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Hantavirus-Infektion

Von

Thomas M. Yuill

, PhD, University of Wisconsin-Madison

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2018| Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Hantavirus-Infektion ist eine Viruserkrankung, die von Nagetieren an Personen ausgebreitet wird. Das Virus kann schwere Infektionen der Lunge (mit Husten und Kurzatmigkeit) oder der Nieren (mit Ausschlag, Bauchschmerzen und mitunter Nierenversagen) verursachen.

  • Das Hantavirus wird durch den Kontakt mit infizierten Nagetieren oder ihrem Kot verbreitet.

  • Die Infektion beginnt mit plötzlichem Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und manchmal abdominalen Symptomen, die von Husten und Kurzatmigkeit oder von einem Ausschlag und von Nierenproblemen gefolgt sein können.

  • Bluttests zur Identifizierung des Virus helfen, die Diagnose zu bestätigen.

  • Wenn die Lunge betroffen ist werden Sauerstoffzufuhr und Arzneimittel zur Stabilisierung des Blutdrucks benutzt und wenn die Nieren betroffen sind kann Dialyse erforderlich werden.

Hantaviren infizieren weltweit unterschiedliche Arten von Nagetieren. Das Virus kommt im Urin und im Kot der Nagetiere vor. Die Infektion breitet sich aus, wenn Menschen in Kontakt mit Nagetieren oder ihrem Kot oder Urin kommen, oder möglicherweise, wenn sie an Stellen mit großen Mengen an Nagerkot Viruspartikel inhalieren. Es gibt Hinweise, dass das Virus von Person zu Person übertragen wird. Die Häufigkeit von Hantavirus-Infektionen ist am Ansteigen.

Es gibt mehrere Hantavirus-Stämme. Je nach Stamm befällt das Virus unterschiedliche Organe:

  • Die Lunge – es entwickelt sich das sogenannte pulmonale Syndrom durch Hantavirus (Hantavirus Pulmonary Syndrome, HPS)

  • Die Nieren – es entwickelt sich das hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS)

Viele Symptome der beiden Infektionen sind sich allerdings ähnlich.

Das pulmonale Syndrom wurde erstmals 1993 im Südwesten der Vereinigten Staaten diagnostiziert. Bis 2017 sind in den USA, überwiegend in den westlichen Bundesstaaten, etwa 697 Fälle aufgetreten. Einige Fälle sind auch in Kanada sowie in mehreren Ländern in Mittel- und Südamerika aufgetreten.

Das renale Syndrom tritt hauptsächlich in Teilen Europas sowie in Korea, China und Russland auf. Das renale Syndrom wird vom Seoul-Hantavirus verursacht. Das Virus wird von der Wanderratte übertragen. Auf diesem Weg konnte es sich auf Schiffen über die ganze Welt ausbreiten. Einige Fälle von Hantavirus-Infektionen, die durch Hausratten übertragen werden, sind in den Vereinigten Staaten, in Kanada und in Europa aufgetreten.

Symptome

Die Symptome einer Hantavirus-Infektion beginnen mit plötzlichem Fieber, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen, üblicherweise ungefähr 2 Wochen nach der Exposition gegenüber Nagerkot oder -urin. Es können auch Bauchschmerzen, Durchfall oder Erbrechen auftreten.

Diese Symptome dauern ein paar Tage an (gewöhnlich ungefähr 4, aber manchmal bis zu 15 Tage).

Durch das Hantavirus ausgelöstes pulmonales Syndrom

Personen mit dem pulmonalen Syndrom entwickeln anschließend Husten und Kurzatmigkeit, die innerhalb von einigen Stunden schlimmer werden können. Es sammelt sich Flüssigkeit um die Lunge herum an und der Blutdruck fällt.

Bei rund 50 Prozent der Patienten führt das pulmonale Syndrom zum Tod. Bei denjenigen, welche die ersten Tage überleben, verbessert sich der Zustand rasch, und innerhalb von etwa zwei bis drei Wochen erholen sie sich vollständig.

Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom

Bei manchen Menschen mit hämorrhagischem Fieber mit renalem Syndrom ist die Infektion leicht und verursacht keine Symptome.

Bei anderen setzen plötzlich unbestimmte Symptome (wie hohes Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Übelkeit) ein. Patienten mit leichten Symptomen werden wieder vollständig gesund.

Bei anderen verschlimmern sich die Symptome. Bei einigen Patienten sinkt der Blutdruck gefährlich stark ab (Schock). Das führt zu Nierenversagen und zum Einstellen der Urinproduktion (sogenannte Anurie). Manche Patienten haben Blut im Urin und/oder Stuhl und Blutergüsse auf der Haut. Bei 6 bis 15 Prozent der Fälle ist der Verlauf tödlich. Die Überlebenden erholen sich überwiegend innerhalb von 3 bis 6 Wochen, es kann aber auch bis zu 6 Monate dauern.

Diagnose

  • Bluttests zur Identifizierung des Virus

Der Verdacht auf das Vorliegen einer Hantavirus-Infektion besteht, wenn Menschen, die sich mit dem Virus angesteckt haben könnten, auch spezifische Symptome aufweisen.

Bluttests zur Identifizierung des Virus helfen, die Diagnose zu bestätigen.

Mithilfe anderer Bluttests wird die Funktion der Nieren und anderer Organe untersucht. Bei Verdacht auf Vorliegen des pulmonalen Syndroms wird möglicherweise der Brustkorb geröntgt. Zum Ausschluss anderer Ursachen von Flüssigkeit um die Lunge wird in der Regel eine Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens) durchgeführt.

Behandlung

  • Unterstützende Versorgung

  • Beim pulmonalen Syndrom Sauerstoff und Medikamente zur Stabilisierung des Blutdrucks

  • Beim renalen Syndrom Dialyse und Ribavirin

Die Behandlung von Infektionen mit dem Hantavirus ist meist unterstützender Art.

Beim pulmonalen Syndrom sind die wichtigsten Maßnahmen Sauerstoffzufuhr und Medikamente zur Stabilisierung des Blutdrucks. Mitunter wird ein mechanisches Beatmungsgerät eingesetzt, um die Atmung zu unterstützen.

Beim renalen Syndrom kann eine Dialyse erforderlich und lebensrettend sein und das antivirale Medikament Ribavirin, intravenös verabreicht, kann unter Umständen dazu beitragen, die Symptome zu lindern und das Sterberisiko zu senken.

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