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Verletzung durch Blitzschlag

Von

Daniel P. Runde

, MD, MME, University of Iowa Hospitals and Clinics

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2018| Inhalt zuletzt geändert Apr 2018
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Eine Verletzung durch Blitzschlag tritt nach einem kurzen Kontakt mit der sehr starken Spannung des Schlags ein.

  • Etwa 10 Prozent der Menschen, die einen Blitzschlag erlitten haben, sterben, weil das Herz nicht mehr schlägt oder der Atem stockt.

  • Bei manchen Menschen, die einen schweren Blitzschlag überleben, wird ein Elektrokardiogramm erstellt, um den Herzschlag zu überwachen und es sind Bluttests oder bildgebende Untersuchungen notwendig.

  • Sobald der Betroffene wiederbelebt ist, werden die Verbrennungen und anderen Verletzungen behandelt.

Ein Blitz setzt im Blitzteil einer Millisekunde eine massive elektrische Spannung frei. Durch den Körper fließender elektrischer Strom erzeugt Hitze, die Gewebe verbrennt und zerstört. Die Verbrennungen können die Haut und manchmal sogar tiefersitzendes Gewebe betreffen. Aufgrund der kurzen Einwirkdauer bleiben Verbrennungen meist auf die äußere Hautschicht begrenzt. Bei einem Blitzschlag kommt es zudem viel seltener als bei anderen Stromschlägen zu inneren Verbrennungen. Er kann aber durch Kurzschließen des Herzens unmittelbar zum Tod führen. Ein Blitz kann auch das Nervensystem schädigen, einschließlich das Gehirn und zu Anfällen, Bewusstlosigkeit oder anderen Auffälligkeiten führen.

Blitzschläge sind in den Vereinigten Staaten die zweithäufigste Ursache für Todesfälle in Verbindung mit Unwettern. Sie verursachen jedes Jahr etwa 30 Todesfälle und mehrere hundert Verletzungen, von denen manche zu einer bleibenden Behinderung führen.

Der Blitz schlägt vorwiegend in einzelne, hohe Objekte, wie Bäume, Aussichtstürme, Masten, nicht überdachte Tribünen und Zäune, ein. Auf offenem Feld kann auch ein stehender Mensch das höchste Angriffsziel sein. Metallgegenstände und Wasser ziehen den Blitz nicht an, leiten aber den Strom leicht weiter, sobald er dort einschlägt. Blitzentladungen können über Freiland- und Telefonleitungen in elektrische Geräte und auf das Telefonnetz im Haus übergreifen.

Ein Blitzschlag kann auf verschiedene Weise Verletzungen verursachen:

  • Zum einen kann er jemanden direkt treffen.

  • Die Elektrizität eines Blitzes kann auf einen Menschen übergehen, der ein Objekt, das getroffen wurde, berührt oder sich in dessen Nähe aufhält.

  • Der Strom kann eine Person auch über den Boden erreichen.

  • Die Wucht des Stromschlags kann das Opfer zu Boden schleudern und stumpfe Verletzungen verursachen.

Symptome

Durch den Blitzschlag kann das Herz des Opfers zu schlagen aufhören (Herzstillstand) oder es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen. Bei Herzrhythmusstörungen setzt häufig die Atmung aus. Zwar kann der Herzschlag von allein wieder einsetzen, wenn aber die Atmung weiterhin ausbleibt, erleidet der Körper einen Sauerstoffmangel. Dadurch und auch durch eine Schädigung des Nervensystems kann der Herzschlag erneut aussetzen.

Eine Gehirnverletzung verursacht meist Bewusstlosigkeit. Wenn die Gehirnverletzung schwer ist, kann es zum Koma kommen. In der Regel wacht der Betroffene auf, erinnert sich aber nicht daran, was vor dem Blitzschlag geschah (Amnesie). Der Betroffene ist eventuell verwirrt, denkt langsam und hat Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und sich an die gerade eingetretenen Vorfälle zu erinnern. Es können Persönlichkeitsveränderungen auftreten und dauerhaft bestehen bleiben.

Oft ist das Trommelfell perforiert. Viele Augenverletzungen können sich entwickeln, auch der graue Star. Häufig sind beide Beine zeitweise gelähmt, blau und taub (Keraunoparalyse). Die Haut zeigt möglicherweise keinerlei Male oder nur kleinere, die ein federförmiges, verzweigtes Muster aufweisen, das aus Ansammlungen winziger Flecken von der Größe eines Zigarettenbrandmals besteht, oder sich aus Streifen zusammensetzen, wo der Schweiß verdampft ist. Taubheit, Kribbeln und Schwäche können sich einstellen, weil die Nerven, die aus dem Rückenmark austreten, geschädigt wurden (periphere Neuropathie).

Diagnose

  • Elektrokardiogramm

Bei Verletzungen durch Blitzschlag gibt es oft Zeugen. Von einer Blitzschlagverletzung muss aber ausgegangen werden, wenn jemand draußen während eines Gewitters oder kurz danach bewusstlos oder mit einer Amnesie aufgefunden wird.

Im Krankenhaus kann ein Elektrokardiogramm (EKG) durchgeführt werden, wenn die Verletzung schwer ist (wenn z. B. jemand zusammengebrochen ist oder einen vorübergehenden Herzstillstand hatte). Ein eventuell angefertigtes EKG bestimmt, ob das Herz normal schlägt. Manchmal sind Blut- oder bildgebende Untersuchungen notwendig, wie etwa eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT).

Vorbeugung

Während der Gewittersaison kann es helfen, Wetterberichte zu verfolgen, was besonders für die Organisatoren von Veranstaltungen im Freien wichtig ist, um zu entscheiden, ob die Aktivitäten im Freien abgesagt werden müssen, und um Vorkehrungen für alle eventuell auftretende Notfälle zu treffen.

Ein Gewitter kündigt sich üblicherweise durch einen plötzlich aufkommenden starken Wind, Wolken und Regen an. Wenn der Donner zu hören ist, sind die Beobachter schon in Gefahr und sollten nach einem sicheren Unterstand suchen, wie etwa einem großen Wohnhaus oder einem vollständig geschlossenen Fahrzeug aus Metall (zum Beispiel einem Auto, einem Lieferwagen oder einem Lastwagen) mit geschlossenen Fensterscheiben. Kleine, offene Räume, wie eine Schutzhütte an einem Aussichtspunkt, sind nicht sicher. Aus Sicherheitsgründen sollten Außenaktivitäten erst frühestens 30 Minuten nach dem letzten Blitz und Donnerschlag wieder aufgenommen werden.

Um Verletzungen durch einen Blitzschlag bei einem Aufenthalt in einem Gebäude vorzubeugen, sollte Folgendes vermieden werden: Kontakt mit Armaturen oder Stromkabeln, über einen Festanschluss telefonieren, Verwendung eines Computers, einer Video-Konsole oder eines Kopfhörers, die per Kabel an ein Audio-System angeschlossen sind. Auch von Fenstern und Türen sollte man sich fernhalten und, wenn das Gewitter herannaht, sämtliche elektrische Geräte ausschalten und das Kabel aus der Steckdose ziehen. Die Benutzung eines Handys, Tablets, Laptops und Musikabspielgeräts ist unbedenklich, wenn diese Geräte im Akkubetrieb laufen, da sie auf diese Weise keine Blitze anziehen.

Prognose

Etwa 10 Prozent der Menschen mit Blitzverletzungen sterben. Die einzige Ursache für den Tod ist ein Herzstillstand und ein Atemstillstand zum Zeitpunkt der Verletzung. Menschen, deren Herzschlag und Atmung weitermachen, überleben. Falls das Erinnerungsvermögen an kurz zurückliegende Vorfälle aussetzt oder der Betroffene langsam denkt, hat er vielleicht eine Gehirnverletzung. Eine Keraunoparalyse löst sich in der Regel innerhalb mehrerer Stunden; allerdings bleibt beim Betroffenen eventuell eine Schwäche oder Unbeholfenheit zurück. Menschen mit einer Verletzung der Nerven haben dauerhaft Probleme. Dazu gehören chronische Schmerzen, Schlafprobleme und Erektionsstörungen.

Behandlung

  • Gegebenenfalls Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW)

Da eine vom Blitz getroffene Person selbst keine Elektrizität speichert, kann man sich ihr gefahrlos nähern und erste Hilfe leisten. Menschen ohne Herzschlag und Atmung benötigen sofort eine Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) sowie Thoraxkompressionen und künstliche Beatmung. Ist ein externer, automatischer Defibrillator vorhanden, sollte dieser eingesetzt werden ( Automatischer externer Defibrillator: Fremdstarten des Herzens). Wenn der Puls wieder einsetzt, die Person aber weiterhin nicht selbstständig atmet, muss die künstliche Beatmung fortgesetzt werden, weil die Atemmuskeln auch nach Rückkehr des Herzschlags noch gelähmt sein können. Es muss der medizinische Notdienst verständigt werden. Viele Menschen, die vom Blitzschlag getroffen wurden, befinden sich in einem guten allgemeinen Gesundheitszustand und haben größere Chancen, sich wieder zu erholen, wenn rechtzeitig eine HWL durchgeführt wird.

Verbrennungen und andere Verletzungen werden gegebenenfalls behandelt. Wenn die Wiederbelebungsversuche nicht innerhalb der ersten 20 Minuten zum Erfolg führen, ist es unwahrscheinlich, dass dieser noch eintritt; deshalb wird die Wiederbelebung dann eingestellt.

Weitere Informationen

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