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Maligne Erkrankungen in der Schwangerschaft

Von

Lara A. Friel

, MD, PhD,

  • Associate Professor, Maternal-Fetal Medicine Division, Department of Obstetrics, Gynecology, and Reproductive Sciences
  • University of Texas Health Medical School at Houston, McGovern Medical School

Inhalt zuletzt geändert Apr 2020
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Eine Schwangerschaft sollte die Behandlung einer malignen Erkrankungnicht verzögern. Die Therapie ähnelt der Behandlung nichtschwangerer Frauen, außer bei rektalen und gynäkologischen Tumoren.

Da embryonale Gewebe bei einer hohen DNA-Replikationsrate sehr schnell wachsen, ähneln sie malignen Geweben und reagieren daher sehr verletzlich auf antineoplastische Wirkstoffe. Viele Antimetabolite und alkylierende Substanzen (z. B. Busulfan, Chlorambucil, Cyclophosphamid, 6-Mercaptopurin, Methotrexat) können fetale Anomalien verursachen. Besonders Methotrexat ist problematisch; seine Anwendung während des 1. Trimesters erhöht die Gefahr für einen Spontanabort und bei fortlaufender Schwangerschaft für multiple kongenitale Fehlbildungen. Obwohl eine Schwangerschaft oft trotz der Behandlung einer malignen Erkrankung erfolgreich beendet werden kann, veranlasst das Risiko einer therapiebedingten Schädigung des Feten manche Frauen, sich für einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden.

Rektumkarzinom

Ein Rektumkarzinom erfordert in manchen Fällen, um eine vollständige Tumorentfernung sicherzustellen, eine Hysterektomie. So früh wie möglich kann nach der 28. Schwangerschaftswoche ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, gefolgt von einer Hysterektomie, sodass eine aggressive Krebsbehandlung begonnen werden kann.

Zervixkarzinom

Eine Schwangerschaft scheint die Erkrankung des Zervixkarzinoms nicht zu verschlechtern.

Ein Zervixkarzinom kann sich während der Schwangerschaft entwickeln, und ein pathologischer Papanicolaou(Pap)-Abstrich sollte nicht der Schwangerschaft angelastet werden. Pathologischen Pap-Abstrichen folgt eine Kolposkopie und bei gegebener Indikation eine gezielte Biopsie. Eine Kolposkopie erhöht nicht das Risiko für einen negativen Ausgang der Schwangerschaft. Vor einer Zervixbiopsie wird empfohlen, die Kolposkopie von einem Spezialisten auswerten zu lassen und sich mit einem Pathologen abzustimmen, da die Biopsie Blutungen und vorzeitige Wehen verursachen kann. Wenn die Untersuchung Hinweise auf Läsionen niedrigen Grades ergibt, braucht keine Biopsie durchgeführt werden, vor allem dann nicht, wenn auch die Zervixzytologie niedrig gradige Läsionen vermuten lässt.

Bei Carcinoma in situ (Federation of Gynecology and Obstetrics [FIGO] Stadium 0 – siehe Tabelle FIGO Klinisches Staging des Gebärmutterhalskrebses) und mikroinvasivem Krebs (Stadium IA1) wird die Behandlung oft bis nach der Entbindung aufgeschoben, da in diesen Stadien der Krebs nur sehr langsam fortschreitet und die Schwangerschaft sicher abgeschlossen werden kann, ohne die Prognose der Frau zu beeinflussen.

Bei invasivem Karzinom (FIGO-Stadium IA2 oder höher) sollte die Schwangerschaft in Absprache mit einem gynäkologischen Onkologen betreut werden. Wird ein invasives Karzinom während der Frühschwangerschaft diagnostiziert, wird üblicherweise eine sofortige, dem Tumor entsprechende Therapie empfohlen. Wenn ein invasives Karzinom nach der 20. Schwangerschaftswoche festgestellt wird und die Schwangere einen quantitativ ungewissen Risikozuwachs akzeptieren kann, wird die Behandlung bis in das 3. Trimester (z. B. 32. Schwangerschaftswoche) verschoben, um die fetale Reife zu optimieren, aber ohne allzu lange Verzögerung der Therapie. Bei Patientinnen mit invasivem Karzinom wird ein Kaiserschnitt mit radikaler Hysterektomie durchgeführt; eine vaginale Entbindung wird vermieden.

Andere gynäkologische Karzinome

Nach der 12. Schwangerschaftswoche, wenn sich die Ovarien zusammen mit dem Uterus aus dem Becken erheben und nicht mehr leicht zu tasten sind, wird ein Ovarialkarzinom leicht übersehen. Bei weit fortgeschrittener Erkrankung kann ein Ovarialkarzinom während der Schwangerschaft zum Tod führen, ehe diese beendet ist. Die betroffenen Frauen benötigen baldmöglichst eine beidseitige Ovarektomie.

Karzinome des Endometriums und Karzinome der Tuben treten selten während der Schwangerschaft auf.

Leukämie und Hodgkin-Lymphome

Leukämie und Hodgkin-Lymphom sind in der Schwangerschaft selten.

Antineoplastische Medikamente, die typischerweise zur Behandlung von Lymphomen eingesetzt werden, erhöhen das Risiko für Abort und kongenitale Fehlbildungen.

Da Leukämien sehr schnell tödlich verlaufen können, erfolgt die Therapie so bald als möglich, ohne jeden bedeutenden Verzug, um den Fetus reifen zu lassen.

Wenn ein Hodgkin-Lymphom auf den Bereich oberhalb des Zwerchfells begrenzt ist, kann eine Strahlentherapie durchgeführt werden; das Abdomen muss abgedeckt werden. Ist das Lymphom unterhalb des Zwerchfells lokalisiert, wäre ein Schwangerschaftsabbruch anzuraten.

Mammakarzinom

Die Anschwellung der Brust während der Schwangerschaft kann die Erkennung eines Mammakarzinoms sehr schwierig gestalten. Jeder solide oder zystische Tumor in der Brust sollte abgeklärt werden. Normalerweise sollte ein Mammakarzinom sofort behandelt werden.

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