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Plötzlicher Kindstod (SIDS)

Von

Christopher P. Raab

, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Feb 2017
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Quellen zum Thema

Der plötzliche Kindstod ist der plötzliche und unerwartete Tod bei einem Säugling oder einem Kleinkind zwischen 2 Wochen und dem 1. Lebensjahr, bei der die Obduktion und die Untersuchung des Todesortes wie auch die klinische Vorgeschichte keine Ursache erkenn lässt.

Der plötzliche Kindstod (SIDS) ist die häufigste Todesursache bei Kindern zwischen 2 Wochen und 1 Jahr und ist für 35–55% aller Todesfälle in dieser Altersgruppe verantwortlich. Die Statistik von plötzlichem Kindstod liegt in den USA bei 0,5 von 1000 Geburten, wobei es ethnische Differenzen gibt: Afroamerikaner und Kinder indianischer Herkunft haben ein doppelt so hohes Risiko. Der Gipfel liegt zwischen dem 2. und 4. Lebensmonat. Nahezu alle Todesfälle traten ein, während das Kind zu schlafen schien.

Ätiologie

Die Ursache von SIDS ist unbekannt, obwohl eine Dysfunktion des neuronalen, kardiorespiratorischen Kontrollmechanismus vermutet wird. Die Dysfunktion kann intermittierend oder vorübergehend auftreten, und es scheinen multiple Mechanismen involviert zu sein. Zu den Faktoren, die möglicherweise beteiligt sind, gehören: ein unzureichender Aufwachimpuls des Kindes, eine mangelnde Erkennung von erhöhtem CO2 im Blut und eine kardiale Kanalopathie, die den Herzrhythmus betrifft.

Anamnestisch wird bei weniger als 5% der Opfer von SIDS von einer Apnoeepisode vor ihrem Tod berichtet, sodass davon auszugehen ist, dass sich die Patientengruppe der Kinder mit SIDS und diejenige mit wiederkehrenden prolongierten Apnoen kaum überschneiden.

Risikofaktoren für SIDS

Der Zusammenhang zwischen einer Schlafposition in Bauchlage und einem erhöhten Risiko für SIDS wurde stark dokumentiert.

Als weitere Risikofaktoren (siehe Tabelle: Risikofaktoren für plötzlichen Kindstod (SIDS)) werden alte, ungesicherte Betten, weiche Matratzen und Decken (Schafwolle), Wasserbettmatratzen, Schlafen im elterlichen Bett, Rauchen in häuslicher Umgebung und überheizte Räume genannt. Geschwister von Kindern, die an SIDS sterben, haben ein 5-mal größeres Risiko, an SIDS zu sterben. Es ist jedoch nicht klar, ob dies die Genetik oder die Umgebung (einschließlich einer möglichem Misshandlung) als Ursache nahelegt.

Viele Risikofaktoren für SIDS gelten auch für nicht durch SIDS bedingte Todesfälle.

Tabelle
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Risikofaktoren für plötzlichen Kindstod (SIDS)

Afrikanische oder indianische ethnische Zugehörigkeit

Schlafen im elterlichen Bett

Kalte Temperaturen/Wintermonate

Episoden von Apnoe mit erforderlicher Wiederbelebung

Wachstumsstopp

Erhöhte Parität

Niedriges Geburtsgewicht

Niedrige sozioökonomische Umgebung

Männliches Geschlecht

Alter der Mutter <20 Jahre

Mütterliche Medikamenteneinnahme während der Schwangerschaft

Mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft

Kein Schnuller

Alte oder unsichere Kinderbetten

Überhitzung (z. B. dicke Decken, überheizter Raum)

Mangelhafte Schwangerschaftsvorsorge

Schlafposition in Bauchlage*

Aktuelle Krankheit

Kurzer Abstand zwischen den Schwangerschaften

Geschwister eines SIDS-Opfers

Rauchen in der Wohnung

Weiche Matratze

Wasserbett-Matratze

* Am wichtigsten.

Diagnose

  • Ausschluss anderer Ursachen durch Autopsie

Die Diagnose von SIDS ist letztendlich eine Ausschlussdiagnose und kann daher nur nach einer adäquaten Autopsie gestellt werden, wenn andere Ursachen eines plötzlichen und unerwarteten Todes nicht vorliegen (z. B. intrakranielle Blutung, Meningitis, Myokarditis). Eine Autopsie ist in vielen Ländern erforderlich. Auch sollten das Beratungsteam (inklusive Sozialarbeiter) die Wahrscheinlichkeit des Erstickens oder eines nichtakzidentiellen Traumas unter besonderer Vorsicht betrachten. Eine Sorge für diese Ätiologie sollte erhöht sein, wenn das betroffene Kind außerhalb der höchsten Risiko-Altersgruppe (1–5 Monate) war oder ein anderes Kind in der Familie an SIDS starb oder häufige lebensbedrohliche Ereignissen hatte.

Maßnahmen

Eltern, die ein Kind durch SIDS verloren haben, sind verzweifelt und auf diese tragische Situation völlig unvorbereitet. Da ein definitiver Grund für den Tod des Kindes nicht gefunden werden kann, haben sie oft übermäßige Schuldgefühle, die noch zusätzlich durch Nachfragen von Polizei, Sozialarbeitern und anderen verstärkt werden. Die Familienmitglieder brauchen nicht nur in den Tagen unmittelbar nach dem Tod des Kindes, sondern noch einige Monate darüber hinaus Hilfe und Unterstützung, um mit ihrer Trauer und den Schuldgefühlen fertig zu werden. So sollte, wenn immer möglich, ein sofortiger Hausbesuch erfolgen, um die genaueren Umstände, unter denen es zum Tode des Kindes kam, festzuhalten und die Eltern zur möglichen Todesursache zu beraten und zu beruhigen.

Eine Obduktion sollte so schnell wie möglich durchgeführt werden. Sobald die ersten Ergebnisse feststehen (normalerweise innerhalb von 12 h), sollten sie an die Eltern weitergegeben werden. Manche Spezialisten empfehlen mehrere Hausbesuche im ersten Monat, um die frühere Diskussion fortzuführen, Fragen zu beantworten und der Familie die endgültigen Autopsieergebnisse mitzuteilen. Beim letzten Treffen ist es angebracht, mit den Eltern über ihre Einstellung zu diesem Verlust zu sprechen, vor allem über ihre Haltung, weitere Kinder zu bekommen. Die Beratung und Unterstützung kann speziell ausgebildeten Schwestern oder Mitgliedern von Selbsthilfegruppen, die selber ein ähnliches Schicksal erlitten und eine Einstellung zu SIDS gefunden haben, übertragen werden. Unter www.sids.org gibt es dazu mehr Informationen. (Anm. d. Red.: Eine deutsche Beratungsstelle findet sich unter www.sids.de).

Prävention

Die American Academy of Pediatrics (see SIDS and Other Sleep-Related Infant Deaths: Expansion of Recommendations for a Safe Infant Sleeping Environment) empfiehlt, dass Säuglinge vor dem Einschlafen in Rückenlage (s. Safe to Sleep® campaign) gebracht werden, es sei denn andere Erkrankungen verhindern dies. Seitliches Schlafen oder Abstützung ist zu instabil. Die Inzidenz von SIDS steigt mit Überhitzung (z. B. Kleidung, Decken, Räume) und kaltem Wetter. Deshalb sollte darauf geachtet werden, dass die Räume nicht überwärmt oder zu kalt sind, die Kinder nicht zu warm angezogen sind, dass weiche Schlafunterlagen wie Schafwolldecken, Kissen, Plüschspielzeug, Stofftiere und Kuscheldecken entfernt werden. Ein Schnuller kann hilfreich sein, denn sie helfen dabei, die Atemwege zu öffnen. Die Eltern sollten das Kind nicht in ihrem Bett schlafen lassen.

Mütter sollten während der Schwangerschaft nicht rauchen und die Kinder sollten keinem Rauch ausgesetzt sein. Stillen sollte gefördert werden, um Infektionen zu verhindern. Es gibt keine Beweise, dass die Anwendung von Apnoe-Überwachungsgeräten die Inzidenz von SIDS reduzieren. Sie werden daher nicht für die Prävention empfohlen.

Wichtige Punkte

  • Spezifische Ursachen, darunter Kindesmissbrauch, müssen durch klinische Abklärung und Autopsie ausgeschlossen werden.

  • Die Ätiologie ist unklar, obwohl eine Reihe von Risikofaktoren identifiziert worden sind.

  • Die wichtigsten modifizierbaren Risikofaktoren beinhalten die Schlafhaltung auf dem Bauch, zusammen mit dem Schlafen im elterlichen Bett und dem Schlafen auf einer weichen Matratze oder einem ungesicherten Bett.

  • Apnoe-Episoden und scheinbare lebensbedrohliche Ereignisse (ALTEs) scheinen keine Risikofaktoren zu sein.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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