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Antisoziale Persönlichkeitsstörung

Von

Andrew Skodol

, MD, University of Arizona College of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jan 2020| Inhalt zuletzt geändert Jan 2020
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Kurzinformationen
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Die antisoziale Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch ein tiefgreifendes Muster der Ignoranz für die Folgen und die Rechte anderer.

  • Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung nehmen sich das, was sie wollen, ohne die Folgen für sich selbst oder andere zu berücksichtigen und ohne jedes Gefühl der Schuld oder des Bedauerns.

  • Ärzte diagnostizieren eine antisoziale Persönlichkeitsstörung anhand der Symptome, unter anderem der Missachtung von Folgen und Rechte anderer und, wenn sie sich auf betrügerische und manipulative Weise nehmen, was sie möchten.

  • Eine antisoziale Persönlichkeitsstörung ist schwer zu behandeln, aber die kognitive Verhaltenstherapie und bestimmte Medikamente können helfen, das aggressive und impulsive Verhalten einzudämmen.

Persönlichkeitsstörungen sind langanhaltende, tiefgreifende Muster des Denkens, der Wahrnehmung, der Reaktion und Bezugnahme, die dazu führen, dass die jeweilige Person stark darunter leidet und/oder ihr Lebensalltag beeinträchtigt wird.

Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung können ungesetzliche, betrügerische, ausbeuterische und rücksichtslose Handlungen zur Erlangung des eigenen Vorteils oder aus Lust und ohne Reue begehen. Sie können

  • Sie rechtfertigen oder versachlichen ihr Verhalten (sie können z. B. denken, dass „Verlierer es verdient haben, zu verlieren“)

  • Sie schieben dem Opfer die Schuld wegen ihrer Dummheit oder Hilflosigkeit zu

  • Sie sind gleichgültig gegenüber der ausbeuterischen und verletzenden Wirkung ihrer Handlungen auf andere

  • Sie stehen den Rechten und Gefühlen der anderen und dem Gesetz gleichgültig gegenüber

Schätzungen zufolge schwanken Fälle mit antisozialen Persönlichkeitsstörungen zwischen 0,2 Prozent (1 von 500) bis teilweise 3 Prozent in der Allgemeinbevölkerung der USA. Sie kommt bei Männern 6 Mal so häufig vor wie bei Frauen. Die Störung findet sich seltener in Gruppen mit höherem Alter, was vermuten lässt, dass Betroffene lernen können, ihr Verhalten zu ändern.

Häufig liegen auch andere Störungen vor. Zu diesen Erkrankungen zählen

Die meisten Menschen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung haben auch eine Substanzgebrauchsstörung und etwa die Hälfte mit einer Substanzgebrauchsstörung leidet auch an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung.

Ursachen

Gene und Umweltfaktoren (z. B. ein Unglück in der Kindheit) tragen zur Ausbildung der antisozialen Persönlichkeitsstörung bei.

Eine antisoziale Persönlichkeitsstörung tritt häufiger bei Verwandten ersten Grades (Eltern, Geschwister und Kinder) von Betroffenen mit der Störung auf, als in der Allgemeinbevölkerung. Das Risiko für die Entwicklung dieser Störung ist sowohl bei adoptierten als auch biologischen Kindern von Eltern mit der Störung erhöht.

Wenn Kinder eine Verhaltensstörung und eine Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung vor dem 10. Lebensjahr entwickeln, ist es wahrscheinlicher, dass sie als Erwachsene auch eine antisoziale Persönlichkeitsstörung ausbilden. Eine Verhaltensstörung beschreibt wiederholte Verhaltensmuster, die gegen die Grundrechte anderer und/oder gegen die altersgemäßen sozialen Normen verstoßen. Eine Verhaltensstörung kann sich viel leichter zu einer Persönlichkeitsstörung ausbilden, wenn die Eltern das Kind missbrauchen oder vernachlässigen oder, wenn sie in der Erziehung oder Disziplinierung inkonsequent handeln (z. B. zwischen Zuneigung und Wärme und Kälte und Ablehnung hin und herwechseln).

Die gleichgültige Haltung gegenüber den Schmerzen bei anderen in der frühen Kindheit wurde mit einem antisozialen Verhalten im späteren Jugendalter in Zusammenhang gebracht.

Symptome

Missachtung für andere

Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung können ihre Missachtung für andere und für das Gesetz ausdrücken, indem sie Eigentum zerstören, andere belästigen oder stehlen. Sie können andere Menschen betrügen, ausbeuten oder manipulieren, um das zu erhalten, was sie möchten, gleich, ob es sich dabei um Geld, Macht, Sex oder persönliche Genugtuung handelt. Sie können sich hinter einem Decknamen verbergen, um ihre Ziele zu erreichen.

Menschen mit dieser Störung fühlen selten Reue oder Schuld für das, was sie getan haben. Sie können ihre Handlungen rechtfertigen, indem sie ihren Opfern die Schuld zuschieben (z. B. indem sie denken, dass sie es verdient haben) oder dem Lauf des Lebens (z. B., indem sie denken, dass das Leben eben unfair ist). Sie lassen sich auf keinen Fall herumschubsen und tun unter allen Umständen nur das, was ihrer Meinung nach das Beste für sie selbst ist. Diese Haltung kann auch von einem Misstrauen gegenüber anderen herrühren.

Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung fehlt das Mitgefühl für andere, und die Gefühle, Rechte und das Leid der anderen können ihnen gleichgültig oder sogar zuwider sein.

Impulsives Verhalten (Impulsivität)

Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung sind in der Regel impulsiv. Sie haben Schwierigkeiten, im Voraus zu planen und die Folgen für sich und andere zu berücksichtigen. Daher können Sie Folgendes tun:

  • Plötzlich den Wohnort oder die Beziehung oder den Job (ohne einen anderen Job geplant zu haben) wechseln

  • Unter dem Einfluss von Drogen das Fahrzeug beschleunigen und einen Unfall heraufbeschwören

  • Übermäßige Mengen Alkohol konsumieren oder verbotene Drogen einnehmen, die schädliche Auswirkungen auf sie haben

  • Verbrechen begehen

Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung sind häufig schnell provoziert und reagieren körperlich aggressiv, weil sie Probleme haben, ihre Impulse zu kontrollieren und die Wirkung ihrer Handlungen auf andere ignorieren.

Sie haben eine kürzere Lebenserwartung als die allgemeine Bevölkerung.

Verantwortungslos

Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung handeln häufig sozial und finanziell verantwortungslos. Daher können Sie Folgendes tun:

  • Sich nicht um eine Arbeit bemühen, wenn es dafür eine Möglichkeit gibt

  • Ihre Rechnungen oder fälligen Mieten nicht zahlen

  • Keinen Unterhalt für ihre Kinder zahlen

Sonstige Symptome

Diese Menschen neigen dazu, eine überhöhte Meinung von sich selbst zu haben, sehr auf ihrer Meinung zu beharren, selbstsicher oder arrogant zu wirken. Sie können charmant, überzeugend und einschmeichelnd sein, wenn sie etwas erreichen möchten.

Diagnose

  • Ärztliche Beurteilung auf der Basis spezifischer Kriterien

Ärzte diagnostizieren in der Regel eine Persönlichkeitsstörung, anhand der Kriterien aus dem Diagnostischen und Statistischen Handbuch für psychische Erkrankungen(Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition), Fünfte Ausgabe (DSM-5), das von der American Psychiatric Association veröffentlicht wurde.

Damit Ärzte die Diagnose einer antisozialen Persönlichkeitsstörung stellen können, müssen die Betroffenen in tiefgreifender Weise die Rechte anderer ignorieren, wie anhand von mindestens drei der folgenden Handlungen deutlich wird:

  • Sie missachten das Gesetz, in dem sie wiederholt so sehr gegen das Gesetz verstoßen, dass sie verhaftet werden.

  • Sie sind betrügerisch, was sichtbar wird durch ihre wiederholten Lügen, die Verwendung von Decknamen oder, indem sie andere zum eigenen Vorteil oder Spaß hereinlegen.

  • Sie handeln impulsiv und planen nicht voraus.

  • Sie sind schnell reizbar oder aggressiv, was sich daran zeigt, dass sie ständig in irgendwelche Raufereien verwickelt sind oder andere angreifen.

  • Sie gehen rücksichtslos mit der eigenen und der Sicherheit anderer um.

  • Sie handeln ständig verantwortungslos, was sich darin zeigt, dass sie einfach ihren Arbeitsplatz kündigen, ohne eine neue Arbeit bereits geplant zu haben, oder indem sie ihre Rechnungen nicht zahlen.

  • Sie fühlen keine Reue, was sich darin zeigt, dass es ihnen gleichgültig ist oder sie immer eine Rechtfertigung dafür haben, wenn sie andere verletzen oder misshandeln.

Eine antisoziale Persönlichkeitsstörung wird nur bei Menschen ab 18 Jahren diagnostiziert.

Behandlung

  • Bei einigen Symptomen eine kognitive Verhaltenstherapie und bestimmte Medikamente

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung ist sehr schwer zu behandeln. Es gibt keine Nachweise dafür, dass bestimmte Therapien langfristig zu einer Verbesserung führen. Daher konzentrieren sich die Ärzte auf ein greifbareres Ziel, wie z. B. die Vermeidung rechtlicher Folgen. Allerdings kann die Feststellung und Behandlung einer Verhaltensstörung bei Kindern zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt helfen, die sozialen Probleme, die durch die antisoziale Persönlichkeitsstörung hervorgerufen werden, zu reduzieren.

Wenn Aggression und Impulsivität das Problem sind, kann den Betroffenen mit einer kognitiven Verhaltenstherapie, Medikamenten zur Stabilisierung des Gemütszustands (z. B. Lithium und das Antikonvulsivum Valproat) oder mit bestimmten Antidepressiva, sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs) geholfen werden.

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