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Lungenkampfstoffe

Von

James M. Madsen

, MD, MPH, U.S. Army Medical Research Institute of Chemical Defense (USAMRICD)

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2019| Inhalt zuletzt geändert Mai 2019
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Es gibt viele Arten von chemischen Waffen, die auf verschiedene Körperteile abzielen. Lungenkampfstoffe wirken auf die Lungen und die Atemwege. Dazu zählen herkömmliche „Atemgifte" wie Chlor, Phosgen, Diphosgen und Chlorpikrin sowie manche bläschenbildende Stoffe wie Senfgas, Lewisit und Phosgenoxim (die die Haut schädigen können), wie auch militärische Rauchgase, Verbrennungsprodukte und viele toxische industrielle Chemikalien. Die meisten diese Komponenten sind Gase oder stark flüchtige Flüssigkeiten.

Die Stoffe werden in zwei Typen unterteilt, je nachdem, welcher Teil des Atmungstrakts weitgehend betroffen ist:

  • Stoffe vom Typ 1: Betrifft große Atemwege

  • Stoffe vom Typ 2: Betrifft kleine Atemwege und die kleinen Luftbläschen in den Lungen (Alveolen)

Stoffe mit Mischwirkungen können große Atemwege, kleine Atemwege und die Alveolen betreffen.

Zu den Stoffen vom Typ 1 zählen Ammoniak, Chlorwasserstoff, Fluorwasserstoff, Mittel zur Bekämpfung von Unruhen, die meisten Rauchgasarten, Schwefeldioxid und Senfgas.

Zu den Stoffen vom Typ 2 zählen Chlorpikrin, Methyl-Isocyanat, Phosgen und Tetrachlorkohlenstoff.

Stoffen mit gemischter Wirkung wirken sowohl in großen Atemwegen als auch in Alveolen in niedrigen oder mäßigen Dosen. Dazu zählen Chlor, HC-Rauch (Hexachlorethan plus Zinkoxid) und Lewisit.

Symptome

Die erste Kontakt mit Stoffen vom Typ 1 verursacht Niesen, Husten und Krämpfe der Luftröhre, was den Luftweg blockieren kann. Es kann auch eine Augenreizung auftreten. Menschen mit einem Luftröhrenkrampf sind heiser, keuchen und ringen beim Einatmen nach Luft. Das Geräusch wird Stridor genannt. Allerdings kann es mit hohen Dosen der Stoffe vom Typ 1 im späteren Verlauf ebenfalls zu Engegefühl in der Brust, Atemnot (Wirkungen von Typ 2) kommen.

Bei Stoffen vom Typ 2 fühlen sich die Opfer zunächst gesund, mit Ausnahme von anfänglichem Husten und Reizung, die aber wieder abklingen. Aber mehrere Stunden später entwickeln sie ein Engegefühl in der Brust oder Atemnot aufgrund von Flüssigkeitsansammlungen in den Lungen (Lungenödem). Atemnot, die sich innerhalb von 4 Stunden nach der Einwirkung einstellt, ist ein Zeichen dafür, dass der Betroffene eventuell einer potenziell tödlichen Dosis ausgesetzt ist.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Röntgenaufnahme des Brustkorbs

  • Häufige Untersuchung, ob eine Verschlechterung eingetreten ist

  • Manchmal wird eine Bronchoskopie durchgeführt

Die Ärzte und Erste-Hilfe-Dienste stützen den Befund der Einwirkung einer chemischen Waffe auf die Symptome des Betroffenen. Sie hören sich seine Atmung an. Menschen, die zu Anfang Geräusche beim Atmen machen und starke Symptome haben, waren vermutlich einem Stoff des Typs 1 ausgesetzt. Menschen mit einem relativ ruhigen Brustraum, deren Atemnot mit Verzögerung auftritt, waren vermutlich einem Stoff des Typs 2 ausgesetzt.

Die Röntgenbilder des Brustraums erscheinen zu Anfang normal, später stellen sich aber die charakteristischen Auffälligkeiten ein. Manchmal führen die Ärzte eine flexible Sonde mit einer Kamera in die Atemwege ein (Bronchoskopie), um das Ausmaß der Atemwegsschädigung festzustellen. Eine Bronchoskopie kann eine Schädigung bestätigen, die durch Stoffe vom Typ 1 verursacht wurden, kann aber Frühschäden nicht zeigen, die von Stoffen vom Typ 2 verursacht werden.

Labortests sind für die Ärzte für den Endbefund nicht hilfreich, damit wird aber in der Regel die Sauerstoffkonzentration im Blut des Betroffenen kontrolliert, was hilft, festzustellen, ob sich ihr Zustand verschlimmert.

Behandlung

  • Behandlung der spezifischen Symptome

  • Sauerstoff (durch eine Gesichtsmaske oder Atemschlauch)

  • Häufig Einweisung in eine Intensivstation

  • Bei Symptomen mit Typ 1: Bronchodilatatoren, manchmal inhalierte Kortikosteroide

  • Bei Symptomen mit Typ 2: Orale Kortikosteroide, Behandlung zur Entfernung der Flüssigkeit in den Lungen

Da gemischte Wirkungen häufig eintreten, gründen die Ärzte ihre Behandlung eher auf die Symptome des Betroffenen als auf den spezifischen Stoff. Eine Dekontaminierung ist bei Menschen, die Dampf oder Gas ausgesetzt waren, in der Regel nicht notwendig, und es gibt keine spezifischen Gegengifte gegen diese Stoffe.

Bei Menschen, deren Symptome vor allem die großen Atemwege betreffen (Wirkungen vom Typ 1), verabreichen die Ärzte warmen, angefeuchteten 100%igen Sauerstoff über eine Gesichtsmaske. Sie müssen eventuell Partikel aus den großen Atemwegen des Betroffenen mithilfe einer Bronchoskopie entfernen. Die Ärzte müssen eventuell eine Atemsonde in die Luftröhre des Betroffenen einführen und ihm Bronchodilatatoren verabreichen, ein einzuatmendes Medikament, das die Atemwege weitet (ähnliche Medikamente werden bei Asthma eingesetzt). Es werden eventuell Kortikosteroide zum Einatmen verabreicht, um zu helfen, die Entzündung, die oft mit Lungenschädigungen einhergeht, zu mindern.

Menschen, die möglicherweise einem Stoff vom Typ 2 ausgesetzt waren, werden auf die Intensivstation und erhalten Sauerstoff. Manchmal wird Sauerstoff unter Druck über eine spezielle eng anliegende Gesichtsmaske oder über eine Atemsonde über die Luftröhre. Die Ärzte verabreichen Medikamente zur Ableitung der Flüssigkeit aus den Lungen und, je nach Art des vermuteten Schadens, vielleicht auch oral Kortikosteroide.

Die in diesem Artikel zum Ausdruck gebrachten Ansichten entsprechen denen des Autoren und spiegeln nicht die offizielle Politik des US-Militärministeriums, des US-Verteidigungsministeriums oder der US-amerikanischen Regierung wieder.

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