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Akute Belastungsreaktion

Von

John W. Barnhill

, MD, Weill Cornell Medical College and New York Presbyterian Hospital

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Apr 2020| Inhalt zuletzt geändert Apr 2020
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Die akute Belastungsreaktion ist eine intensive, unangenehme und gestörte Reaktion, die kurz nach einem überwältigenden traumatischen Ereignis beginnt und weniger als einen Monat andauert. Wenn die Symptome länger als einen Monat andauern, werden die Patienten mit einer posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert.

Menschen mit akuter Belastungsreaktion haben etwas Schreckliches erlebt. Das Ereignis kann die Betroffenen direkt oder indirekt betreffen. Ein direktes Erlebnis wäre beispielsweise eine schwere Verletzung, Gewalt oder eine lebensbedrohliche Situation zu durchleben.. Bei einem indirekten Ereignis erleben die Betroffenen Ereignisse, die anderen zustoßen, oder erfahren von Ereignissen, die Angehörigen oder Freunden passiert sind. In Gedanken durchleben die Betroffenen dieses traumatische Ereignis immer wieder, vermeiden Dinge, die Erinnerungen daran auslösen, und haben verstärkte Angstgefühle.

Personen mit dieser Störung weisen möglicherweise dissoziative Symptome auf. Sie fühlen sich beispielsweise emotional betäubt oder selbstentfremdet. Sie können auch das Gefühl haben, nicht in der Wirklichkeit zu leben.

Die Zahl derjenigen, die an akuter Belastungsreaktion leiden, ist nicht bekannt. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine akute Belastungsreaktion entsteht, ist größer, wenn traumatische Ereignisse besonders schwerwiegend sind oder sich wiederholen.

Diagnose

  • Ärztliche Beurteilung auf der Basis spezifischer Kriterien

Eine akute Belastungsreaktion wird diagnostiziert, wenn die Betroffenen

  • direkt oder indirekt einem traumatischen Ereignis ausgesetzt waren.

Außerdem müssen sie mindestens 9 der folgenden Symptome für 3 Tage bis zu 1 Monat aufweisen:

  • Wiederkehrende, unkontrollierbare und störende, belastende Erinnerungen an das Ereignis

  • Wiederkehrende, quälende Träume über das Ereignis

  • Das Gefühl, dass sich das traumatische Ereignis wiederholt, zum Beispiel in Form von Flashbacks

  • Intensives körperliches oder seelisches Leid, wenn die Erinnerung an das Ereignis wiederkehrt (z. B. den Ort des Geschehens wieder betreten oder Geräusche hören, die an das Ereignis erinnern)

  • Über einen langen Zeitraum nicht in der Lage sein, positive Emotionen zu empfinden (z. B. Glück, Zufriedenheit oder liebevolle Gefühle)

  • Veränderter Realitätssinn (z. B. Gefühl der Benommenheit oder wie in Zeitlupe)

  • Gedächtnisverlust in Bezug auf einen wichtigen Aspekt des traumatischen Ereignisses

  • Bemühung, quälende Erinnerungen, Gedanken oder Gefühle im Zusammenhang mit dem Ereignis zu vermeiden

  • Bemühung, Erinnerungen von außen im Zusammenhang mit dem Ereignis (Personen, Orte, Gespräche, Aktivitäten, Objekte und Situationen) zu vermeiden

  • Schlafstörungen

  • Reizbarkeit oder Wutausbrüche

  • Übertriebene Wachsamkeit in Bezug auf mögliche Gefahren (Hypervigilanz)

  • Konzentrationsschwierigkeiten

  • Übertriebene Reaktion auf laute Geräusche, plötzliche Bewegungen oder andere Reize (Schreckreaktion)

Zudem müssen die Symptome starke Belastung verursachen oder die Funktionsfähigkeit erheblich beeinträchtigen.

Ärzte prüfen außerdem, ob die Ursache der Symptome auch die Anwendung eines Medikaments oder eine andere Erkrankung sein könnte.

Behandlung

  • Selbstversorgung
  • Unterstützende Versorgung

Die akute Belastungsreaktion endet bei vielen Menschen, sobald sie aus der traumatischen Situation befreit sind, sie ausreichend Unterstützung in Form von Verständnis und Einfühlung in ihr Leid bekommen und sie Gelegenheit erhalten, zu beschreiben, was passiert ist und wie sie reagiert haben. Vielen hilft es, wiederholt über ihre Erfahrungen zu sprechen. Freunde und Angehörige können diese Unterstützung oft leisten. Ansonsten sind Ärzte oder andere medizinische Fachkräfte hilfreich.

Manchmal verordnen Ärzte kurzzeitig Medikamente gegen die Angst oder gegen Schlafstörungen. Andere Medikamente (wie Antidepressiva) kommen aber normalerweise nicht zum Einsatz.

Selbstversorgung

Eine Selbstversorgung ist während und nach einer Krise oder einem Trauma entscheidend. Die Selbstversorgung kann in 3 Komponenten unterteilt werden:

  • Persönliche Sicherheit

  • Körperliche Gesundheit

  • Achtsamkeit

Die persönliche Sicherheit ist grundlegend. Nach einer einzelnen traumatischen Episode können die Betroffenen die Erfahrung besser verarbeiten, wenn sie wissen, dass sie und ihre Angehörigen sicher sind. Es kann jedoch schwierig sein, sich während anhaltender Krisen, wie z. B. häuslicher Gewalt, Krieg oder einer infektiösen Pandemie, ganz zu schützen. Während solcher andauernden Krisen sollten die Betroffenen den Rat von Fachleuten suchen, wie sie und ihre Angehörigen so sicher wie möglich sein können.

Die körperliche Gesundheit kann während und nach traumatischen Erfahrungen bedroht sein. Jeder sollte versuchen, sich gesund zu ernähren und sich ausreichend zu bewegen und zu schlafen. Drogen, die schläfrig machen oder berauschen (z. B. Alkohol), sollten, wenn überhaupt, nur sparsam angewendet werden.

Die Achtsamkeit bei der Selbstversorgung soll helfen, belastende Gefühle, Langeweile, Wut, Traurigkeit und Isolation, die traumatisierte Menschen normalerweise durchleben, zu verringern. Wenn die Umstände es erlauben, sollten gefährdete Personen ganz normal ihrem Alltag nachgehen, z. B. Aufstehen, duschen, anziehen, nach draußen gehen, einen Spaziergang machen und regelmäßig essen.

Es ist nützlich, vertrauten Hobbys und Aktivitäten nachzugehen, die Spaß machen und ablenken: zeichnen, fernsehen oder kochen.

Soziale Kontakte können entscheidend sein, selbst, wenn es schwierig ist, menschliche Beziehungen während einer Krise zu pflegen.

Dehnübungen und Sport sind eine wunderbare Idee, aber es kann ebenso hilfreich sein, stillsitzen und bewusst zu atmen oder sorgfältig auf die Geräusche um einen herum zu lauschen. Die Betroffenen können vielleicht an nichts anderes denken als an das Trauma oder die Krise, daher ist es hilfreich, sich mit anderen Dinge zu beschäftigen: etwas lesen oder ein Puzzle legen. Unangenehme Gefühle können sich während oder nach einem Trauma wie „eingefroren“ anfühlen. Es kann daher befreiend sein, sich mit etwas zu beschäftigen, dass andere Gefühle weckt: lachen, einen lustigen Film anschauen, Unsinn machen oder mit Stiften malen. Unter Stress können Menschen leicht in Wut geraten, sogar über Menschen, die sie lieben.

Daher kann spontane Freundlichkeit für beide Seiten von Nutzen sein: jemandem eine nette Notiz hinterlassen, jemandem Kekse backen und ihm ein Lächeln schenken, können den Empfänger nicht nur auf nette Weise überraschen, sondern auch die Hoffnungslosigkeit und Passivität überwinden, die Teil der Erfahrung eines Traumatisierten sind.

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