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Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörung

Von

Richard J. Schwab

, MD, University of Pennsylvania, Division of Sleep Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2020| Inhalt zuletzt geändert Jun 2020
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Quellen zum Thema

Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen treten dann auf, wenn der innere Schlaf-Wach-Rhythmus (die innere Uhr) nicht an den Hell-Dunkel-Kreislauf der Erde angepasst ist.

  • Jetlag und Schichtarbeit stören häufig den normalen Schlaf-Wach-Rhythmus.

  • Menschen mit einer zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmusstörung können nicht zu normalen Zeiten aufwachen oder einschlafen.

  • Die Diagnose wird aufgrund der Symptome gestellt, wobei manchmal Informationen aus einem Schlafprotokoll und einem Schlaflabor herangezogen werden.

  • Gute Schlafgewohnheiten und Lichteinwirkung direkt nach dem Aufwachen können dabei helfen, den Schlaf-Wach-Rhythmus wiederherzustellen.

Zirkadian bedeutet um (circa) den Tag (dies). Zirkadiane Rhythmen sind regelmäßige Änderungen der geistigen und körperlichen Zustände, die einen 24-stündigen Rhythmus haben, die sogenannte innere Uhr des Menschen. Diese Rhythmen werden durch einen Gehirnbereich gesteuert, der durch das Licht beeinflusst wird (Zirkadianer Schrittmacher genannt). Nach dem Eindringen durch das Auge stimuliert das Licht Zellen im Augenhintergrund (Retina), um Nervenimpulse in diesen Bereich zu senden. Diese Impulse signalisieren dem Gehirn, die Produktion des Hormons Melatonin, das schlaffördernd wirkt, zu stoppen.

Normalerweise schwanken die Schlaf- und Wachzeiten bei Menschen. Einige Menschen (Morgenmenschen oder Lerchen) ziehen es vor, früh schlafen zu gehen und früh aufzuwachen. Andere Menschen (Nachtmenschen oder Eulen) ziehen es vor, spät schlafen zu gehen und spät aufzuwachen. Solche Neigungen werden nicht als Störung angesehen, solange die Person Folgendes tun kann:

  • Aufwachen, wenn morgens etwas zu erledigen ist, und die Nacht vorher zeitig einschlafen, um bis zum Aufstehen ausreichend Schlaf zu bekommen

  • Bei Bedarf jeden Tag zur selben Zeit einschlafen und aufwachen

  • Sich einige Tagen nach Beginn einer neuen Routine an die neuen Schlaf- und Wachzeiten anpassen

Menschen mit einer zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmusstörung schlafen zu ungünstigen Zeiten ein und können nicht dann einschlafen oder aufwachen, wenn sie müssen oder möchten. Ihr Schlaf-Wach-Zyklus ist gestört.

Ursachen

Die Ursachen einer zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmusstörung können innerlich oder äußerlich sein.

Zu den inneren Ursachen gehören:

Zu den äußeren Ursachen gehören:

  • Jetlag (vor allem bei Reisen von West nach Ost)

  • Unregelmäßige Schichtarbeit oder unregelmäßige Arbeit

  • Häufiges Zubettgehen und Aufwachen zu unterschiedlichen Zeiten

  • Eine lange Zeit an das Bett gebunden sein

  • Blindheit oder wenig Sonnenlichteinwirkung über einen längeren Zeitraum

  • Einnahme bestimmter Arzneimittel

Schlafrhythmusumkehr kommt bei Krankenhauspatienten häufig vor, weil sie oft nachts geweckt werden und da ihre Augen tagsüber zu wenig Sonnenlicht ausgesetzt sind.

Es gibt verschiedene Arten der zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmusstörung.

Jetlag wird häufig von Flugreisen, die über mehr als zwei Zeitzonen gehen, verursacht.

Schlafstörung durch Schichtarbeit,die in ihrem Schweregrad unterschiedlich ist, je nachdem

  • Wie oft die Schicht wechselt

  • Wie stark sie sich verändert

  • Ob die Schlaf- und Wachzeiten früher oder später sind

  • Wie viele Nächte in Folge gearbeitet wird

  • Wie lang die Schicht dauert

Vorzugsweise arbeitet man immer in der Nacht- oder Abendschicht und hält die Schlafenszeiten auch an arbeitsfreien Tagen ein. Auch dann können jedoch Geräusche am Tag oder Licht den Schlaf beeinträchtigen. Oft verkürzen Arbeiter ihre Schlafzeiten und schlafen an arbeitsfreien Tagen zu anderen Zeiten, um am sozialen oder Familienleben teilzunehmen.

Das verzögerte Schlafphasensyndrom tritt auf, wenn Menschen dauerhaft spät einschlafen oder aufwachen (zum Beispiel um 3 Uhr morgens einschlafen und um 10 Uhr morgens oder erst um 13 Uhr aufwachen). Am häufigsten sind Jugendliche und junge Erwachsene von diesem Syndrom betroffen. Menschen mit verzögertem Schlafphasensyndrom können nicht früher einschlafen, auch wenn sie es versuchen.

Das vorverlagerte Schlafphasensyndrom tritt auf, wenn Menschen ständig früh einschlafen und früh aufwachen und dieses Muster nicht ändern können. Es kommt bei älteren Menschen häufiger vor. Menschen mit vorverlagertem Schlafphasensyndrom können nicht bis später wach bleiben, auch wenn sie es versuchen.

Das Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Syndrom tritt auf, wenn sich der Schlaf-Wach-Rhythmus jeden Tag ändert. Die Länge des Schlaf-Wach-Zyklus bleibt gleich, überschreitet jedoch 24 Stunden. Daher variieren die Schlaf- und Wachzeiten jeden Tag um 1 bis 2 Stunden. Dieses Syndrom ist weniger häufig und kommt eher bei blinden Menschen vor.

Symptome

Da die Menschen nicht dann schlafen können, wenn sie müssen, können sind tagsüber müde sein und Konzentrationsschwierigkeiten oder Probleme haben, klar zu denken und ihre normalen Tätigkeiten auszuführen. Sie können Alkohol, Schlafmittel und andere Stimulanzien missbrauchen, um schlafen oder wachbleiben zu können.

Die Symptome der zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmusstörung können sich verschlimmern, wenn Menschen ihren Schlafrhythmus häufig ändern, wie bei häufigen Reisen über mehrere Zeitzonen und Schichtänderungen bei der Arbeit. Auch können sich die Symptome verschlimmern, wenn die Wach- und Schlafzeiten vorgezogen werden (vorverlagerte Schlafphase), da eine Verzögerung des Schlafes einfacher ist, als früher einzuschlafen. Der Schlafzyklus wird vorverlagert, wenn Menschen nach Osten fliegen oder wenn sich Arbeitsschichten von Tag über Nacht zu Abend ändern.

Sind die Ursachen äußerlich, ist der Zeitplan anderer zirkadianen Körperrhythmen, wie Temperatur und Hormonproduktion, ebenfalls beeinträchtigt. Deshalb können sich Betroffene allgemein unwohl, gereizt, übel, depressiv und schläfrig fühlen. Die Gefahr für Herz- und Stoffwechselerkrankungen kann auch erhöht sein.

Kann die Ursache der Störung behoben werden, verschwinden die Symptome nach einigen Tagen, wenn sich der Rhythmus wieder angepasst hat. Bei älteren Menschen kann die Besserung einige Wochen oder Monate dauern.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

Ärzte vermuten die Diagnose basierend auf den Symptomen. Der Arzt kann den Patienten bitten, ein Schlafprotokoll zu führen und seine Schlaf- und Wachzeiten über einen Zeitraum von mehreren Wochen zu protokollieren. Tests in einem Schlaflabor sind nur selten erforderlich.

Behandlung

  • Verhaltensänderungen

  • Schlafmittel und in wachem Zustand Arzneimittel, die das Gehirn stimulieren

Das Angewöhnen guter Schlafgewohnheiten kann hilfreich sein.

Tabelle
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Änderungen im Verhalten, um den Schlaf zu verbessern

Maßnahmen

Wie Sie am besten vorgehen

Einen regelmäßigen Schlafrhythmus befolgen

Jeden Abend zur gleichen Zeit zu Bett gehen und insbesondere morgens stets zur gleichen Zeit aufstehen, auch am Wochenende und im Urlaub. Nicht zu viel Zeit im Bett verbringen.

Beim Zubettgehen einer regelmäßigen Routine folgen

Ein regelmäßiges Muster von Aktivitäten, wie leise Musik hören, Zähne putzen, Gesicht waschen, den Wecker stellen, kann einen in Schlafstimmung bringen. Diese Routine sollte man jeden Abend einhalten, ob zu Hause oder unterwegs. Als Teil dieser Routine sollte helles Licht vor dem Zubettgehen vermieden werden. Es kann ebenfalls helfen, einige Stunden vor dem Zubettgehen die Benutzung von Mobiltelefon, Computer und Fernseher einzuschränken.

Eine schlaffördernde Umgebung schaffen

Das Schlafzimmer sollte dunkel und ruhig sein, nicht zu warm und nicht zu kalt. Laute Geräusche können den Schlaf stören, auch wenn man dadurch nicht aufwacht. Ohrstöpsel, weißes Rauschen, ein Ventilator oder schwere Vorhänge im Schlafzimmer (um Außengeräusche und Licht fernzuhalten) können helfen. Eine Schlafmaske kann Menschen helfen, die am Tag in einem Raum schlafen müssen, der nicht vollständig abgedunkelt werden kann. Beim Aufwachen in der Nacht sollte grelles Licht vermieden werden.

Kissen benutzen

Kissen zwischen den Knien oder unter der Hüfte können zum Wohlbefinden beitragen. Für jemanden, der unter Rückenproblemen leidet, kann es hilfreich sein, sich mit einem großen Kissen zwischen den Knien auf die Seite oder mit einem großen Kissen unter den Knien auf den Rücken zu legen.

Das Schlafzimmer zum Schlafen nutzen

Das Bett sollte zum Schlafen und für den Geschlechtsverkehr verwendet werden. Es sollte nicht zum Essen, Lesen, Fernsehen, Bezahlen von Rechnungen, Schreiben von SMS oder E-Mails an Handy oder Laptop oder für andere Aktivitäten genutzt werden, die mit Wachsein verbunden sind.

Aufstehen

Wenn das Einschlafen innerhalb von 20 Minuten nicht möglich ist, ist es besser, nach kurzer Zeit aufzustehen und etwas Anderes zu tun und später bei Müdigkeit wieder ins Bett zu gehen, als im Bett zu liegen und krampfhaft zu versuchen, einzuschlafen.

Sich regelmäßig bewegen

Körperliche Bewegung kann das natürliche Einschlafen fördern. Sportliche Betätigung währende der 5 Stunden vor dem Zubettgehen kann jedoch Herz und Hirn anregen und Menschen wachhalten.

Entspannen

Stress und Sorgen beeinträchtigen den Schlaf. Wer nicht müde ist, kann sich entspannen, indem er liest oder ein warmes Bad nimmt. Entspannungstechniken, wie Visualisierungen, progressive Muskelentspannung und Atemübungen können helfen. Man kann versuchen, seine Probleme an der Schlafzimmertür zurückzulassen. Die Planung einer Sorgenzeit am Tag, um über Probleme nachzudenken, kann die Tendenz, sich zur Schlafenszeit zu sorgen, verringern.

Vor dem Zubettgehen anregende Aktivitäten vermeiden

Spannende Fernsehsendungen, aufregende Computerspiele und die Bewältigung komplizierter Arbeitsangelegenheiten etwa eine Stunde vor dem Zubettgehen können das Einschlafen erschweren.

Substanzen meiden, die den Schlaf stören

Alkohol- und Koffeinhaltige Getränke und Nahrungsmittel (wie Kaffee, Tee, Cola-Getränke und Schokolade) sowie Appetitzügler, Diuretika und Nikotin (in Zigaretten und Nikotinpflastern) können den Schlaf stören. Koffeinhaltige Produkte sollten 12 Stunden vor dem Zubettgehen gemieden werden. Der Konsum großer Alkoholmengen am Abend kann zu frühem Aufwachen am nächsten Morgen führen. Es kann hilfreich sein, mit dem Rauchen aufzuhören.

Einen leichten Snack essen

Hunger kann vom Schlafen abhalten. Manchmal kann ein leichter, warmer Snack helfen, außer im Falle eines gastroösophagealen Reflux. Mindestens einige Stunden vor dem Schlafengehen sollte jedoch nach Möglichkeit nichts mehr gegessen werden und insbesondere schwere Mahlzeiten sollten kurz vor dem Zubettgehen vermieden werden. Schwere Mahlzeiten können Sodbrennen verursachen, das den Schlaf stört.

Verhaltensweisen vermeiden, die Angst auslösen

Man kann die Uhr wegdrehen, sodass die Uhrzeit nicht im Mittelpunkt steht. Im Bett sollte nicht auf die Uhr gesehen werden.

Verbringen Sie während des Tages Zeit im hellen Licht

Durch die Einwirkung von Licht während des Tages können Menschen ihren Schlaf-Wach-Rhythmus mit dem Hell-Dunkel-Kreislauf der Erde in Einklang bringen.

Schlafpausen während des Tages sollten vermieden werden, außer bei Schichtarbeitern und Menschen mit Narkolepsie

Schlafpausen während des Tages können bei Menschen mit Schlaflosigkeit den Schlaf in der Nacht beeinträchtigen. Schlafpausen können jedoch bei Menschen mit Narkolepsie den Bedarf nach Arzneimitteln verringern und bei Schichtarbeitern die Leistungsfähigkeit verbessern. Falls erforderlich, sollten Schlafpausen immer zur gleichen Zeit durchgeführt und auf 30 Minuten begrenzt werden.

Die beste Strategie ist die Lichteinwirkung auf die Augen zu geeigneten Zeiten. Durch die Lichteinwirkung wird die innere Uhr zurückgestellt. Reisende sollten zum Beispiel nach ihrer Ankunft am Bestimmungsort und ganz besonders morgens an die Sonne gehen, um den Jetlag zu minimieren. Schichtarbeiter sollten zu Zeiten, in denen sie wach sein sollen, Zeit im hellen Licht (Tageslicht oder künstliches Licht) verbringen. Das Tragen einer Sonnenbrille auf dem Weg von der Arbeit nach Hause verringert die Lichteinwirkung vor dem Zubettgehen und kann hilfreich sein, um zuhause besser einschlafen zu können. Das Schlafzimmer von Schichtarbeitern sollte so dunkel und ruhig wie möglich sein. Auch Schlafmasken und beruhigende Geräusche sind hilfreich. Lichteinwirkung am Morgen kann Menschen mit verzögerten Schlafphasen helfen. Helles Licht am Abend kann Menschen mit vorgezogenen Schlafphasen helfen.

Eine andere Strategie ist, den Schlaf-Wach-Rhythmus stufenweise zu verschieben, bis der gewünschte Rhythmus erreicht ist. Reisende können davon profitieren, ihren Rhythmus über einen längeren Zeitraum vor der Reise stufenweise an den Rhythmus ihres Reiseziels anzupassen.

Arzneimittel

Wenn die Symptome anhalten, können bei Menschen mit Schlaflosigkeit Schlafmittel mit kurzer Wirkzeit (kurz wirksame Arzneimittel) helfen, besser zu schlafen. Arzneimittel, die das Gehirn stimulieren (wie Modafinil) können helfen, am Tag aufmerksamer zu sein oder Schichtarbeitern mit Schlafstörung in den Wachzeiten helfen. Durch diese Arzneimittel wird der Körperrhythmus allerdings nicht schneller angepasst.

Melatonin kann helfen, die Auswirkungen des Jetlags und Probleme aufgrund von Schichtarbeit zu verringern.

Tasimelteon wirkt wie Melatonin. Es kann blinden Menschen mit Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Syndrom helfen, indem es die Schlafzeit in der Nacht erhöht und die Schlafzeit am Tag verringert. Das Medikament wird jede Nacht vor dem Schlafengehen zur gleichen Zeit über den Mund eingenommen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, abnorme Träume oder Alpträume.

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