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Peritonsillarabszess und Peritonsillitis

Von

Clarence T. Sasaki

, MD, Yale University School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Sep 2019
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Quellen zum Thema

Akute Racheninfektionen wie Peritonsillarabszesse und Peritonsillitis treten besonders häufig bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf. Ihre Symptome sind starke Halsentzündung, Trismus, kloßige Stimme (wie mit heißer Kartoffel im Mund) und eine Lageabweichung des Zäpfchens. Zur Diagnosesicherung kann eine Feinnadelaspiration durchgeführt werden. Die Behandlung besteht in der Drainage (zur Entleerung von Eiter) oder einer akuten Abszess-Tonsillektomie. (Anm. d. Übers.: Zudem erfolgt oft eine Antibiose, z. B. mit Penicillin, deren Notwendigkeit nach Abszess-Tonsillektomie aber umstritten ist.) Darüber hinaus ist auf eine ausreichende Hydrierung und Analgesie zu achten.

Ätiologie

Peritonsillarabszesse („Mandelentzündung“) und Peritonsillitis gehören vermutlich zum Symptomspektrum ein und desselben Krankheitsprozesses, wenn sich eine Tonsillen- und Racheninfektion auf die Halsweichteile ausweitet. Die Gewebeinfektion tritt praktisch immer einseitig zwischen Rachenmandel und M. constrictor pharyngis superior auf. Meist sind mehrere Bakterienarten beteiligt. Streptococcus und Staphylococcus sind die häufigsten aeroben Keime, während Bacteroides-Spezies die häufigsten anaeroben Keime sind.

Symptome und Beschwerden

Allmählich stärker werdende einseitige Halsentzündung, Schluckbeschwerden (Dysphagie), Fieber, Ohrenschmerzen und eine asymmetrische Adenopathie von Halslymphknoten sind die Symptome. Oft kommen noch Trismus, kloßige Sprache (wie mit heißer Kartoffel im Mund), ein toxisches Erscheinungsbild (z. B. geringer oder fehlender Augenkontakt, Unvermögen, die Eltern zu erkennen, Reizbarkeit, Unfähigkeit sich trösten zu lassen oder abgelenkt zu werden, Fieber, Ängstlichkeit) Speichelfluss, starker Mundgeruch, gerötete Mandeln (Tonsillarerythem) und Exsudate hinzu. Sowohl ein Abszess als auch eine Peritonsillitis verursachen eine Schwellung über der betreffenden Tonsille, nur dass sie bei einem Abszess diskreter ist und eine Verziehung des weichen Gaumens und Zäpfchens sowie einen deutlichen Trismus bewirkt.

Diagnose

  • Feinnadelaspiration

  • Gelegentlich CT

Eine Peritonsillitis ist daran zu erkennen, dass die Patienten neben einer starken Halsentzündung einen Trismus und eine Uvuladeviation haben und mit kloßiger Stimme sprechen. Bei allen Patienten sollten Kulturen angelegt werden (nach Feinnadelaspiration aus der Schwellung). Als diagnostisches Kriterium (zur Unterscheidung zwischen Abszess und Peritonsillitis) ist die Aspiration von Eiter aber zu unsicher.

Wenn die körperliche Untersuchung schwierig oder der Befund zweifelhaft ist, hilft eine CT- oder Ultraschalluntersuchung des Halses, die Diagnose zu bestätigen, gerade wenn differenzialdiagnostisch eine Parapharyngeal- oder eine andere tiefe Halsinfektion ausgeschlossen werden muss.

Therapie

  • Antibiotika

  • Abszessdrainage

Unter ausreichender Flüssigkeitszufuhr und hochdosierter Penicillingabe (z. B. 2 Mio. Einheiten alle 4 Stunden i.v. oder 1 g oral 4-mal am Tag) klingt eine Peritonsillitis gewöhnlich innerhalb von 48 Stunden ab; alternativ bieten sich Cephalosporine der 1. Generation oder Clindamycin an. Abgestimmt auf die Kulturergebnisse werden danach noch für weitere 10 Tage Antibiotika verordnet.

Abszessinzision und -drainage werden in genau dosierter Lokalanästhesie oder manchmal bei Notaufnahmen auch im sedierten Zustand durchgeführt. Gelegentlich wirkt allein schon die Feinnadelaspiration ausreichend drainierend. Zur parenteralen Antibiotikatherapie, i.v. Flüssigkeitszufuhr und Überwachung der Atemwege kann eine kurzzeitige stationäre Aufnahme erforderlich sein. Wenn aus anderen Gründen (z. B. häufig rezidivierende Tonsillitis in der Vorgeschichte oder obstruktive Schlafapnoe) ohnehin eine elektive Tonsillektomie indiziert wäre, kann man sie bei jungen oder unkooperativen Patienten stattdessen auch gleich vornehmen. Ansonsten wird die elektive Tonsillektomie 4–6 Wochen später durchgeführt, um ein Abszessrezidiv zu verhindern.

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