Osteosklerose

VonNora E. Renthal, MD, PhD, Harvard Medical School
Reviewed ByMichael SD Agus, MD, Harvard Medical School
Überprüft/überarbeitet Geändert Sept. 2025
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Osteosklerose ist eine Form der Osteopetrose, die mit einer abnormalen Knochenverhärtung und einer erhöhten Skelettdichte einhergeht, wobei die Skelettbildung kaum gestört wird; bei einigen Typen verursacht das Vordringen der Knochen in die Knochenmarkhöhle Zytopenien.

Osteopetrosen sind familiäre Erkrankungen, die durch eine gestörte Funktion der Osteoklasten verursacht werden und sich durch eine erhöhte Knochendichte sowie eine abnorme Skelettmodellierung auszeichnen.

Osteopetrose mit verzögerter Manifestation (Albers-Schönberg-Syndrom)

Die Osteopetrose mit verzögerten Manifestationen ist gekennzeichnet durch eine erhöhte Knochendichte infolge einer gestörten Osteoklastenfunktion.

Diese Form von Osteopetrose ist autosomal-dominant und manifestiert sich während der Kindheit, der Adoleszenz oder des frühen Erwachsenseins. Sie ist weniger schwerwiegend als eine Osteopetrose mit frühzeitigen Manifestationen. Das defekte CLCN7-Gen kodiert einen Chlorid-Kanal, der offenbar wichtig für die Osteoklastenfunktion ist.

Osteopetrose mit verzögerten Manifestationen ist relativ häufig, betrifft etwa 1/20.000 Personen, und weist eine breite geografische und ethnische Verteilung auf (1). Die betroffenen Patienten sind asymptomatisch, der allgemeine Gesundheitszustand ist nicht beeinträchtigt. Allerdings kann Fazialisparese und Taubheit aufgrund einer Einklemmung von Hirnnerven auftreten. Knöcherne Wucherungen können die Knochenmarkhöhle verengen und Ursache für Zytopenien von Anämie bis Panzytopenie sein. Eine extramedulläre Hämatopoese kann dann auftreten und zu einer Hepatosplenomegalie führen; der daraus resultierende Hypersplenismus kann paradoxerweise die Anämie verschlimmern.

Das Skelett ist bei Geburt radiologisch ohne Befund. Die Knochensklerose wird mit zunehmendem Alter der Kinder aber immer offensichtlicher. Die Diagnose wird typischerweise anhand von Röntgenbildern gestellt, die aus anderen Gründen aufgenommen wurden. Die Knochenbeteiligung ist ausgedehnt, aber unregelmäßig. Die Kalotte ist dicht und die Sinus sind obliteriert. Die Sklerose der Wirbeldeckplatten gibt der Wirbelsäule das charakteristische Aussehen eines „groben Jerseys“. Es können Frakturen langer Knochen, Skoliose, Hüftarthrose und Osteomyelitis des Unterkiefers oder septische Osteitis oder Arthrose an anderen Stellen auftreten (2). 

Einige Patienten benötigen zur Behandlung der Anämie eine Transfusion oder eine Splenektomie.

Literatur zur Osteopetrose mit verzögerten Manifestationen

  1. 1. MedlinePlus [Internet]. Bethesda (MD): National Library of Medicine (US); [updated 2020 Jun 24]. Osteopetrosis; [updated 2010 Sep 1; cited 2025 Jun 9].

  2. 2. Sobacchi C, Villa A, Schulz A, Kornak U. CLCN7-Related Osteopetrosis. In: Adam MP, Feldman J, Mirzaa GM, Pagon RA, Wallace SE, Amemiya A, eds. GeneReviews®. Seattle (WA): University of Washington, Seattle; February 12, 2007.

Osteopetrose mit vorzeitigen Manifestationen

Osteopetrose mit frühzeitigen Symptomen ist eine schwere Erkrankung, die durch eine erhöhte Knochendichte aufgrund einer gestörten Osteoklastenfunktion gekennzeichnet ist und zu Kompressionen der Hirnnerven, Skelettanomalien und schließlich zu Knochenmarkversagen führt.

Diese Form der Osteopetrose ist maligne, häufig letal und kongenital, mit Manifestation im Säuglingsalter. Sie ist autosomal rezessiv und oft auf eine Mutation im Osteoklasten-assoziierten TCIRG1-Gen zurückzuführen. Die Knochenüberwucherung zerstört zunehmend die Knochenmarkhöhle, was zu schwerer Panzytopenie führt.

Die Osteopetrose mit frühzeitigen Manifestationen ist selten und tritt schätzungsweise bei 1 von 250.000 Personen auf.

Zu den initialen Symptomen gehören Wachstums- und Gewichtsverzögerung (früher als „Gedeihstörung“ bezeichnet), spontane Hämatome, abnorme Blutungen und Anämie. Lähmungen der 2., 3. und 7. Hirnnerven und eine Hepatosplenomegalie treten später auf. Eine Knochenmarkdepression mit Anämie, fulminant verlaufenden Infektionen und Blutungen führt normalerweise im 1. Lebensjahr zum Tod.

Die Diagnose wird vermutet, wenn Knochenüberwucherungen im Zusammenhang mit Anämie, ungewöhnlichen Blutungen, häufigen Infektionen und mangelndem Wachstum auftreten. Üblicherweise werden Röntgenaufnahmen vorgenommen, zusammen mit Bluttests und Koagulationstests. Eine generalisierte erhöhte Knochendichte ist das vorherrschende radiologische Merkmal. Durchstrahlte Röntgenaufnahmen der Röhrenknochen zeigen Querbänder in den metaphysären Regionen sowie longitudinale Streifen in den Schäften. Schreitet die Krankheit fort, entwickeln sich die Enden der langen Röhrenknochen, besonders des proximalen Humerus und des distalen Femurs, flaschenförmig. Charakteristische Endoknochen (Knochen in einem Knochen) treten in den Wirbeln, im Becken und in den tubulären Knochen auf. Die Schädelknochen verdicken sich, und die Wirbelsäule ähnelt einem "groben Jersey".

Mit der hämatopoetischen Stammzelltransplantation wurden hervorragende Ergebnisse erzielt. Prednison und Interferon-gamma sind in manchen Fällen wirksam.

Osteopetrose mit renaler tubulärer Azidose (Guibaud-Vainsel-Syndrom; Marble Brain Disease)

Osteopetrose mit renaler tubulärer Azidose ist eine Erkrankung, die durch vermehrte Verkalkungen in Knochen und Gehirn sowie Veränderungen der Nieren gekennzeichnet ist.

Diese Form wird autosomal-rezessiv vererbt. Der genetische Defekt involviert eine Mutation des Carboanhydrase-II-Gens.

Osteopetrose mit renaler tubulärer Azidose führt zu Schwäche, Kleinwuchs sowie Wachstums- und Gewichtsverzögerung.

Die Diagnose basiert auf radiologischen Veränderungen der Osteopetrose (d. h. die Knochen erscheinen auf Röntgenaufnahmen dicht). Es sind zerebrale Verkalkungen zu erkennen. Eine renale tubuläre Azidose ist vorhanden, die Carboanhydrase der roten Blutkörperchen ist vermindert.

Die hämatopoetische Stammzelltransplantation kann die Osteopetrose heilen, hat aber keinen Einfluss auf die renale tubuläre Azidose (1). Eine Dauertherapie mit Bicarbonat und Elektrolytsubstitution kann die renalen Verluste korrigieren.

Literatur zur Osteopetrose mit renaler tubulärer Azidose

  1. 1. McMahon C, Will A, Hu P, Shah GN, Sly WS, Smith OP. Bone marrow transplantation corrects osteopetrosis in the carbonic anhydrase II deficiency syndrome. Blood. 2001;97(7):1947-1950. doi:10.1182/blood.v97.7.1947

Pyknodysostose (Pycnodysostosis)

Pyknodysostose ist eine seltene Erbkrankheit, die durch Mutationen im CTSK-Gen verursacht wird und zu dichten, aber brüchigen Knochen, Kleinwuchs, charakteristischen Gesichtszügen, Zahnanomalien und einem hohen Frakturrisiko führt.

Diese autosomal-rezessive Erkrankung durch Funktionsverlustmutationen in dem Gen verursacht, das Cathepsin K kodiert, eine Osteoklasten-abgeleitete Protease, die wichtig für den Abbau der extrazellulären Knochenmatrix ist.

Bei dieser autosomal-rezessiven Störung fällt eine kleine Körpergröße schon in der Kindheit auf. Die Erwachsenengröße beträgt 150 cm. Andere Symptome sind ein vergrößerter Schädel, kurze und breite Hände und Füße, kurze sklerotische Phalange, dystrophe Nägel und zurückbehaltene Milchzähne. Blaue Skleren (aufgrund eines Mangels im Bindegewebe, sodass die zugrunde liegenden Gefäße durchscheinen) werden in der Regel während der Kindheit erkannt. Die Betroffenen ähneln einander sehr. Sie haben schmale Gesichter, ein fliehendes Kinn und kariöse, fehlgestellte Zähne. Der Kopfschädel zeigt beulenartige Vorsprünge und die vordere Fontanelle bleibt offen. Pathologische Frakturen sind eine Komplikation der Pyknodysostose.

Manifestationen bei Pyknodysostose
Pyknodysostosis (fliehendes Kinn)

Dieses Foto zeigt ein fliehendes Kinn bei einem Jungen mit Pyknodysostose.

Dieses Foto zeigt ein fliehendes Kinn bei einem Jungen mit Pyknodysostose.

© Springer Science+Business Media

Pyknodysostosis (Hände)

Dieses Foto zeigt kurze, breite Hände und eine Dysplasie der terminalen Phalangen (insbesondere der Daumen) bei einem Mann mit Pyknodysostose.

Dieses Foto zeigt kurze, breite Hände und eine Dysplasie der terminalen Phalangen (insbesondere der Daumen) bei einem M

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© Springer Science+Business Media

Osteogenesis imperfecta (blaue Sklerae)

Dieses Foto zeigt eine Nahaufnahme des Auges, die eine blaue Sklera (normalerweise weiß) erkennen lässt.

Dieses Foto zeigt eine Nahaufnahme des Auges, die eine blaue Sklera (normalerweise weiß) erkennen lässt.

JAMES STEVENSON/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Die Diagnose von Pyknodysostose wird durch das Vorhandensein von blauen Skleren, Kleinwuchs und charakteristischen Skelettmerkmale vermutet. Üblicherweise wird eine Röntgenaufnahme durchgeführt. Auf Röntgenaufnahmen erscheinen Knochensklerosen während der Kindheit, aber weder Knochenstreifungen noch Endoknochen (Knochen innerhalb Knochen) können gesehen werden. Die Gesichtsknochen und paranasale Sinus sind hypoplastisch und der Kieferwinkel ist stumpf. Die Schlüsselbeine können gracil (schmaler als normal) sein, und ihre lateralen Anteile können unterentwickelt sein; die distalen Phalangen sind rudimentär.

Die Wachstumshormontherapie kann als mögliche therapeutische Option zur Verbesserung des Wachstums in Betracht gezogen werden. Mit Hilfe der plastischen Chirurgie können schwere Deformitäten des Gesichts und der Kiefer korrigiert werden.

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