staphylococcus saprophyticus) sind die häufigsten grampositiven Organismen im Harntrakt.

Kaum einmal sind Pilze und Mykobakterien die Ursache, und treten bei immunsupprimierten Patienten auf.

Die Adenoviren verursachen selten eine HWI, und wenn, dann ist die Erkrankung meistens eine hämorrhagische Zystitis, auch prädominat unter immungeschwächten Wirten.

Symptome und Beschwerden

Bei Neugeborenen sind die Symptome einer Harnwegsinfektion unspezifisch und umfassen mangelhafte Nahrungsaufnahme, Durchfall, Gedeihstörungen, Erbrechen, leichte Gelbsucht (welche in der Regel eine direkte Bilirubin-Erhöhung ist), Lethargie, Fieber oder Hypothermie. Eine neonatale Sepsis kann sich entwickeln.

Bei Säuglingen und Kleinkindern < 2=""> sind die Symptome außerdem schlecht zu lokalisieren (etwa Fieber, Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen, Diarrhö, Bauchschmerzen oder faulig riechender Urin). Über 4 bis 10% der fiebrigen Kinder ohne lokalisierte Anzeichen haben HWI.

Erst bei Kindern> 2 Jahre zeigt sich das klassische Bild einer Zystitis oder Pyelonephritis. Symptome einer Zystitis schließen Dysurie, Harnfrequenz, Hämaturie, Harnretention, suprapubischen Schmerz, Harndrang, Pruritus, Inkontinenz, faulig riechenden Urin und Enuresis ein. Symptome einer Pyelonephritis können hohes Fieber, Schüttelfrost und kostovertebrale Schmerzen und Empfindlichkeit sein.

Körperliche Befunde, die Fehlbildungen des Harntraktes vermuten lassen, sind abdominelle Tumoren, vergrößerte Nieren, Fehldungen des Meatus urethrae und Fehlbildungen der unteren Wirbelsäule. Ein verminderter Druck des Harnstrahls kann der einzige Hinweis auf eine Obstruktion oder eine neurogene Blase sein.

Diagnose

  • Analyse und Kultur von Urin

  • In der Regel bildgebende Verfahren zur Darstellung des Harntrakts

(Siehe auch die American Academy of Pediatrics' 2011 and 2016 practice guidelines for the diagnosis and management of the initial UTI in febrile infants and children 2 to 24 months.)

Urinuntersuchung

Eine zuverlässige Diagnose der Infektion der Harnwege erfordert die Anwesenheit von Pyurie bei der Urinalyse und positive Bakterienkultur in ordnungsgemäß gesammeltem Urin, bevor ein antimikrobielles Medikament gegeben wird. Die Diagnose einer wahrscheinlichen UTI kann durch die Anwesenheit von pyuria auf Harnanalyse durchgeführt werden, während die Kulturergebnisse anhängig sind. Die meisten Ärzte erhalten den Urin bei Säuglingen und Kleinkindern durch eine transurethrale Katheterisierung. Die suprapubische Punktion bleibt Jungen mit mäßiger bis schwerer Phimose vorbehalten. Für beide Techniken benötigt man klinische Erfahrung. Verglichen mit der suprapubischen Aspiration ist die Katheterisierung weniger invasiv, etwas sicherer und hat eine Sensitivität von 95% und eine Spezifität von 99%. Proben aus Urinbeuteln sind nicht zuverlässig und sollten für die Diagnose nicht herangezogen werden.

Ergebnisse der Urinkultur werden basieredn auf Koloniezahlen interpretiert. Wenn Urin durch Katheterisierung oder durch suprapubische Aspiration entnommen wird, ist 5 × 104 Kolonien/ml typisch für eine HWI. Bei sauber gewonnenem Mittelstrahlurin gilt eine Bakteriurie als signifikant, wenn ein einzelner pathogener Keim (nicht die Gesamtzahl der gemischten Flora) mit 105 Kolonien/ml vorkommt. Doch gelegentlich können symptomatische Kinder trotz niedriger Keimzahlen in der Urinkultur eine HWI haben. Der Urin sollte mit einer Urinanalyse untersucht und so bald wie möglich eine Kultur angelegt werden oder er sollte bei 4 °C aufbewahrt werden, wenn sich die Untersuchung um mehr als 10 Minuten verzögert. Manchmal kann eine HWI vorliegen, obwohl die Keimzahl kleiner ist als in den oben beschriebenen Richtlinien. Gründe können hierfür eine antibiotische Behandlung, ein verdünnter Urin (spez. Dichte < 1003) oder eine Obstruktion sein. Sterile Kulturen schließen eine HWI im Allgemeinen aus, außer das Kind erhält Antibiotika oder der Urin wurde mit einem Hautdesinfektionsmittel verunreinigt.

Die mikroskopische Untersuchung des Urins ist sehr hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. Die Sensitivität einer Pyurie (> 3 Leukozyten/Gesichtsfeld in einem zentrifugierten Urin) beträgt für eine HWI ungefähr 96% und ist 91% spezifisch. Die Anhebung des Schwellenwerts von Pyurie auf > 10 Leukozyten/High-Power-Bereich in gewirbeltem Urinsediment verringert die Empfindlichkeit auf 81%, ist aber spezifisch (97%). Eine Leukozytenanzahl > 10/μl in einem nicht zentrifugierten Urin hat eine höhere Sensitivität von 90%. Diese Untersuchung wird in vielen Laboratorien aber nicht durchgeführt. Das Vorhandensein von Bakterien bei Urinalysis von gesponnenen oder nicht versponnenem frischem Urin ist etwa 80 bis 90% empfindlich, aber nur 66% spezifisch; Gramfärbung des Urins, um die Anwesenheit von Bakterien zu erkennen, ist etwa 80% sensitiv und 80% spezifisch.

Normalerweise werden Urinteststreifen (Urinstix) zum Nachweis von gram-negativen Bakterien (Nitrittest) oder Leukozyten (Leukozyten-Esterase-Test) benutzt. Sind beide positiv, entspricht dies einer Sensitivität für HWI von 93 bis 97% und die Genauigkeit liegt bei 72 bis 93% . Die Empfindlichkeit ist geringer für jeden einzelnen Test, vor allem für den Nitrit-Test (ca. 50% Sensitivität), da es mehrere Stunden dauern kann bis der bakterielle Stoffwechsel Nitrite produziert, und häufige Miktion bei Kindern kann eine Nitrit-Erkennung ausschließen. Die Spezifität des Nitrattests ist sehr hoch (ungefähr 98%), und man kann mit einem positiven Ergebnis bei einer frisch gewonnenen Probe auf eine HWI schließen. Empfindlichkeit des Leukozytenesterasetests beträgt 83 bis 96% und die Spezifität beträgt 78 bis 90%.

Die Unterscheidung zwischen unteren und oberen Harnwegsinfekten kann schwierig sein. Hohes Fieber, Schmerzen am kostovertebralen Übergang und eine ausgeprägte Pyurie mit Zylindern kann ein Hinweis auf eine Pyelonephritis sein. Ein erhöhter C-reaktiver Proteinspiegel tendiert ebenfalls dazu mit einer Pyelonephritis in Zusammenhang zu stehen. Viele Kinder entwickeln jedoch eine oberen HWI ohne diese Symptome und Befunde. Untersuchungen zur Unterscheidung zwischen einer Infektion der unteren und einer Infektion der oberen Harnwege erübrigen sich, da sich die Behandlung deswegen nicht ändert.

Blutuntersuchung

Blutbild und Entzündungsparameter (z. B. BSG, CRP) können helfen, eine Infektion bei grenzwertigen Urinbefunden zu diagnostizieren. Manche Experten bestimmen den Harnstoff und das Creatinin schon bei der ersten HWI. Blutkulturen sind bei Säuglingen mit HWI und bei Kindern > 1–2 Jahren, die septisch erscheinen, angemessen.

Bildgebende Verfahren zur Darstellung des Harntrakts

Viele relevante renale oder urologische Fehlbildungen werden heute in utero durch den pränatalen Routineultraschall entdeckt, aber ein unauffälliger Befund schließt die Möglichkeit einer anatomischen Anomalie nicht aus. Somit erfolgt typischerweise ein Nieren- und Blasen-Ultraschall bei Kindern < 3 Jahren nach ihrer ersten fiebrigen Harnwegsinfektion. Einige Ärzte führen Bildgebung bei Kindern bis 7 Jahre alt oder älter durch.

Sonografie der Nieren und Blase hilft bei Kindern mit fiebrigen HWIs Obstruktion und Hydronephrose auszuschließen und wird in der Regel innerhalb einer Woche nach der Diagnose von HWI bei Säuglingen durchgeführt. Eine Sonographie erfolgt innerhalb von 48 Stunden, wenn Kinder nicht schnell auf antimikrobielle Mittel reagieren oder, wenn ihre Krankheit ungewöhnlich schwer verläuft. Jenseits der Kindheit kann Sonografie in den wenigen Wochen nach der HWI Diagnose erfolgen.

Miktionszystourethrografie (VCUG) und Radionuklid-Zystographie (RNC) sind besser als Sonografie zur Erkennung von VUR und anatomischen Anomalien und wurden zuvor für die meisten Kinder nach einer ersten Infektion der Harnwege empfohlen. Allerdings beinhalten VCUG und RNC beide den Einsatz von Strahlung und sind unbequemer als Sonografie. Auch erfährt die Rolle, die VUR bei der Entwicklung chronischer Nierenerkrankung spielt, eine Neubewertung, sodass die sofortige Diagnose von VUR weniger dringlich wird. So wird VCUG nicht mehr routinemäßig nach der ersten HWI bei Kindern empfohlen, vor allem, wenn die Sonografie normal ist und wenn Kinder schnell auf eine Antibiotika-Therapie reagieren. Ein MZU ist Kindern vorbehalten mit Folgendem:

  • Sonographische Anomalien (z. B. Narben, signifikante Hydronephrose, Beweise für obstruktive Uropathie oder Verdacht auf VUR)

  • Komplexe HWI (d. h. anhaltend hohes Fieber, andere Organismus als E. coli)

  • Wiederkehrende fiebrige HWI

Wenn ein MZU durchgeführt werden muss, geschieht dies zum frühestmöglichen Zeitpunkt nach einer klinischen Besserung, am besten am Ende der Therapie durchzuführen, wenn die Blase sich wieder kontrahiert hat und der Urin steril ist. Können diese Aufnahmen nicht bis zum Ende der Therapie erstellt werden, sollten Kinder so lange eine Prophylaxe erhalten, bis ein VUR ausgeschlossen wurde.

Radionuklid-Scan wird nun verwendet, um vor allem Hinweise auf Vernarbung der Nieren zu erkennen. Sie wird mittels Technetium-99m-Dimercaptosuccinat- (DMSA-)Radionuklidscanning diagnostiziert., welche das renale Parenchym darstellt. Der DMSA-Scan ist kein Routinetest, aber er kann durchgefführt werden, wenn Kinder Risikofaktoren wie abnormale Ultraschall-Ergebnisse, hohes Fieber und andere Organismen als E. coli haben.

Prognose

Nur selten entwickelt sich bei richtig behandelten Kindern eine Niereninsuffizienz, es sei denn, ihre Harnwege weisen nicht korrigierbare anatomische Fehlbildungen auf. Häufige Infekte jedoch können beim Vorliegen eines VUR Narben an den Nieren verursachen, die dann zur renalen Hypertonie und zum Nierenversagen führen. Bei Kinder mit schwerem Reflux (VUR) kann eine bleibende Narbenbildung 4–6-mal häufiger auftreten als bei Kinder mit schwächerem Reflux und 8–10-mal häufiger als bei Kindern ohne Reflux.

Behandlung

  • Antibiotika

  • Bei schwerem VUR kommt manchmal antibiotische Prophylaxe und ein chirurgischer Eingriff zum Einsatz.

Die Behandlung einer Harnwegsinfektion hat zum Ziel, die akute Infektion zu beseitigen, eine Urosepsis zu verhindern und die parenchymale Nierenfunktion zu erhalten. Eine Antibiotikatherapie wird bei allen toxisch aussehenden oder auch bei nicht toxisch aussehenden Kindern mit dwahrscheinlicher HWI (positiver Leukozyten-Esterase-Test oder Nitrittest oder mikroskopisch gesicherte Pyurie) begonnen. Bei anderen können die Ergebnisse der Urinkultur abgewartet werden, die wichtig sind, um sowohl die Diagnose von HWI zu bestätigen als auch um antimikrobielle Suszeptibilitätsergebnisse zu erbringen.

Bei Kindern zwischen 2 Monaten und 2 Jahren mit einer Sepsis, Dehydratation oder Unfähigkeit, orale Flüssigkeiten zu behalten, verwendet man parenterale Antibiotika, typischerweise Cephalosporine der 3. Generation (z. B. Ceftriaxon 75 mg/kg i.v./i.m. alle 24 h oder Cefotaxim 50 mg/kg i.v. alle 6 oder 8 h). Ein Cephalosporin der 1. Generation (z. B. Cefazolin) kann verwendet werden, wenn der lokale Erreger bekanntermaßen sensibel ist. Aminoglykoside (z. B. Gentamycin), obwohl potentiell nephrotoxisch, können bei komplexen HWI hilfreich sein (z. B. Anomalien der Harnwege, das Vorliegen von Verweilkathetern, rezidivierende Harnwegsinfekte), um potenziell resistente gramnegative Bakterien wie Pseudomonas zu behandel.

Bei negativen Blutkulturen und gutem klinischem Ansprechen kann auf der Basis eines Antibiogramms ein geeignetes orales Antibiotikum ausgewählt werden und über 7 oder 14 Tage konsequent behandelt werden. Die Auswahl basiert auf der antimkrobieller Sensitivität: z. B. Cefixim, Cephalexin, Trimethoprim-Sulfamethoxazol (TMP-SMX) oder Amoxicillin/Clavulansäure oder – alternativ – Fluoroquinolon bei Kindern, die z. B. ein Alter von > 1 Jahr haben mit einer komplexen HWI, die von multiresistenten Erregern wie E. coli,P. aeruginosa,oder anderen gramnegativen Bakterien ausgelöst wurde. Eine ungenügende klinische Reaktion lässt auf einen resistenten Erreger oder eine Obstruktion schließen und verlangt eine dringende Untersuchung mit Ultraschall und wiederholten Urinkulturen.

Bei nichtseptischen, nichtdehydrierten Säuglingen und Kleinkindern, die noch fähig sind, orale Flüssigkeit zu sich zu nehmen, können initial orale Antibiotika gegeben werden. Das Medikament der 1. Wahl ist TMP/SMX 5–6 mg/kg (der TMP-Komponente) 2-mal täglich. Alternativ können ein Cephalosporin wie Cefdinir 7 mg/kg 2-mal täglich, Cefprozil 15 mg/kg 2-mal täglich, Cefixim 8 mg/kg 1-mal täglich und Cephalexin 25 mg/kg 4-mal täglich oder Amoxicillin-/Clavulanic-Säure 15 mg/kg/Dosis 2-mal täglich verwendet werden. Die Therapie wird den Kulturergebnissen und den entsprechenden Antibiogrammen angepasst. Die Behandlung dauert in der Regel 7 bis 214 Tage. Eine Urinkultur wird 2–3 Tagen nach Beginn der Therapie wiederholt, nur falls eine klinische Wirksamkeit nicht offensichtlich ist.

Vesikoureteraler Reflux (VUR)

Man hat lange angenommen, dass durch eine Antibiotikaprophylaxe das erneute Auftreten von Harnwegsinfektionen reduziert und ein Nierenschaden verhindert wird und dass diese nach der ersten oder zweiten fiebrigen HWI bei Kindern mit VUR begonnen werden soll. Allerdings basierte diese Schlussfolgerung nicht auf langfristige, placebo-kontrollierte Studien (wichtig, weil beobachtet wurde, dass VUR häufig mit der Zeit nachlässt, wenn die Kinder älter werden). Eine kürzliche große, kontrollierte Studie "the Randomized Intervention for Children with Vesicoureteral Reflux (RIVUR) (1) zeigte, dass eine Antibiotika-Prophylaxe mit TMP/SMX HWI- Rezidive im Vergleich zu Placebo um 50% reduziert (von etwa 25% auf 13%) , aber zeigte keinen Unterschied bzgl. der Rate der renalen Vernarbungen nach 2 Jahren (8% in jeder Gruppe ). Auch hatten die Kinder in der Studie, die HWI entwickelten während sie prophylaktische Antibiotika einnahmen, eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit mit resistenten Erregern infiziert zu werden. Da jedoch die 2-Jahres-Follow-up-Periode wahrscheinlich zu kurz ist, um eindeutige Schlussfolgerungen bezüglich der Vermeidung von Vernarbung der Nieren zu ziehen, kann eine zusätzliche Studie zeigen, dass eine antibiotische Prophylaxe einen gewissen Schutz der Nieren bietet, aber mit dem Risiko für mehr Antibiotika-resistente Infektionen. Daher bleibt die optimale Strategie noch etwas ungewiss.

Nichtsdestotrotz wird für Kinder, die einen VUR-Grad von IV oder V haben, in der Regel eine offene Reparatur oder eine endoskopische Injektion von polymeren Füllstoffen empfohlen, oft zusammen mit einer antibiotischen Prophylaxe bis die Heilung abgeschlossen ist. Für Kinder mit geringeren Graden von VUR ist weitere Forschung erforderlich. Da Nierenkomplikationen nach nur ein oder zwei Harnwegsinfekten wahrscheinlich unwahrscheinlich sind, kann bei weiterer Forschung eine akzeptable Strategie sein, Kinder engmaschig auf HWIs zu überwachen, diese zu behandeln sobald sie auftreten, und dann eine antimikrobielle Prophylaxe bei diesen Kindern mit rezidivierenden Infektionen zu überdenken.

Zu den Medikamenten, die im Allgemeinen für die Prophylaxe (falls eine Prophylaxe erwünscht ist) verwendet werden, gehören Nitrofurantoin 2 mg/kg p.o. 1-mal täglich oder TMP/MX 3 mg/kg p.o. (TMP-Komponente) 1-mal täglich (2) werden normalerweise zur Schlafenszeit verabreicht.

Behandlungshinweise

Wichtige Punkte

  • HWI bei Kindern sind häufig mit Harnwegsanomalien wie Obstruktion, neurogene Blase und Doppelnieren verbunden.

  • Das Alter mit der größten Häufigkeit von HWI ist bimodal, ein Höhepunkt im Säuglingsalter und der andere Höhepunkt gewöhnlich im Alter des Trockenwerdens bei vielen Kindern.

  • E. coli verursacht in allen pädiatrischen Altersgruppen die meisten HWIs; die übrigen Ursachen sind in der Regel gramnegative Enterobakterien (z. B. Klebsiella,P. mirabilis,P. aeruginosa); häufig beteiligte grampositive Organismen sind Streptokokken der Gruppe D und Koagulase-negative Staphylokokken (z. B. S. saprophyticus).

  • Neugeborene und Kinder < 2 Jahren mit unspezifischen Symptomen und Beschwerden (z. B. schlechte Ernährung, Durchfall, Gedeihstörungen, Erbrechen) können eine Harnwegsinfektion haben; Kinder > 2 Jahren zeigen gewöhnlich Symptomen und Beschwerden einer Blasenentzündung oder Pyelonephritis.

  • Eine Antibiotikatherapie wird bei allen toxisch aussehenden oder auch bei nicht toxisch aussehenden Kindern mit einem positiven Leukozyten-Esterase-Test oder Nitrittest oder mikroskopisch gesicherte Pyurie ) begonnen.

  • Für Kinder mit hochgradigem vesicoureteralem Reflux (VUR) wird eine antibiotische Prophylaxe verabreicht bis eine chirurgische Korrektur durchgeführt wird; bei geringeren Graden von VUR ist der Nutzen der prophylaktischen Antibiotika unklar und eine engmaschige Überwachung bei rezidivierenden HWI kann eine akzeptable Behandlungsstrategie für einzelne Kinder sein.

Weitere Informationen

  • 2011 practice guidelines for the diagnosis and management of the initial UTI in febrile infants and children 2 to 24 months from the American Academy of Pediatrics

  • Reaffirmed 2016 practice guidelines for the diagnosis and management of the initial UTI in febrile infants and children 2 to 24 months from the American Academy of Pediatrics

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

Auch von Interesse

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN