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Speichelsteine

(Sialolithiasis)

Von

Clarence T. Sasaki

, MD, Yale University School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Apr 2018
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Die Ausführungsgänge von Speicheldrüsen sind häufiger mit Speichelsteinen aus Kalziumsalzen verstopft; das kann zu einer schmerzhaften Schwellung und manchmal auch zur Infektion führen. Die Diagnose wird klinisch oder durch CT, Sonografie oder Sialografie gestellt. Die Behandlung besteht im Entfernen der Steine (durch Speichelstimulanzien, Manipulation, Sondierung oder einen chirurgischen Eingriff).

Alle großen Speicheldrüsen sind paarig angelegt: Glandula parotidea (Parotis, Ohrspeicheldrüse), Gl. submandibularis (Unterkieferdrüse) und Gl. sublingualis (Unterzungendrüse). Speichelsteine kommen meist bei Erwachsenen vor. 80% der Steine bilden sich in den Unterkieferdrüsen und verlegen den Wharton-Gang. Die restlichen Steine entstehen mehrheitlich in den Ohrspeicheldrüsen und blockieren den Stenon-Gang. In den Unterzungendrüsen befindet sich nur rund 1% der Speichelsteine. Bei etwa 25% der Patienten handelt es sich um multiple Steine.

Ätiologie

Die meisten Speichelsteine bestehen aus Kalziumphosphat mit kleineren Mengen Magnesium und Carbonat. Gichtpatienten haben manchmal Harnsäuresteine. Voraussetzung für die Konkrementbildung ist ein Kristallisationskern (Nidus), um den herum sich die Salze während eines Speichelstaus ausfällen. Eine Stase tritt bei Patienten auf, die sehr geschwächt oder ausgetrocknet sind, zu wenig Nahrung zu sich nehmen oder Anticholinergika einnehmen müssen. Anhaltende oder rezidivierende Steinbildung prädisponiert zu einer Speicheldrüseninfektion (Sialadenitis).

Symptome und Beschwerden

Eine Gangobstruktion durch Speichelsteine kann besonders nach dem Essen dazu führen, dass die Drüse schmerzhaft anschwillt, weil der Speichelfluss angeregt wurde. Ein paar Stunden später lassen die Beschwerden wieder nach. Die Symptomlinderung kann sich plötzlich mit einem Schwall von Speichel einstellen. Manche Speichelsteine verursachen nur intermittierend oder nie Symptome.

Weiter distal festsitzende Steine können im Drüsenausführungsgang sicht- oder tastbar sein.

Diagnose

  • Klinische Abklärung

  • Gelegentlich Bildgebung (z. B. CT, Sonografie, Sialografie)

Sprechen die Untersuchungsbefunde nicht eindeutig für ein Konkrement, kann man dem Patienten ein Sialagogum verabreichen (z. B. Zitronensaft, Lutschbonbon oder Ähnliches), um den Speichelfluss anzuregen. Die Reproduzierbarkeit der Symptome ist fast immer beweisend für einen Speichelstein.

Falls die klinische Diagnose unsicher ist, werden hochsensitive Verfahren wie CT, Sonografie und (inzwischen seltener) Sialografie eingesetzt. (Anm. d. Übers.: Heute gibt es spezielle Speichelgangsendoskope, mit denen man zwischen Stein, Stenose und Tumor unterscheiden kann. Neben der Diagnostik können so mittels Fangkörbchen auch Konkremente entfernt werden.) Diese Technik wird gelegentlich therapeutisch eingesetzt. Da 90% der Glandula-submandibularis-Steine röntgendicht und 90% der Parotis-Steine strahlendurchlässig sind, sind Nativröntgenaufnahmen nicht immer genau genug. Sonographie wird vermehrt eingesetzt und weist Sensitivität für alle (radiopaque und radiolucent) Steine von 60 bis 95% auf und Spezifitäten zwischen 85 und 100%. Die Rolle der MRT entwickelt sich weiter; die berichteten Sensitivitäten und Spezifitäten liegen bei > 90% und die MRT scheint bei der Erkennung kleiner Steine und distaler Kanalsteine empfindlicher zu sein als die Ultraschall- oder Kontrastsialographie.

Therapie

  • Lokale Maßnahmen (z. B. Sialagoga, Massage)

  • Gelegentlic manuelles Ausdrücken oder chirurgische Entfernung

Analgetika, Flüssigkeitszufuhr (ausreichende Hydrierung) und Massage bewirken eine Linderung der Beschwerden.

Durch rechtzeitige Gabe staphylokokkenwirksamer Antibiotika lässt sich eine akute Sialadenitis oft noch verhindern.

Speichelsteine können spontan oder nach Anregung des Speichelflusses durch Sialagoga abgehen; man sollte die Patienten daher ermuntern, alle 2–3 h an einem Zitronenschnitz oder saure Bonbons zu lutschen. Manchmal kann ein Stein, der sich direkt in der Mündung des Ausführungsgangs befindet, manuell mit den Fingerspitzen ausgedrückt werden. Nach Aufweitung des Gangs mit einer dünnen Sonde lässt sich ein Stein leichter herausholen.

Erst wenn alle anderen Versuche fehlgeschlagen sind, werden Speichelsteine chirurgisch entfernt. Steine im Ausführungsgang können transoral entfernt werden, während bei intraglandulären Speichelsteinen oft eine vollständige Drüsenexzision erforderlich ist. Steine bis zu einer Größe von 5 mm werden endoskopisch entfernt (1).

Behandlungshinweise

Wichtige Punkte

  • Über 80% der Speichelsteine kommen in den Gl. submandibularis vor.

  • Die klinische Diagnose ist in der Regel ausreichend, gelegentlich werden aber CT, Sonografie oder Sialografie benötigt.

  • Viele Steine gehen spontan ab oder durch die Anwendung von Sialagoga und durch manuelles Ausdrücken, einige erfordern jedoch eine endoskopische oder chirurgische Entfernung.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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