Plötzlicher unerwarteter Kindstod (Sudden Unexpected Infant Death, SUID) und plötzlicher Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome, SIDS)

VonRichard D. Goldstein, MD, Harvard Medical School
Überprüft vonMichael SD Agus, MD, Harvard Medical School
Überprüft/überarbeitet Geändert Okt. 2025
v816951_de
DIE AUSGABE FÜR MEDIZINISCHE FACHKREISE ANSEHEN
Kurzinformationen

Ein plötzlicher unerwarteter Kindstod (SUID) beschreibt jeden unerwarteten und plötzlichen Tod bei einem Säugling, bei dem die Ursache vor einer Untersuchung nicht offensichtlich ist. Der plötzliche unerwartete Kindstod umfasst den plötzliche Kindstod (SIDS), Todesfälle unbestimmter Ursache und versehentliches Ersticken und Strangulation im Bett (Accidental Suffocation and Strangulation in Bed, ASSB) bei Säuglingen unter 1 Jahr.

  • Die genaue Ursache für den plötzlichen Kindstod (SIDS) ist nicht bekannt.

  • Das Einschlafen der Säuglinge auf dem Rücken, das Entfernen von Kissen, Schutzpolstern und Spielzeug aus dem Kinderbett, das Schützen der Säuglinge vor Überhitzung, das Füttern von Muttermilch und das Vermeiden eines Kontakts mit Tabak während der Schwangerschaft und im Säuglingsalter helfen, den plötzlichen Kindstod zu verhindern.

  • Eltern, die durch plötzlichen unerwarteten Kindstod oder plötzlichen Kindstod ein Kind verloren haben, sollten Betreuungsangebote und Selbsthilfegruppen in Anspruch nehmen.

Es gibt mehr als einen Begriff zur Beschreibung eines plötzlichen Kindstods. Ein plötzlicher unerwarteter Kindstod (SUID) wird allgemein verwendet, um jeden unerwarteten und plötzlichen Tod bei einem Kind im Alter von unter 1 Jahr zu beschreiben, bei dem die Ursache vor einer vollständigen Autopsie oder Untersuchung nach dem Tod nicht offensichtlich ist. Der plötzliche unerwartete Kindstod umfasst plötzliche unerwartete Todesfälle, für die letztendlich eine Ursache gefunden wird, wie z. B. versehentliches Ersticken und Strangulation im Bett (ASSB). Ein plötzlicher unerwarteter Kindstod umfasst auch plötzliche, unerwartete Todesfälle, bei denen selbst nach einer Beurteilung oder Untersuchung, wie z. B. Todesfälle unbestimmter Ursache und plötzlicher Kindstod (SIDS), keine Ursache festgestellt wird.

Im Jahr 2022 starb 1 von 1.000 Säuglingen in den Vereinigten Staaten am plötzlichen unerwarteten Kindstod. In Bezug auf den plötzlichen unerwarteten Kindstod bestehen ethnische, soziale und ökonomische Ungleichheiten. So sind die Raten des plötzlichen unerwarteten Kindstods bei nicht hispanischen Schwarzen Säuglingen etwa dreimal höher als bei nicht hispanischen Weißen Säuglingen. Bei Säuglingen, die in Armut leben, ist das Risiko für den plötzlichen unerwarteten Kindstod ebenfalls höher.

Der plötzliche Kindstod (auch Krippentod genannt) ist die häufigste Form des plötzlichen unerwarteten Kindstods. In den Vereinigten Staaten ist er die häufigste Todesursache bei Säuglingen im Alter von etwa einem Monat bis zum ersten Geburtstag. Am häufigsten sind Säuglinge im Alter von 1 bis 4 Monaten betroffen. Das Syndrom wird auf der ganzen Welt beobachtet. Dafür gibt es viele Risikofaktoren.

Wussten Sie ...

  • Obwohl der plötzliche Kindstod (SIDS) selten ist, zählt er doch zu den häufigsten Todesursachen bei Säuglingen unter 1 Jahr. Wenn Säuglinge zum Schlafen auf den Bauch gelegt werden, erhöht sich das Risiko für den plötzlichen Kindstod.

Ursachen für SIDS

Die Ursache SIDS ist unbekannt. Wird eine Ursache diagnostiziert, ist sie nicht mehr unbekannt und der Fall gilt nicht mehr als plötzlicher Kindstod. Der plötzliche Kindstod kann durch Probleme im Bereich des Gehirns eines Säuglings verursacht werden, der die Atmung und das Aufwachen aus dem Schlaf kontrolliert.

Gene, die Herzrhythmusstörungen oder Krampfanfälle verursachen, wurden bei einigen Säuglingen festgestellt, die am plötzlichen Kindstod sterben.

Dass Geschwister von Säuglingen, die am plötzlichen Kindstod gestorben sind, ein höheres Risiko aufweisen, deutet zumindest in einigen Fällen auf eine vererbte Ursache hin.

Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod

Kinder, die einem der folgenden bedeutsamen Risikofaktoren ausgesetzt waren oder sind, tragen ein höheres Risiko für den plötzlichen Kindstod.

Schlafbezogene Risikofaktoren:

  • Auf dem Bauch schlafen (häufigster Risikofaktor)

  • Weiche Bettwäsche und weiche Schlafflächen (insbesondere Sofas und Sessel)

  • Überhitzung (durch Decken oder heißen Raum)

Wichtige nicht schlafbezogene Risikofaktoren:

  • Frühgeburt

  • Tabakrauchen durch die Mutter (während der Schwangerschaft oder nach der Geburt des Säuglings)

  • Keine oder unvollständige Impfungen

  • Kein Füttern mit Muttermilch (durch Stillen oder mit der Flasche)

  • Bruder oder Schwester, der bzw. die am plötzlichen Kindstod verstorben ist

Diese Risikofaktoren wurden hauptsächlich als Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod untersucht, sie gelten aber auch für die breitere Kategorie des plötzlichen unerwarteten Kindstods.

Diagnose von SIDS

  • Autopsie

Zur Diagnose des plötzlichen Kindstod ist eine Autopsie (eine Überprüfung und Untersuchung des Leichnams) erforderlich, um andere Ursachen für einen plötzlichen Tod (wie etwa Erstickung, Misshandlung, eine intrakranielle Blutung, Meningitis [Hirnhautentzündung] oder eine Herzmuskelentzündung oder eine andere Erkrankung) ausschließen zu können. Dazu wird die Todesszene überprüft und eventuell, aber nicht notwendigerweise auch die Krankengeschichte und familiäre Vorbelastung des Säuglings besprochen.

Vorbeugung von SIDS

  • Kinder zum Schlafen auf den Rücken legen

Obwohl die Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod bekannt sind, gibt es nicht immer die Möglichkeit, ihn zu verhindern. Bestimmte Maßnahmen scheinen jedoch das Risiko zu senken, insbesondere das Schlafenlegen auf dem Rücken auf einer ebenen Schlafunterlage. Seitdem Säuglinge vermehrt zum Schlafen auf den Rücken gelegt werden, ist die Anzahl der am plötzlichen Kindstod verstorbenen Kinder deutlich zurückgegangen (siehe die Kampagne Safe to Sleep).

Regelmäßige Schwangerschaftsvorsorge während der Schwangerschaft senkt das Risiko für den plötzlichen Kindstod nachweislich.

Zudem können Stillen sowie das Abschirmen des Kindes von Passivrauch – Maßnahmen, die auch noch weitere Gesundheitsvorteile mit sich bringen – hilfreich sein. Für Säuglinge, die von Müttern geboren werden, die während der Schwangerschaft rauchen, steigt das Risiko des plötzlichen Kindstods mit jeder zusätzlich gerauchten Zigarette.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass zuhause installierte Atmungsüberwachungsgeräte das Risiko für SIDS senken. Es gibt auch keine Belege, dass Pucken (Einwickeln) SIDS vorbeugt.

  • Position: Legen Sie das Kind bei jedem Schlaf immer auf den Rücken. Auf dem Bauch schlafen, seitliches Schlafen und hochgelagertes Schlafen sind nicht sicher.

  • Unterlage: Legen Sie das Kind auf eine feste, ebene Schlafunterlage, wie eine Sicherheitsmatratze für Gitterbettchen mit einem Spannbetttuch. Die Schlafunterlage sollte nicht schräg oder hochgelagert sein.

  • Ernährung: Füttern Sie den Säugling in den ersten 6 Monaten nach Möglichkeit mit Muttermilch.

  • Bettzeug: Halten Sie den Schlafbereich des Säuglings frei von weichen Gegenständen, Kissen, Schutzpolstern, Stofftieren, Stoffpuppen, lockeren Decken, unpassenden Laken, Matratzenauflagen, Materialien aus Fell, Steppdecken, Bettdecken und schweren Decken, Wickeln oder sonstigen Gegenständen.

  • Nicht rauchen: Rauchen oder vapen Sie nicht in Gegenwart des Kindes. Rauchen, Nikotin, Alkohol, Marihuana, Opioide und illegaler Drogenkonsum sollten während der Schwangerschaft und nach der Geburt vermieden werden. Betreuungspersonen sollten weder illegale Drogen noch Alkohol konsumieren.

  • Ort: Der Schlafbereich des Kindes sollte in der Nähe der Eltern, jedoch separat und auch abgetrennt vom Schlafbereich anderer Kinder sein. Es wird empfohlen, dass Säuglinge im Zimmer der Eltern/Betreuer in der Nähe deren Betts schlafen, aber auf einer separaten Schlafunterlage, die für Säuglinge konzipiert ist, idealerweise für mindestens die ersten 6 Monate.

  • Schnuller: Bieten Sie dem Kind gegebenenfalls vor jedem Schlafenlegen einen sauberen, trockenen Schnuller an. Bei Säuglingen, die gestillt werden, sollte mit dem Schnuller gewartet werden, bis das Stillen des Babys gut klappt.

  • Temperatur: Lassen Sie den Säugling während des Schlafs nicht zu warm werden. Vermeiden Sie es, das Kind zu stark einzupacken, den Kopf oder das Gesicht während des Schlafs zu bedecken oder drinnen eine Kopfbedeckung zu tragen. Halten Sie den Säugling lieber mit mehreren Kleidungsstücken als mit mehreren Decken und anderen Abdeckmöglichkeiten warm. Ein Schlafsack kann genutzt werden. Lassen Sie den Säugling unabhängig von der Außentemperatur nicht allein in einem Fahrzeug. 

  • Schwangerenvorsorge: Gehen Sie regelmäßig zur Schwangerenvorsorge, um das Risiko des plötzlichen Kindstods zu senken. 

  • Impfungen: Befolgen Sie die Impfempfehlungen, die Ihnen Ärzte und anderes medizinisches Fachpersonal gibt. Säuglinge, die geimpft werden, haben ein geringeres Risiko für den plötzlichen Kindstod. Impfstoffe schützen Säuglinge auch vor Krankheiten.

  • Monitore und andere Geräte: Verwenden Sie zu Hause keine Geräte zur Überwachung von Herz, Bewegung oder Atmung, um das Risiko für den plötzlichen Kindstod zu senken. Überwachungsgeräte und Produkte, die behaupten, vor dem plötzlichen Kindstod zu schützen, verhindern diesen nicht.

  • Liegen auf dem Bauch: Um die Entwicklung zu fördern und damit sich der Hinterkopf des Säuglings nicht flach verformt, sollte er im Wachzustand unter Aufsicht auf den Bauch gelegt werden (Bauchlage). Mit kurzen Zeiten in Bauchlage kann bereits kurz nach der Entlassung aus dem Krankenhaus begonnen werden. Das Liegen auf dem Bauch sollte im Alter von 7 Wochen regelmäßig auf mindestens 15 bis 30 Minuten pro Tag erhöht werden.

Übernommen aus „The National Institute of Child Health and Human Development's Ways to Reduce Baby’s Risk“.

Übernommen aus „The National Institute of Child Health and Human Development's Ways to Reduce Baby’s Risk“.

Unterstützung für Eltern, die ein Kind durch den plötzlichen Kindstod oder plötzlichen unerwarteten Kindstod verloren haben

  • Beratung

  • Support-Groups

Eltern, die ein Kind durch SIDS verloren haben, sind zutiefst traurig, nicht zuletzt, weil diese Tragödie sie völlig unvorbereitet trifft. Sie fühlen sich oft schuldig. Die Investigationen durch Polizei, Sozialarbeiter oder andere Personen können zusätzliches Leid verursachen.

Psychologische Beratung durch geschulte Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten, Sozialarbeiter und die Unterstützung anderer Eltern, die dasselbe Schicksal erfahren haben, helfen den Eltern dabei, die Tragödie zu bewältigen. Die Fachkräfte können Lesematerialien, Websites (zum Beispiel American SIDS Institute) und Selbsthilfegruppen empfehlen, die Eltern unterstützen.

Weitere Informationen

Die folgenden Quellen in englischer Sprache können nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass das MANUAL nicht für den Inhalt dieser Quellen verantwortlich ist.

  1. National Institute of Child Health and Human Development (NICHD): Safe to Sleep

  2. NICHD: Ways to Reduce Baby’s Risk

  3. American SIDS Institute

quizzes_lightbulb_red
Test your KnowledgeTake a Quiz!