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Dracunculiasis

(Medinawurm-, Guineawurmkrankheit; „Fiery Serpent“)

Von

Richard D. Pearson

, MD, University of Virginia School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2017
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Quellen zum Thema

Eine Dracunculiasis ist eine Infektion mit Dracunculus medinensis. Die Beschwerden bestehen aus schmerzhaften entzündeten Hautläsionen, die einen adulten Wurm enthalten, und einer schweren Arthritis. Die Diagnose erhält man durch die Inspektion. Die Therapie besteht aus der vorsichtigen, langsamen Entfernung des adulten Wurmes. Drakunkulose ist kurz davor, ausgerottet zu werden.

Mitte der 1980er Jahre hatten 3,5 Millionen Menschen eine Dracunculose, doch bis 2015 wurden dank internationaler Bemühungen zur Unterbrechung der Übertragung nur 22 Fälle gemeldet. Sie traten in einem engen Gürtel afrikanischer Länder auf - im Südsudan, im Tschad, in Mali und in Äthiopien.

Der Guineawurm ist wahrscheinlich der erste menschliche Parasit, der ausgerottet wurde (1).

Hinweis

  • 1. Editorial: Guinea worm disease nears eradication. The Lancet Infectious Diseases 16 (2):131, 2016. doi: http://dx.doi.org/10.1016/S1473-3099(16)00020-7.

Pathophysiologie

Zu einer Infektion des Menschen kommt es durch das Trinken von Wasser, das infizierte Ruderfußkrebse (copepods, dt. Hüpferlinge) enthält. Die Larven werden freigesetzt, penetrieren die Darmwand und reifen in der Bauchhöhle innerhalb ca. 1 Jahres zu adulten Würmern heran.

Nach der Paarung stirbt das Männchen und die graviden Weibchen wandern durch subkutanes Bindegewebe, meist zu den distalen unteren Extremitäten. Das Kopfende des Wurmes ruft eine indurierte Papel hervor, die letztlich ulzeriert. Bei Kontakt mit Wasser (z. B. wenn eine Person versucht, das starke Unwohlsein durch Eintauchen des betroffenen Gliedmaßes zu lindern) prolabiert eine Uterusschleife durch die Haut und setzt bewegliche Larven frei. Würmer, die die Haut nicht erreichen, sterben ab und werden zersetzt oder kalzifizieren. Larven werden von Ruderfußkrebsen aufgenommen.

In den meisten Endemiegebieten findet die Übertragung saisonal gehäuft statt, und jede infektiöse Episode dauert ca. 1 Jahr.

Symptome und Beschwerden

Dracunkuliose ist typischerweise im ersten Jahr asymptomatisch. Die Symptome entwickeln sich in der Regel, wenn der Wurm durch die Haut bricht. Es kommt zu lokalen Beschwerden wie intensivem Juckreiz und einem brennenden Schmerz an der Stelle der Hautläsion. Es wird angenommen, dass Symptome wie Urtikaria, Erythem, Dyspnoe, Erbrechen und Juckreiz allergische Reaktionen auf Wurmantigene darstellen. Wenn der Wurm während der Austreibungsphase oder durch die Extraktion beschädigt wird, kommt es zu einer schweren entzündlichen Reaktion, die ausgeprägte Schmerzen verursacht. Die Symptome verschwinden und das Ulkus heilt aus, sobald der Wurm entfernt wird. In ca. 50% der Fälle kommt es entlang der Bahn des hervortretenden Wurms zu sekundären bakteriellen Infektionen.

Die chronische Phase der Infektion ist mit Entzündungen und Schmerzen in den Gelenken und anderen Zeichen der Arthritis assoziiert. Folgeerscheinungen beinhalten eine fibrosierende Ankylose von Gelenken und Sehnenkontraktionen.

Diagnose

  • Klinische Bewertung

Die Diagnose der Guinea-Wurmkrankheit ist offensichtlich, sobald der weiße, fadenförmige erwachsene Wurm am Hautgeschwür auftritt. Kalzifizierte Würmer können mit einer Röntgenuntersuchung lokalisiert werden; sie wurden sogar in ägyptischen Mumien gefunden.

Es sind keine serodiagnostischen Tests verfügbar.

Therapie

  • Manuelle Entfernung

Die Therapie der Guinea-Wurmkrankheit besteht aus der langsamen Entfernung des adulten Wurms (der bis zu 80 cm lang sein kann) über Tage bis Wochen hinweg mittels eines Stäbchens, auf das der Wurm aufgerollt wird. Die chirurgische Entfernung unter Lokalanästhesie ist eine Option, ist jedoch in Endemiegebieten nur selten verfügbar.

Es gibt keine wirksamen anthelminthischen Medikamente für diese Krankheit. Die positive Wirkung von Metronidazol (250 mg p.o. 3-mal täglich über 10 Tage) wurde eher den antientzündlichen und antibakteriellen Eigenschaften der Substanz zugeschrieben.

Prävention

Trinkwasser sollte zum effektiven Schutz gegen Dracunculiasis mindestens durch ein feinmaschiges Tuch filtriert, besser noch gechlort oder gekocht werden. Infizierte Personen sollten angewiesen werden, Trinkwasserquellen nicht zu betreten, um eine Kontamination zu vermeiden.

Wichtige Punkte

  • Der Guineawurm ist fast ausgerottet worden.

  • Wenn eine infizierte Person die betroffene Extremität in Wasser taucht, um die intensiven Beschwerden, die durch den Ausbruch des weiblichen Wurms durch die Haut verursacht werden, zu lindern, werden Larven freigesetzt und von Mikrokrustentieren aufgenommen; Menschen sind infiziert, wenn sie mit Mikrokrustentieren kontaminiertes Wasser aufnehmen.

  • Wenn ein Wurm während der Austreibungsphase oder durch die Extraktion beschädigt wird, kommt es zu einer schweren entzündlichen Reaktion, die ausgeprägte Schmerzen verursacht.

  • Die Diagnose basiert auf der Beobachtung eines weißen, filamentösen erwachsenen Wurms bei einem Ulcus cruris.

  • Behandeln Sie Drakunkulose, indem Sie den ausgewachsenen Wurm über Tage bis Wochen langsam entfernen, indem Sie ihn auf einen Stock rollen oder ihn manchmal chirurgisch entfernen.

  • Trinkwasser sollte zum effektiven Schutz gegen Dracunculiasis mindestens durch ein feinmaschiges Tuch filtriert, besser noch gechlort oder gekocht werden.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

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