Anorexia nervosa ist gekennzeichnet durch das unermüdliche Streben nach Schlankheit, eine ausgeprägte Angst vor Adipositas, ein verzerrtes Körperbild sowie eine Einschränkung der Nahrungsaufnahme im Verhältnis zum Bedarf, was zu einem signifikant niedrigen Körpergewicht führt. Die Diagnose wird nach klinischen Kriterien gestellt. Die Behandlung umfasst in der Regel Psychotherapie und Verhaltenstherapie. Die Einbindung der Familie ist für die Betreuung jüngerer Patienten von entscheidender Bedeutung. Olanzapin kann eine Gewichtszunahme unterstützen.
Anorexia nervosa tritt vorwiegend bei Mädchen und jungen Frauen auf. Die Störung beginnt meist im Jugendalter und selten später als im Alter von 40 (1). Die Lebenszeitprävalenz beträgt etwa 1,5% bei Frauen und 0,1% bei Männern (2).
Zwei Arten von Anorexia nervosa sind anerkannt:
Restriktiver Typ: Die Patienten schränken die Nahrungsaufnahme ein, weisen aber nicht regelmäßig Essanfälle oder ein Purging-Verhalten auf, mache Patienten betreiben exzessiv Sport.
Binge-eating-/Purging-Typ: Die Patienten haben regelmäßig Essanfälle, und/oder induzieren Erbrechen und/oder missbrauchen Laxanzien, Diuretika oder Einläufe. Dies unterscheidet sich von Bulimia nervosa durch das Gewicht des Patienten: Bei Anorexie ist das Gewicht niedrig, bei Bulimie ist das Gewicht normal oder hoch.
Essanfälle werden definiert als der Verzehr einer viel größeren Menge an Nahrung, als die meisten Menschen in einem ähnlichen Zeitraum unter ähnlichen Umständen essen würden, mit Kontrollverlust, d. h., der gefühlten Unfähigkeit, zu widerstehen oder mit dem Essen aufzuhören.
Literatur
1. Uniacke B, Walsh BT. Eating Disorders. Ann Intern Med. 2022 Aug;175(8):ITC113-ITC128
2. Udo T, Grilo CM. Prevalence and Correlates of DSM-5-Defined Eating Disorders in a Nationally Representative Sample of U.S. Adults. Biol Psychiatry. 2018;84(5):345-354. doi:10.1016/j.biopsych.2018.03.014
Risikofaktoren für Anorexia nervosa
Die Inzidenz ist bei Frauen höher (1, 2). Bestimmte familiäre und soziale Faktoren sind mit einem höheren Risiko assoziiert. Viele, wenn auch nicht alle (3, 4), Patienten mit Anorexia nervosa gehören der mittleren oder oberen sozioökonomischen Schicht an, sind sehr gewissenhaft und zwanghaft und haben äußerst hohe Ansprüche an Leistung und Erfolg.
Kulturelle Normen zum Körperbild können dabei eine Rolle spielen. In einigen Kulturen gilt Übergewicht als unattraktiv und der Wunsch, dünn zu sein, ist allgegenwärtig, sogar bei Kindern; dies kann zur Entwicklung von Anorexia nervosa prädisponieren. In den Vereinigten Staaten beispielsweise machen bis zu 40% der Mädchen im Vor- und frühen Jugendalter eine Diät oder ergreifen andere Maßnahmen, um ihr Gewicht zu kontrollieren; jedoch entwickelt nur ein kleiner Teil der Mädchen eine Anorexia nervosa (5, 6).
Darüber hinaus wurde die Teilnahme an Aktivitäten, bei denen Körperform oder Gewicht im Vordergrund stehen (z. B. Gymnastik, Ballett), mit der Entwicklung von Anorexia nervosa und Bulimia nervosa in Verbindung gebracht (7).
Eine genetische Prädisposition wurde für Anorexia nervosa identifiziert und genomweite Studien haben begonnen, spezifische Loci zu identifizieren, die mit einem erhöhten Risiko assoziiert sind (8).
Literatur zu Risikofaktoren
1. Mitchell JE, Peterson CB. Anorexia Nervosa. N Engl J Med. 2020;382(14):1343-1351. doi:10.1056/NEJMcp1803175
2. van Eeden AE, van Hoeken D, Hoek HW. Incidence, prevalence and mortality of anorexia nervosa and bulimia nervosa. Curr Opin Psychiatry. 2021;34(6):515-524. doi:10.1097/YCO.0000000000000739
3. Koch SV, Larsen JT, Plessen KJ, Thornton LM, Bulik CM, Petersen LV. Associations between parental socioeconomic-, family-, and sibling status and risk of eating disorders in offspring in a Danish national female cohort. Int J Eat Disord. 2022;55(8):1130-1142. doi:10.1002/eat.23771
4. Huryk KM, Drury CR, Loeb KL. Diseases of affluence? A systematic review of the literature on socioeconomic diversity in eating disorders. Eat Behav. 2021;43:101548. doi:10.1016/j.eatbeh.2021.101548
5. Rodgers RF, Peterson KE, Hunt AT, et al. Racial/ethnic and weight status disparities in dieting and disordered weight control behaviors among early adolescents. Eat Behav. 2017;26:104-107. doi:10.1016/j.eatbeh.2017.02.005
6. Schreiber GB, Robins M, Striegel-Moore R, Obarzanek E, Morrison JA, Wright DJ. Weight modification efforts reported by black and white preadolescent girls: National Heart, Lung, and Blood Institute Growth and Health Study. Pediatrics. 1996;98(1):63-70.
7. Attia E, Walsh BT. Eating Disorders: A Review. JAMA. 2025;333(14):1242-1252. doi:10.1001/jama.2025.0132
8. Xu J, Igudesman D, Huckins L, Bulik CM. Genetics of Anorexia Nervosa: Translation to Future Personalized Therapies. Psychiatr Clin North Am. 2025 Jun;48(2):293-309.
Symptome und Anzeichen von Anorexia nervosa
Anorexia nervosa kann leicht und vorübergehend oder schwer und anhaltend sein.
Auch wenn sie untergewichtig sind, befürchten die meisten Patienten, dass sie zu viel wiegen oder dass bestimmte Körperregionen (z. B. Oberschenkel, Gesäß) zu dick sind. Sie bemühen sich weiterhin, Gewicht zu verlieren, trotz Zusicherungen und Warnungen von Freunden und Familienangehörigen, dass sie dünn oder sogar deutlich untergewichtig sind zu verlieren, und sie sehen jede Gewichtszunahme als ein inakzeptables Versagen ihrer Selbstkontrolle. Die Sorge um das Gewicht und die Angst davor nehmen zu, auch wenn die Auszehrung zunimmt.
Eigentlich ist die Bezeichnung „Anorexie“ falsch, weil der Appetit bis zum Stadium der signifikanten Kachexie unverändert bleibt. Die Patienten sind zwanghaft mit dem Thema Essen beschäftigt:
Es kann sein, dass sie Diäten studieren und zählen Kalorien.
Es kann sein, dass sie Essen horten und verstecken und es wegwerfen.
Es kann sein, dass sie Rezepte sammeln.
Es kann sein, dass sie aufwendige Mahlzeiten für andere zubereiten.
Die Patienten übertreiben oft ihre Nahrungsaufnahme und verheimlichen Verhaltensweisen, wie z. B. induziertes Erbrechen. Binge-eating-/Purging-Verhalten tritt bei etwa 45% der Patienten auf (1). Andere schränken lediglich ihre Nahrungsaufnahme ein.
Viele Patienten mit Anorexia nervosa trainieren außerdem exzessiv mit dem Ziel, ihr Gewicht zu kontrollieren. Selbst kachektische Patienten sind meist weiterhin sehr aktiv (und halten an ihren extremen Trainingsprogrammen fest).
Beschwerden wie Völlegefühl, Bauchschmerzen und Obstipation sind verbreitet. Die meisten Frauen mit Anorexia nervosa entwickeln unregelmäßige Menses und schließlich Amenorrhö. Häufig treten Depression und Angst auf.
Zu den häufigen körperlichen Befunden gehören Bradykardie, Hypotonie (insbesondere orthostatisch), Hypothermie, Lanugo-Behaarung (weiches, feines Haar, das normalerweise nur bei Neugeborenen vorkommt) oder leichter Hirsutismus sowie Ödeme. Das Körperfett ist stark reduziert, ebenso die Muskelmasse. Patienten, die häufig erbrechen, können erodierten Zahnschmelz, eine schmerzlose Speicheldrüsenvergrößerung und/oder eine entzündete Speiseröhre haben.
Hinweise auf Symptome und Zeichen
1. Mitchell JE, Peterson CB. Anorexia Nervosa. N Engl J Med. 2020;382(14):1343-1351. doi:10.1056/NEJMcp1803175
Komplikationen von Anorexia nervosa
Endokrine Anomalien sind bei Anorexia nervosa häufig. Sie beinhalten
Verminderte Spiegel gonadaler Hormone
Leicht verminderte Spiegel von Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3)
Erhöhte Cortisolsekretion
Bei stark unterernährten Patienten kann praktisch jedes wichtige Organsystem betroffen sein. Allerdings werden die Patienten nicht immunsupprimiert, und die Anfälligkeit für Infektionen ist in der Regel nicht erhöht.
Es kann zu Dehydrierung und metabolischer Alkalose kommen, und Hypokaliämie und Hyponatriämie können auftreten; alle diese werden durch induziertes Erbrechen und die Anwendung von Laxanzien oder Diuretika verstärkt. Aufgrund einer Knochenmarksuppression können Anämie und Thrombozytopenie auftreten. Osteoporose kann sich entwickeln.
Bradykardie ist häufig. Herzmuskelmasse, -kammergröße und -auswurfleistung nehmen ab; häufig wird ein Mitralklappenprolaps festgestellt. Einige Patienten haben verlängerte QT-Intervalle im Zusammenhang mit Elektrolytstörungen (insbesondere Hypokaliämie), die zu Tachyarrhythmien prädisponieren können. Plötzliche Todesfälle, meist bedingt durch ventrikuläre Tachyarrhythmien, können auftreten.
Diagnose von Anorexia nervosa
Psychiatrische Beurteilung
Laboruntersuchungen und Elektrokardiographie
Patientinnen und Patienten erkennen die Gesundheitsrisiken des Gewichtsverlusts, des niedrigen Körpergewichts und des restriktiven Essverhaltens nicht; sie werden in der Regel durch Familienangehörige oder aufgrund einer Begleiterkrankung ärztlich vorgestellt. Die Patienten widersetzen sich in der Regel einer Untersuchung und Behandlung.
Klinische Kriterien für die Diagnose von Anorexia nervosa aus dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Aufl., Textüberarbeitung (DSM-5-TR) umfassen die folgenden (1):
Einschränkung der Nahrungsaufnahme, was zu einem deutlich niedrigen Körpergewicht führt
Die Angst vor übermäßiger Gewichtszunahme oder vor Übergewicht (insbesondere durch den Patienten angegeben oder manifestiert sich als Verhalten, das mit der Gewichtszunahme interferiert)
Körperbildstörung (Fehleinschätzung von Körpergewicht und/oder Aussehen) oder Ablehnung der Schwere der Erkrankung
Bei Erwachsenen wird ein niedriges Körpergewicht über den Body-Mass-Index (BMI) definiert. Ein BMI von < 17 kg/m2 gilt als deutlich niedrig; ein BMI von 17 bis < 18,5 kg/m2 kann signifikant niedrig sein, je nach Ausgangspunkt des Patienten.
Bei Kindern und Jugendlichen wird die BMI-Perzentile für das Alter angewendet; das 5. Perzentil wird in der Regel als der Grenzwert angegeben. Es kann jedoch auch davon ausgegangen werden, dass Kinder über dem fünften Perzentil, die ihren prognostizierten Wachstumspfad nicht eingehalten haben, das Kriterium des niedrigen Körpergewichts erfüllen; BMI-Perzentile für Alterstabellen und Standardwachstumstabellen sind über die Centers for Disease Control and Prevention erhältlich (siehe CDC Growth Charts). Für Kinder und Jugendliche stehen separate BMI-Rechner zur Verfügung.
Die Patienten können ansonsten gut aussehen und weisen bei Blutuntersuchungen nur wenige Anomalien auf. Der Schlüssel zur Diagnose liegt darin, anhaltende aktive Bemühungen zur Vermeidung von Gewichtszunahme und eine starke Angst vor Fettleibigkeit zu identifizieren, die nicht durch Gewichtsabnahme gemindert wird. Laboruntersuchungen und Elektrokardiographie können hilfreich sein, um Elektrolytstörungen, Anämie und Thrombozytopenie zu erkennen, auf Arrhythmien zu untersuchen und den Ernährungszustand zu beurteilen. Die Untersuchung kann auch dabei helfen, festzustellen, ob ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist (2).
Differenzialdiagnosen
Eine andere psychiatrische Störung wie Schizophrenie oder primäre Depression kann zu Gewichtsverlust und Abneigung gegen das Essen führen, aber Patienten mit diesen Störungen haben kein verzerrtes Körperbild.
Selten kann eine nicht erkannte schwere Allgemeinerkrankung einen erheblichen Gewichtsverlust verursachen. Störungen, die berücksichtigt werden sollten, sind Malabsorptionssyndrome (z. B. durch eine entzündliche Darmerkrankung oder Zöliakie), neu aufgetretener Typ-1-Diabetes, Nebenniereninsuffizienz. Amphetamin-Missbrauch kann ähnliche Symptome verursachen.
Literatur zur Diagnose
1. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. 5th ed, Text Revision. American Psychiatric Association Publishing; 2022:pp 381-387.
2. Crone C, Fochtmann LJ, Attia E, et al. The American Psychiatric Association Practice Guideline for the Treatment of Patients With Eating Disorders. Am J Psychiatry. 2023;180(2):167-171. doi:10.1176/appi.ajp.23180001
Behandlung von Anorexia nervosa
Nahrungsrehabilitation
Psychotherapie (z. B. kognitive Verhaltenstherapie)
Für Kinder und Jugendliche, familienbasierte Behandlung
Manchmal Antipsychotika der zweiten Generation
Die Behandlung der Anorexia nervosa kann eine lebensrettende kurzfristige Intervention erfordern, um das Körpergewicht wiederherzustellen und Elektrolytstörungen zu korrigieren, insbesondere bei symptomatischer Hypotonie, extremer Bradykardie oder anderen Arrhythmien. Bei sehr starker oder sehr schneller Gewichtsabnahme oder bei Absinken des Körpergewichts unter 75% des empfohlenen Gewichts muss schnellstmöglich eine Gewichtszunahme erzielt werden; eine Klinikaufnahme ist zu erwägen (1). In Zweifelsfällen sollten die Patienten stationär behandelt werden.
Ambulante Behandlungen können in unterschiedlichem Maße Unterstützung und Betreuung einschließen und häufig ein Team von Praktikern einbeziehen.
Nahrungsergänzungsmittel werden häufig bei einer Verhaltenstherapie eingesetzt, die klare Ziele zur Wiederherstellung des Gewichts hat. Die Ernährungssupplementierung beginnt mit etwa 30 bis 40 kcal/kg/Tag und wird schrittweise gesteigert; dieses Behandlungsschema kann während der stationären Behandlung eine Gewichtszunahme von bis zu 1,5 kg/Woche und während der ambulanten Behandlung von 0,5 kg/Woche bewirken (2–4). Orale Fütterungen mit festen Lebensmitteln sind am besten; viele Pläne zur Gewichtsreduktion verwenden auch flüssige Nahrungsergänzungsmittel. Sehr widerstandsfähige, unterernährte Patienten benötigen gelegentlich eine nasogastrische Sondenernährung.
Das Refeeding-Syndrom, eine potenziell schwerwiegende Stoffwechselstörung, die durch Hypophosphatämie und andere Elektrolytstörungen gekennzeichnet ist, tritt selten und insbesondere bei stark unterernährten Patienten auf (5).
Elementares Kalzium und Vitamin D werden häufig bei verminderter Knochendichte verschrieben. Die Rolle von Östrogen und Bisphosphonaten ist unklar (6).
Nach Stabilisierung des Ernährungs-, Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts beginnt die Langzeittherapie. Ambulante Psychotherapie ist der Eckpfeiler der Behandlung. Behandlungen sollten Verhaltensergebnisse betonen, wie beispielsweise normalisierte(s) Ernährung und Gewicht. Die Behandlung sollte nachdem das Gewicht wieder hergestellt ist für ein ganzes Jahr fortgeführt werden. Die Ergebnisse sind am besten bei Jugendlichen, bei denen die Störung < 6 Monate gedauert hat.
Eine Familien-basierte Therapie, insbesondere gemäß Maudsley-Modell (auch familienbasierte Behandlung genannt), ist nützlich für Jugendliche (3, 6, 7). Dieses Modell gliedert sich in 3 Phasen:
Familienmitgliedern wird beigebracht, wie sie den Jugendlichen ernähren (z. B. durch eine überwachte Familienmahlzeit) und so das Gewicht des Jugendlichen wiederherstellen können (im Gegensatz zu früheren Ansätzen weist dieses Modell der Familie oder dem Jugendlichen keine Schuld für die Entwicklung der Störung zu).
Die Kontrolle über das Essen geht allmählich auf den Jugendlichen zurück.
Nachdem der Jugendliche in der Lage ist, das wiedererlangte Gewicht zu halten, liegt der Fokus der Therapie darauf, eine gesunde jugendliche Identität zu erzeugen.
Die Behandlung der Anorexia nervosa wird kompliziert durch die extreme Angst der Patienten vor Gewichtszunahme und ihre mangelnde Krankheitseinsicht. Der Arzt sollte versuchen, eine ruhige, besorgte und stabile Beziehung aufzubauen und gleichzeitig eine angemessene Kalorienzufuhr zu fördern.
Die Behandlung umfasst auch ein regelmäßiges Follow-up-Monitoring und häufig ein Team von Angehörigen von Gesundheitsberufen, darunter ein Ernährungsberater, der bestimmte Ernährungspläne oder Informationen zu den Kalorien bereitstellt, die zur Wiederherstellung des Gewichts auf ein normales Niveau erforderlich sind.
Obwohl Psychotherapie die primäre Behandlung ist, sind Medikamente manchmal hilfreich. Olanzapin kann eine Gewichtszunahme unterstützen (3).
Literatur zur Behandlung
1. Khalifa I, Goldman RD. Anorexia nervosa requiring admission in adolescents. Can Fam Physician. 2019;65(2):107-108.
2. Grilo CM. Treatment of Eating Disorders: Current Status, Challenges, and Future Directions. Annu Rev Clin Psychol. 2024;20(1):97-123. doi:10.1146/annurev-clinpsy-080822-043256
3. Attia E, Haiman C, Walsh BT, Flater SR. Does fluoxetine augment the inpatient treatment of anorexia nervosa?. Am J Psychiatry. 1998;155(4):548-551. doi:10.1176/ajp.155.4.548
4. Bargiacchi A, Clarke J, Paulsen A, Leger J. Refeeding in anorexia nervosa. Eur J Pediatr. 2019;178(3):413-422. doi:10.1007/s00431-018-3295-7
5. Redgrave GW, Coughlin JW, Schreyer CC, et al. Refeeding and weight restoration outcomes in anorexia nervosa: Challenging current guidelines. Int J Eat Disord. 2015;48(7):866-873. doi:10.1002/eat.22390
6. Mitchell JE, Peterson CB. Anorexia Nervosa. N Engl J Med. 2020;382(14):1343-1351. doi:10.1056/NEJMcp1803175
7. Accurso EC, Fitzsimmons-Craft EE, Ciao AC, Le Grange D. From efficacy to effectiveness: comparing outcomes for youth with anorexia nervosa treated in research trials versus clinical care. Behav Res Ther. 2015;65:36-41. doi:10.1016/j.brat.2014.12.009
Prognose für Anorexia nervosa
Die Sterblichkeitsrate bei Anorexia nervosa ist relativ hoch, obwohl eine nicht erkannte leichte Erkrankung wahrscheinlich selten zum Tod führt (1–3). Eine Metaanalyse, die 35 Studien und über 12.000 Teilnehmer mit Anorexia nervosa umfasste, ergab eine Sterblichkeitsrate von 5,1 Todesfällen pro 1000 Personenjahre (von diesen Todesfällen waren 1,3 pro 1000 Personenjahre auf Suizid zurückzuführen) (4).
Bei Behandlung sieht die Prognose folgendermaßen aus:
Die Hälfte der Patienten kann wieder ihr früheres Normalgewicht erreichen oder zumindest einen Großteil des Gewichtsverlusts wieder ausgleichen und somit hormonelle und andere Komplikationen rückgängig machen.
Bei etwa einem Viertel sind die Ergebnisse mittelmäßig, und sie können Rückfälle erleiden.
Das übrige Viertel weist schlechte Ergebnisse auf, mit Rückfällen und anhaltenden körperlichen und psychischen Komplikationen.
Kinder und Jugendliche, die wegen Anorexia nervosa behandelt werden, scheinen ein ähnliches Rückfallrisiko zu haben wie Erwachsene (1).
Literatur zur Prognose
1. de Rijk ESJ, Almirabi D, Robinson L, Schmidt U, van Furth EF, Slof-Op 't Landt MCT. An overview and investigation of relapse predictors in anorexia nervosa: A systematic review and meta-analysis. Int J Eat Disord. 2024;57(1):3-26. doi:10.1002/eat.24059
2. Arcelus J, Mitchell AJ, Wales J, Nielsen S. Mortality rates in patients with anorexia nervosa and other eating disorders. A meta-analysis of 36 studies. Arch Gen Psychiatry. 2011;68(7):724-731. doi:10.1001/archgenpsychiatry.2011.74
3. Mitchell JE, Peterson CB. Anorexia Nervosa. N Engl J Med. 2020;382(14):1343-1351. doi:10.1056/NEJMcp1803175
4. Solmi M, Monaco F, Højlund M, et al. Outcomes in people with eating disorders: a transdiagnostic and disorder-specific systematic review, meta-analysis and multivariable meta-regression analysis. World Psychiatry. 2024;23(1):124-138. doi:10.1002/wps.21182
Wichtige Punkte
Patienten mit Anorexia nervosa haben eine intensive Angst vor Gewichtszunahme oder davor, dick zu werden, die trotz aller Beweise für das Gegenteil bestehen bleibt.
Beim restriktiven Typ der Anorexia nervosa schränken die Patienten schränken die Nahrungsaufnahme ein und treiben manchmal exzessiv Sport, weisen aber nicht regelmäßig Essanfälle oder ein Purging-Verhalten auf.
Beim Binge-eating-/Purging-Typ haben die Patienten regelmäßig Essanfälle und/oder induzieren dann Erbrechen und/oder missbrauchen Laxanzien, Diuretika oder Einläufe bei dem Versuch sich der Nahrung zu entledigen.
Bei Erwachsenen ist der BMI signifikant niedrig (in der Regel ein BMI < 17 kg/m2), und bei Jugendlichen ist die BMI-Perzentile niedrig (in der Regel < 5. Perzentile) oder steigt nicht wie bei normalem Wachstum erwartet an.
Es kann zu endokrinen oder elektrolytischen Störungen oder Herzrhythmusstörungen kommen, und es kann zum Tod kommen.
Behandlung mit Nahrungsergänzungsmitteln, Psychotherapie (z. B. kognitive Verhaltenstherapie) und bei Jugendlichen familienbasierte Therapie; A Olanzapin können hilfreich sein.



