Pädophile Störung

(Pädophilie)

VonGeorge R. Brown, MD, East Tennessee State University
Reviewed ByMark Zimmerman, MD, South County Psychiatry
Überprüft/überarbeitet Geändert Okt. 2025
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Die pädophile Störung ist durch wiederkehrende, intensive sexuell erregende Fantasien, Triebe oder Verhaltensweisen gekennzeichnet, die sexuelle Handlungen mit vorpubertären Kindern (in der Regel 13 Jahre) beinhalten; nach klinischen Kriterien wird sie nur diagnostiziert, wenn der Patient 16 Jahre und 5 Jahre älter ist als das Kind, das das Ziel der Fantasien oder Verhaltensweisen ist.

Pädophilie ist eine Form der Paraphilie, die anderen Schaden zufügt und somit als eine paraphile Störung betrachtet wird. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass es sowohl strukturelle als auch funktionelle Unterschiede im Gehirn von Pädophilen im Vergleich zu Kontrollpersonen gibt, sowohl in kortikalen als auch in subkortikalen Bereichen (z. B. limbisches System, frontostriataler Bereich) (1).

Sexuelle Übergriffe gegen Kinder machen einen Großteil der angezeigten Sexualstraftaten aus. Für ältere Jugendliche (d. h. 17- bis 18-Jährige) kann das anhaltende sexuelle Interesse an oder die sexuelle Beziehung zu einer 12- oder 13-jährigen Person möglicherweise nicht die klinischen Kriterien für eine Störung erfüllen, da die Kriterien des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Auflage, Textrevision (DSM-5-TR) vorsehen, dass der Täter über 16 Jahre alt sein muss und die Person, die an sexuellen Aktivitäten beteiligt war, mindestens 5 Jahre jünger als der Täter sein muss. Rechtliche Kriterien können sich jedoch von psychiatrischen Kriterien unterscheiden. Z. B. kann die sexuelle Aktivität zwischen einem 19-Jährigen und einem 16-Jährigen ein Verbrechen sein, aber keine pädophile Störung, abhängig von der Gerichtsbarkeit. Diagnostische Altersrichtlinien aus westlichen Klassifizierungssystemen, einschließlich DSM-5-TR, gelten möglicherweise nicht für alle Kulturen. Viele Kulturen akzeptieren sexuelle Aktivität, Heirat und Kinderkriegen in jüngeren Jahren und akzeptieren viel größere Altersunterschiede zwischen den Sexualpartnern. In einer systematischen Übersichtsarbeit über Nicht-Straftäter wird berichtet, dass sexuelle Anziehung zu Minderjährigen bei 2 bis 24% der Männer weltweit vorhanden ist (2).

Die meisten Pädophilen sind männlich. Die Prävalenz ist nicht bekannt, wird aber auf bis zu 3% der erwachsenen männlichen Bevölkerung geschätzt und ist bei Frauen wesentlich geringer (3). Die Anziehung kann sich auf Kinder oder Jugendliche eines oder mehrerer Geschlechter beziehen. Pädophile bevorzugen jedoch bekanntermaßen Kinder des anderen Geschlechts gegenüber Kindern des gleichen Geschlechts im Verhältnis 2:1 (4). In den meisten Fällen kennt das Kind den Erwachsenen und dieser kann ein Familienmitglied, ein Stiefelternteil oder eine Autoritätsperson (z. B. ein Lehrer, ein Geistlicher, ein Coach) sein. Das Betrachten von unbekleideten Kindern und das Betasten ihrer Genitalien scheinen in Fällen von Pädophilie ohne Inzest häufiger zu sein als Geschlechtsverkehr (5).

Pädophile können sich nur von Kindern (exklusive Form) oder auch von Erwachsenen (nicht ausschließliche Form) angezogen fühlen, manche fühlen sich nur von Kindern angezogen, die mit ihnen verwandt sind (Inzest).

Kriminelle Pädophile, von denen viele eine Komorbidität mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung haben, tendieren zu Gewaltanwendung oder drohen dem Kind mit körperlichem Leid oder Schaden für sein Haustier, sollte es den Missbrauch nicht geheim halten. Wenn sowohl eine antisoziale Persönlichkeitsstörung als auch Pädophilie vorliegen, sind Behandlungen nachweislich nur von begrenztem Wert im Vergleich zu Behandlungen, die nur auf Pädophilie ausgerichtet sind, da die Abbruchquoten von Behandlungen und die Rückfallquoten bei Personen mit beiden Störungen höher sind (5, 6).

Der Verlauf der Pädophilie ist chronisch, und die Täter haben oder entwickeln häufig einen Substanzgebrauchsstörungen oder eine -abhängigkeit und eine Depression. Eine durchdringende familiäre Dysfunktion, persönlich erlebter, sexueller Missbrauch und Ehekonflikte sind weit verbreitet. Andere komorbide Störungen sind Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung, Angststörungen und posttraumatische Belastungsstörung.

Allgemeine Literatur

  1. 1. Kirk-Provencher KT, Rebecca J Nelson-Aguiar RJ, Spillane NS. Neuroanatomical differences among sexual offenders: A targeted review with limitations and implications for future directions. Violence Gend. 7(3):86-97, 2020. doi: 10.1089/vio.2019.0051

  2. 2. Savoie V, Quayle E, Flynn E. Prevalence and correlates of individuals with sexual interest in children: A systematic review. Child Abuse Negl. 2021;115:105005. doi:10.1016/j.chiabu.2021.105005

  3. 3. Seto MC, Kingston DA, Bourget D. Assessment of the paraphilias. Psychiatr Clin North Am. 37(2):149-161 2014. doi: 10.1016/j.psc.2014.03.001

  4. 4. Freund K, Watson RJ. The proportions of heterosexual and homosexual pedophiles among sex offenders against children: An exploratory study. J Sex Marital Ther. 18(1):34-43, 1992. doi: 10.1080/00926239208404356

  5. 5. Hall RC, Hall RCW. A profile of pedophilia: Definition, characteristics of offenders, recidivism, treatment outcomes, and forensic issues. Mayo Clin Proc. 82(4):457-471, 2007. doi: 10.4065/82.4.457

  6. 6. Cohen LJ, Galynker II. Clinical features of pedophilia and implications for treatment. J Psychiatr Pract. 8(5):276-289, 2002. DOI: 10.1097/00131746-200209000-00004

Diagnose von pädophiler Erkrankung

  • Psychiatrische Beurteilung

Die umfangreiche Verwendung von Kinderpornographie ist ein zuverlässiges Zeichen für sexuelle Anziehung zu Kindern und kann manchmal der einzige Indikator für die Erkrankung sein. Allerdings erfüllt die Verwendung oder der Besitz von Kinderpornographie für sich genommen nicht die Kriterien für eine pädophile Störung, auch wenn dies in der Regel illegal ist.

Wenn ein Patient die sexuelle Anziehung zu Kindern leugnet, die Umstände aber das Gegenteil vermuten lassen, können bestimmte diagnostische Instrumente (in der Regel im Rahmen einer gerichtlichen Einschaltung) helfen, diese Anziehung zu bestätigen. Zu den Werkzeugen gehören penile Plethysmografie (Männer), vaginale Photoplethysmografie (Frauen) und die Betrachtungszeit von standardisiertem erotischem Material; allerdings kann der Besitz solchen Materials, auch für diagnostische Zwecke, in bestimmten Rechtsordnungen illegal sein.

Klinische Kriterien für die Diagnose von pädophiler Störung aus dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Aufl., Textüberarbeitung (DSM-5-TR) umfassen die folgenden (1):

  • Wiederkehrende, intensive sexuell erregende Phantasien, Triebe oder Verhaltensweisen mit einem vorpubertären Kinde oder Kindern (in der Regel ≤ 13 Jahre) existieren für ≥ 6 Monate.

  • Die Person hat nach den Trieben gehandelt oder ist von den Trieben und Phantasien sehr niedergeschlagen und beeinträchtigt. Das Auftreten von Belastungen durch diese Triebe oder Verhaltensweisen ist keine Voraussetzung für die Diagnose, da viele Betroffene jegliche Belastung oder Beeinträchtigung abstreiten.

  • Die Person ist ≥ 16 Jahre und ≥ 5 Jahre älter als das Kind, das das Ziel der Phantasien oder Verhaltensweisen (jedoch ausschließlich eines älteren Jugendlichen, der sich in einer laufenden Beziehung mit einem 12- oder 13-Jährigen befindet) ist.

Bei der Diagnosestellung muss der Kliniker angeben, ob

  • der Patient sich ausschließliche zu präpubertären Kindern (exklusiver Typ) oder sowohl zu Kindern als auch zu Erwachsenen (nichtexklusiver Typ) hingezogen fühlt;

  • der Patient sich sexuell zu Männern, Frauen oder zu beiden hingezogen fühlt;

  • die Verhaltensweisen/Triebe/Phantasien sich auf Inzest beschränken.

Die Identifizierung eines Patienten als potenziell pädophil ist für Ärzte gelegentlich eine ethische Herausforderung. Allerdings haben Kliniker die Verantwortung, die Gemeinschaft der Kinder zu schützen. Besteht ein begründeter Verdacht auf sexuellen oder körperlichen Missbrauch von Kindern, erfordert das Gesetz, dass dies den Behörden gemeldet werden muss. Kliniker sollten die Anzeigepflichten in ihrem Bundesstaat kennen, da diese variieren können (2).

Literatur zur Diagnose

  1. 1. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. 5th ed, Text Revision. American Psychiatric Association Publishing; 2022:792-796.

  2. 2. Child Welfare Information Gateway. State Statutes Search. Accessed August 25, 2025.

Behandlung von pädophiler Störung

  • Einzel- und/oder Gruppenpsychotherapie

  • Behandlung von komorbiden Störungen

  • Pharmakologische Therapie (z. B. Antiandrogene, selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer [SSRI])

Obwohl es nur wenige randomisierte Studien zur Behandlung der Pädophilie gibt, ist in der Regel eine langfristige Einzel- oder Gruppentherapie, insbesondere eine kognitive Verhaltenstherapie, erforderlich. Dieser Ansatz kann sich als besonders wirksam erweisen, wenn er in einen multimodalen Behandlungsplan integriert wird, der das Training sozialer Kompetenzen, die Behandlung komorbider somatischer und psychiatrischer Störungen sowie eine medikamentöse Therapie mit Androgendeprivation umfasst (1).

Die Behandlung der Pädophilie steht im Verdacht, weniger wirksam zu sein, wenn sie gerichtlich angeordnet wurde, obwohl viele verurteilte Sexualstraftäter von Behandlungen wie Gruppenpsychotherapie zusammen mit Antiandrogenen profitiert haben (2). Einige Kliniken, die selbst eingewiesene und gerichtlich zugelassene Patienten behandelt haben, haben langfristige Nachuntersuchungen mit phallometrischer Überwachung durchgeführt. Sie berichteten über erhebliche langfristige Verbesserungen durch die Behandlung und niedrige Rezidivraten (3).

Einige Pädophile, die sich an die Behandlung und Überwachung halten, können pädophile Handlungen unterlassen und in die Gesellschaft reintegriert werden. Solche Ergebnisse sind umso wahrscheinlicher, wenn keine anderen psychiatrischen Störungen, insbesondere Persönlichkeitsstörungen, vorliegen.

Medikamente

  • Depot Medroxyprogesteronacetat

  • Manchmal Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Agonisten

  • Kognitive Verhaltenstherapie

Arzneimittel sind am wirksamsten, wenn sie im Rahmen eines multimodalen Behandlungsprogramms eingesetzt werden, das eine kognitive Verhaltenstherapie umfasst.

Durch die Blockierung der Hypophyse-Produktion des luteinisierenden Hormons (LH) und des Follikel-stimulierenden Hormons (FSH), verringert Medroxyprogesteron die Produktion von Testosteron und reduziert somit die Libido. In Europa wird Cyproteronacetat, das die Testosteronrezeptoren blockiert, verwendet. Der Serumspiegel von Testosteron sollte überwacht und im weiblichen Normbereich bei männlichen Patienten gehalten werden. Die Behandlung ist in der Regel langfristig angelegt, da pädophile Fantasien in der Regel Wochen bis Monate nach Beendigung der Behandlung erneut auftreten. Lebertests sollten durchgeführt werden und Blutdruck, Knochendichte und Blutbild bei Bedarf überwacht werden.

GnRH-Agonisten (z. B. Leuprorelin, Goserelin), welche die Produktion von luteinisierendem Hormon und follikelstimulierendem Hormon in der Hypophyse reduzieren und somit die Produktion von Testosteron verringern, sind auch eine Option und erfordern weniger häufige intramuskuläre Injektionen (in Intervallen von 1 bis 6 Monaten) als Medroxyprogesteron (4). Der Beginn der therapeutischen Wirkung tritt Berichten zufolge 2 Wochen nach der ersten Injektion ein. Die Kosten sind jedoch normalerweise wesentlich höher.

Der Nutzen von Antiandrogenen bei weiblichen Pädophilen ist weniger gut belegt.

Zusätzlich zu Antiandrogenen deuten begrenzte unverblindete Daten darauf hin, dass SSRI nützlich sein können (4). Eine nicht replizierte Studie zeigte eine gewisse Wirksamkeit von Benperidol (5).

Literatur zur Behandlung

  1. 1. Castro Rodrigues J, Vieira M, da Silva BF, Ribeiro LM. What’s new on the treatment of pedophilia and hebephilia?. Eur Psychiatry. 2023;66(Suppl 1):S1098. Published 2023 Jul 19. doi:10.1192/j.eurpsy.2023.2333

  2. 2. von Franqué F, Briken P. Mandated or Voluntary Treatment of Men Who Committed Child Sexual Abuse: Is There a Difference?. Front Psychiatry. 2021;12:708210. Published 2021 Sep 30. doi:10.3389/fpsyt.2021.708210

  3. 3. Federoff JP. Pedophilia: Interventions that work. Psychiatric Times. 33(7): 2016.

  4. 4. Hall RCW, Hall RCW. A profile of pedophilia: Definition, characteristics of offenders, recidivism, treatment outcomes, and forensic issues. Mayo Clin Proc. 82(4):457-471, 2007. doi: 10.4065/82.4.457

  5. 5. Tennent G, Bancroft J, Cass J. The control of deviant sexual behavior by drugs: a double-blind controlled study of benperidol, chlorpromazine, and placebo. Arch Sex Behav. 1974;3:261–71

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