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Seröse Otitis media

(Exsudative Otitis media)

Von

Richard T. Miyamoto

, MD, MS, Indiana University School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Sep 2017
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Quellen zum Thema

Bei seröser (exsudativer) Otitis media hat sich nach einer unvollständig ausgeheilten akuten Mittelohrentzündung oder aufgrund einer nichtinfektiösen Obstruktion der Tuba Eustachii ein Erguss im Mittelohr gebildet. Neben Schwerhörigkeit treten Völle- oder Druckgefühl im Ohr als Symptome auf. Die Diagnose stützt sich auf das Aussehen des Trommelfells und gelegentlich auf die Tympanometrie. Die meisten Fälle heilen in 2–3 Wochen ab. Sollte sich nach 1–3 Monaten keine Besserung zeigen, ist eine Myringotomie indiziert, in der Regel mit Einlage eines Paukenröhrchens. Antibiotika und abschwellende Mittel sind nicht wirksam.

Weil sich die Tuba Eustachii während des Schluckens öffnet, wird das Mittelohr normalerweise 3- bis 4-mal/min belüftet, sodass die Blutgefäße in der Schleimhaut Sauerstoff (O2) aufnehmen können. Wenn die Tube nicht ungehindert durchgängig ist, entsteht jedoch ein relativer Unterdruck im Mittelohr, und es kann sich Flüssigkeit ansammeln. Dieses Exsudat kann zum Hörverlust führen.

Nach einer akuten Otitis media kommt es bei Kindern oft zu einer wochen- oder monatelang anhaltenden serösen Otitis media (die meist bei einer Routinenachuntersuchung der Ohren entdeckt wird). In anderen Fällen kann die Tubenlichtung infolge einer entzündlichen Schwellung im Nasen-Rachen-Raum, bei Allergien, durch Adenoidwucherungen oder sonstige obstruktive Gebilde aus Lymphzellen am Tubenwulst und in der Rosenmüller-Grube sowie durch gut- oder bösartige Tumoren verlegt sein. Der Erguss kann steril sein oder (häufiger) pathogene Bakterien enthalten, gelegentlich als Biofilm, ohne offensichtlich entzündlich zu erscheinen.

Symptome und Beschwerden

Die Patienten äußern keinerlei Beschwerden und nur wenige (bzw. ihre Familienmitglieder) haben bemerkt, dass sie schlechter hören. Andere geben ein Völle- oder Druckgefühl im Ohr an oder hören es beim Schlucken knacken. Ohrenschmerzen sind selten.

Verschiedene mögliche Veränderungen des Trommelfells (TM) umfassen einen gelbe oder graue Farbe, Verschiebung des Lichtreflexes, leichte bis schwere Retraktion und akzentuierte Orientierungspunkte. Auf Luftinsufflation reagiert das Trommelfell unbeweglich. Hinter dem Trommelfell kann auch ein Luft-Flüssigkeits-Spiegel oder eine Ansammlung von Luftblasen zu sehen sein.

Diagnose

  • Untersuchung mit pneumatischer Otoskopie

  • Tympanometrie

  • Nasen-Rachen-Untersuchungung

Die Diagnose der sekretorischen Otitis media ist klinisch und wendet die pneumatische Otoskopie an. Ein Mittelohr- bzw. Paukenerguss lässt sich durch eine Tympanometrie bestätigen (d.h. durch Aufzeigen eines Mobilitätsverlustets des Trommelfells. Zum Ausschluss eines malignen oder benignen Tumors muss bei Erwachsenen und Jugendlichen auch der Nasopharynx untersucht werden.

Therapie

  • Beobachtung

  • Bei ausbleibender Heilung Myringotomie mit Einlage eines Paukenröhrchens

  • Bei Rezidiven in der Kindheit gelegentlich Adenoidektomie

Bei den meisten Patienten wird nichts weiter getan, als aufmerksam abzuwarten. Antibiotika und abschwellende Mittel sind nicht hilfreich. Wenn eindeutig eine allergische Komponente eine Rolle spielt, können Antihistaminika und lokal anzuwendende Kortikosteroide sinnvoll sein.

Sollte sich nach 1–3 Monaten keine Besserung zeigen, wird zur Aspiration der Flüssigkeit und zur Einlage eines Paukenröhrchens eine Myringotomie durchgeführt, um das Mittelohr zu belüften und um den Zustand – unabhängig von der Ursache der Tubenobstruktion – zumindest zeitweilig zu verbessern. Pauken- bzw. Tympanostomieröhrchen werden auch bei anhaltender Schallleitungsschwerhörigkeit oder zur Prävention von Rezidiven einer akuten Otitis media eingesetzt.

Hin und wieder wird das Mittelohr mit Valsalva-Versuch oder Politzer-Luftdusche belüftet. Beim Valsalva-Versuch hält der Patient seinen Mund geschlossen und versucht mit aller Kraft, durch die zugekniffenen Nasenlöcher auszuatmen (d. h. Druck auf das Ohr auszuüben). Bei der Politzer-Luftdusche bläst der Arzt mit einer Spezialspritze (Mittelohrinflator) Luft in ein Nasenloch des Patienten und hält das andere zu, während der Patient schluckt. Dadurch muss die Luft durch die Tuba Eustachii zum Mittelohr strömen. Beide Verfahren dürfen weder bei Erkältung noch bei Schnupfen angewandt werden.

Bei einer anhaltenden oder rezidivierenden serösen Otitis media muss erst die zugrunde liegende nasopharyngeale Störung behoben werden. Bei Kindern, vor allem jugendliche Jungen, sollte ein Nasen-Rachen-Angiofibrom ausgeschlossen werden, und bei Erwachsenen muss ein Nasopharynxkarzinom ausgeschlossen werden. Für Kinder kann eine Adenoidektomie von Vorteil sein, bei der neben den Rachenmandeln noch die Lymphzellaggregate vom Tubenwulst (Torus tubarius) und aus der Rosenmüller-Grube entfernt werden. Bakterielle Infektionen (Rhinitis, Sinusitis und Nasopharyngitis) sollten antibiotisch behandelt werden. Nachweisliche Allergene in der Umgebung der Patienten sollten beseitigt und eine Immuntherapie in Erwägung gezogen werden.

Da Umweltdruckveränderungen zu schmerzhaften Barotraumata führen können, sollten Sporttauchen und Flugreisen vermieden oder verzögert werden, wenn dies möglich ist. Wenn Flugreisen nicht vermieden werden können, kann das Kauen von Nahrung oder Trinken (z. B. aus einer Flasche) bei kleinen Kindern helfen. Ein Valsalva-Manöver oder Politzerisierung kann älteren Kindern und Erwachsenen helfen.

Wichtige Punkte

  • Bei der serösen Otitis media handelt es sich um einen nichtentzündliche Mittelohrerguss, in der Regel nach einer akuten Otitis media.

  • Die Diagnose wird klinisch gestellt. Bei Erwachsenen und Jugendlichen muss der Nasopharynx untersucht werden, um einen malignen oder benignen Tumor auszuschließen.

  • Antibiotika und abschwellende Mittel sind nicht hilfreich.

  • Bei ausbleibender Heilung kann nach 1–3 Monaten eine Myringotomie mit Einlage eines Paukenröhrchens erforderlich sein.

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