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Marihuana

(Cannabis)

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2020| Inhalt zuletzt geändert Jun 2020
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Marihuana (Cannabis) ist ein Wirkstoff aus den Pflanzen Cannabis sativa und Cannabis indica, die eine psychoaktive Chemikalie enthalten, das sogenannte Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC).

  • Marihuana erzeugt einen Traumzustand, ein Gefühl des Wohlergehens und eine verzerrte Wahrnehmung.

  • Wird Marihuana über einen längeren Zeitraum konsumiert, kann es zu einer psychischen Abhängigkeit kommen.

  • Ein Absetzen des Rauschmittels ist von nur milden Symptomen begleitet.

  • Marihuana kann Tage bis Wochen nach dem Konsum noch im Urin nachgewiesen werden.

  • Im Rahmen der Behandlung erfolgt eine Beratung, die jedoch nur bei ausreichender Motivation der Betroffenen wirksam ist.

Der Konsum von Marihuana (Cannabis) ist in den Vereinigten Staaten weit verbreitet; meist wird es regelmäßig konsumiert, ohne dass es zu sozialen oder psychischen Problemen kommt.

Marihuana sind die Stängel, Blätter und Blütenspitzen der getrockneten Hanfpflanze (Cannabis sativa oder Cannabis indica), die gewöhnlich in Form von Zigaretten (Joints) geraucht werden. Haschisch heißt das gepresste Harz der Pflanze. Die Legalisierung von Marihuana hat den Markt für Produkte geöffnet, die gegessen oder in E-Zigaretten verdampft werden können. Auch Tinkturen, Lotionen und Sprays zum Auftragen auf die Haut sind in vielen verschiedenen Formen erhältlich.

Der Wirkstoff des Marihuanas ist Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC). Dronabinol, eine synthetische Form von Delta-9-THC, wird zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie und zur Appetitsteigerung von AIDS-Patienten verwendet.

Meist wird Marihuana mit Unterbrechungen und ohne bemerkenswerte begleitende soziale oder psychologische Auffälligkeiten oder Abhängigkeiten konsumiert. Dennoch entwickelt sich manchmal eine Marihuana-Abhängigkeit.

Symptome

Marihuana verursacht unmittelbar und manchmal auch langfristig Symptome.

Unmittelbare Wirkung

Marihuana dämpft die Gehirnfunktionen und erzeugt einen traumähnlichen Zustand, in dem Gedanken zusammenhanglos und unkontrollierbar erscheinen. Durch eine milde bewusstseinserweiternde Wirkung können Zeitgefühl, Farb- und Raumwahrnehmung verzerrt und intensiver sein. Farben scheinen greller und Geräusche lauter zu sein. Das Gefühl der Euphorie und Entspannung wird als „high“ sein bezeichnet.

Marihuana löst generell Spannungen und ruft ein Wohlbehagen hervor. Das Gefühl von Begeisterung, Aufgekratztsein und innerer Freude (das „High-Gefühl“) hängt offenbar davon ab, in welchem Rahmen die Droge konsumiert wird, ob jemand sie zum Beispiel allein oder mit anderen zusammen raucht und wie die aktuelle Stimmung ist.

Koordinations- und Reaktionsfähigkeit, Tiefenwahrnehmung und Konzentration können über einen Zeitraum von 24 Stunden nach dem Konsum von Marihuana nachlassen, sodass das Autofahren oder das Bedienen komplizierter Geräte in dieser Zeit gefährlich wird. Weitere Wirkungen sind eine beschleunigter Herzfrequenz, blutunterlaufene Augen, ein erhöhter Appetit und Mundtrockenheit. Diese Wirkung hält nach dem Rauchen gewöhnlich vier bis sechs Stunden an.

Besonders wenn Marihuana zum ersten Mal geraucht wird, kommt es häufiger zu Angst- und Panikgefühlen oder Wahnvorstellungen. Bei Personen mit Schizophrenie kann Marihuana Psychosen (Realitätsverlust) verschlechtern oder auslösen.

Langzeitauswirkungen

Wird Marihuana längere Zeit in großen Mengen konsumiert, können sich Atemprobleme entwickeln, wie zum Beispiel

  • Bronchitis

  • Keuchatmung

  • Husten

  • Starke Verschleimung

  • Bauchschmerzen und Syndrom des zyklischen Erbrechens

Allerdings kommt es auch bei täglichem Marihuana-Konsum nicht zu einer Verengung (Obstruktion) der Luftwege. Es bestehen für Marihuana im Gegensatz zu Nikotin keine Nachweise für ein erhöhtes Risiko der Entwicklung von Tumoren des Kopfes, Halses und der Luftwege.

Neue Studien legen nahe, dass Personen, die bereits in der Jugend Marihuana konsumieren, Beeinträchtigungen der kognitiven Fähigkeiten sowie Veränderungen im Gehirn entwickeln können.

Das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom wurde erst vor Kurzem beschrieben. Langzeitkonsumenten von Marihuana zeigen dabei sich abwechselnde Phasen mit Übelkeit und Erbrechen. Das Syndrom klingt in der Regel innerhalb von 48 Stunden ab. Heißes Baden lindert die Symptome etwas und stellt gleichzeitig den wichtigsten Hinweis dar, um diese Erkrankung zu diagnostizieren.

Schwangere Frauen, die Marihuana konsumieren, bringen möglicherweise kleinere Babys zur Welt, doch scheint diese Wirkung nicht ausgeprägt zu sein. Delta-9-THC geht in die Muttermilch über, doch wurden bisher keine schädigenden Wirkungen auf Babys deutlich. Nichtsdestotrotz wird schwangeren Frauen, solchen, die schwanger werden wollen und stillenden Frauen geraten, vom Marihuana-Konsum abzusehen.

Entzugssymptome

Marihuana wird vom Körper langsam über mehrere Wochen ausgeschieden, daher sind Entzugserscheinungen gewöhnlich mild. Nach einigen Wochen reichlichen und häufigen Konsums ruft eine plötzliche Unterbrechung Symptome hervor, die etwa zwölf Stunden später beginnen und bis zu sieben Tage lang dauern. Hierzu zählen folgende Symptome:

  • Schlaflosigkeit

  • Reizbarkeit

  • Depression

  • Übelkeit

  • Appetitlosigkeit

Diagnose

  • Urintest

Mittels Urintest kann THC mehrere Tage oder Wochen nach dem Konsum auch bei Gelegenheitskonsumenten nachgewiesen werden. Bei regelmäßigem Konsum kann der Test das Rauschmittel sogar noch länger nachweisen, da es langsam aus dem Fettgewebe des Körpers freigesetzt wird. Urintests eignen sich zur Prüfung des Marihuana-Konsums, doch besagt ein positives Ergebnis lediglich, dass eine Person Marihuana konsumiert hat. Es weist nicht nach, dass der Konsument zum aktuellen Zeitpunkt eingeschränkt funktionsfähig (berauscht) ist.

Behandlung

  • Beratung und Arzneimittelbehandlung

  • 0,1%ige Capsaicin-Cremes, die auf den Bauch aufgetragen werden (hilfreich beim Syndrom des zyklischen Erbrechens)

Zur Entwöhnung von Marihuana können Beratung, Verhaltenstraining und Entwöhnungsprogramme hilfreich sein. Der Erfolg des Ausstiegs hängt stark von der Motivation des Betroffenen und der Bereitschaft ab, sich aus dem Kreis der regelmäßigen Konsumenten zu lösen.

Weitere Informationen

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