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Trennungsangst

Von

Josephine Elia

, MD, Sidney Kimmel Medical College of Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Feb 2017
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Trennungsangst ist eine anhaltende, intensive und entwicklungsmäßig unpassende Furcht vor der Trennung von einer Bezugsperson (normalerweise der Mutter). Die betroffenen Kinder versuchen verzweifelt, Trennungssituationen zu vermeiden. Wenn die Trennung erzwungen wird, sind die Kinder verzweifelt damit beschäftigt, eine Wiedervereinigung zu erreichen. Die Diagnose wird klinisch gestellt. In schweren Fällen kann man SSRI einsetzen. Die Behandlung besteht in Verhaltenstherapie beim Kind und der Familie.

Die Trennungsangst ist ein normales Verhalten bei Kindern zwischen 8–24 Monaten. Sie löst sich auf, sobald die Kinder das Gefühl entwickeln, dass Objekte bleiben, und begreifen, dass ihre Eltern zurückkehren werden. Bei manchen Kindern bleibt die Trennungsangst auch nach diesem Zeitpunkt bestehen oder kommt später wieder. Sie kann dann schwer genug sein, um als Störung klassifiziert zu werden. Trennungsangst kommt jedoch oft bei kleinen Kindern und selten nach der Pubertät vor.

Lebensbeeinträchtigungen (z. B. der Tod eines Verwandten, Freundes oder Haustiers; eine geografische Veränderung, eine Veränderung in den Schulen) können eine Trennungsangst auslösen. Manche Menschen haben auch eine genetische Veranlagung für Angstzustände.

Symptome und Beschwerden

Wie die soziale Angststörung tritt die Trennungsangst zum ersten Mal als Schul- oder Kindergartenverweigerung auf.

Beim Abschiednehmen kommt es typischerweise zu dramatischen Szenen. Trennungsszenen sind in der Regel schmerzhaft für beide, das Kind und die Bezugsperson (in der Regel die Mutter, aber es kann jeder Elternteil oder eine andere Bezugsperson sein). Oft jammert das Kind und bettelt mit einer solchen Verzweiflung, dass die Bezugsperson nicht gehen kann. Dies führt dazu, dass solche Szenen in die Länge gezogen werden und umso schwerer unterbrochen werden können. Nach der Trennung denken manche Kinder ausschließlich an die Wiedervereinigung mit der Bezugsperson und sind oft besorgt, dass diese Person zu Schaden gekommen ist (z. B. bei einem Autounfall, bei einer schweren Krankheit). Es kommt vor, dass Kinder sich weigern, alleine zu schlafen, oder dass sie darauf beharren, immer im gleichen Raum zu sein wie ihre Bezugsperson.

Das Kind entwickelt oft somatische Beschwerden (z. B. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen).

Das kindliche Verhalten in Anwesenheit der Bezugsperson ist in der Regel unauffällig. Dieses normale Verhalten kann manchmal den falschen Eindruck erwecken, als handele es sich dabei um ein Problem von geringerer Bedeutung. Allerdings haben einige Kinder eine anhaltende und übermäßige Sorge darüber, ihre Bezugsperson zu verlieren (z. B. Krankheit, Entführung oder Tod).

Kindliche Trennungsangst wird oft von der elterlichen Angst verstärkt. Am Ende entsteht ein Teufelskreis, der nur durch eine sensible und geeignete Therapie von Mutter und Kind gleichzeitig unterbrochen werden kann.

Diagnose

  • Klinische Untersuchung

Die Diagnose von Trennungsangststörungen erfolgt durch Vorgeschichte und Beobachtung von Trennungsszenen. Die Manifestationen müssen für ≥ 4 Wochen vorliegen und erheblichen Stress auslösen oder den Alltag beeinträchtigen (z. B. Kinder sind nicht dazu in der Lage an altersgerechten sozialen oder schulischen Aktivitäten teilzunehmen).

Therapie

  • Verhaltenstherapie

  • Selten Anxiolytika

Die Behandlung von Trennungsängsten besteht in einer Verhaltenstherapie, die systematisch regelmäßige Trennungen herbeiführt. Die Abschiedsszenen sollten so kurz wie möglich gehalten werden. Die Bezugsperson sollte angewiesen werden, auf Proteste nüchtern zu reagieren. Für das Kind kann es hilfreich sein, eine Bezugsperson im Kindergarten oder in der Schule zu haben.

In schweren Fällen kann das Kind von SSRI profitieren (siehe Tabelle: Medikamente für die Langzeitbehandlung von Angst und verwandten Störungen). Die Trennungsangst betrifft aber meistens Kinder um die 3 Jahre, und für diese Altersgruppe sind diese Medikamente nicht erprobt worden.

Erfolgreich behandelte Kinder neigen dazu, nach den Ferien und Schulunterbrechungen in die alten Verhaltensmuster zurückzufallen. Deshalb sollten während dieser Zeit regelmäßige Trennungen vom Kind geplant werden, sodass sich das Kind daran gewöhnt, von der Mutter getrennt zu sein.

Wichtige Punkte

  • Trennungsangst ist eine normale Emotion bei Kindern zwischen etwa 8 und 24 Jahren; wenn sie über diese Zeit hinaus andauert oder später wiederkehrt, kann sie schwer genug sein, um als Störung angesehen zu werden.

  • Dramatische, schmerzhafte Szenen, mit verzweifeltem Klagen und Bitten, treten typischerweise zum Zeitpunkt der Trennung auf.

  • Ein normales Verhalten bei Vorhandensein der Bezugsperson bedeutet nicht, dass das Problem gering ist.

  • Die Behandlung beinhaltet die Planung regelmäßiger Trennungen (auch während der Ferien) und das Coaching der Bezugsperson, um sachlich auf die Beteuerungen des Kindes zu reagieren.

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