Knochenmodellierungsstörungen sind Erkrankungen, die durch Anomalien in der Entwicklung, dem Wachstum oder der Formung von Knochen gekennzeichnet sind und häufig auf genetische Unterschiede zurückzuführen sind, die die Regulation der Wachstumsfuge oder die Knochenbildung beeinflussen. Diese Erkrankungen unterscheiden sich von metabolischen Knochenerkrankungen, bei denen es in erster Linie zu einer gestörten Mineralisierung kommt, und von Knochenumbauerkrankungen, die den Umsatz in reifen Knochen beeinträchtigen.
Zu den Knochenmodellierungsstörungen gehören Osteochondrosen und genetisch bedingte Skelettdysplasien (z.B. Osteochondrodysplasien), die alle zusammengefasst werden, da sie Defekte auf Höhe der Wachstumsfuge oder in der Knochenentwicklung verursachen.
Bei Kindern äußern sich Knochenmodellierungsstörungen in der Regel eher durch Kleinwuchs, unproportionales Wachstum und/oder charakteristische Skelettmerkmale als durch eine geringe Knochendichte oder ein erhöhtes Frakturrisiko. Knochen- und Gelenkschmerzen können ebenfalls auftreten, häufig als Folge anomaler mechanischer Kräfte auf das Skelett aufgrund veränderter Knochenform oder -ausrichtung.
Osteochondrosen (Erkrankungen der Wachstumsfuge)
Osteochondrosen sind nichtentzündliche und nichtinfektiöse Erkrankungen, die während Phasen schnellen Skelettwachstums die normale Knochenentwicklung an Ossifikationszentren stören. Diese Erkrankungen betreffen in erster Linie die Epiphysen und sind durch Schmerzen mit erheblichen orthopädischen Auswirkungen gekennzeichnet.
Obwohl die genaue Ursache von Osteochondrosen unbekannt ist, haben einige eine familiäre Komponente, und andere Faktoren wie mechanische Belastung, wiederholte Traumata und schnelles Wachstum tragen ebenfalls dazu bei. Osteochondrosen variieren in ihrer anatomischen Verteilung, ihrem Verlauf und ihrer Prognose.
Häufige Beispiele für Erkrankungen (und die betroffenen Knochen) sind:
Morbus Köhler (Kahnbein im Fuß)
Morbus Legg-Calvé-Perthes (Femurkopf)
Morbus Osgood-Schlatter (Tuberositas tibiae)
Morbus Scheuermann (Wirbelkörper)
Morbus Sever (Apophysitis calcanei)
Seltene Beispiele umfassen:
Morbus Freiberg (Kopf des zweiten Mittelfußknochens)
Morbus Panner (Capitulum)
Morbus Blount (proximale Tibia)
Osteochondrosen werden in erster Linie durch klinische Untersuchung diagnostiziert, wobei die Schmerzen während des Wachstums auf das betroffene Ossifikationszentrum beschränkt sind (1). Bildgebende Verfahren (insbesondere Röntgenaufnahmen) werden eingesetzt, um andere Erkrankungen auszuschließen oder atypische Fälle zu bestätigen (2). Röntgenaufnahmen können eine epiphysäre Osteonekrose, einen Wachstumsfugenverschluss und abnormale sekundäre Ossifikationszentren zeigen. Seltener wird eine MRT-Untersuchung durchgeführt, die sensitiver für die Erkennung früher Veränderungen bei Erkrankungen wie der Legg-Calvé-Perthes-Krankheit ist (3).
Die Behandlung erfolgt in der Regel konservativ mit einer Anpassung der Aktivitäten, Physiotherapie und Medikamenten oder anderen Maßnahmen (z. B. Ruhe, Kühlung) zur Linderung der Symptome (1). Die meisten Fälle sind selbstlimitierend und klingen mit der Skelettreife ab, erfordern jedoch eine engmaschige Überwachung. Eine Operation ist selten erforderlich und bleibt schwer behandelbaren Symptomen, mechanischen Funktionsstörungen oder instabilen Läsionen vorbehalten (die zu anhaltender Gelenkblockade, Einklemmung, Schmerzen oder Schwellungen führen).
Die Prognose ist im Allgemeinen günstig, hängt jedoch von Lokalisation und Schweregrad ab.
Literatur
1. Achar S, Yamanaka J. Apophysitis and Osteochondrosis: Common Causes of Pain in Growing Bones. Am Fam Physician. 2019;99(10):610-618.
2. West EY, Jaramillo D. Imaging of osteochondrosis. Pediatr Radiol. 2019;49(12):1610-1616. doi:10.1007/s00247-019-04556-5
3. Nguyen JC, Markhardt BK, Merrow AC, Dwek JR. Imaging of Pediatric Growth Plate Disturbances. Radiographics. 2017;37(6):1791-1812. doi:10.1148/rg.2017170029



