Säuglingsbotulismus

VonLarry M. Bush, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University;
Maria T. Vazquez-Pertejo, MD, FACP, Wellington Regional Medical Center
Überprüft/überarbeitet Juni 2023
Aussicht hier klicken.

Neugeborenenbotulismus entsteht durch die Ingestion von Clostridium botulinum-Sporen, die den Dickdarm kolonisieren und in vivo Toxin bilden. Die Symptome sind anfängliche Verstopfung gefolgt von neuromuskulärer Lähmung. Die Diagnose erfolgt klinisch und durch Laboridentifizierung von Toxin oder Organismen im Stuhl. Die Behandlung ist supportiv und erfolgt mit humanem Botulismus-Immunglobulin.

(Siehe auch Botulismus, Überblick über anaerobe Bakterien und Übersicht über Clostridieninfektionen.)

Ein Neugeborenenbotulismus kommt meist bei Säuglingen < 6 Monaten vor. Der jüngste dokumentierte Patient war 2 Wochen und der älteste war 12 Monate alt. Im Gegensatz zum lebensmittelbedingten Botulismus wird der Säuglingsbotulismus durch die Aufnahme von Sporen verursacht, nicht durch die Aufnahme eines bereits gebildeten Toxins. Die Quelle der Sporen ist in der Regel nicht bekannt, aber einige Fälle wurden auf den Verzehr von Honig zurückgeführt, der C. botulinum-Sporen enthalten kann; daher sollten Säuglinge im Alter von < 12 Monaten keinen Honig erhalten.

Die meisten Fälle betreffen Typ A- oder B-Toxin.

Symptome und Anzeichen von Säuglingsbotulismus

Zu Konstipation kommt es initial in 90% der Fälle von Botulismus bei Kindern, gefolgt von einer neuromuskulären Paralyse, beginnend bei den Hirnnerven und fortschreitend auf die periphere und respiratorische Muskulatur. Es kommt charakteristischerweise zu Hirnnervenlähmungen wie z. B. Ptosis, Lähmungen extraokulärer Muskeln, schwachem Schreien, Trinkschwäche, reduziertem Würgereflex, Ansammlung oraler Sekrete, schwachen Muskeltonus ("floppy baby syndrome") und einem ausdruckslosen Gesicht.

Der Schweregrad variiert von einer milden Lethargie und verzögerter Nahrungsaufnahme bis zu schwerer Hypotonie und Ateminsuffizienz.

Diagnose von Botulismus bei Säuglingen

  • Stuhltests

Zunächst sollte Botulismus bei Kindern aufgrund der klinischen Kriterien vermutet werden. Mit der Therapie sollte nicht bis zur Bestätigung durch die ausstehenden Testergebnisse gewartet werden.

Neugeborenenbotulismus kann mit Sepsis, kongenitaler Muskeldystrophie, spinaler Muskelatrophie, Hypothyreoidismus und benigner kongenitaler Hypotonie verwechselt werden.

Der Nachweis von C. botulinum-Toxin im Stuhl bestätigt die Diagnose eines kindlichen Botulismus.

Treatment of Infant Botulism

  • Menschliche Botulismus-Immunglobuline

Säuglinge werden stationär aufgenommen, und eine supportive Behandlung erfolgt nach Bedarf. Da Erreger und Toxin im Stuhl über Wochen bis Monate nach Symptombeginn ausgeschieden werden, müssen geeignete Vorsichtsmaßnahmen befolgt werden.

Die Behandlung von Säuglingsbotulismus wird begonnen, sobald die Diagnose vermutet wird; das Warten auf bestätigende Testergebnisse, die Tage dauern können, ist gefährlich.

Die spezifische Behandlung von Botulismus bei Kindern erfolgt mit menschlichen Botulismus-Immunglobulin (BabyBIG), das über das Behandlungs- und Präventionsprogramm für Botulismus bei Kindern (IBTPP Rufnummer 510-231-7600 oder siehe die IBTPP,-Webseite) bezogen werden kann. Dieses Gegengift wird von gepoolten menschlichen Spendern gewonnen, die hohe Titer von Antikörpern gegen A- und/oder B-Toxin besitzen. Die Dosis von humanem Botulinum-Immunglobulin beträgt 50 mg/kg IV, langsam gegeben.

Das bei Erwachsenen verwendete heptavalente Antitoxin aus Pferdeserum wird für Säuglinge < 1 Jahr nicht empfohlen.

Antibiotika werden nicht gegeben, weil sie C. botulinum im Darm lysieren können und die Toxinverfügbarkeit erhöhen.

Weitere Informationen

Die folgenden englischsprachigen Quellen können nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass das MSD-Manual nicht für den Inhalt dieser Quellen verantwortlich ist.

  1. Infant Botulism Treatment and Prevention Program: Web site or call 510-231-7600

  2. Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Infant Botulism: Information for Clinicians

  3. CDC: Clinical Guidelines for Diagnosis and Treatment of Botulism, 2021