Die Beeren der Pflanze (Serenoa repens, Serenoa serrulata) enthalten die aktiven Wirkstoffe der Sägepalme. Die Wirkstoffe können aber möglicherweise die Fettsäuren sein, die die 5-Alpha-Reduktase hemmen und somit die Umwandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron eindämmen. Die Früchte lassen sich als Tee zubereiten oder als Extrakte in Form von Tabletten, Kapseln oder Flüssigpräparaten weiterverarbeiten. In klinischen Studien wurden meist Rezepturen mit Hexanextrakten der Sägepalmenfrüchte untersucht, die zu 80–90% aus essenziellen Fettsäuren und Phytosterolen bestehen.
Behauptungen zu Sägepalme
Viele Männer berichten von der Verwendung der Sägepalme, um die Symptome (z. B. häufiges Urinieren) der benignen Prostatahyperplasie (BPH) zu behandeln. Weitere Behauptungen sind, dass Sägepalme die Spermienproduktion, die Brustgröße oder die sexuelle Vitalität beeinflussen kann. Sägepalme wurde ebenfalls zur Förderung des Haarwachstums eingesetzt.
Evidenz für Sägepalme
Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Sägepalme eine benigne Prostatahyperplasie (BPH) rückgängig macht, wie durch bildgebende Verfahren (z. B. Ultraschall oder MRT) nachgewiesen. Die Studienergebnisse zur Bewertung der urologischen Symptome der BPH sind gemischt. In einer doppelblinden, multizentrischen, placebo-kontrollierten, randomisierten Studie mit 369 Männern wurde festgestellt, dass steigende Dosen eines Sägepalmen-Fruchtextrakts nicht mehr Symptome der unteren Harnwege reduziert als ein Placebo (1). Darüber hinaus ergab eine Cochrane-Review zu 32 randomisierten Studien, dass Sägepalme (Saw Palmetto) selbst bei doppelter und dreifacher Dosierung weder die Harnflussparameter noch die Prostatagröße bei Männern mit unteren Harnwegssymptomen, die mit einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) vereinbar sind, verbesserte (2). Eine weitere Metaanalyse von 27 Studien (5800 Patienten) zu einem spezifischen Hexanextrakt aus Sägepalme ergab eine Verringerung der Nykturie und eine Verbesserung des Harnflusses (3), während eine nachfolgende Cochrane-Übersichtsarbeit von 27 Studien mit 4656 Patienten, in denen die Monotherapie mit Sägepalme oder die Kombinationstherapie mit anderen phytotherapeutischen Wirkstoffen mit Placebo verglichen wurde, zu dem Schluss kam, dass es kaum oder gar keine Unterschiede bei den urologischen Symptomen oder den International Prostate Symptom Scores (IPSS) bei der kurz- oder langfristigen Nachuntersuchung gab (4).
Eine Metaanalyse von vier Studien mit 1080 Männern aus dem Jahr 2020 ergab, dass Sägepalme bei Männern mit benigner Prostatahyperplasie eine vergleichbare Wirksamkeit wie Tamsulosin hat. Es gab keine statistisch signifikanten Unterschiede bei den International Prostate Symptom Scores (IPSS), der maximalen Flussrate, dem Restharnvolumen oder der Lebensqualität (5). Eine Netzwerk-Metaanalyse von 22 randomisierten kontrollierten Studien (8564 Probanden) aus dem Jahr 2021, in denen Sägepalme mit Placebo und verschiedenen Alphablockern verglichen wurde, ergab jedoch keine signifikante Verbesserung der Symptome des unteren Harntrakts (LUTS) und des Spitzenharnflusses (6). Eine andere Metaanalyse aus dem Jahr 2021 mit 27 Studien (4853 Probanden) ergab keinen Nutzen von Sägepalme bei der Behandlung von LUTS, die auf eine benigne Prostatahyperplasie zurückzuführen sind (7). So gibt es zahlreiche Studien, in denen Sägepalme bei benigner Prostatahyperplasie oder Symptomen des unteren Harntrakts (LUTS) untersucht wurde, mit unterschiedlichen Ergebnissen. In den Leitlinien der Kanadischen Urologenvereinigung werden Phytotherapien (einschließlich Sägepalme) zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie nicht befürwortet (8).
In einer kleinen, randomisierten, kontrollierten Studie wurde berichtet, dass die Einnahme von Sägepalme über einen Zeitraum von 2 Monaten vor einer transurethralen Resektion der Prostata zu einer verkürzten Operationsdauer und einem günstigeren postoperativen Verlauf führte (9).
Eine systematische Überprüfung von fünf Studien und zwei prospektiven Kohortenstudien ergab eine Verbesserung der allgemeinen Haarqualität, der Gesamtzahl der Haare und der Haardichte, obwohl größere Studien von hoher Qualität erforderlich sind, um diesen Effekt zu bestätigen (10).
Behauptungen, dass Sabal-Früchte die Spermienproduktion, die Brustgröße oder die sexuelle Vitalität beeinflussen kann, wird nicht unterstützt.
Unerwünschte Wirkungen von Sägepalme
Kopfschmerzen und Diarrhöen sind aufgetreten, doch es wurde über wenig ernste Nebenwirkungen berichtet.
In einem Fallbericht über einen 58-Jahre alten weißen Mann, der 900 mg Trockenextrakt und 660 mg Beerenpulver eingenommen hat, um die Symptome einer benignen Prostatahyperplasie zu lindern, wurde von akuten Leberschäden durch Sägepalme berichtet (11). Ein weiterer Bericht eines 65-Jahre alten Mannes hat darauf hingewiesen, dass eine Supplementierung mit Sägepalme für die akute Pankreatitis verantwortlich sein könnte (12).
Frauen, die schwanger sind oder schwanger werden könnten, sollten wegen möglicher hormoneller Wirkungen keine Sägepalme einnehmen.
Unterschiedliche Inhaltsstoffe und Konzentrationen in Sägepalm-Präparaten können die Sicherheit und Wirksamkeit beeinträchtigen (13).
Wechselwirkungen von Sägepalme mit anderen Medikamenten
Es wurden keine Wechselwirkungen für Sägepalme berichtet (14); jedoch sollten Patienten, die Warfarin einnehmen, obwohl starke Belege nicht verfügbar sind, bei der Überlegung oder Einnahme von Sägepalme wegen eines möglichen Risikos von Hepatotoxizität oder Blutungen vorsichtig sein.
Sägepalme kann mit Östrogenen in oralen Kontrazeptiva oder Hormonersatztherapien interagieren und deren Nutzen verringern.
(Siehe auch Tabelle .)
Literatur
1. Barry MJ, Meleth S, Lee JY, et al; Complementary and Alternative Medicine for Urological Symptoms (CAMUS) Study Group. Effect of increasing doses of saw palmetto extract on lower urinary tract symptoms: a randomized trial. JAMA. 306(12):1344-1351, 2011. doi: 10.1001/jama.2011.1364
2. Wilt T, Ishani A, Macdonald R, et al: Serenoa repens for benign prostatic hyperplasia. Cochrane Database Syst Rev 2002;93012:CD001423, 2012. doi: 10.1002/14651858.CD001423.
3. Vela-Navarrete R, Alcaraz A, Rodriguez-Antolin A, et al. Efficacy and safety of a hexanic extract of Serenoa repens (Permixon®) for the treatment of lower urinary tract symptoms associated with benign prostatic hyperplasia (LUTS/BPH): systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials and observational studies. BJU Int. 10.1111/bju.14362, 2018. doi: 10.1111/bju.14362
4. Franco JV, Trivisonno L, Sgarbossa NJ, Alvez GA, Fieiras C, Escobar Liquitay CM, Jung JH. Serenoa repens for the treatment of lower urinary tract symptoms due to benign prostatic enlargement. Cochrane Database Syst Rev. 2023 Jun 22;6(6):CD001423. doi: 10.1002/14651858.CD001423.pub4
5. Cai T, Cui Y, Yu S, et al. Comparison of serenoa repens with tamsulosin in the treatment of B=benign prostatic hyperplasia: a systematic review and meta-analysis. Am J Mens Health. 14(2):1557988320905407, 2020. doi:10.1177/1557988320905407
6. Russo GI, Scandura C, Di Mauro M, et al. Clinical efficacy of serenoa repens versus placebo versus alpha-blockers for the treatment of lower urinary tract symptoms/benign prostatic enlargement: a systematic review and network meta-analysis of randomized placebo-controlled clinical trials. Eur Urol Focus. 7(2):420-431, 2021. doi:10.1016/j.euf.2020.01.002
7. Trivisonno LF, Sgarbossa N, Alvez GA, et al. Serenoa repens for the treatment of lower urinary tract symptoms due to benign prostatic enlargement: a systematic review and meta-analysis. Investig Clin Urol. 62(5):520-534, 2021. doi:10.4111/icu.20210254
8. Elterman D, Aubé-Peterkin M, Evans H, et al. UPDATE - Canadian Urological Association guideline: male lower urinary tract symptoms/benign prostatic hyperplasia. Can Urol Assoc J. 16(8):245-256, 2022. doi:10.5489/cuaj.7906
9. Anceschi R, Bisi M, Ghidini N, et al. Serenoa repens (Permixon®) reduces intra- and postoperative complications of surgical treatments of benign prostatic hyperplasia. Minerva Urol Nefrol. 62(3):219-223, 2010.
10. Evron E, Juhasz M, Babadjouni A, Mesinkovska NA. Natural Hair Supplement: Friend or Foe? Saw Palmetto, a Systematic Review in Alopecia. Skin Appendage Disord. 2020;6(6):329-337. doi:10.1159/000509905
11. Lapi F, Gallo E, Giocaliere E, et al. Acute liver damage due to Serenoa repens: a case report. Br J Clin Pharmacol. 69(5):558-560, 2010. doi: 10.1111/j.1365-2125.2010.03618.x
12. Wargo KA, Allman E, Ibrahim F.A possible case of saw palmetto-induced pancreatitis. South Med J. 103(7):683-685, 2010. doi: 10.1097/SMJ.0b013e3181e1e3ee
13. Habib FK, Wyllie MG. Not all brands are created equal: a comparison of selected components of different brands of Serenoa repens extract. Prostate Cancer Prostatic Dis. 7(3):195-200, 2004. doi:10.1038/sj.pcan.4500746
14. Izzo AA, Ernst E.: Interactions between herbal medicines and prescribed drugs: an updated systematic review. Drugs. 69(13):1777-1798, 2009. doi: 10.2165/11317010-000000000-00000
Weitere Informationen
Die folgenden englischsprachigen Quellen können nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass das MSD-Manual nicht für den Inhalt dieser Quelle verantwortlich ist.



