Bulimia nervosa

VonEvelyn Attia, MD, Columbia University Medical Center;
B. Timothy Walsh, MD, College of Physicians and Surgeons, Columbia University
Reviewed ByMark Zimmerman, MD, South County Psychiatry
Überprüft/überarbeitet Geändert Aug. 2025
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Bulimia nervosa ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Episoden von Essanfällen, gefolgt von unangemessenem kompensatorischem Verhalten wie Purging (selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Laxanzien oder Diuretika), Fasten oder exzessiver Bewegung; Episoden treten im Durchschnitt mindestens einmal pro Woche über einen Zeitraum von 3 Monaten auf. Die Diagnose wird aufgrund der Anamnese und der Untersuchungsbefunde gestellt. Die Behandlung erfolgt mit Psychotherapie und selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern.

Die Lebenszeitprävalenz der Bulimia nervosa liegt bei etwa 0,5% der Frauen und 0,1% der Männer (1). Die Betroffenen beschäftigen sich ständig und übermäßig mit ihrer Figur und ihrem Gewicht. Im Gegensatz zu Patienten mit Anorexia nervosa sind Patienten mit Bulimia nervosa normalgewichtig oder liegen über dem Normalgewicht.

Bulimia nervosa scheint ebenso wie Anorexia nervosa eher in Kulturen aufzutreten, die ein schlankes Ideal bevorzugen (2, 3). Darüber hinaus wurde die Teilnahme an Aktivitäten, bei denen Körperform oder Gewicht im Vordergrund stehen (z. B. Gymnastik, Ballett), mit der Entwicklung von Anorexia nervosa und Bulimia nervosa in Verbindung gebracht (4).

Allgemeine Literatur

  1. 1. Udo T, Grilo CM. Prevalence and correlates of DSM-5–defined eating disorders in a nationally representative sample of U.S. adults. Biol Psychiatry. 1;84(5):345-354, 2018. doi: 10.1016/j.biopsych.2018.03.014.

  2. 2. van Eeden AE, van Hoeken D, Hoek HW. Incidence, prevalence and mortality of anorexia nervosa and bulimia nervosa. Curr Opin Psychiatry. 2021;34(6):515-524. doi:10.1097/YCO.0000000000000739

  3. 3. Akoury LM, Warren CS, Culbert KM. Disordered Eating in Asian American Women: Sociocultural and Culture-Specific Predictors. Front Psychol. 2019;10:1950. Published 2019 Sep 4. doi:10.3389/fpsyg.2019.01950

  4. 4. Attia E, Walsh BT. Eating Disorders: A Review. JAMA. 2025;333(14):1242-1252. doi:10.1001/jama.2025.0132

Symptome und Beschwerden von Bulimia nervosa

Die Patienten mit Bulimia nervosa beschreiben typischerweise ein Ess-Brech-Verhalten. Bei Essanfälle werden sehr schnell große Mengen von Lebensmitteln verzehrt, die auf jeden Fall das übersteigen, was die meisten Menschen in einem ähnlichen Zeitraum unter ähnlichen Umständen (jedoch kann das Ausmaß, das als exzessiv für eine normale Mahlzeit betrachtet wird, gegenüber einer Mahlzeit in den Ferien unterschiedlich sein). Dies geht mit dem Gefühl des Kontrollverlusts einher.

Patienten neigen dazu, während der Binge-Episoden süße, fettreiche Lebensmittel (z. B. Eis, Kuchen) zu konsumieren. Die bei einer Essanfällen verzehrte Nahrungsmenge variiert, manchmal werden Tausende von Kalorien aufgenommen. Die Essanfälle treten meist episodisch auf, werden häufig durch psychosozialen Stress ausgelöst, können mehrmals täglich vorkommen und werden gewöhnlich heimlich ausgeführt.

Auf die Essanfälle folgt kompensatorisches Verhalten: selbstinduziertes Erbrechen, Gebrauch von Laxanzien oder Diuretika, übermäßiger Sport und/oder Fasten.

Die Patienten sind in der Regel normalgewichtig; nur eine Minderheit hat Übergewicht oder Adipositas. Jedoch sind Patienten übermäßig mit ihre mKörpergewicht und/oder Äußerem beschäftigt; sie sind oft unzufrieden mit ihrem Körper und denken, dass sie Gewicht müssen.

Patienten mit Bulimia nervosa sind sich, anders als Patienten mit Anorexia nervosa, eher ihres Verhaltens bewusst, sie bereuen es und geben bei Befragung durch einen einfühlsamen Kliniker ihren Leidensdruck auch eher zu. Sie sind zudem weniger sozial isoliert und neigen stärker zu impulsivem Verhalten, Drogen- und Alkoholgebrauchsstörungen sowie ausgeprägter Depression. Depressionen, Angst (z. B. das Gewicht betreffend und/oder soziale Situationen) und Angststörungen sin häufiger unter diesen Patienten.

Die meisten körperlichen Anzeichen von Bulimia nervosa resultieren aus dem Purging-Verhalten. Selbstinduziertes Erbrechen kann Erosionen des Zahnschmelzes der Schneidezähne verursachen, eine schmerzlose Vergrößerung der Parotis (Ohrspeicheldrüse) und eine entzündete Speiseröhre. Zu den körperlichen Anzeichen gehören folgende:

  • Geschwollene Ohrspeicheldrüse

  • Narben auf dem Handrücken (durch wiederholtes Auslösen von Erbrechen mit den Fingern, um den Würgereflex auszulösen)

  • Erosionen an den Zähnen

Komplikationen

Gelegentlich treten schwerwiegende Flüssigkeits- und Elektrolytstörungen, insbesondere Hypokaliämie, auf. In äußerst seltenen Fällen reißt der Magen oder die Speiseröhre während eines Essanfalls oder einer Purging-Episode, was zu lebensbedrohlichen Komplikationen führt (1).

Da eine erhebliche Gewichtsabnahme nicht stattfindet, sind andere schwerwiegende Komplikationen, die bei einer Anorexia nervosa häufig auftreten, nicht vorhanden. Eine Kardiomyopathie kann jedoch infolge der langfristigen Anwendung von Ipecacuanha-Sirup zur Auslösung von Erbrechen auftreten (2).

Komplikationen Referenzen

  1. 1. Uniacke B, Walsh BT. Eating Disorders. Ann Intern Med. 2022;175(8):ITC113-ITC128. doi:10.7326/AITC202208160

  2. 2. Silber TJ. Ipecac syrup abuse, morbidity, and mortality: isn't it time to repeal its over-the-counter status?. J Adolesc Health. 2005;37(3):256-260. doi:10.1016/j.jadohealth.2004.08.022

Diagnose von Bulimia nervosa

  • Psychiatrische Beurteilung

  • Manchmal Labortests

Klinische Kriterien für die Diagnose von Bulimia nervosa aus dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Aufl., Textüberarbeitung (DSM-5-TR) umfassen die folgenden (1):

  • Wiederkehrende Episoden mit Essanfällen (unkontrollierter Verzehr von ungewöhnlich großen Mengen von Lebensmitteln), die von Gefühlen des Kontrollverlustes über das Essen begleitet werden und durchschnittlich mindestens 1-mal pro Woche über 3 Monate auftreten.

  • Wiederkehrendes unangebrachtes kompensatorisches Verhalten, um das Körpergewicht zu beeinflussen (durchschnittlich mindestens 1-mal pro Woche über 3 Monate)

  • Selbsteinschätzung, die übermäßig von Körperform und Gewichtsproblemen beeinflusst wird.

Die laborchemische Messung der Elektrolyte kann Abweichungen identifizieren, insbesondere eine Hypokaliämie (2).

Literatur zur Diagnose

  1. 1. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. 5th ed, Text Revision. American Psychiatric Association Publishing; 2022:387-392.

  2. 2. Wolfe BE, Metzger ED, Levine JM, Jimerson DC. Laboratory screening for electrolyte abnormalities and anemia in bulimia nervosa: a controlled study. Int J Eat Disord. 2001;30(3):288-293. doi:10.1002/eat.1086

Behandlung von Bulimia nervosa

  • Kognitive Verhaltenstherapie

  • Interpersonelle Psychotherapie

  • Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI)

Die kognitive Verhaltenstherapie ist die Behandlung der Wahl bei Bulimia nervosa (1–3). Die Therapie umfasst in der Regel 16–20 Sitzungen über 4–5 Monate, sie kann aber auch als Gruppentherapie durchgeführt werden. Die Behandlung zielt darauf ab,

  • Steigern Sie die Motivation für Veränderungen

  • Ersetzen Sie gestörtes Essen durch ein regelmäßiges und flexibles Muster

  • Vermindern Sie unangemessene Bedenken hinsichtlich Körperform und Gewicht

  • Verhindern Sie Rückfälle

Die kognitive Verhaltenstherapie führt zu einer Remission der Essanfälle und des Abführens bei etwa 35–50% der Patienten (4, 5). Viele weitere Patienten zeigen Verbesserungen; einige brechen die Behandlung ab oder sprechen nicht darauf an. Die Verbesserungen lassen sich üblicherweise langfristig aufrechterhalten.

Bei der interpersonellen Psychotherapie liegt der Schwerpunkt darauf, die Patienten beim Erkennen und Verändern aktueller zwischenmenschlicher Probleme zu unterstützen, die die Essstörung aufrechterhalten könnten. Die Behandlung ist weder direktiv noch interpretativ und legt den Schwerpunkt nicht direkt auf die Symptome der Essstörung. Die interpersonelle Psychotherapie kann als Alternative angesehen werden, wenn eine kognitive Verhaltenstherapie nicht möglich ist. (Anmerkung für den deutschsprachige Raum: Interpersonelle Psychotherapie zählt in Deutschland nicht zu den Richtlinienverfahren und wird daher nicht von den Kostenträgern bezahlt.)

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer allein reduzieren zwar die Häufigkeit von Essanfällen und Erbrechen, sind jedoch ohne Psychotherapie als alleinige Behandlung nicht ideal (3, 6, 7). SSRI sind ebenfalls wirksam bei der Behandlung komorbider Angststörungen und Depressionen. Fluoxetin wird häufig zur Behandlung der Bulimia nervosa bei Erwachsenen eingesetzt, in einer Dosierung, die höher ist als die üblicherweise bei der Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen verwendete (2).

Literatur zur Behandlung

  1. 1. Grilo CM. Treatment of Eating Disorders: Current Status, Challenges, and Future Directions. Annu Rev Clin Psychol. 2024;20(1):97-123. doi:10.1146/annurev-clinpsy-080822-043256

  2. 2. Crone C, Fochtmann LJ, Attia E, et al. The American Psychiatric Association Practice Guideline for the Treatment of Patients With Eating Disorders. Am J Psychiatry. 2023;180(2):167-171. doi:10.1176/appi.ajp.23180001

  3. 3. National Guideline Alliance (UK). Eating Disorders: Recognition and Treatment. London: National Institute for Health and Care Excellence (NICE); May 2017.

  4. 4. Linardon J, Wade TD. How many individuals achieve symptom abstinence following psychological treatments for bulimia nervosa? A meta-analytic review. Int J Eat Disord. 2018;51(4):287-294. doi:10.1002/eat.22838

  5. 5. Waller G, Gray E, Hinrichsen H, Mountford V, Lawson R, Patient E. Cognitive-behavioral therapy for bulimia nervosa and atypical bulimic nervosa: effectiveness in clinical settings. Int J Eat Disord. 2014;47(1):13-17. doi:10.1002/eat.22181

  6. 6. Bacaltchuk J, Hay P. Antidepressants versus placebo for people with bulimia nervosa. Cochrane Database Syst Rev. 2001;2003(4):CD003391. doi:10.1002/14651858.CD003391

  7. 7. Argyrou A, Lappas AS, Bakaloudi DR, et al. Pharmacotherapy compared to placebo for people with Bulimia Nervosa: A systematic review and meta-analysis. Psychiatry Res. 2023;327:115357. doi:10.1016/j.psychres.2023.115357

Wichtige Punkte

  • Zu Bulimia nervosa igehören wiederkehrende Episoden von Essanfällen, gefolgt von unadäquaten kompensatorischen Verhaltensweisen wie selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Laxanzien oder Diuretika, Fasten oder extremem Sport.

  • Im Gegensatz zu Patienten mit Anorexia nervosa, verlieren Patienten selten viel Gewicht oder entwickeln eine Mangelernährung.

  • Wiederkehrendes selbstinduziertes Erbrechen kann Zahnschmelz hervorrufen und/oder zu Ösophagitis führen.

  • Gelegentlich treten schwerwiegende Flüssigkeits- und Elektrolytstörungen, insbesondere Hypokaliämie, auf.

  • Eine Ruptur des Ösophagus oder Magens oder eine Kardiomyopathie sind seltene Komplikationen.

  • Behandeln Sie mit einer kognitiven Verhaltenstherapie und manchmal mit einem SSRI.

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