Kraniotubuläre Hyperostosen sind Osteopetrosen mit übermäßigem Knochenwachstum, welches das Aussehen verändert und die Knochendichte vermehrt.
Osteopetrosen sind familiäre Erkrankungen, die durch eine gestörte Funktion der Osteoklasten verursacht werden und sich durch eine erhöhte Knochendichte sowie eine abnorme Skelettmodellierung auszeichnen.
Diaphyseale Dysplasie (Camurati-Engelmann-Syndrom)
Die diaphysäre Dysplasie ist eine sklerosierende Knochendysplasie, die durch eine fortschreitende Hyperostose gekennzeichnet ist, von der vor allem die Diaphysen der langen Knochen und seltener der Schädel betroffen sind.
Diese autosomal-dominante Erkrankung wird durch Mutationen im TGFB1-Gen verursacht, die zu einer Überaktivität des transformierenden Wachstumsfaktors Beta-1 (TGFβ-1) führen, wodurch eine erhöhte Knochenbildung verursacht wird (1). Die Bevölkerungsprävalenz ist unbekannt, aber weltweit wurden > 300 Fälle berichtet.
Die diaphysäre Dysplasie äußert sich im mittleren Kindesalter durch Knochen- oder Muskelschmerzen, Schwäche und Muskelschwund, typischerweise in den Beinen. Die Symptome verschwinden im Alter von 30 Jahren. Aufgrund der Hyperostose des Schädels treten gelegentlich eine Kompression der Hirnnerven sowie ein erhöhter intrakranieller Druck auf. Einige Patienten sind schwer beeinträchtigt, andere sind praktisch asymptomatisch.
Die Diagnose der diaphysären Dysplasie wird aufgrund der Kombination von muskulären Defiziten und Hyperostosen der langen Knochen und des Schädels vermutet. Üblicherweise wird eine einfache Röntgenaufnahme vorgenommen. Das vorherrschende Merkmal im Röntgenbild ist eine bemerkenswerte Verdickung der periostalen und medullären Seiten der Diaphysenkortikalis der langen Röhrenknochen. Diese Befunde variieren jedoch. Die medullären Kanäle und die externen Knochenkonturen sind irregulär. Die Extremitäten und das axiale Skelett bleiben gewöhnlich ausgespart. Selten ist der Schädel mit einer Verbreiterung des Schädeldachs und einer Sklerose der Schädelbasis beteiligt.
Glukokortikoide können die Knochenschmerzen lindern und die Muskelkraft verbessern (2).
Literatur zur diaphysären Dysplasie
1. MedlinePlus [Internet]. Bethesda (MD): National Library of Medicine (US); [updated 2020 Jun 24]. Camurati-Engelmann disease; [updated 2021 Nov 1; cited 2025 Jun 9].
2. Kim YM, Kang E, Choi JH, Kim GH, Yoo HW, Lee BH. Clinical characteristics and treatment outcomes in Camurati-Engelmann disease: A case series. Medicine (Baltimore). 2018;97(14):e0309. doi:10.1097/MD.0000000000010309
Endostale Hyperostose (van-Buchem-Syndrom)
Die endostale Hyperostose ist eine Erkrankung, die durch übermäßige Knochenbildung gekennzeichnet ist und insbesondere den Schädel, den Unterkiefer, die Schlüsselbeine, die Rippen und die Röhrenknochen betrifft.
Diese Erkrankung ist Teil der SOST-Gen-bedingten sklerosierenden Knochendysplasien (1) und wird in der Regel autosomal-rezessiv vererbt. SOST-Mutationen, die eine endostale Hyperostose verursachen, führen zu einem Mangel des funktionellen Proteins Sklerostin, wodurch die Fähigkeit des Proteins, die Knochenbildung zu hemmen, verringert wird und es zu dem bei betroffenen Menschen beobachteten übermäßigen Knochenwachstum kommt. Die Prävalenz in der Bevölkerung ist unbekannt, aber die Erkrankung wurde bei etwa 30 Personen festgestellt, vor allem bei Personen niederländischer Abstammung. Bei endostealer Hyperostose scheinen genetische Läsionen die normale Funktion der Osteoblasten zu beeinträchtigen.
Die endostale Hyperostose stellt in der Regel einen milderen Phänotyp der knöchernen Hyperostose dar. Übermäßiges Knochenwachstum und Kieferverformung treten im mittleren Kindesalter auf. In der Folge führt das Umwachsen der Hirnnerven zu Fazialisparese und Ertaubung. Die Lebenserwartung ist nicht verkürzt. Die Statur ist normal und die Knochen sind nicht brüchig.
Schädelröntgenaufnahmen zeigen eine Verbreiterung und Sklerose der Schädelkalotte, der Schädelbasis und des Unterkiefers. Endostale Verdickungen sind in den Diaphysen der Röhrenknochen vorhanden.
Manchmal hilft eine operative Entlastung eingeklemmter Nerven.
Literatur zur endostalen Hyperostose
1. MedlinePlus [Internet]. Bethesda (MD): National Library of Medicine (US); [updated 2020 Jun 24]. SOST-related sclerosing bone dysplasia; [updated 2009 Jun 1; cited 2025 Jun 9].
Sklerosteose
Sklerosteose ist eine Erkrankung, die durch übermäßige Knochenbildung gekennzeichnet ist, insbesondere im Bereich des Schädels und des Unterkiefers, und häufig mit einer Syndaktylie des zweiten und dritten Fingers einhergeht.
Diese autosomal-rezessive Erkrankung wird durch eine Mutation im SOST-Gen verursacht, welches das Protein Sklerostin kodiert und gehört zu den SOST-Gen-assoziierten sklerosierenden Knochendysplasien (1). Etwa 100 Fälle von Sklerosteose wurden berichtet. Die Sklerosteose, eine autosomal-rezessive Krankheit, findet man am häufigsten in der europäisch-stämmigen Bevölkerung Südafrikas (Buren).
Sklerosteose stellt in der Regel einen schwereren Phänotyp der Knochenhyperostose dar. Übermäßiges Knochenwachstum und Sklerose, vor allem des Schädels, entwickeln sich in der frühen Kindheit. Das Längenwachstum und Gewicht sind oft massiv erhöht. Zu den ersten Symptomen und Anzeichen einer Sklerosteose können Taubheit und Gesichtslähmung aufgrund einer Einklemmung des Hirnnervs gehören. Verformungen des Gesichtes, die mit 10 Jahren auftreten, können sich erheblich verschlechtern. Kutane oder knöcherne Syndaktylie des zweiten und dritten Fingers unterscheidet die Sklerosteose von anderen Formen der kraniotubulären Hyperostosen.
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Die Diagnose von Sklerosteose wird durch charakteristische Fehlbildungen des Skeletts vermutet, insbesondere dann, wenn der Patient auch eine Syndaktylie hat. Üblicherweise werden Röntgenaufnahmen angefertigt. Eine starke Erweiterung und Sklerose der Schädeldecke und des Unterkiefers sind die vorherrschenden Merkmale in der Röntgenaufnahme. Die Wirbelkörper bleiben ausgespart, obwohl ihre Pedikel dicht sind. Die Beckenknochen sind sklerotisch, haben aber normale Konturen. Die langen Röhrenknochen haben eine sklerotische, hyperostotische Kortikalis und unterentwickelte Schäfte. Ein diagnostischer Gentest ist verfügbar.
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Um den intrakraniellen Druck zu verringern oder um eingeschlossene Nerven zu dekompressieren, kann ein chirurgischer Eingriff helfen. Je nach Schweregrad des Phänotyps können auch eine chirurgische Reduktion des Unterkieferüberwachstums, die Erhaltung eines angemessenen Gebisses und eine chirurgische Korrektur der Syndaktylie erforderlich sein (2).
Literatur zur Sklerostose
1. MedlinePlus [Internet]. Bethesda (MD): National Library of Medicine (US); [updated 2020 Jun 24]. SOST-related sclerosing bone dysplasia; [updated 2009 Jun 1; cited 2025 Jun 9].
2. Appelman-Dijkstra N, Van Lierop A, Papapoulos S. SOST-Related Sclerosing Bone Dysplasias. In: Adam MP, Feldman J, Mirzaa GM, Pagon RA, Wallace SE, Amemiya A, eds. GeneReviews®. Seattle (WA): University of Washington, Seattle; June 4, 2002.



