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Medikamentöse Behandlung des Bluthochdrucks

Von

George L. Bakris

, MD, University of Chicago School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2019| Inhalt zuletzt geändert Okt 2019
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Quellen zum Thema

Medikamente, die für die Behandlung von Bluthochdruck bestimmt sind, werden Antihypertensiva oder Antihypertonika genannt. Mit der großen Auswahl von Antihypertensiva lässt sich bei fast allen Menschen der Bluthochdruck wirksam behandeln. Die Behandlung muss jedoch auf den Patienten individuell eingestellt sein. (Siehe auch Bluthochdruck) Die Behandlung ist am wirkungsvollsten, wenn die Kommunikation zwischen Patient und Arzt gut ist und sie bei der Therapie zusammenarbeiten.

Die verschiedenen Antihypertensiva senken den Blutdruck auf unterschiedliche Weise; deshalb sind verschiedene Behandlungsstrategien möglich. Manchmal wird hinsichtlich der medikamentösen Therapie ein Stufenplan angewendet: Es wird mit einem Antihypertensivum begonnen und bei Bedarf werden andere Antihypertensiva hinzugezogen. In anderen Fällen wird ein sequenzieller Behandlungsplan bevorzugt: Dabei wird zunächst ein Antihypertensivum verschrieben, und wenn dieses nicht wirkt, wird es abgesetzt und auf ein anderes Antihypertensivum umgestellt. Bei einem Blutdruck ab 140/90 mmHg wird meist mit zwei Medikamenten gleichzeitig begonnen. Bei der Auswahl des Antihypertensivums werden folgende Faktoren berücksichtigt:

  • Alter, Geschlecht und ethnische Herkunft der Person

  • Schweregrad des Bluthochdrucks

  • Vorliegen anderer Erkrankungen wie Diabetes oder hoher Cholesterinspiegel

  • Potenzielle Nebenwirkungen, die je nach Medikament unterschiedlich sind

  • Die Kosten der Medikamente und Tests, die zur Prüfung auf bestimmte Nebenwirkungen benötigt werden

Die Mehrheit der Betroffenen (über 74 Prozent) braucht zwei oder mehr Medikamente, um ihren angestrebten Blutdruck zu erreichen.

Die meisten Menschen vertragen die blutdrucksenkenden Medikamente gut. Aber Antihypertensiva können auch Nebenwirkungen verursachen. Wenn sich Nebenwirkungen einstellen, sollte daher der Arzt informiert werden. Er kann dann die Dosis anpassen oder den Patienten auf ein anderes Mittel umstellen. Blutdrucksenkende Medikamente müssen normalerweise lebenslang eingenommen werden, um den Blutdruck unter Kontrolle zu halten.

Adrenerge Blocker

Adrenerge Blocker sind z. B. Alpha-Blocker, Betablocker, Alpha-Beta-Blocker und peripher wirkende adrenerge Blocker. Diese Medikamente blockieren die Wirkung des Sympathikus – dem Teil des vegetativen Nervensystems, der schnell auf Stress reagiert, indem er den Blutdruck erhöht.

Die am häufigsten angewendeten adrenergen Blocker sind Betablocker. Sie eignen sich besonders für Weiße, junge Menschen und Menschen, die einen Herzinfarkt erlitten haben. Außerdem eignen sie sich gut bei erhöhter Herzfrequenz, Angina pectoris (Brustschmerzen als Folge einer verminderten Blutversorgung des Herzmuskels) und Migräne-Kopfschmerzen. Bei älteren Menschen ist das Risiko für Nebenwirkungen erhöht.

Alphablocker werden nicht mehr als Haupttherapie eingesetzt, weil sie das Sterberisiko nicht senken. Peripher wirkende adrenerge Blocker werden in der Regel nur dann angewendet, wenn ein drittes oder viertes Medikament benötigt wird, um den Blutdruck zu kontrollieren.

Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer

Hemmer des Angiotensin-konvertierenden Enzyms (ACE-Hemmer) senken den Blutdruck teilweise dadurch, dass sie die Arteriolen weiten. Sie weiten die Arteriolen, indem sie die Bildung von Angiotensin II verhindern, einem chemischen Stoff im Körper, der für die Verengung der Arteriolen verantwortlich ist. Diese Hemmer blockieren insbesondere die Wirkung des Angiotensin-konvertierenden Enzyms, das Angiotensin I in Angiotensin II umwandelt (siehe Regulation des Blutdrucks). ACE-Hemmer eignen sich besonders für Menschen mit koronarer Herzkrankheit oder Herzinsuffizienz, Menschen mit weißer Hautfarbe, junge Menschen, Menschen mit Eiweiß im Urin als Folge einer chronischen Nierenerkrankung oder einer Nierenschädigung infolge von Diabetes sowie Männer, die mit anderen blutdrucksenkenden Mitteln eine sexuelle Funktionsstörung entwickeln.

Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker

Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker (ARB) senken den Blutdruck auf ähnliche Weise wie die ACE-Hemmer: Sie blockieren unmittelbar die Wirkung von Angiotensin II, das für die Verengung der Arteriolen verantwortlich ist. Durch diese unmittelbare Wirkungsweise verursachen Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker weniger Nebenwirkungen.

Kalziumkanalblocker

Kalziumkanalblocker erweitern die Arteriolen auf eine ganz andere Weise. Sie eignen sich besonders für Menschen mit schwarzer Hautfarbe und für ältere Menschen. Kalziumkanalblocker sind außerdem zu empfehlen bei Angina pectoris, bestimmten Arten von erhöhter Herzfrequenz oder Migräne-Kopfschmerzen. Es gibt Kalziumkanalblocker mit kurzer oder langer Wirkungsdauer. Kurz wirkende Kalziumkanalblocker werden nicht zur Behandlung von Bluthochdruck angewendet. Berichten zufolge ist das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, bei der Anwendung von kurz wirkenden Kalziumkanalblockern höher. Für lang wirkende Kalziumkanalblocker gibt es jedoch keine Berichte, die eine derartige Wirkung nahelegen.

Zentral wirkende Alpha-Agonisten

Zentral wirkende Alpha-Agonisten senken den Blutdruck auf ähnliche Weise wie adrenerge Blocker. Indem sie gewisse Rezeptoren im Hirnstamm stimulieren, hemmen diese Agonisten die Reaktionen des sympathischen Nervensystems. Diese Medikamente werden heutzutage nur noch selten verordnet.

Direkte Vasodilatatoren

Direkte Vasodilatatoren weiten die Blutgefäße auf andere Weise. Ein Medikament dieser Gruppe wird kaum je allein gegeben, sondern mit einem anderen Mittel kombiniert, wenn dieses andere Mittel allein den Blutdruck nicht hinreichend senken kann.

Tabelle
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Blutdrucksenkende Medikamente

Art

Beispiele

Einige Nebenwirkungen

Adrenerge Blocker

Alphablocker

  • Doxazosin

  • Prazosin

  • Terazosin

Ohnmachtsanfall (Synkope) nach der ersten Einnahme, Wahrnehmung eines schnellen Herzschlags (Palpitationen), Schwindel, niedriger Blutdruck im Stehen (orthostatische Hypotonie), Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme)

Beta-Blocker

  • Acebutolol

  • Atenolol

  • Betaxolol

  • Bisoprolol

  • Metoprolol

  • Nadolol

  • Nebivolol

  • Penbutolol

  • Pindolol

  • Propranolol

  • Timolol

Verkrampfungen der Atemwege (Bronchospasmus), sehr niedrige Herzfrequenz (Bradykardie), Herzinsuffizienz, Verschleierung der Unterzuckerungssymptome nach Insulininjektionen, Durchblutungsstörungen der peripheren Blutgefäße, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Depressionen, Raynaud-Syndrom, wirre Träume, Halluzinationen, sexuelle Funktionsstörungen

Bei einigen Betablockern kann der Triglyzeridspiegel steigen.

Alpha-Beta-Blocker

  • Carvedilol

  • Labetalol

Niedriger Blutdruck im Stehen und Verkrampfung der Atemwege

Hemmstoffe des Angiotensin-konvertierenden Enzyms (ACE-Hemmer)

  • Benazepril

  • Captopril

  • Enalapril

  • Fosinopril

  • Lisinopril

  • Perindopril

  • Quinapril

  • Ramipril

  • Trandolapril

Husten (bei bis zu 20 Prozent der Menschen), niedriger Blutdruck, erhöhter Kaliumspiegel, Hautausschlag, Angioödem (allergische Schwellung von Gesicht, Lippen und Luftröhre, die die Atmung erschweren kann) und, in der Schwangerschaft, schwerwiegende Schädigung des ungeborenen Kindes

Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker (ARB)

  • Azilsartan

  • Candesartan

  • Eprosartan

  • Irbesartan

  • Losartan

  • Olmesartan

  • Telmisartan

  • Valsartan

Schwindel, erhöhter Kaliumspiegel, Angioödem (seltener als bei ACE-Hemmern) und, in der Schwangerschaft, schwerwiegende Schädigung des ungeborenen Kindes

Kalziumkanalblocker

Dihydropyridine

  • Amlodipin

  • Felodipin

  • Isradipin

  • Nicardipin

  • Nifedipin (nur mit verzögerter Wirkstofffreisetzung)

  • Nisoldipin

Schwindel, Wasseransammlungen in den Knöcheln, Hitzewallungen, Kopfschmerzen, Sodbrennen, Zahnfleischschwellungen, ungewöhnlich hohe Herzfrequenz (Tachykardie)

Nondihydropyridine

  • Diltiazem (nur mit verzögerter Wirkstofffreisetzung)

  • Verapamil

Kopfschmerzen, Schwindel, Hitzewallungen, Wasseransammlungen, Probleme mit dem elektrischen Leitsystem des Herzens (einschließlich Herzblock), ungewöhnlich niedrige Herzfrequenz (Bradykardie), Herzinsuffizienz, Zahnfleischschwellungen

Bei Verapamil, Verstopfung

Zentral wirkende Alpha-Agonisten

  • Clonidin

  • Guanabenz

  • Guanfacin

  • Methyldopa

Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Müdigkeit, sehr niedrige Herzfrequenz, Hochschnellen des Blutdrucks beim Absetzen des Medikaments (außer bei Methyldopa), sexuelle Funktionsstörungen

Durch Methyldopa Depressionen, niedriger Blutdruck im Stehen, Lebererkrankungen, Autoimmunerkrankungen

Direkte Vasodilatatoren

  • Hydralazin

  • Minoxidil

Kopfschmerzen, ungewöhnlich hohe Herzfrequenz (Tachykardie) und Wasseransammlungen

Diuretika

Schleifendiuretika

  • Bumetanid

  • Furosemid

  • Ethacrynsäure

  • Torasemid

Kalium- und Magnesiumverlust, vorübergehender Anstieg des Blutzuckers und des Cholesterinspiegels, erhöhte Harnsäurewerte, sexuelle Funktionsstörung bei Männern und Verdauungsbeschwerden

Kaliumsparende Diuretika

  • Amilorid

  • Eplerenon

  • Spironolacton

  • Triamteren

Bei allen Wirkstoffen hohe Kaliumwerte und Verdauungsbeschwerden

Durch Spironolacton kann sich bei Männern die Brust vergrößern (Gynäkomastie), Frauen können Zyklusstörungen bekommen.

Thiazid- und thiazidähnliche Diuretika

  • Bendroflumethiazid

  • Chlorthiazid

  • Chlorthalidon

  • Hydrochlorothiazid

  • Hydroflumethiazid

  • Indapamid

  • Methyclothiazid

Kalium- und Magnesiumverlust, erhöhte Kalzium- und Harnsäurewerte, sexuelle Funktionsstörung bei Männern und Verdauungsbeschwerden

Diuretika

Ein Thiaziddiuretikum oder thiazidähnliche Diuretikum (wie Chlorthalidon oder Indapamid) ist manchmal das erste Medikament, mit dem der Bluthochdruck behandelt wird. Diuretika können die Blutgefäße erweitern (Dilatation). Diuretika regen die Nieren zur Ausscheidung von Salz und Wasser an, dadurch verringert sich das Flüssigkeitsvolumen im gesamten Körper und der Blutdruck sinkt.

Da durch Thiaziddiuretika Kalium mit dem Urin aus dem Körper ausgeschieden wird, muss manchmal zusätzlich zum Thiaziddiuretikum ein Kaliumpräparat oder ein Diuretikum, das keinen Kaliumverlust verursacht oder sogar den Kaliumspiegel im Körper erhöht (kaliumsparende Diuretika), gegeben werden. Da kaliumsparende Diuretika den Blutdruck nicht so wirksam kontrollieren wie Thiaziddiuretika, werden sie meist nicht allein angewendet. Das kaliumsparende Diuretikum Spironolacton wird jedoch manchmal allein angewendet.

Diuretika sind besonders geeignet für Menschen mit schwarzer Hautfarbe, für ältere Menschen, Übergewichtige und Menschen mit Herzinsuffizienz oder chronischer Nierenerkrankung.

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