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Erbliches und erworbenes Angioödem

(Erworbener C1-Inhibitor-Mangel)

Von

Peter J. Delves

, PhD,

  • University College London, London, UK

Inhalt zuletzt geändert Jan 2018
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Quellen zum Thema

Das hereditäre und erworbene Angioödem (erworbener C1-Inhibitor-Mangel) entstehen aufgrund eines Mangels oder einer Dysfunktion des C1-Inhibitors, einem Protein, das den klassischen Komplementaktivierungsweg reguliert. Die Diagnose wird durch die Bestimmung des Komplementspiegels gestellt. Zur Behandlung akuter Attacken werden C1-Inhibitor eingesetzt. Prophylaxe ist mit abgeschwächten Androgene, die C1-Inhibitor zu erhöhen.

C1-Inhibitor-Mangel oder -dysfunktion resultiert in erhöhten Bradykinin, weil der C1-Inhibitor den Faktor X11A hemmt und Kallikrein aktiviert (erforderlich zur Produktion von Bradykinin im Kininsystem-Prozess).

Hereditäres Angioödem

Das hereditäre Angioödem hat 2 Hauptformen:

  • Typ 1 (80 bis 85%): gekennzeichnet durch C1-Inhibitor-Mangel

  • Typ 2 (15 bis 20%): gekennzeichnet durch C1-Inhibitor-Dysfunktion

Die Vererbung erfolgt autosomal-dominant. Klinische zeigt es sich in der Regel während der Kindheit oder Adoleszenz.

Eine seltene Form des hereditären Angioödems (hereditäres Angioödem Typ 3) ist durch normale C1-Inhibitor-Spiegel gekennzeichnet. Die Prävalenz dieser Art von erblichen Ödemen ist unbekannt. Dieser Typ tritt hauptsächlich bei Frauen auf.

Erworbener C1-Inhibitor-Mangel

C1-Inhibitor-Mangel kann erworben werden, wenn

  • das Komplement bei neoplastischen Erkrankungen verbraucht wird (z. B. B-Zell-Lymphom) oder Immunkomplex-Erkrankungen.

  • C1-Inhibitor-Autoantikörper bei monoklonaler Gammopathie produziert werden.

  • Bei Autoimmunerkrankungen (z. B. systemischer Lupus erythematodes (SLE), Dermatomyositis) wird der C1-Inhibitor-Autoantikörper selten produziert.

Klinische zeigt er sich in der Regel im höheren Alter, wenn die Patienten eine assoziierte Störung haben.

Auslöser

Bei allen Formen des hereditären und erworbenen Angioödems können Attacken ausgelöst werden durch

  • Leichtes Trauma (z. B. Zahnarbeit, Zungenpiercing)

  • Viruserkrankung

  • Kälteeinwirkung

  • Schwangerschaft

  • Einnahme bestimmter Lebensmittel

Ein Angioödem kann durch emotionalen Stress verschlimmert werden.

Symptome und Beschwerden

Symptome und Beschwerden des hereditären und erworbenen Angioödems sind ähnlich denen anderer Formen des Bradykinin-vermittelten Angioödems, mit asymmetrischen und leicht schmerzhaften Schwellungen, häufig im Gesicht, auf den Lippen und/oder der Zunge. Auch auf dem Hand- oder Fußrücken oder an den Genitalien können Schwellunge auftreten.

Der Gastrointestinaltrakt ist häufig mit Manifestationen beteiligt, die eine Darmverschluss vermuten lassen, wie Übelkeit, Erbrechen, Koliken und Unwohlsein.

Pruritus, Urtikaria und Bronchospasmus sind keine Symptome, jedoch kann ein Larynxödem vorhanden sein, was Stridor (und manchmal den Tod) verursacht.

Schwellungen verschwinden innerhalb von etwa 1 bis 3 Tage nach Auftreten. Bei hereditären Angioödemen verschwinden die Symptome nach der Gabe von Komplement-Komponenten.

Diagnose

  • Messung der Komplementspiegel

C4-, C1-Inhibitor und C1q (eine Komponente von C1) werden gemessen. Das hereditäre Angioödem (Typ 1 und 2) oder erworbener C1-Inhibitor-Mangel wird bestätigt durch

  • Geringe Mengen an C4 (und C2, wenn gemessen)

  • Verminderte C1-Inhibitor-Funktion

Weitere Befunde umfassen

  • Typ 1 hereditäres Angioödem: Niedrige C1-Inhibitor-Spiegel und ein normalesC1 q- Niveau.

  • Typ 2 hereditäres Angioödem: Normale oder erhöhte C1-Inhibitor-Spiegel und normale C1q Werte

  • Erworbener C1-Inhibitor-Mangel; Niedrige C1q-Spiegel

  • Typ 3 hereditäres Angioödem: Normale C1-Inhibitor- und C4-Spiegel

Wenn Urtikaria als Begleiterkrankung des Angioödems fehlt und es ohne klare Ursache wiederkehrt, ist der Verdacht eines hereditären Angioödems oder eines erworbenen C1-Inhibitor-Mangel gegeben. Wenn Familienmitglieder ein Angioödem haben, sollten Ärzte ein erbliches Angioödem vermuten.

Therapie

  • Bei akuten Attacken: C1-Inhibitor, Ecallantid oder Icatibant

  • Zur Prophylaxe abgeschwächte Androgene

Akute Attacken werden mit gereinigtem humanen C1-Inhibitor, Ecallantid oder Icatibant behandelt. Wenn keines dieser Medikamente verfügbar ist, wird frisch gefrorenes Plasma oder, in der Europäischen Union, Tranexamsäure eingesetzt. Eine rekombinante Form des C1-Inhibitors (rekombinanter C1-Esterase-Inhibitor [rhC1INH] oder Conestat-Alfa) ist auch erhältlich.

Wenn die Atemwege betroffen sind, hat die Offenhaltung der Atemwege oberste Priorität. Adrenalin kann vorübergehed bei akuten Attacken von Nutzen sein, wenn die Atemwege beteiligt sind. Jedoch kann der Nutzen nicht ausreichen oder nur vorübergehend sein; dann kann eine endotracheale Intubation notwendig werden. Kortikosteroide oder Antihistamine sind keine effektive Therapie.

Analgetika, Antiemetika und Flüssigkeitsersatz können zur Symptomlinderung verwendet werden.

Tipps und Risiken

  • Antihistaminika und Kortikosteroide sind beim hereditären oder erworbenen Angioödem nicht effektiv.

Zur Langzeitprophylaxe werden abgeschwächte Androgene (z. B. Stanozolol, 2 mg p.o. dreimal täglich, Danazol, 200 mg, p.o. dreimal täglich; Anm. d. Red.: Beide Medikamente sind in Deutschland nicht zugelassen. Die Verordnung ist nur über eine internationale Apotheke nach vorheriger Genehmigung durch die Krankenkasse möglich) zur Stimulierung der hepatischen C1-Inhibitor-Synthese eingesetzt. Diese Behandlung ist bei der erworbenen Form weniger wirksam. C1-Inhibitoren sind wirksam ist, aber teuer.

Kurzzeitprophylaxe ist vor Hochrisiko-Verfahren angezeigt (z. B. zahnärztliche Behandlungen oder Behandlungen der Atemwege), wenn C1-Inhibitoren nicht verfügbar sind, um eine akute Attacke zu behandeln. Den Patienten werden in der Regel abgeschwächte Androgene 5 Tage vor dem Verfahren bis 2 Tage danach gegeben. Wenn C1-Inhibitor verfügbar sind, plädieren einige Experten dafür, sie 1 Stunde vor dem Hochrisikoverfahren zu geben. Dieser Behandlung wird der Vorzug gegeben vor der Behandlung mit abgeschwächten Androgenen als Kurzzeitprophylaxe.

Wichtige Punkte

  • Beginn ist in der Regel während der Kindheit oder Adoleszenz (hereditäre) oder während des späteren Erwachsenenalter (erworben), häufig bei Patienten mit einer neoplastischen Erkrankung oder einer Autoimmunerkrankung.

  • Leichte Verletzungen, Viruserkrankungen, Kälteexposition, Schwangerschaft oder die Einnahme bestimmter Lebensmittel können die Attacken auslösen; psychischer Stress kann sie verschlimmern.

  • Messung der Komplementspiegel; niedrige C4-Spiegel und verringerte C1-Inhibitor-Funktion deuten auf ein hereditäres Angioödem oder einen erworbenen C1-Inhibitor-Mangel.

  • Bei akuten Attacken, werden gereinigte menschliche C1-Inhibitor, Ecallantid oder Icatibant eingesetzt und zur Linderung der Symptome, Analgetika, Antiemetika und Flüssigkeiten verwendet; Antihistaminika und Kortikosteroide sind unwirksam.

  • Zur Prophylaxe (langfristige und kurzfristige - z. B. vor zahnärztlichen Behandlungen oder Atemwegseingriffen) werden abgeschwächte Androgene (z. B. Stanozolol, Danazol) in Erwägung gezogen; ein C1-Inhibitor kann zur kurzzeitigen Prophylaxe ebenfalls erwogen werden.

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