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Gelbfieber

Von

Thomas M. Yuill

, PhD, University of Wisconsin-Madison

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Das Gelbfiebervirus, ein Flavivirus, wird durch Stechmücken übertragen und kommt endemisch im tropischen Südamerika und in Afrika südlich der Sahara vor. Die Beschwerden können u. a. aus plötzlichem Fieberbeginn, relativer Bradykardie, Kopfschmerzen und, bei schweren Verläufen, Ikterus, Hämorrhagien und multiplem Organversagen bestehen. Die Diagnosestellung erfolgt mittels Viruszellkultur, reverser Transkription und serologischer Tests. Die Therapie ist supportiv. Zur Prävention stehen eine Impfung sowie die Kontrolle von Stechmücken zur Verfügung.

Bei urbanem Gelbfieber wird das Virus durch den Stich einer Aedes aegypti-Stechmücke übertragen, die sich ca. 2 Wochen vorher durch eine Blutmahlzeit an einer Person mit Virämie infiziert hat. Bei Dschungel- (sylvatischem) Gelbfieber wird das Virus durch Haemagogus - und Sabethes- Waldstechmücken übertragen, die das Virus von wildlebenden Primaten erwerben. Die Inzidenz ist in Südamerika während der Monate der maximalen Regenzeit, Feuchtigkeit und Temperatur am höchsten, in Afrika während der späten Regenzeit und frühen Trockenzeit.

Symptome und Beschwerden

Die Infektion reicht von asymptomatisch (in 5 bis 50% der Fälle) bis hin zu einem hämorrhagischen Fieber mit einer Todesrate von bis zu 50%. Die Inkubationszeit beträgt 3–6 Tage. Der Beginn ist plötzlich, mit Fieber von 39–40° C, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Schwindel und Myalgien. Die Pulsfrequenz ist initial meist erhöht, aber verlangsamt sich dann ab dem 2. Tag je nach Ausmaß des Fiebers (Faget-Zeichen). Das Gesicht ist gerötet und die Bindehäute der Augen sind injiziert. Häufig kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, schwerer Entkräftung, Ruhelosigkeit und Reizbarkeit.

Bei einem leichten Krankheitsverlauf kann es nach 1–3 Tagen zur Genesung kommen. Bei mittelschweren oder schweren Fällen fällt das Fieber jedoch 2–5 Tage nach Beginn plötzlich ab und es kommt über mehrere Stunden oder Tage zur Remission. Das Fieber rekurriert dann, die Pulsfrequenz bleibt jedoch niedrig. Nach ca. 5 Krankheitstagen kommt es oft zu begleitendem Ikterus ("Gelbfieber"), extremer Albuminurie und Bauchdeckenspannung mit Hämatemesis. Es kann zu Oligurie, Petechien, Schleimhauthämorrhagien, Verwirrung und Apathie kommen.

Die Krankheit kann über > 1 Woche anhalten mit rascher Erholung und ohne Folgeerscheinungen. Bei der schwersten Form (genannt malignes Gelbfieber) kommt es terminal zu Delirium, unbehandelbarem Schluckauf, Krampfanfällen, Koma und multiplem Organversagen.

In der Genesungsphase können bakterielle Superinfektionen, insbesondere Pneumonien, auftreten.

Diagnose

  • Virale Kultur, Reverse Transkription-Polymerase-Kettenreaktion (RT) oder serologische Untersuchung

Der Verdacht auf Gelbfieber besteht bei Patienten in Endemiegebieten, wenn diese plötzlich Fieber mit relativer Bradykardie und Ikterus entwickeln; leichte Fälle entgehen oft der Diagnosestellung.

Es sollte ein Blutbild gemacht, Leberparameter und Gerinnungswerte bestimmt sowie Viruszellkultur und serologische Untersuchungen durchgeführt werden. Häufig kommt es zu einer Leukopenie mit einer relativen Neutropenie, ebenso zu einer Thrombozytopenie, verlängerter Gerinnungszeit und erhöhter Prothrombinzeit (PT). Die Bilirubin- und Aminotransferasespiegel können akut sowie über mehrere Wochen erhöht sein. Eine Albuminurie, die bei 90% der Patienten vorkommt, kann bis zu 20 g/l erreichen; sie ist zur Differenzierung des Gelbfiebers von einer Hepatitis hilfreich. Bei malignem Gelbfieber, kann es präfinal zu einer Hypoglykämie und Hyperkaliämie kommen.

Die klinische Verdachtsdiagnose von Gelbfieber wird durch Viruszellkultur, Serologie, RT-Polymerase-Kettenreaktion oder durch den autoptischen Nachweis einer charakteristischen zentralen hepatozytären Nekrose bestätigt.

Aufgrund des Risikos von Hämorrhagien sind Feinnadelpunktionen der Leber während der Krankheit kontraindiziert.

Therapie

  • Unterstützende Behandlung

Es versterben bis zu 10% der Patienten, bei denen Gelbfieber schwer genug verläuft, dass eine Diagnosestellung erfolgt.

Die Therapie von Gelbfieber erfolgt hauptsächlich supportiv. Blutungen können mit Vitamin K behandelt werden Ein H2-Blocker oder ein Protonenpumpenhemmer und Sucralfat können als Prophylaxe für GI-Blutungen hilfreich sein und bei allen Patienten verwendet werden, die so krank sind, dass ein stationärer Aufenthalt notwendig ist.

Verdachtsfälle und bestätigte Fälle erfordern Quarantänemaßnahmen.

Vorbeugung

Präventive Maßnahmen sind

  • Vermeidung von Mückenstichen

  • Impfungen

Der wirksamste Weg, um Gelbfieberausbrüche zu verhindern, ist

  • Bei ≥ 80% iger Impfabdeckung der Bevölkerung in Gebieten mit Gelbfieberrisiko

Es ist auch hilfreich, die Anzahl der Moskitos zu reduzieren und Mückenstiche zu begrenzen, indem man Diethyltoluamid (DEET), Moskitonetze und Schutzkleidung verwendet. Bei Dschungelausbrüchen sollten die Menschen das Gebiet evakuieren, bis sie geimpft sind. Eine rasche Massengelbfieberimpfung der Bevölkerung wird verwendet, um einen laufenden Gelbfieber-Ausbruch durch Immunisierung zu kontrollieren. Eine einzige Dosis des Impfstoffs kann eine lebenslange Immunität gegen Gelbfieber bieten.

Für Menschen, die in endemische Gebiete reisen, ist eine aktive Immunisierung mit dem 17D-Stamm des lebensmildernden Gelbfieberimpfstoffs (0,5 mL subkutan all 10 Jahre) ≥ 10 Tage vor der Reise indiziert; der Impfstoff ist zu 95% wirksam. Obwohl eine einzelne Dosis von Gelbfieber-Impfstoff lang anhaltenden Schutz bietet und die Weltgesundheitsorganisation und der beratende Ausschusses der CDC für Immunisierungspraktiken nicht mehr eine Auffrischimpfung für die meisten Reisenden alle 10 Jahre empfehlen, ist nicht an allen Einreisestellen bekannt, dass diese Anforderung aufgehoben wurden; somit ist es wahrscheinlich sicherer, den Booster und en Booster und das dazugehörige offizielle Zertifikat zu bekommen und nicht zu riskieren, nicht einreisen zu dürfen. In Deutschland darf die Impfung nur durch autorisierte Gelbfieber-Impfstellen verabreicht werden (CDC: CDC: Yellow Fever Vaccination Centers).

In folgenden Fällen ist der Gelbfieber-Impfstoff kontraindiziert:

  • Schwangere

  • Kleinkinder < 6 mo

  • Menschen mit beeinträchtigter Immunität

Wenn Kinder im Alter von 6–8 Monaten Reisen in ein endemisches Gebiet nicht vermeiden können, sollten Eltern die Impfung mit ihrem Arzt besprechen, da der Impfstoff in der Regel erst ab einem Alter von 9 Monaten angeboten wird.

Zur Verhinderung weiterer stechmückenbedingter Übertragungen sollten infizierte Patienten in Räumen isoliert werden, die über dicht schließende Fenstergitter verfügen und mit Insektiziden behandelt wurden.

Wichtige Punkte

  • Gelbfieber ist eine durch Moskitos übertragene Viruserkrankung, die in Südamerika und Afrika endemisch ist.

  • Leichte Fälle werden oft nicht erkannt. andere verursachen Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien und Prostration.

  • Schwere Fälle führen zu Gelbsucht, Delirium und manchmal tödlichem hämorrhagischem Fieber mit Anfällen, Koma, multiplem Organversagen und Tod (bis zu 50%).

  • Quarantänepatienten mit Verdacht auf oder bestätigtes Gelbfieber.

  • Unterstützend behandeln (einschließlich der Verwendung von Vitamin K zur Behandlung von Blutungen und eines H2-Blockers oder eines Protonenpumpenhemmers und von Sucralfat zur Verhinderung von Blutungen).

  • Ein wirksamer Impfstoff ist verfügbar. Eine einzelne Dosis bietet ausreichenden lebenslangen Schutz.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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