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Karies

Von

James T. Ubertalli

, DMD,

  • Private Practice
  • Hingham, MA

Inhalt zuletzt geändert Feb 2018
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Quellen zum Thema

Karies ist Zahnfäule, und die entstehenden Defekte werden häufig als „Löcher“ oder Kavitäten bezeichnet. Die Symptome — empfindliche, schmerzende Zähne — treten erst spät auf. Die Diagnose basiert auf Inspektion, Sondieren der Schmelzoberfläche mit einem feinen Metallinstrument und Röntgenaufnahmen der Zähne. Die Behandlung besteht aus Entfernung der betroffenen Zahnsubstanz und deren Wiederherstellung oder Ersatz durch verschiedene Materialien. Fluorid, gewissenhafte Mundhygiene, Versiegler und richtige Ernährung können praktisch jede Karies verhindern.

Ätiologie

Karies wird durch Säuren verursacht, die von den in der Plaque enthaltenen Bakterien produziert werden. Plaque ist zuerst ein weicher, dünner Film aus Bakterien, Muzin, toten Epithelzellen und Speiseresten, der sich auf der Zahnoberfläche innerhalb von etwa 24 h nach der Reinigung des Zahnes bildet. Streptococcus mutansMutans streptococci sind eine Bakterienartan, die sich in Plaque vermehrt und Karies verursachen kann. Einige Stämme sind kariogener als andere. Nach einiger Zeit (meist nach 72 h) mineralisiert die weiche Plaque, hauptsächlich mit Kalzium, Phosphat und anderen Mineralien, und wird zu Zahnstein (harte Plaque oder Zahnstein), der sich nicht mehr einfach mit einer Zahnbürste entfernen lässt.

Risikofaktoren

Es gibt mehrere Risikofaktoren für Karies:

  • Unzureichende Zahnbelagskontrolle

  • Zahnschäden

  • Häufige Kohlenhydrate und Zucker in der Nahrung

  • Hoher Säuregehalt- und/oder niedrige Fluoridumgebung

  • Reduzierter Speichelfluss (z. B. durch Medikamente, Strahlentherapie, systemische Störungen, die eine Speicheldrüsenfunktionsstörung verursachen)

Viele Zähne besitzen offene Grübchen, Fissuren und Rillen im Schmelz, die von der Oberfläche bis in das Dentin reichen können ( Arten von Hohlräumen.). Diese Defekte können breit genug sein, um Bakterien zu beherbergen, jedoch zu eng, um effektiv gereinigt werden zu können. Sie prädisponieren Zähne für Karies.

Die häufige Aufnahme von Kohlenhydraten und Zucker über die Nahrung fördert das Wachstum von Zahnbelag bildenden Bakterien. Eine schnell verlaufende Karies bei Milchzähnen weist auf eine verlängerte Einwirkung von Säuglingsnahrung, Milch oder Fruchtsäften hin, typischerweise wenn ein Säugling oder Kleinkind die Flasche mit ins Bett nimmt (Säuglingskaries oder „Nursing-Bottle-Syndrom“, Flaschenkaries). Daher sollten Flaschen, die mit ins Bett genommen werden, nur Wasser enthalten.

Eine Zahnoberfläche ist anfälliger für Karies, wenn sie schlecht mineralisiert ist, eine niedrige Fluoridversorgung hat und/oder sich in einer sauren Umgebung befindet. Typischerweise beginnt die Entkalkung, wenn der pH-Wert an der Zahnoberfläche unter 5,5 abfällt (z. B. wenn laktat-/säureproduzierende Bakterien die Stelle besiedeln oder wenn Cola-Getränke konsumiert werden, die Phosphorsäure enthalten).

Ältere Patienten nehmen häufig Medikamente ein, die den Speichelfluss reduzieren und so die Kariesanfälligkeit erhöhen. Ältere Menschen haben auch eine höhere Inzidenz von Wurzelkaries aufgrund von Gingivarezessionen, freiliegenden Wurzeloberflächen und abnehmende manuelle Geschicklichkeit (was zu einer uneffektiven Mundhygiene führt).

Arten von Hohlräumen.

Arten von Hohlräumen.

Komplikationen

Eine unbehandelte Karies führt zu Zerstörung des Zahnes, Infektionen, der Notwendigkeit von Wurzelkanalbehandlungen bis hin zu Extraktionen und späterem Zahnersatz. Vorzeitiger Verlust von Milchzähnen kann zu einer Wanderung der Nachbarzähne führen und so den Durchbruch der nachfolgenden bleibenden Zähne behindern.

Symptome und Beschwerden

Karies betrifft anfangs nur den Schmelz und verursacht keinerlei Symptome. Karies, die bis in das Dentin reicht, verursacht Schmerzen, zuerst bei Kontakt des betroffenen Zahnes mit heißen, kalten oder süßen Speisen und Getränken und später beim Kauen oder Abklopfen des Zahnes (Perkussionstest). Die Schmerzen können sehr stark und anhaltend sein, wenn die Pulpa massiv beteiligt ist (Pulpitis).

Diagnose

  • Direkte Kontrolle

  • Manchmal eine Röntgenuntersuchung oder der Einsatz spezieller Prüfinstrumente

Durch routinemäßige, häufige klinische Untersuchungen (alle 6 bis 12 Monate) wird Karies im Frühstadium zu einem Zeitpunkt festgestellt, an dem eine minimale Intervention ihr Fortschreiten verhindert. Dabei werden eine dünne Sonde, gelegentlich spezielle Farbstoffe und eine Durchleuchtung mit Faseroptik-Lampen verwendet, häufig ergänzt durch neue Geräte, die eine Karies durch Veränderungen der elektrischen Leitfähigkeit oder durch Laser-Reflexion nachweisen. Röntgenaufnahmen sind jedoch immer noch die wichtigsten Hilfsmittel in der Kariesdiagnostik, um die Tiefe ihrer Ausdehnung sowie eine Karies unter vorhandenen Restaurationen festzustellen.

Therapie

  • Füllungstherapie

  • Manchmal eine Wurzelbehandlung und Krone

Remineralisierung der Zähne

Beginnende Karies (die auf den Zahnschmelz begrenzt ist) sollte durch verbesserte häusliche Pflege (Bürsten und der Einsatz von Zahnseide), Reinigungen, Rezepte für hoch fluoridhaltige Zahnpasten und mehrere Fluorid-Anwendungen beim Zahnarzt remineralisiert werden.

Instandsetzung der Zähne

Die primäre Behandlung von Karies, die sich auf das Dentin ausgeweitet hat, besteht aus ihrer Entfernung durch Bohren und anschließender Füllung des entstandenen Defekts.

Füllungen für okklusale Flächen von Seitenzähnen, die die Kaubelastung am stärksten zu spüren bekommen, müssen aus sehr stabilen Materialien bestehen, einschließlich

  • Silberamalgam

  • Kunststofffüllungen

Silberamalgam kombiniert Silber, Quecksilber, Kupfer, Zinn sowie gelegentlich auch Zink, Palladium oder Indium. Amalgam ist billig und hält durchschnittlich 14 Jahre. Bei guter Mundhygiene und wenn sie unter Verwendung von Kofferdam zur Isolierung gegen Speichel gelegt werden, halten jedoch viele Amalgamfüllungen > 40 Jahre. Wenngleich Bedenken hinsichtlich einer Quecksilbervergiftung geäußert wurden, besteht kein Zusammenhang zwischen der Anzahl der Amalgamfüllungen bei einer Person und ihren Quecksilberwerten im Blut. Das Ersetzen von Amalgam wird nicht empfohlen da es teuer ist, die Zahnsubstanz beschädigt und den Patienten tatsächlich einer erhöhten Quecksilberbelastung aussetzt.

Komposit-Kunstharze, die ein akzeptableres Aussehen besitzen, werden seit langem für Frontzähne verwendet, wo die Ästhetik im Vordergrund steht und die Kaukräfte minimal sind. Einige Patienten verlangen diese Materialien auch für ihre Seitenzähne und sie werden jetzt dort zunehmend verwendet. Kompositharze der frühen Generation unter hoher okklusaler Belastung halten in der Regel weniger als halb so lange wie Amalgam und neigen dazu, wiederkehrende Karies zu entwickeln, da das Kompositharz schrumpft, wenn es härtet und expandiert und sich bei Wärme und Kälte stärker zusammenzieht als der Zahn oder andere Füllungsmaterialien. Die aktuelle Composite-Generation simuliert auch die Schmelzhärte, scheint aber nicht die gleiche Häufigkeit von wiederkehrender Karies wie frühere Materialien zu haben und kann auch länger halten.

Glasionomerzement, eine zahnfarbene Füllung, setzt Fluorid frei, wenn es eingesetzt wird, was für Patienten, die besonders zu Karies neigen, förderlich sein kann. Es wird auch zur Wiederherstellung von Bereichen angewandt, die durch übereifriges Bürsten beschädigt wurden. Glasionomerzement ist nicht so ästhetisch wie Komposit und es sollte nicht für Kauflächen verwendet werden, weil es eine hohe Verschleißrate hat.

Wenn die kariöse Zerstörung zu wenig Dentin übrig lässt, um einer Restauration ausreichend Halt zu geben, ersetzt der Zahnarzt das fehlende Dentin durch Zement, Amalgam, Komposit oder anderen Materialien. Gelegentlich muss ein Stift oder Pfosten in eine oder mehrere Zahnwurzeln gesetzt werden, der einen Kernaufbau aus Gold, Silber oder Komposit zum Ersatz des koronalen Dentins stützt. Dieses Verfahren erfordert eine Wurzelkanalfüllung, bei der eine Öffnung in den Zahn gemacht und die Pulpa entfernt wird. Das Wurzelkanalsystem wird gründlich gereinigt, aufbereitet (geformt) und dann mit Guttapercha gefüllt. Die äußeren Zahnflächen (wo sich der Schmelz befunden hat) werden dann abgeschliffen, damit eine künstliche Zahnkrone, normalerweise aus Metall, Porzellan oder Keramik eingesetzt werden kann. Kronen für Frontzähne werden aus Keramik oder Porzellan hergestellt oder damit verblendet.

Prävention

  • Regelmäßiges Bürsten und Benutzung von Zahnseide

  • Fluoridhaltiges Wasser, fluoridhaltige Zahnpasta oder beides

  • Regelmäßige professionelle Zahnreinigung

  • Selten Chlorhexidin-Spülungen und topische Fluoridanwendungen

Bei den meisten Menschen lässt sich Karies vermeiden. Karies bildet sich erstmals in der frühen Jugend bis Ende der 20er Jahre an bleibenden Zähnen. Bei kariesanfälligen Patienten zeigt sich typischerweise eine geringe Fluoridaufnahme und eine relativ kariogene Mikroflora, die von der Mutter und durch soziale Kontakte erworben wurde. Die Aufrechterhaltung einer guten Mundhygiene und Minimierung der Zuckeraufnahme sind hier besonders wichtig.

Die Entfernung von Plaque mindestens alle 24 h, normalerweise durch Reinigung der Zähne mit Zahnbürste und Zahnseide, hilft, einer Zahnkaries vorzubeugen. Das gingivale Drittel des Zahnes ist die wichtigste Region, die gereinigt werden muss, doch gerade sie wird am häufigsten vernachlässigt. Ein Bürsten mit einer elektrischen Zahnbürste für 2 Minuten ist hervorragend; ein Bürsten mit einer manuellen Zahnbürste für 3 oder 4 Minuten ist ausreichend. Die Verwendung von zu viel Zahnpasta, insbesondere einer abrasiven Sorte, kann die Zähne angreifen. Zahnseide wird nacheinander in alle Zahnzwischenräume eingeführt, dort an die Seitenfläche des Zahnes angelegt und 3-mal gerade bis unterhalb des Zahnfleischrands von oben nach unten bewegt. Zahnseiden, die sehr dünn oder mit Wachs oder Polytetraethylen beschichtet sind, können für sehr enge Kontakte zwischen einzelnen Zähnen oder bei rauen Füllungsrändern verwendet werden.

Zähne, in deren Schmelz Fluorid eingelagert ist, sind widerstandsfähiger gegen eine säurebedingte Entkalkung und werden schneller remineralisiert, wenn der pH-Wert ansteigt. Wenn das Trinkwasser nicht ausreichend fluoridhaltig ist, wird eine ergänzende orale Fluoridzufuhr für Kinder von kurz nach der Geburt bis zum Alter von acht Jahren sowie für Schwangere ab dem dritten Schwangerschaftsmonat (wenn die Zahnentwicklung beim Fetus beginnt) empfohlen. Die Dosis muss entsprechend der im Trinkwasser und in der Nahrung enthaltenen Fluoridmenge, dem Alter des Kindes und der Verwendung von topischem Fluorid in Zahnpasta und/oder während der Zahnpflege ausgewählt werden. Die Gesamtdosis sollte nicht so hoch sein, dass die Gefahr einer Fluorose der Zähne besteht. Fluoridhaltige Zahnpasta sollte von Personen aller Altersstufen verwendet werden. Weil Kleinkinder beim Zähneputzen Zahnpasta verschlucken können, was zu einer Fluorose führen kann, sollten sie Kinderzahnpasten benutzen, die geringere Mengen an Fluorid enthalten.

Die Fluoridierung bietet gegen Karies in Grübchen und Fissuren weniger Schutz als gegen Glattflächenkaries. Tiefe, enge Grübchen und Fissuren benötigen Versiegler (Kunststoffmaterialien, die fest an der Schmelzoberfläche haften), damit keine Nährstoffe zu vorhandenen Bakterien gelangen, was deren Wachstum und Säureproduktion hemmt.

Wenn diese beiden Maßnahmen die Bildung von Kavitäten nicht verringern, zielt eine intensivere Therapie auf die Änderung der Mikroflora ab. Nach der Füllungstherapie werden Grübchen und Fissuren, die S. mutans, beherbergen können, versiegelt. Nach dieser Behandlung folgen für die Dauer von zwei Wochen 2-mal täglich Mundspülungen mit 0,12%iger Chlorhexidinlösung für jeweils 60 s, die die kariogenen Bakterien in der Plaque reduzieren und eine Neubesiedelung mit weniger kariogenen Stämmen von S. mutansermöglichen können. Diese Neubesiedelung wird durch Xylitol in harten Süßigkeiten oder Kaugummi gefördert, die 3-mal täglich für 5 Minuten gekaut werden. Zusätzlich kann eine 5000 ppm fluoridreiche Zahnpasta verschrieben werden, oder topisches Fluorid kann von einem Zahnarzt aufgetragen oder nachts in einem maßgeschneiderten Fluoridträger verwendet werden.

Bei Schwangeren mit einer anamnestischen hohen Kariesanfälligkeit kann das oben genannte Schema angewandt werden, bevor sich die Zähne des Fetus entwickeln (etwa in der 12. SSW). Wenn dies nicht durchführbar ist, kann die Mutter wie oben beschrieben Xylitol verwenden, von der Geburt des Kindes bis zu dem Alter, ab dem die Mutter die Nahrung des Kindes nicht länger vorkostet (die angenommene Art der Bakterienübertragung).

Zur Prävention von Karies bei Milchzähnen (nach deren Durchbruch) von Kleinkindern sollten abends gegebene Fläschchen nur Wasser enthalten.

Wichtige Punkte

  • Karies wird durch Säuren verursacht, die von den in der Plaque enthaltenen Bakterien produziert werden.

  • Zu den Risikofaktoren gehören bereits existierende Zahndefekte, niedriger Speichelfluss, ein saures Mundmilieu, die häufige Aufnahme von Kohlenhydraten und Zucker über die Nahrung und eine unzureichende Fluoridversorgung.

  • Die Behandlung beinhaltet Ausbohren der verfaulten Stelle und die Wiederherstellung des Defekts mit Amalgam oder Komposit.

  • Kariesprävention beinhaltet sorgfältiges regelmäßiges Zähneputzen, den Gebrauch von Zahnseide und professionelle Zahnreinigung; Fluorid sollte über die Zahnpasta zugefügt werden und für Kinder als orales Supplement verfügbar sein, sofern das Trinkwasser nicht fluoridhaltig ist.

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