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Toxocariasis

(Viszerale oder okuläre Larva migrans)

Von

Richard D. Pearson

, MD, University of Virginia School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2017
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Quellen zum Thema

Toxocariasis ist eine menschliche Infektion mit einer Nematodenlarve, die normalerweise Tiere infiziert. Die Beschwerden bestehen aus Fieber, Anorexie, Hepatosplenomegalie, Exanthem, Pneumonitis, Asthma oder Sehstörungen. Die Diagnose wird mittels Enzymimmunoassay gestellt. Die Therapie erfolgt mit Albendazol oder Mebendazol. Kortikosteroide können bei schwerer Symptomatik oder Augenbeteiligung hinzugefügt werden.

Pathophysiologie

Die Eier von Toxocara canis, T. cati und anderen tierischen Askaridenwürmern reifen im Erdreich heran und infizieren Hunde, Katzen und andere Tiere. Menschen können versehentlich Eier aus dem Erdreich, die durch Stuhl von infizierten Tieren kontaminiert sind, aufnehmen oder sich durch den Verzehr infizierter, nicht ausreichend gekochter Überträgerwirte (z. B. Kaninchen) anstecken. Die Eier schlüpfen im menschlichen Darm. Die Larven penetrieren die Darmwand und können durch die Leber, Lunge, ZNS, Augen und andere Gewebe wandern. Aufgrund fokaler eosinophiler granulomatöser Reaktionen auf die wandernde Larve kommt es zu Gewebeschädigungen.

Die Larven können ihren Entwicklungszyklus im menschlichen Körper meist nicht vervollständigen, können aber über mehrere Monate lebensfähig bleiben.

Symptome und Beschwerden

Viszerale Larva migrans (VLM)

VLM besteht, je nach betroffenem Organsystem, aus Fieber, Anorexie, Hepatosplenomegalie, Exanthem, Pneumonitis und asthmatischen Symptomen. Larven anderer Helminthen einschließlich Baylisascaris procyonis, Strongyloides spp und Paragonimus spp können ähnliche Symptome und Anzeichen verursachen, wenn sie durch Gewebe wandern.

Eine VLM tritt am häufigsten bei 2- bis 5-jährigen Kindern auf, die beim Spielen im Freien Erdreich in den Mund genommen und verschluckt haben (Geophagie) oder bei Erwachsenen, die Ton zu sich nehmen.

Das Syndrom ist innerhalb von 6–18 Monaten selbstlimitierend, wenn keine weiteren Eier mehr aufgenommen werden. Zu Todesfällen aufgrund einer Invasion des Gehirns oder Herzens kommt es nur selten.

Okuläre Larva migrans (OLM)

OLM, auch okuläre Toxocariasis genannt, hat gewöhnlich keine oder nur leichte systemische Manifestationen. OLM-Läsionen bestehen meist aus granulomatösen Entzündungsreaktionen auf eine Larve, die zu Uveitis und/oder Chorioretinitis führen. Dadurch kann die Sicht beeinträchtigt oder verloren gehen.

OLM kommt bei älteren Kindern und seltener bei jungen Erwachsenen vor. Die Läsion kann mit einem Retinoblastom oder anderen intraokularen Tumoren verwechselt werden.

Diagnose

  • Enzymimmunoassay sowie klinische Befunde

Die Diagnose der Toxokariose beruht auf klinischen, epidemiologischen und serologischen Befunden.

Enzymimmunoassay (EIA) für Toxocara-Antigene werden empfohlen, um die Diagnose zu bestätigen. Jedoch können Serum-Antikörper-Titer bei Patienten mit OLM niedrig oder nicht nachweisbar sein. Isoagglutinine können erhöht sein, aber dieser Befund ist unspezifisch. Eine CT oder MRT kann mehrere, schlecht definierte, 1,0- bis 1,5-cm ovale Läsionen, die in der Leber verstreut sind, oder schlecht definierte subpleurale Knötchen in der Brust zeigen.

Häufig kommen eine Hyperglobulinämie, Leukozytose und ausgeprägte Eosinophilie bei VLM vor.

Biopsien aus der Leber oder anderen betroffenen Organen können eosinophile granulomatöse Reaktionen aufweisen, Larven sind jedoch in Gewebeschnitten nur schwer zu finden, und Biopsien ergeben nur eine geringe Ausbeute. Stuhluntersuchungen sind wertlos.

Eine OLM muss von einem Retinoblastom im Vorfeld abgegrenzt werden, um eine unnötige Enukleation des Auges zu vermeiden.

Therapie

  • Albendazol oder Mebendazol

  • Symptomatische Therapie

Asymptomatische Patienten und Patienten mit leichten Symptomen erfordern keine anthelminthische Therapie, weil die Infektion in der Regel selbstlimitierend ist.

Bei Patienten mit mittelschweren bis schweren Symptomen wird Albendazole 400 mg p.o. 2-mal täglich für 5 Tage oder Mebendazol 100 bis 200 mg p.o. 2-mal täglich für 5 Tage verwendet, aber die optimale Dauer der Therapie ist nicht festgelegt.

Bei nur leichter Symptomatik können auch Antihistaminika ausreichend sein. Bei Patienten mit schweren Symptomen sind Kortikosteroide (Prednison 20–40 mg p.o. 1-mal täglich) indiziert. Kortikosteroide sind sowohl lokal als auch oral bei einer akuten OLM indiziert, um eine Entzündung im Auge zu verhindern.

Um die Larven in der Retina abzutöten, wurde die Laserphotokoagulation angewendet.

Prävention

Eine Infektion mit T. canis bei Welpen ist in den USA häufig, eine Infektion mit T. cati bei Katzen ist weniger verbreitet. Beide Tiere sollten regelmäßig entwurmt werden. Der Kontakt mit Schmutz oder mit durch tierische Fäkalien kontaminiertem Sand sollte minimiert werden. Sandkästen sollten abgedeckt werden.

Wichtige Punkte

  • Der Lebenszyklus von Toxocara canis bezieht normalerweise Hunde mit ein; Menschen werden nur zufällig infiziert, wenn sie Eier im Boden einnehmen, der mit Stuhl von infizierten Tieren kontaminiert ist, oder wenn sie unterkochte infizierte Transferwirte (z.B. Kaninchen) einnehmen.

  • Beim Menschen verursacht Toxocariasis zwei Hauptsyndrome: viszerale Larva migrans (die verschiedene Symptome verursacht, je nach dem infizierten Organ) und okulare larva migrans (die normalerweise keine oder leichte Symptome verursacht, aber zu beeinträchtigtem oder verlorenem Sehvermögen führen können).

  • Diagnose basierend auf klinischer Bewertung und Enzymimmunoassay für Toxocara-Antigene.

  • Die meisten Fälle von Toxocariasis sind selbstlimitierend und erfordern keine Behandlung, aber bei Bedarf können folgende Substanzen verwendet werden: Albendazol oder Mebendazol für mittelschwere bis schwere Symptome, möglicherweise Antihistaminika für leichte Symptome und Kortikosteroide für schwere Symptome.

  • Hunde und Katzen zu entwurmen kann helfen, eine Toxocariasis zu verhindern.

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