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Übersicht über Alterserscheinungen

Von

Richard W. Besdine

, MD, Warren Alpert Medical School of Brown University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2019| Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Quellen zum Thema

Altern ist ein allmählicher, kontinuierlicher Prozess, der mit natürlichen Veränderungen einhergeht und im frühen Erwachsenenalter beginnt. Während des frühen mittleren Lebensalters beginnen viele Körperfunktionen, nach und nach abzubauen.

Menschen gehören nicht ab einem bestimmten Alter zu den alten oder betagten Menschen. Traditionell gilt ein Alter von 65 Jahren als der Beginn hohen Alters. Dies ist jedoch historisch, nicht biologisch, begründet. Vor vielen Jahren wurde in Deutschland, dem ersten Land, das ein Rentensystem einrichtete, ein Alter von 65 Jahren als Rentenalter gewählt. In den Industrieländern ist es für die meisten Menschen nach wie vor das Rentenalter, auch wenn sich diese Tradition im Wandel befindet.

Wann eine Person alt wird, kann auf unterschiedliche Weise beantwortet werden:

  • Chronologisches Alter: Chronologisches Alter basiert ausschließlich auf dem Vergehen der Zeit. Es ist das Alter der Person in Jahren. Das chronologische Alter ist in Bezug auf die Gesundheit nur begrenzt aussagekräftig. Dennoch steigt im Alter die Wahrscheinlichkeit, gesundheitliche Probleme zu entwickeln. Auch ist weniger der normale Alterungsprozess für den Funktionsverlust im Alter verantwortlich als vielmehr die gesundheitlichen Probleme. Da das chronologische Alter dabei hilft, viele gesundheitliche Probleme vorherzusagen, ist es für manche rechtliche und finanzielle Aspekte von Bedeutung.

  • Biologisches Alter: Das biologische Alter bezieht sich auf die während des Alterns natürlichen Veränderungen im Körper. Da manche Menschen von diesen Veränderungen früher betroffen sind als andere, sind manche Menschen im Alter von 65 Jahren biologisch gesehen bereits alt, während dies auf andere erst ein Jahrzehnt darauf oder noch später zutrifft. Jedoch lassen sich die auffälligsten Unterschiede im äußerlichen Alter unter Menschen im ähnlichen chronologischen Alter auf Lebensstil, Gewohnheiten und subtile Auswirkungen einer Erkrankung zurückführen statt auf Unterschiede im tatsächlichen Alterungsprozess.

  • Psychologisches Alter: Das psychologische Alter basiert darauf, wie eine Person handelt und sich fühlt. So wird zum Beispiel ein 80-Jähriger, der arbeitet, Pläne schmiedet, sich auf bevorstehende Ereignisse freut und an vielen Aktivitäten teilnimmt, als psychologisch jung erachtet.

Die meisten Menschen benötigen nicht das Fachwissen eines Geriatrikers (eines Arztes, der auf die Pflege älterer Menschen spezialisiert ist), bis sie 70, 75 oder gar 80 Jahre alt sind.

Normaler Alterungsprozess

Menschen fragen sich häufig, während sie älter werden, ob das, was bei ihnen gerade im Körper passiert, normal ist oder nicht. Obwohl Menschen bis zu einem gewissen Maß unterschiedlich altern, sind manche Veränderungen auf innere Prozesse zurückzuführen, und damit auf das Älterwerden an sich. Somit werden solche Veränderungen, auch wenn sie unerwünscht sind, als normal erachtet und manchmal schlicht als Älterwerden bezeichnet. Diese Veränderungen kommen bei jedem vor, der lang genug lebt. Diese Allgemeingültigkeit ist Teil der Definition des Älterwerdens. Sie sind zu erwarten und allgemein unvermeidbar. Zum Beispiel kommt es im Alter zu einer Verdickung und Verhärtung der Linse im Auge. Dadurch fällt es schwerer, nahe Objekte, wie z. B. Lesematerial, scharf zu sehen (als Alterssichtigkeit oder Presbyopie bezeichnet). Diese Veränderung tritt praktisch bei allen älteren Menschen auf. Damit gilt Alterssichtigkeit im Alter als normal. Andere Begriffe, mit denen diese Veränderungen beschrieben werden können, sind für gewöhnlich Älterwerden und Altern.

Wussten Sie ...

  • Die durchschnittliche Lebenserwartung ist stark angestiegen, während die maximale Lebensspanne kaum bis gar nicht gestiegen ist.

Was einen normalen Alterungsprozess ausmacht, ist nicht immer eindeutig. Veränderungen, die im Rahmen des normalen Alterungsprozesses auftreten, machen Menschen anfälliger für die Entwicklung bestimmter Erkrankungen. Man kann jedoch manchmal Maßnahmen unternehmen, um diese Veränderungen auszugleichen. Ältere Menschen verlieren zum Beispiel häufiger mal einen Zahn. Regelmäßige Zahnarztbesuche, weniger Süßigkeiten und regelmäßiges Zähneputzen und Benutzen von Zahnseide kann die Wahrscheinlichkeit für Zahnverlust verringern. Somit ist Zahnverlust, auch wenn dieser im Alter häufig vorkommt, ein vermeidbarer Aspekt des Älterwerdens.

Darüber hinaus ähnelt die Abnahme der Funktionstüchtigkeit, die Teil des Älterwerdens ist, manchmal der Abnahme der Funktionstüchtigkeit, die mit einer Erkrankung einhergeht. Zum Beispiel kommt es mit fortgeschrittenem Alter fast bei jedem zu einer leichten Abnahme der geistigen Fähigkeiten, was als normales Altern erachtet wird. Diese Abnahme geht mit zunehmenden Schwierigkeiten beim Lernen neuer Sprachen, mit einer verminderten Aufmerksamkeitsspanne und mit verstärkter Vergesslichkeit einher. Im Gegensatz dazu ist der mit der Demenz einhergehende Verfall sehr viel schwerwiegender. Während sich Menschen hohen Alters beispielsweise gewöhnlich schlecht an Einzelheiten erinnern oder Dinge verlegen, vergessen Demenzkranke zurückliegende Ereignisse möglicherweise völlig. Menschen mit Demenz haben Schwierigkeiten bei der Ausführung normaler täglicher Aufgaben (wie z. B. Autofahren, Kochen und Umgang mit Finanzen) und ihre Umwelt zu begreifen. Dazu gehört die Angabe des aktuellen Jahres und des aktuellen Ortes. Deshalb wird Demenz als Störung betrachtet, auch wenn sie in hohem Alter häufig vorkommt. Bestimmte Arten von Demenz, wie z. B. die Alzheimer-Krankheit, unterscheiden sich auch auf andere Weise vom normalen Alterungsprozess. So sieht zum Beispiel das Hirngewebe (im Rahmen einer Autopsie entnommen) bei Menschen mit Alzheimer-Krankheit anders aus als das Hirngewebe bei älteren Menschen ohne diese Erkrankung. Damit ist der Unterschied zwischen normalem Altern und Demenz eindeutig.

Manchmal erfolgt die Unterscheidung zwischen der Abnahme der Funktionstüchtigkeit, die Teil des Älterwerdens ist, und der Abnahme der Funktionstüchtigkeit, die mit einer Erkrankung einhergeht, willkürlich. Wenn Menschen älter werden, steigt zum Beispiel der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr von Kohlenhydraten stärker an als bei jüngeren Menschen. Dieser Anstieg ist für den Alterungsprozess normal. Wenn dieser Anstieg jedoch einen bestimmten Wert überschreitet, bedeutet dies, dass die Erkrankung Diabetes vorliegt. In diesem Fall ist der Unterschied nur eine Frage des Ausmaßes.

Gesundes (erfolgreiches) Altern

Gesundes Altern bezieht sich auf die Verzögerung oder Reduktion von unerwünschten Wirkungen des Älterwerdens. Die Ziele gesunden Alterns sind die Aufrechterhaltung der körperlichen und geistigen Gesundheit, die Vermeidung von Erkrankungen und aktiv und unabhängig zu bleiben. Für die meisten Menschen erfordert die Aufrechterhaltung einer guten allgemeinen Gesundheit im Alter mehr Anstrengungen. Hierzu kann es eine Hilfe sein, bestimmte gesunde Gewohnheiten zu entwickeln, unter anderem die

  • Einhaltung einer ausgewogenen Ernährung

  • regelmäßige sportliche Betätigung

  • Wahrung der geistigen Aktivität und Gesundheit

Je früher ein Mensch diese Gewohnheiten entwickelt, desto besser. Es ist jedoch nie zu spät dafür. So können Menschen in gewisser Weise kontrollieren, was bei ihnen im Körper beim Altern passiert.

Es gibt Belege dafür, dass in den USA gesundes Altern auf dem Vormarsch ist:

  • Eine prozentuale Abnahme der älteren Menschen in Pflegeheimen (obwohl der Prozentsatz der Menschen im Alter von über 65 Jahren und derjenigen über 85 Jahren in der allgemeinen Bevölkerung gestiegen ist)

  • Eine prozentuale Abnahme der Menschen im Alter zwischen 75 und 84 Jahren, die Beeinträchtigungen berichten

  • Eine prozentuale Abnahme der Menschen im Alter von über 65 Jahren mit schwächenden Erkrankungen.

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Das Studium des Alterns

Gerontologie ist das Studium des Alterungsprozesses, einschließlich physischer, geistiger und sozialer Veränderungen. Die Informationen werden verwendet, um Strategien und Programme zur Verbesserung des Lebens älterer Menschen zu entwickeln. Manche Gerontologen haben ein abgeschlossenes Medizinstudium und sind ebenfalls Geriatriker.

Geriatrie ist ein Zweig der Medizin, der sich auf die Pflege älterer Menschen spezialisiert und häufig die Behandlung vieler Erkrankungen und Probleme gleichzeitig umfasst. Geriatriker haben den Alterungsprozess studiert, damit sie besser unterscheiden können, welche Veränderungen auf das Altern an sich zurückzuführen sind und welche auf eine Erkrankung hindeuten.

Lebenserwartung

Die durchschnittliche Lebenserwartung der US-Amerikaner ist im letzten Jahrhundert erheblich gestiegen. Ein im Jahr 1900 geborener Junge musste damit rechnen, nicht älter als 46 Jahre zu werden, und ein Mädchen 48 Jahre. Ein heute geborener Junge kann davon ausgehen, mindestens 76 Jahre, und ein Mädchen sogar 81 Jahre alt zu werden. Auch wenn dieser Anstieg größtenteils der signifikanten Abnahme der Kindersterblichkeit zuzuschreiben ist, ist die Lebenserwartung in jedem Alter über 40 ebenfalls drastisch gestiegen. Beispielsweise kann ein 65-jähriger Mann heute damit rechnen, ungefähr 83 Jahre alt zu werden, und eine 65-jährige Frau ungefähr 85 Jahre. Im Großen und Ganzen leben Frauen etwa fünf Jahre länger als Männer. Dieser Unterschied in der Lebenserwartung hat sich trotz der Veränderungen des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts im Lebensstil der Frauen, die unter anderem vermehrt rauchen und mehr Stress erleben, nur wenig geändert.

Obwohl die durchschnittliche Lebenserwartung gestiegen ist, hat sich die maximale Lebensspanne, also das höchste Alter, das Menschen erreichen können, kaum geändert. Auch bei den besten genetischen Voraussetzungen und einem äußerst gesunden Lebensstil sind die Chancen, 120 Jahre alt zu werden, winzig. Madame Jeanne Calment ist der Mensch mit der längsten dokumentierten Lebensspanne: 122 Jahre (1875–1997).

Die Lebenserwartung wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst:

  • Vererbung: Die Vererbung beeinflusst, ob ein Mensch eine bestimmte Erkrankung entwickeln wird. Ein Mensch, der zum Beispiel Gene erbt, die das Risiko für hohe Cholesterinwerte erhöhen, wird wahrscheinlich kürzer leben. Ein Mensch, der Gene erbt, die Schutz gegen koronare Herzkrankheiten und Krebs bieten, wird wahrscheinlich länger leben. Es gibt gute Belege dafür, dass das Erreichen eines sehr hohen Alters – 100 oder älter – in der Familie liegt.

  • Lebensstil: Nicht rauchen, kein Missbrauch von Alkohol oder Drogen, die Aufrechterhaltung eines gesunden Gewichts und die Einhaltung einer gesunden Ernährung sowie körperliche Bewegung helfen Menschen, leistungsfähig zu bleiben und Krankheiten zu vermeiden.

  • Exposition gegenüber Umweltgiften: Selbst bei Menschen mit den besten Erbanlagen kann eine solche Exposition die Lebenserwartung senken.

  • Medizinische Versorgung: Die Vorbeugung von Erkrankungen oder deren Behandlung, nachdem sie diagnostiziert wurden, insbesondere wenn die Erkrankung heilbar ist (wie bei Infektionen und manchmal bei Krebs), kann die Lebenserwartung erhöhen.

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