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Mitralinsuffizienz

(Mitral Insufficiency)

Von

Guy P. Armstrong

, MD, North Shore Hospital, Auckland

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2020| Inhalt zuletzt geändert Feb 2020
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Bei einer Mitralinsuffizienz fließt jedes Mal, wenn sich die linke Herzkammer zusammenzieht, etwas Blut durch die Mitralklappe zurück.

  • Eine angeborene Schwäche des Mitralklappengewebes (myxomatöse Degeneration) und ein Herzinfarkt sind die häufigsten Ursachen für eine Mitralinsuffizienz, außer in Regionen der Welt, in denen Antibiotika zur Behandlung von Streptokokkeninfektionen und zur Vorbeugung von rheumatischem Fieber nicht ohne Weiteres verfügbar sind.

  • Menschen mit schwerer Mitralinsuffizienz können unter Kurzatmigkeit leiden.

  • Eine leichte Mitralinsuffizienz erfordert nicht unbedingt eine Behandlung, schreitet sie jedoch fort, kann ein operativer Ersatz der geschädigten Herzklappe notwendig werden.

Die Mitralklappe ist die Öffnung zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Die Mitralklappe öffnet sich, um Blut aus dem linken Vorhof in die linke Herzkammer einströmen zu lassen, und schließt sich wieder, sobald sich die linke Herzkammer zusammenzieht, um das Blut in die Aorta und nicht zurück in den linken Vorhof zu pumpen. Wenn sich die Mitralklappe nicht vollständig schließt, strömt Blut zurück in den linken Vorhof. Das nennt man „Regurgitation oder Insuffizienz“.

Komplikationen

Die Mitralklappeninsuffizienz erhöht die Menge an Blut (das Blutvolumen) und den Druck im linken Vorhof. Der Anstieg des Blutdrucks im linken Vorhof erhöht den Druck in den Venen, die von der Lunge zum Herz führen (Pulmonalvenen), und führt dazu, dass sich der linke Vorhof vergrößert, um das zusätzliche Blut aufzunehmen, das aus dem Ventrikel zurückfließt. Ein stark vergrößerter Vorhof schlägt oft sehr schnell und unregelmäßig (eine Störung die Vorhofflimmern genannt wird). Dies verringert die Pumpleistung des Herzens, da der Vorhof beim Vorhofflimmern nur noch zittert, anstatt zu pumpen. In der Folge fließt das Blut nicht mehr schnell genug durch den Vorhof, und es können sich Gerinnsel bilden. Wenn sich ein Gerinnsel löst (Embolus), kann es vom Herzen in eine Arterie gelangen und diese verschließen; unter Umständen führt dieses zum Schlaganfall oder anderen Schädigungen.

Bei schwerer Mitralinsuffizienz kann es zur Herzinsuffizienz kommen, wobei ein erhöhter Druck im Vorhof zu Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge (Kongestion) führt oder die Organe aufgrund des verringerten Vorwärtsblutflusses aus der Herzkammer in den Körperkreislauf nicht ausreichend mit Blut versorgt werden. Der linke Ventrikel kann sich allmählich vergrößern und schwach werden, was die Herzinsuffizienz weiter verschlimmert.

Ursachen

Die Mitralklappeninsuffizienz kann infolge einer infektiösen Endokarditis, einer Infektion der Herzklappe oder aufgrund einer Verletzung der Klappe oder ihrer Stützelemente plötzlich entstehen. Die Klappe oder ihre Stützelemente können durch einen Herzinfarkt, eine koronare Herzkrankheit oder Gewebeschwäche in den Elementen (myxomatöse Degeneration) beschädigt sein.

Häufiger jedoch entwickelt sich die Mitralinsuffizienz nach und nach aufgrund eines allmählichen Verfalls der Klappe (verursacht durch einen Mitralklappenprolaps oder eine rheumatische Herzkrankheit) oder durch eine Vergrößerung der linken Herzkammer, die die Klappe auseinanderzieht, die sich dadurch nicht mehr richtig schließen kann. Diese Vergrößerung wird durch einen Herzinfarkt oder eine andere Krankheit verursacht, die den Herzmuskel schwächt (z. B. eine Kardiomyopathie).

Rheumatisches Fieber) – eine Krankheit, die manchmal die Folge einer unbehandelten Rachenentzündung oder Scharlachinfektion in der Kindheit ist – ist die häufigste Ursache für eine Mitralinsuffizienz. Heutzutage tritt rheumatisches Fieber in Nordamerika und Westeuropa und anderen Regionen jedoch nur noch selten auf, weil Infektionen wie eine Rachenentzündung hier üblicherweise mit Antibiotika behandelt werden. Allerdings kann eine Mitralinsuffizienz bei älteren Menschen noch auf rheumatischem Fieber beruhen, weil die Behandlung mit Antibiotika in ihrer Jugend noch nicht üblich war. Dies trifft auch auf Zuwanderer aus Regionen zu, in denen Antibiotika nicht weit verbreitet sind. In solchen Regionen tritt rheumatisches Fieber immer noch auf und führt verbreitet zu Mitralstenose oder Mitralinsuffizienz, manchmal 10 Jahre oder mehr nach der ursprünglichen Infektion. Wiederkehrende Schübe von rheumatischem Fieber beschleunigen die Herzklappenerkrankung.

Symptome

Eine leichte Mitralinsuffizienz muss noch keine Symptome verursachen. Bei einem höheren Schweregrad oder bei Vorhofflimmern kann es bei den Betroffenen zu Palpitationen (Wahrnehmung von starkem Herzklopfen) oder zu Kurzatmigkeit kommen. Bei Menschen mit Herzinsuffizienz können Husten, Kurzatmigkeit bei Belastung oder im Ruhezustand und Schwellungen in den Beinen auftreten.

Diagnose

  • Körperliche Untersuchung

  • Echokardiographie

Eine Mitralinsuffizienz wird aufgrund des charakteristischen Herzgeräuschs diagnostiziert, das mit einem Stethoskop zu hören ist. Es besteht aus einem typischen Laut, der entsteht, wenn das Blut in den linken Vorhof zurückfließt, sobald sich die linke Herzkammer zusammenzieht. Diese Störung wird gelegentlich bei ärztlichen Routineuntersuchungen festgestellt.

Eine Echokardiographie, bei der mittels Ultraschallwellen ein Bild der Herzstrukturen und des Blutflusses erzeugt wird, ist am aufschlussreichsten. Mit einer Echokardiographie kann die Größe des Vorhofs und der Herzkammer dargestellt und die zurückfließende Blutmenge bestimmt werden. Dadurch lässt sich feststellen, wie schwerwiegend die Insuffizienz ist.

Im Elektrokardiogramm (EKG) und auf Röntgenaufnahmen des Brustkorbs ist die Vergrößerung der linken Herzkammer zu erkennen. Bei einer schweren Mitralinsuffizienz kann die Röntgenaufnahme des Brustkorbs auch eine Flüssigkeitsansammlung in der Lunge zeigen.

Bei einer geplanten Operation zur Wiederherstellung oder zum Ersatz einer Mitralklappe wird oftmals eine Herzkatheterisierung durchgeführt, damit der Arzt feststellen kann, ob eine koronare Herzkrankheit vorliegt, die im Rahmen der Herzoperation mitbehandelt werden könnte.

Behandlung

  • Manchmal Klappenreparatur oder -ersatz

Bei leichter Mitralinsuffizienz ist eine spezifische Behandlung nicht unbedingt erforderlich. Allerdings kann sich die Insuffizienz nach und nach verschlimmern. Daher wird in regelmäßigen Abständen ein Echokardiogramm erstellt, um nachzusehen, ob eine Operation bereits erforderlich ist oder nicht. Die Operation muss durchgeführt werden, bevor der Herzmuskel dauerhaft geschwächt ist.

Wenn eine schwerer ausgeprägte Mitralinsuffizienz eine Herzinsuffizienz verursacht, erhalten die Patienten, die nicht operiert werden können, bestimmte Medikamente gegen die Herzinsuffizienz, wie Spironolacton und Carvedilol. Bei Menschen mit Vorhofflimmern werden Antikoagulanzien wie Warfarin eingesetzt.

Eine Operation kann Folgendes umfassen:

  • Reparatur der Klappe

  • Ersatz mit einer künstlichen Klappe (Prothese)

Eine herkömmliche Mitralklappenreparatur wird am offenen Herzen durchgeführt, bei der der Arzt einen Ring einsetzt, der die Größe der Klappenöffnung verringert. Eine neuere Reparaturtechnik, die perkutane Mitralklappenreparatur (percutaneous mitral valve repair, PMVR), ist weniger invasiv. Bei einer PMVR wird die Klappe mithilfe einer Klemme repariert, die über einen Katheter, der durch eine Vene in der Leistenbeuge (der Oberschenkelvene) zum Herzen geführt wird. Die Klemme verringert die Größe der Klappenöffnung.

Eine Mitralklappenersatz mit mechanischen oder bioprothetischen Klappen wird durch eine Operation am offenen Herzen durchgeführt.

Die Reparatur oder der Austausch der Klappe beseitigt den Rückfluss des Blutes oder reduziert ihn so weit, dass sich die Symptome in Grenzen halten und das Risiko einer Herzschädigung sinkt. Nach Möglichkeit sollte die Klappe mithilfe eines Rings repariert werden, anstatt sie zu ersetzen, da eine wiederhergestellte Klappe gewöhnlich besser funktioniert als eine mechanische oder bioprothetische Ersatzklappe und der Patient dann nicht zeitlebens mit Antikoagulanzien behandelt werden muss. Die perkutane Mitralklappenreparatur (PMVR) ist nicht so wirksam wie die Reparatur oder der Austausch mit einer offenen Operation. Die PMVR wird nur für Patienten mit schwerer Mitralinsuffizienz empfohlen, die für eine Operation am offenen Herzen zu gebrechlich sind.

Prothetische Herzklappen sind anfällig für schwere Infektionen (infektiöse Endokarditis). Menschen mit einer künstlichen Herzklappe sollten vor einer Operation und vor zahnärztlichen oder anderen medizinischen Eingriffen Antibiotika einnehmen (siehe Tabelle: Beispiele aus den USA von Verfahren, bei denen vorbeugende Antibiotika notwendig sind*), um das Risiko der Infektion einer Klappe zu verringern, obgleich es gering ist. Ein Vorhofflimmern muss gegebenenfalls behandelt werden, zum Beispiel mit Antikoagulanzien zur Vorbeugung von Blutgerinnseln.

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