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Sondenernährung

(Enterale Sondenernährung)

Von

David R. Thomas

, MD, St. Louis University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2018| Inhalt zuletzt geändert Apr 2018
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Quellen zum Thema

Eine Sondenernährung kann zur Ernährung von Patienten eingesetzt werden, deren Verdauungstrakt normal arbeitet, die jedoch nicht ausreichend essen können, um ihren Nährstoffbedarf zu decken. Dies trifft auf folgende Gruppen zu:

  • Appetitlosigkeit über einen langen Zeitraum

  • Schwere Protein-Energie-Unterernährung (ein schwerer Protein- und Kalorienmangel)

  • Koma oder stark eingeschränktes Bewusstsein

  • Leberversagen

  • Kopf- oder Halsverletzung oder anderer Vorfall, der eine orale Nahrungsaufnahme verhindert

  • Schwere Krankheit, z. B. Verbrennung, die den Nährstoffbedarf erhöht

Wenn Menschen schwer krank oder unterernährt sind, werden sie vor einem chirurgischen Eingriff eventuell über eine Sonde ernährt.

Im Vergleich zur intravenösen Ernährung bietet die Ernährung über eine Sonde folgende Vorteile:

  • Sie bewahrt die Struktur und Funktion des Verdauungstrakts besser.

  • Sie ist kostengünstiger.

  • Die Sondenernährung ist wahrscheinlich mit weniger Komplikationen, besonders Infektionen, verbunden.

Verfahren

In welchen Abschnitt des Verdauungstrakts die Ernährungssonde eingeführt wird, hängt davon ab, wie lange künstlich ernährt werden muss:

  • Weniger als 4 bis 6 Wochen: Ein dünner Plastikschlauch wird durch die Nase und den Hals bis in den Magen (nasogastrale Sonde) oder zum Dünndarm (nasoduodenale Sonde) geführt. Ist die Nase beschädigt, wird der Schlauch durch den Mund eingeführt.

  • Länger als 4 bis 6 Wochen: Die Sonde wird über einen kleinen Schnitt in der Bauchdecke direkt in den Magen oder Dünndarm geführt werden.

Legen einer Ernährungssonde durch die Nase

Nasogastrale und nasoduodenale Sonden werden normalerweise gelegt, wenn der Patient wach ist. Die Sonde wird mit einem Gel gleitfähig gemacht und über die Nase und den Rachen in den Verdauungstrakt geschoben. Die Sonde kann einen Würgereiz auslösen, wenn sie in den Rachen gelangt. Daher wird ein Patient gebeten zu schlucken oder zusätzlich Wasser über einen Strohhalm zu trinken, um durch Schlucken beim Legen der Sonde mitzuhelfen. Das Schlucken kann den Würgereiz verringern oder verhindern und die Passage der Sonde durch den Rachen unterstützen. Hat die Sonde den Rachen passiert und ist in die Speiseröhre gelangt, kann sie leicht in den Magen oder den Dünndarm gleiten. Manchmal wird mit Tests, beispielsweise einer Röntgenaufnahme des Abdomens (Bauchraum) überprüft, ob die Sonde richtig liegt.

Legen einer Ernährungssonde direkt in den Magen oder den Dünndarm

Wenn die Ernährungssonde direkt in den Magen oder Dünndarm gelegt wird, verwenden Ärzte häufig eine sogenannte perkutane, endoskopische Gastronomie- oder PEG-Sonde.

Vor Beginn dieses Verfahrens werden ein Beruhigungsmittel und manchmal ein Schmerzmittel, normalerweise intravenös, verabreicht. Außerdem wird ein Betäubungsspray in den Rachen gegeben, um den Husten- oder Würgereiz zu unterdrücken. Die Ärzte führen dann über den Mund ein Endoskop in den Magen oder Dünndarm ein. An der Spitze des Endoskops befindet sich eine Kamera, mit der Ärzte das Mageninnere ansehen und entscheiden können, wo die PEG-Sonde platziert werden soll. Anschließend wird die PEG-Sonde über einen kleinen Schnitt in den Bauch eingeführt. Vor dem Verfahren müssen die Patienten nüchtern sein, Essen und Trinken ist bis nach dem Lagetest nur mit Einschränkungen möglich, bis der Würgereflex wieder eingeschaltet ist.

Kann eine PEG-Sonde nicht gelegt werden, kann mithilfe eines operativen Eingriffs eine Ernährungssonde direkt in den Magen oder Dünndarm eingelegt werden. Dieses Verfahren kann auf folgende verschiedene Weise durchgeführt werden:

  • Mithilfe eines Betrachtungsschlauchs (Laparoskop), bei dem nur ein kleiner Schnitt direkt unterhalb des Bauchnabels benötigt wird.

  • Es kann auch ein relativ großer Bauchschnitt notwendig werden, weil die Ärzte den Bereich über dem Schnitt einsehen müssen, um die Sonde an die richtige Stelle zu legen.

Nach Legen der Ernährungssonde:

Patienten mit Ernährungssonden sollen während der Nahrungseingabe und 1 bis 2 Stunden danach aufrecht oder mit erhöhtem Kopfteil des Betts sitzen. In dieser Position verringert sich das Risiko des Einatmens von Nahrung (Aspiration), und die Nahrung kann mit der Schwerkraft besser durch den Verdauungstrakt fließen.

Normalerweise wird mehrmals pro Tag eine relativ große Nahrungsmenge, ein sogenannter Bolus, verabreicht. Führt diese Form der Nahrungseingabe jedoch zu Übelkeit, werden kontinuierlich kleine Mengen verabreicht.

Formulierungen

Mehrere unterschiedliche Formulierungen von künstlicher Ernährung sind erhältlich. Normalerweise wird eine Formulierung verwendet, die für eine vollständig ausgewogene Ernährung sorgt. Manche Formulierungen wurden zur Behandlung eines speziellen Mangels entwickelt und enthalten einen einzigen Nährstoff, z. B. Proteine, Fette oder Kohlenhydrate.

Auch für Patienten mit speziellem Bedarf sind gesonderte Formulierungen erhältlich. Hierzu zählen folgende:

  • Konzentrierte Formulierungen mit geringerer Flüssigkeit für Menschen, deren Flüssigkeitsaufnahme beschränkt ist

  • Ballaststoffreiche Formulierungen für Menschen, die an Verstopfung leiden

  • Laktosefreie Formulierungen für Menschen, die laktoseintolerant sind

Komplikationen

Bei der künstlichen Ernährung treten häufig Komplikationen auf und diese können schwer verlaufen.

Tabelle
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Mögliche Probleme bei der Sondenernährung

Problem

Mögliche Auswirkungen

Anmerkungen

Sondenbezogen

Eine Sonde in Nase oder Mund

Unangenehmes Gefühl

Schädigung der Nase, des Rachens oder der Speiseröhre

Eine Sonde in der Nase oder im Mund kann, besonders bei großem Durchmesser, das Gewebe reizen, Schmerzen und manchmal Blutungen verursachen. In solchen Fällen wird die Sonde normalerweise entfernt, und die Nahrungseingabe wird mit einer anderen Ernährungssonde fortgesetzt.

Der Ablauf von Schleim aus den Nasennebenhöhlen kann blockiert werden, sodass Infektionen wahrscheinlicher werden.

Falsch in die Nase oder den Mund eingeführte Sonde

Schädigung des betroffenen Bereichs

Husten oder Würgen

In seltenen Fällen gelangt eine in die Nase oder den Mund eingeführte Sonde in die Atemwege anstatt in die Speiseröhre. Dadurch kann Nahrung in die Lunge befördert werden. Wenn die Sonde in die Luftröhre geschoben wird, beginnen Patienten zu husten und zu würgen, wenn sie bei Bewusstsein sind.

Eine falsch direkt in den Magen oder Darm eingeführte Sonde

Wenn die Lage der Sonde nicht mehr korrekt ist, muss sie gezogen und erneut gelegt werden. Wenn die Sonde ursprünglich direkt in den Magen oder den Darm gelegt wurde, ist ein erneutes Einführen schwieriger, denn die Sonde kann außerhalb des Verdauungstrakts zum Liegen kommen. In diesem Fall kann Nahrung in den die Bauchorgane umgebenden Raum gelangen (Bauchhöhle). Die Folge ist eine mögliche, schwere Infektion der Haut, welche die Bauchhöhle auskleidet – eine sogenannte Bauchfellentzündung (Peritonitis) kann entstehen.

Verstopfen einer Sonde

Unzureichende Ernährung

Dicke Formulierungen oder Tabletten können eine Sonde verstopfen. Manchmal lässt sich die Verstopfung mit Zugabe bestimmter Enzyme oder anderer Substanzen lösen, die Nahrungsmittel abbauen können.

Versehentliches Herausziehen einer Sonde

Unzureichende Ernährung

Nahrungssonden werden häufig versehentlich gezogen. Wird eine Sonde noch zur Nahrungseingabe benötigt, muss sie ersetzt werden.

Auf die Formulierung bezogen

Unverträglichkeit der Formulierung (Rezeptur)

Durchfall, Verdauungsbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen

Die Formulierung verursacht bei bis zu 20 Prozent der über eine Sonde ernährten Personen und bei 50 Prozent der Menschen mit einer schweren Krankheit unerträgliche Symptome des Magen-Darm-Trakts. Diese Symptome treten häufiger auf, wenn die Nahrung in größeren Mengen als sogenannter Bolus mehrmals am Tag anstatt kontinuierlich über eine längere Zeit verabreicht wird.

Durchfall

Häufiger, nicht geformter Stuhlgang

Zahlreiche für die Sondenernährung verwendete Nahrungen enthalten Sorbit, das Durchfall verursachen oder verschlimmern kann. Bei Durchfall passieren viele der Nährstoffe den Verdauungstrakt, ohne resorbiert zu werden.

Nährstoffungleichgewicht

Anomale Elektrolytspiegel

Überhöhte Blutzuckerwerte (Hyperglykämie)

Zu viel Flüssigkeit im Körper (Volumenüberbelastung)

Ärzte prüfen regelmäßig das Gewicht, um festzustellen, ob der Körper zu viel Flüssigkeit enthält, sowie die Blutwerte für Elektrolyte, Zucker und weitere Stoffe. Dann wird die Formulierung nach Bedarf angepasst.

Sonstiges

Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre (Reflux)

Übermäßige Absonderungen in Mund und Rachen

Einatmen (Aspiration) der Formulierung in die Lunge, was zu Husten, einem Ringen nach Atem und einem erhöhten Infektionsrisiko führt

Beim Auftreten dieser Probleme kann die Formulierung in die Lunge gelangen, obwohl die Sonde korrekt liegt und das Kopfteil des Betts erhöht ist.

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