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Von Arzneimitteln verursachte Leberschädigung

Von

Danielle Tholey

, MD, Thomas Jefferson University Hospital

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jan 2020| Inhalt zuletzt geändert Jan 2020
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Quellen zum Thema

Zahlreiche Arzneimittel können die Leberfunktion beeinflussen und/oder die Leber schädigen. (Siehe auch Arzneimittel und die Leber.)

Manche Arzneimittel, wie z. B. Statine (gegen hohen Cholesterinspiegel), können die Leberenzymwerte erhöhen und (normalerweise geringfügige) Leberschäden verursachen, ohne Symptome hervorzurufen.

Nur sehr wenige Arzneimittel schädigen die Leber so stark, dass Symptome wie eine Gelbfärbung der Haut und der Augen (Gelbsucht), Bauchschmerzen, Juckreiz und Bluterguss- sowie Blutungsneigungen auftreten.

Im medizinischen Sprachgebrauch bezeichnet man mit dem Begriff der medikamenteninduzierten Leberschädigung sämtliche Leberschäden, die von Arzneimitteln hervorgerufen werden, und zwar unabhängig davon, ob Symptome auftreten oder nicht. Dazu gehören auch Schädigungen durch Freizeitdrogen, Heilkräuter, Heilpflanzen und Nahrungsergänzungsmittel.

Bei manchen Arzneimitteln ist ein Leberschaden vorhersehbar. Er tritt kurz nach der Einnahme des Arzneimittels ein und hängt mit seiner Dosis zusammen. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist eine solche Schädigung (oft verursacht durch Paracetamol-Vergiftung) eine der häufigsten Ursachen für das plötzliche Auftreten von Gelbsucht und/oder Leberversagen. Bei anderen Arzneimitteln ist die Schädigung unvorhersehbar. Sie wird erst einige Zeit nach der Einnahme des Arzneimittels entdeckt und hängt nicht mit der Dosis zusammen. In seltenen Fällen führt eine solche Schädigung zu einer schweren Störung der Leber.

Heilkräuter und die Leber

Einige Heilkräuter (Teile von Pflanzen, die für ihre heilende Wirkung verwendet werden) enthalten Substanzen, welche die Leber schädigen können. Die Leber ist eine ideale Zielscheibe, weil sie alles abbaut, das durch den Mund in den Körper gelangt und geschluckt wird.

Pyrrolizidinalkaloide: Hunderte von Kräutern enthalten Pyrrolizidinalkaloide, welche die Leber schädigen können. Dazu gehören Kräuter wie Borretsch, Beinwell und gewisse chinesische Heilkräuter, wie z. B. Zi Cao (Steinsamen), Kuan Dong Hua (Huflattich), Qian Li Guang (Kreuzkraut) und Pei Lan (Wasserdost). Auch manche Kräuter in Tees enthalten Pyrrolizidinalkaloide. Manchmal sind Produkte wie Milch, Honig und Getreide mit Pyrrolizidinalkaloiden verunreinigt, die dann unbewusst eingenommen werden.

Pyrrolizidinalkaloide können die Leber allmählich schädigen, wenn kleine Mengen über längere Zeit eingenommen werden. Die Schäden treten rascher ein, wenn eine große Menge eingenommen wird. Die Lebervenen können sich verengen und den Blutfluss aus der Leber hinaus behindern.

Betroffene leiden unter Bauchschmerzen und müssen möglicherweise erbrechen. Flüssigkeit sammelt sich in Bauch und Beinen an. Schließlich kann es zu Narbenbildung in der Leber (Zirrhose), Leberversagen und sogar zum Tod kommen.

Andere Kräuter: Leberschäden können auch durch Kräuter wie das Gummi-Spindelkraut, die Teepflanze Camellia sinensis (die für Grün- und Schwarztee verwendet wird), Schöllkraut (aus der Familie der Mohngewächse), den Kreosotbusch, Gamander, Jin Bu Huan (gezähnter Bärlapp), Kava, Ma Huang (Meerträubel)), Misteln, das Öl der Polei-Minze (das für Tees verwendet wird) und Sho-Saiko-To (eine Kräutermischung) hervorgerufen werden.

Aufgrund der fehlenden Sicherheitsuntersuchungen durch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) und die Tatsache, dass viele dieser Substanzen selbst bei Personen ohne eine bereits bestehende Lebererkrankung zu einer Leberschädigung und sogar Leberversagen führen können, empfehlen Leberärzte im Allgemeinen, alle pflanzlichen Ergänzungsmittel zu vermeiden.

Risikofaktoren

Ganz allgemein erhöht sich das Risiko eines Leberschadens durch Arzneimittel wahrscheinlich in folgenden Fällen:

  • Ab dem 18. Lebensjahr

  • Adipositas

  • Schwangerschaft

  • Alkoholkonsum

  • Erbgut, das Betroffene empfindlicher für die Wirkungen von Arzneimitteln macht

Alkoholkonsum erhöht das Risiko eines Leberschadens, weil Alkohol selbst die Leber schädigt und dadurch ihre Fähigkeit zum Abbau von Arzneimitteln verändert. Außerdem senkt Alkohol die körpereigene Produktion eines Antioxidans zum Schutz der Leber.

Klassifizierung

Medikamenteninduzierte Leberschädigungen werden auf verschiedene Arten kategorisiert, z. B. danach, wie das Arzneimittel die Leber schädigt, wie die Leberzellen angegriffen werden und welche Auffälligkeiten bei Leberenzymen in Bluttests entdeckt werden. Arzneimittel können die Leber beispielsweise schädigen, indem sie den Leberzellen selbst Schaden zufügen (hepatozellulär), indem sie den Gallenfluss aus der Leber behindern (cholestatisch) oder beides.

Tabelle
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Für die Leber schädliche Arzneimittel

Arzneimittelkategorie

Beispiele

Antibiotika

Amoxicillin/Clavulanat

Clindamycin

Erythromycin

Nitrofurantoin

Rifampin

Sulfonamide

Tetrazykline

Trimethoprim/Sulfamethoxazol

Arzneimittel zur Behandlung von Tuberkulose (Isoniazid und Pyrazinamid)

Antiepileptika

Carbamazepin

Phenobarbital

Phenytoin

Valproat

Antidepressiva

Bupropion

Fluoxetin

Mirtazapin

Paroxetin

Sertralin

Trazodon

Trizyklische Antidepressiva wie z. B. Amitriptylin

Antimykotika

Ketokonazol

Terbinafin

Antihypertensiva (gegen Bluthochdruck und manchmal auch zur Behandlung von Nieren- oder Herzerkrankungen)

Captopril

Enalapril

Irbesartan

Lisinopril

Losartan

Verapamil

Antipsychotikum

Phenothiazine, wie z. B. Chlorpromazin

Risperidon

Herzmedikamente

Amiodaron

Clopidogrel

Hormone und verwandte Arzneimittel

Anabolika

Antibabypille (orale Kontrazeptiva)

Östrogene

Schmerzmittel

Paracetamol

NSAR

Andere Arzneimittel

Acarbose (zur Behandlung von Diabetes)

Allopurinol (zur Behandlung von Gicht)

ART-Medikamente (zur Behandlung der HIV-Infektion)

Baclofen (ein Muskelrelaxans)

Cyproheptadin (ein Antihistaminikum)

Azathioprin (zur Vorbeugung einer Abstoßungsreaktion bei Organtransplantationen)

Methotrexat (zur Krebstherapie)

Omeprazol (zur Behandlung von gastroösophagealem Reflux oder Sodbrennen)

Statine (gegen hohen Cholesterinspiegel)

Viele Arten von Chemotherapien, einschließlich Immun-Checkpoint-Inhibitoren

Heilkräuter

Gamander

Grüntee-Extrakt

Kava

Energydrinks

ART = antiretrovirale Therapie; HIV = humanes Immundefizienzvirus; NSAR = nichtsteroidales Antirheumatikum.

Symptome

Die Symptome der Lebererkrankung reichen von allgemeinen (wie z. B. Müdigkeit, allgemeines Unwohlsein, Übelkeit, Juckreiz und Appetitlosigkeit) bis hin zu schwereren Symptomen (wie z. B. Gelbsucht, Lebervergrößerung, Schmerzen im rechten Oberbauch, Verwirrtheit, Desorientierung und verminderte Aufmerksamkeit).

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Tests zu Leberwerten im Blut

Nachdem das mutmaßlich für die Schädigung verantwortliche Arzneimittel abgesetzt wurde, werden die Lebertests wiederholt. Ein starker Abfall der Leberenzymwerte stützt die Diagnose eines medikamenteninduzierten Leberschadens.

Durch Arzneimittel verursachte Leberschädigung

Wenn Leberschädigungen durch Arzneimittel rasch erkannt werden, ist die Prognose für Betroffene besser.

Bei der Anamnese wird danach gefragt, welche Arzneimittel eingenommen werden, um beurteilen zu können, ob diese einen Leberschaden verursachen können. Außerdem werden Blutuntersuchungen durchgeführt, um die Werte spezifischer Leberenzyme zu messen und um zu beurteilen, wie gut die Leber ihre Funktionen wahrnimmt und ob sie geschädigt ist (Lebertests). Eine medikamenteninduzierte Leberschädigung (DILI) ist wahrscheinlich, wenn die Ergebnisse dieser Lebertests typisch für Leberschäden sind, die üblicherweise durch die eingenommenen Arzneimittel verursacht werden. Medikamente verursachen manchmal selbst bei niedriger Dosis nach dem Absetzen eine Schädigung und bisweilen kann es mehrere Monate dauern, bis sich eine DILI verbessert. Daher ist es manchmal schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, zu bestimmen, ob ein bestimmtes Arzneimittel die Ursache war.

Leberschädigung aufgrund anderer Ursachen

Da es keinen Test zur Bestätigung der Diagnose gibt, wird auch nach anderen möglichen Ursachen für die Leberschädigung gesucht. So werden Blutuntersuchungen aufHepatitis, Autoimmunerkrankungen und andere Ursachen vorgenommen. Durch Druck auf den Oberbauch kann die Größe der Leber bestimmt werden, und bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Computertomographie können bei der Feststellung anderer Ursachen für die Leberschädigung ebenfalls hilfreich sein.

Vorbeugung

Bei der Anwendung einiger Arzneimittel, welche die Leber schädigen können (wie z. B. Statine), werden bisweilen regelmäßig Blutuntersuchungen durchgeführt, um die Leberenzymwerte zu überwachen. Durch solche Beobachtungen können Probleme früh erkannt werden, sodass Leberschäden vermieden werden können. Bei den meisten Arzneimitteln erfolgt allerdings keine Überwachung der Leberenzymwerte.

Behandlung

  • Absetzen des Medikaments

  • Verabreichung eines Gegenmittels, falls verfügbar

  • Manchmal Lebertransplantation

In der Regel hat ein Absetzen dieser Arzneimittel eine Besserung zur Folge. Symptomlindernde Arzneimittel können z. B. gegen Juckreiz eingesetzt werden.

Es gibt nur für wenige Arzneimittel ein Gegenmittel (Antidot). Acetylcystein kann beispielsweise eingesetzt werden, wenn jemand eine Überdosis Paracetamol eingenommen hat.

Bei einer schweren Schädigung müssen Patienten eventuell an einen Facharzt verwiesen werden. Eine Lebertransplantation kann angezeigt sein.

Weitere Informationen

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