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Einflussfaktoren für die Genexpression

Von

David N. Finegold

, MD,

  • Professor of Human Genetics, Department of Human Genetics, Graduate School of Public Health
  • University of Pittsburgh

Inhalt zuletzt geändert Jul 2017
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Quellen zum Thema

Viele Faktoren haben Einfluss auf die Genexpression. Einige verursachen die Expression von Merkmalen in Abweichung von den Mendelschen Vererbungsregeln.

(Siehe auch Übersicht über Genetik.)

Penetranz und Expressivität:

Die Penetranz sagt etwas darüber aus, wie oft ein Gen ausgeprägt wird. Sie wird als der Anteil der Menschen definiert, die das Gen haben und einen entsprechenden Phänotyp entwickeln ( Penetranz und Expressivität.). Ein Gen mit unvollständiger (niedriger) Penetranz kann nicht ausgeprägt werden, auch wenn das Merkmal dominant ist oder wenn es rezessiv ist und das verantwortliche Gen für dieses Merkmal auf beiden Chromosomen vorhanden ist. Die Penetranz des gleichen Gens kann von Person zu Person variieren und vom Alter einer Person abhängen. Manchmal lässt sich bei Merkmalsträgern klinisch keine Auffälligkeit entdecken (sog. Nichtpenetranz); allerdings kann ein selbst nicht betroffener Träger das anormale Allel auf seine Kinder übertragen, die daraufhin möglicherweise das Vollbild dieser Störung zeigen. In solchen Fällen scheint der Erbgang eine Generation der Nachkommenschaft zu überspringen. Nichtpenetranz beruht in einigen Fällen jedoch eher darauf, dass sich ein Untersucher nicht mit der vorliegenden Störung auskennt bzw. Minorformen nicht erkennt. Im Fall einer schwächer ausgeprägten Störung wird auch von einer „forme fruste“ gesprochen.

Die phänotypische Ausprägung (Expressivität) von Genen ist das Ausmaß, in dem ein Gen in einer Person exprimiert wird. Sie kann als Prozentsatz ausgedrückt werden, z. B. wenn ein Gen 50% Expressivität hat, sind nur die Hälfte der Merkmale vorhanden oder die Schwere ist nur die Hälfte dessen, was man bei voller Expressivität zu erwarten hat. Die Expressivität kann von Umgebungsfaktoren und von anderen Genen beeinflusst werden, sodass sich Menschen mit demselben Gen im Phänotyp unterscheiden können. Die Expressivität kann auch innerhalb einer Familie unterschiedlich sein.

Penetranz und Expressivität.

Penetranz und Expressivität.

Wie der Genotyp im Phänotyp ausgeprägt wird, hängt von der Penetranz und der Expressivität ab.

Die Penetranz bestimmt, ob das Gen ausgeprägt wird oder nicht. Das heißt, sie bezieht sich darauf, wie viele Menschen mit dem Gen die Eigenschaft (Krankheit) haben, die mit ihm verbunden ist. Die Penetranz kann vollständig (100%) oder unvollständig sein (z. B. 50%, wenn nur die Hälfte der Menschen die Eigenschaft haben).

Die Expressivität bestimmt, wie sehr die Eigenschaft (Krankheit) die Person betrifft und wie viele Krankheitssymptome auftreten. Die Expression, die als Prozentsatz ausgedrückt werden kann, reicht von einer kompletten zu einer minimalen Ausprägung, sie kann aber auch gar nicht vorhanden sein. Verschiedene Faktoren, darunter die genetische Veranlagung, die Exposition gegenüber Schadstoffen, andere Umwelteinflüsse und das Alter können die Expressivität beeinflussen.

Sowohl Penetranz und Expressivität können variieren: Menschen mit dem Gen können das Merkmal haben oder auch nicht, und bei Menschen mit dem Merkmal kann es unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Geschlechtslimitierte Vererbung

Tritt ein Merkmal nur bei einem Geschlecht auf, wird es als geschlechtsgebunden bezeichnet. Ein geschlechtsgebundener Erbgang unterscheidet sich von der X-chromosomalen Vererbung, die sich nur auf Merkmale bezieht, die das X-Chromosom trägt. Mit geschlechtsgebundener – oder vielleicht genauer gesagt, vom Geschlecht beeinflusster – Vererbung sind Sonderfälle gemeint, in denen sich durch die Sexualhormone und andere physiologische Unterschiede zwischen Mann und Frau bedingt die Expressivität und Penetranz eines Gens verändern. Frühe Glatzenbildung ist z. B. ein autosomal-dominantes Merkmal, doch es liegt vermutlich an den weiblichen Sexualhormonen, dass die Kahlheit bei Frauen nur selten vorkommt, und wenn, dann erst nach der Menopause.

Genomische Prägung (Imprinting)

Genomische Prägung (Imprinting) bedeutet, dass genetisches Material anders zur Ausprägung kommt, abhängig davon, ob es von der Mutter oder vom Vater vererbt wurde. Für die meisten Autosomen werden sowohl die väterlichen als auch die mütterliche Allele exprimiert. Jedoch ist bei < 1% der Allele die Expression nur vom väterlichen oder vom mütterlichen Allel möglich. Beispielsweise kann das Gen für den insulinähnlichen Wachstumsfaktor 2 normalerweise nur vom väterlichen Allel exprimiert werden.

Genomisches Imprinting wird in der Regel durch Effekte bestimmt, die normalerweise während der Entwicklung von Gameten auftreten. Veränderungen wie die Methylierung von DNA kann dazu führen, dass bestimmte mütterliche oder väterliche Allele unterschiedlich stark exprimiert werden. Eine Störung kann scheinbar eine Generation überspringen, wenn das genomische Imprinting verhindert, dass das ursächliche Allel exprimiert wird. Fehlerhaftes Imprinting, wie die abnorme Aktivierung oder Inaktivierung von Allelen kann zu Störungen führen (z. B. Prader-Willi-Syndrom, Angelman-Syndrom).

Kodominante Vererbung

Kodominante Allele werden beide betrachtet. So unterscheidet sich der Phänotyp von Heterozygoten von dem von Homozygoten. Beispielsweise hat eine Person, die ein Allel hat, das für die Blutgruppe A codiert, und ein Allel, das für die Blutgruppe B codiert, beide Blutgruppen: die Blutgruppe AB.

Chromosomen-Inaktivierung

Bei Frauen, die 2 (oder bei geschlechtschromosomischen Anomalien. > 2) X-Chromosomen haben (außer in den Eizellen), sind alle bis auf ein X-Chromosom inaktiviert, d. h. die meisten Allele auf diesem Chromosom werden nicht exprimiert. Welches Chromosom inaktiviert wird, wird zufällig individuell in jeder Zelle ganz am Anfang des fötalen Lebens bestimmt, manchmal ist es das X der Mutter, das inaktiviert wird, manchmal ist es das X des Vaters. Manchmal kommt der größte Anteil der X-Chromosom-Inaktivierung von einem Elternteil: die sogenannte ungleiche X-Inaktivierung. Doch ganz gleich auf welchem Wege eine Inaktivierung stattgefunden hat, haben alle Nachkommen dieser Zelle genau die gleiche X-Inaktivierung.

Allerdings werden einzelne Allele auf dem inaktiven X-Chromosom exprimiert. Viele dieser Allele liegen auf den chromosomalen Bereichen, die mit den Bereichen der Y-Chromosomen in Beziehung stehen (und somit als pseudoautosomale Bereiche bezeichnet werden, weil sowohl Männer als auch Frauen zwei Kopien dieser Bereiche erhalten).

Wichtige Punkte

  • Wenn ein Stammbaum eine Generation zu überspringen scheint, ziehen Sie unvollständige Penetranz, unvollständige Expression und (weniger wahrscheinlich) genomische Prägung in Betracht.

  • Die Genexpression kann auch durch geschlechtsbeschränkte Vererbung, die genomische Prägung, Kodominanz von Allelen, und X-Chromosom-Inaktivierung modifiziert werden.

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