Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

honeypot link

Lassa-Fieber

Von

Thomas M. Yuill

, PhD, University of Wisconsin-Madison

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
Zur Patientenaufklärung hier klicken.

Lassa-Fieber ist eine oft tödlich verlaufende Infektion mit Arenaviren, die hauptsächlich in Westafrika vorkommt. Sie kann unter Beteiligung verschiedener Organsysteme ablaufen. Die Diagnosestellung erfolgt mittels serologischer Untersuchungen und Polymerase-Kettenreaktion. Die Therapie erfolgt u. a. mit Ribavirin i.v.

Lassa-Fieberausbrüche kamen in Nigeria, Liberia, Guinea und Sierra Leone vor. Es wurden auch Fälle nach Deutschland, in die USA und nach Großbritannien importiert.

Das Reservoir ist Mastomys natalensis, eine Ratte, die in Afrika häufig in Häusern vorkommt. Die meisten menschlichen Fälle resultieren aus der Kontamination von Lebensmitteln mit Nagetierurin, Speichel oder Kot, aber die Übertragung von Mensch zu Mensch kann durch die Einwirkung von Urin, Kot, Speichel, Erbrochenem oder Blut von infizierten Menschen erfolgen. Eine nosokomiale Übertragung von Mensch zu Mensch ist üblich, wenn keine persönliche Schutzausrüstung verfügbar ist oder nicht verwendet wird.

Auf der Grundlage serologischer Daten haben einheimische Personen in endemischen Gebieten eine sehr hohe Infektionsrate (viel höher als ihre Hospitalisierungsrate für Lassa-Fieber), was darauf hindeutet, dass viele Infektionen leicht und selbstlimitierend sind. Einige Beobachtungsstudien von Missionaren, die in endemische Gebiete geschickt wurden, zeigen jedoch, dass sie eine viel höhere Rate schwerer Erkrankungen und Mortalität haben. Die Centers for Disease Control and Prevention schätzen, dass etwa 80% der infizierten Personen eine leichte Krankheit haben und etwa 20% eine schwere Multisystemerkrankung.

Symptome und Beschwerden

Die Inkubationszeit von Lassa-Fieber beträgt 5–16 Tage.

Die Symptome des Lassa-Fiebers beginnen mit graduell ansteigendem Fieber, Schwäche- und Krankheitsgefühl und gastrointestinalen Beschwerden (z. B. Übelkeit, Erbrechen, Dysphagie, Magenschmerzen); Symptome und Beschwerden einer Hepatitis können auch vorkommen. Im Verlauf der nächsten 4–5 Tage schreiten die Beschwerden fort, und es kommt zu Halsschmerzen, Husten, Thoraxschmerzen und Erbrechen. Die Halsschmerzen werden während der ersten Woche schlimmer; es können sich weiße oder gelbliche Exsudate auf den Tonsillen bilden, die sich oft zu Pseudomembranen vereinigen.

Bei 60–80% der Patienten kommt es zu systolischen Blutdrücken von <90 mmHg mit Venendrücken von < 20 mmHg, eine relative Bradykardie ist möglich. Bei 10–30% der Patienten kommt es zu einer Gesichts - und Halsschwellung und konjunktivalen Ödemen.

Gelegentlich kommt es bei den Patienten zu Tinnitus, Epistaxis, Zahnfleischbluten, Blutungen aus Venenpunktionsstellen, makulopapulösem Exanthem, Husten und Schwindel.

Eine Innenohrschwerhörigkeit entwickelt sich in 20% und ist oft dauerhaft.

Bei überlebenden Patienten kommt es innerhalb von 4 bis 7 Tagen zur Entfieberung. Ein Fortschreiten zu einer schweren Krankheit resultiert in Schock, Delirium, Rasselgeräuschen, Pleuraerguss sowie gelegentlich generalisierten Krampfanfällen. Gelegentlich kommt eine Perikarditis vor. Höhe des Fiebers und die Transaminasen korrelieren mit dem Schweregrad der Krankheit.

Spätfolgen sind z. B. Alopezie, Iridozyklitis und vorübergehende Erblindung.

Diagnose

  • Polymerase-Kettenreaktion oder serologische Tests

Der Verdacht auf Lassa-Fieber besteht bei möglicherweise exponierten Patienten, wenn diese ein virologisches Prodromalstadium durchlaufen, das von sonst nicht erklärbaren Krankheiten verschiedener Organsysteme gefolgt wird.

Leberparameter, Urinwerte, serologische Tests und möglichst ein Blutbild sollten dann veranlasst werden. Häufig kommt es zu einer Proteinurie, die sehr ausgeprägt sein kann. Die AST- und ALT-Spiegel steigen an (ca. das 10-Fache der Norm), ebenso der LDH-Spiegel.

Die schnellste Diagnosesicherung erfolgt mittels Polymerase-Kettenreaktion, aber der Nachweis von Lassa-IgM-Antikörpern oder eines 4-fachen Anstiegs des IgG-Antikörpertiters mittels indirekter Fluoreszenz-Antikörpertests ist auch diagnostisch beweisend.

Obwohl das Virus in Zellkulturen anzüchtbar ist, wird eine Zellkultur nicht routinemäßig durchgeführt. Aufgrund des Infektionsrisikos, insbesondere bei Patienten mit hämorrhagischem Fieber, dürfen die Zellkulturen nur in einem Labor der biologischen Sicherheitsstufe 4 (BSL 4) bearbeitet werden.

Bei Verdacht auf eine Lungenbeteiligung sollte ein Röntgenthoraxbild angefertigt werden, welches eine basale Pneumonitis und Pleuraergüsse aufweisen kann.

Prognose

Etwa 7–31 Tage (im Schnitt 12–15 Tage) nach Beginn der Beschwerden kommt es in der Regel entweder zur Erholung oder zum Tod. Bei Patienten mit schwerer, systemübergreifender Erkrankung liegt die Todesrate bei 16 bis 45 %.

Während einer Schwangerschaft verläuft die Krankheit schwer, besonders während des dritten Trimesters. Die Sterblichkeitsrate liegt bei 50 bis 92% bei Frauen, die schwanger sind oder innerhalb von 1 mo geboren wurden. Die meisten schwangeren Frauen verlieren den Fetus.

Therapie

  • Ribavirin

Wenn mit Ribavirin innerhalb der ersten 6 Tage begonnen wird, kann es die Mortalität bis auf das 10-Fache verringern. Die Behandlung mit Ribavirin 30 mg/kg i.v. (maximal 2 g) Anfangsdosis, gefolgt von 16 mg/kg i.v. (maximal 1 g/Dosis) alle 6 h für 4 Tage, dann 8 mg/kg i.v. (maximal 500 mg/Dosis) alle 8 h für 6 Tage.

Anti-Lassa-Fieber-Plasma wurde bei sehr kranken Patienten versucht, hat sich aber nicht als wirksam gezeigt und wird derzeit nicht empfohlen.

Eine supportive Therapie inkl. Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytstörungen ist zwingend erforderlich.

Bei infizierten schwangeren Frauen verringert die Abtreibung das Risiko für den Tod von Müttern.

Vorbeugung

Universelle Vorsichtsmaßnahmen, einschließlich der Verwendung persönlicher Schutzausrüstung und anderer Maßnahmen zur Isolierung der Luft (z. B. Verwendung einer Brille, hocheffizienter Masken, eines Unterdruckraums, gefilterter Überdruck-Atemschutzmasken) und Überwachung der Kontakte werden empfohlen.

Es steht kein Impfstoff zur Verfügung.

Wichtige Punkte

  • Das Lassa-Fieber wird in der Regel über mit den Exkrementen der Nagetiere kontaminierte Lebensmitteln übertragen, eine Übertragung von Mensch zu Mensch durch infizierten Urin, Stuhl, Speichel, Erbrochenes oder Blut ist jedoch auch möglich.

  • Die Symptome können von Fieber, Schwäche, Unwohlsein und gastrointestinalen Symptomen zu Erschöpfung mit Halsschmerzen, Husten, Brustschmerzen und Erbrechen voranschreiten; manchmal zu Schock, Delirium, Rasseln und Pleuraerguss; und gelegentlich zu schweren Erkrankungen und Schock.

  • Verwenden Sie für die meisten schnelle Diagnosen Polymerase-Kettenreaktion, aber auch Antikörpertests können verwendet werden.

  • Lassa-Fieber ist während der Schwangerschaft schwerwiegend; die meisten infizierten schwangeren Frauen verlieren den Fötus.

  • Wenn mit Ribavirin innerhalb der ersten 6 Tage begonnen wird, kann es die Sterblichkeit um bis das 10-fache verringern. Eine supportive Therapie inkl. Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytstörungen ist zwingend erforderlich.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

NACH OBEN