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Trichomoniasis

Von

Sheldon R. Morris

, MD, MPH, University of California San Diego

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Eine Trichomoniasis ist eine Infektion der Vagina oder des männlichen Genitaltrakts mit Trichomonas vaginalis. Sie kann asymptomatisch verlaufen oder eine Urethritis, Vaginitis, gelegentlich auch Zystitis, Epididymitis oder Prostatitis verursachen. Die Diagnosestellung erfolgt durch eine direkte mikroskopische Untersuchung, Messstabtests oder Nukleidsäure-Amplifikationstests vaginaler Sekrete oder durch eine Kultur aus dem Urin oder der Urethra. Patienten und deren Sexualpartner werden mit Metronidazol oder Tinidazol behandelt.

T. vaginalis ist ein flagelliertes, sexuell übertragbares Protozoon, das Frauen häufiger infiziert (ca. 20% der Frauen im reproduktionsfähigen Alter) als Männer. Eine Infektion kann bei beiden Geschlechtern asymptomatisch verlaufen, aber ist immer asymptomatisch bei Männern. Bei Männern kann der Organismus für längere Zeit ohne Symptome im Urogenitaltrakt persistieren und unwissentlich an Sexualpartner übertragen werden. Eine Trichomoniasis ist für bis zu 5% der Fälle von Urethritis, die nicht durch Gonokokken oder Chlamydien hervorgerufen werden, bei Männern verantwortlich.

Häufig kommt es zu einer Koinfektion mit Gonokokken und anderen Erregern von STDs.

Symptome und Beschwerden

Bei Frauen können die Beschwerden gänzlich fehlen oder bis zu reichlichem gelb-grünem, schaumigem vaginalem Ausfluss reichen, mit Schmerzhaftigkeit der Vulva und des Perineums Dyspareunie und Dysurie. Eine asymptomatische Infektion kann jederzeit symptomatisch werden, wenn sich Vulva und Perineum entzünden und sich Ödeme in den Labien entwickeln. Die Vaginawandstrukturen und Zervixoberfläche können punktierte, rote „Erdbeerflecken“ aufweisen. Auch eine Urethritis und möglicherweise auch eine Zystitis können auftreten.

Männer sind zwar meist asymptomatisch; trotzdem führt eine Urethritis manchmal zu einem Harnröhrenausfluss, der vorübergehend, schaumig oder eitrig sein oder zu dysurischen Beschwerden und Pollakisurie führen kann, meist früh am Morgen. Oft ist die Urethritis schwach und führt zu einer nur minimalen urethralen Irritation und gelegentlich zum Nässen am Meatus urethrae, unter der Vorhaut oder beidem. Eine Epididymitis und Prostatitis sind seltene Komplikationen.

Diagnose

  • Mikroskopische Untersuchung, Messstabtests oder Nukleidsäure-Amplifikationstests (NAAT) von Vaginalsekret

  • Kultur des Urins oder Harnröhrenabstrich von Männern

Der Verdacht auf eine Trichomoniasis ist bei Frauen mit einer Vaginitis, bei Männern mit einer Urethritis sowie bei deren Sexualpartnern gegeben. Ein dringender Verdacht besteht, wenn die Symptome nachdem die Patienten untersucht und auf andere Infektionserreger wie z. B. Gonokokken, Chlamydien, Mykoplasmen und Ureaplasmen behandelt wurden, persistieren.

Bei Frauen basiert die Diagnose auf klinischen Kriterien und Point-of-Care-(POC)-Testung. Einer der folgenden POC-Tests kann durchgeführt werden:

  • Direkte mikroskopische Untersuchung von Vaginalsekret

  • Immunochromographische Durchfluss-Messstabtests

Die mikroskopische Untersuchung ist die einfachste Methode und ermöglicht Klinikern, zur selben Zeit auf Trichomoniasis und bakterielle Vaginose zu testen. Tests auf beide Infektionen sollten durchgeführt werden, weil sie ähnliche Symptome verursachen und/oder gleichzeitig bestehen können. Vaginalsekrete werden aus dem hinteren Scheidengewölbe entnommen. Der pH-Wert wird gemessen. Die Sekretproben werden dann auf 2 Objektträger aufgebracht; sie werden mit 10%iger KOH-Lösung auf einem Objektträger (KOH Nativpräparat) und mit 0,9% NaCl-Lösung auf dem anderen (NaCl-Nativpräparat) verdünnt. Mittels Geruchsprobe wird das KOH-Nativpräparat auf fischigen Geruch hin untersucht, der durch Amine verursacht wird, die bei Trichomonaden-Vaginitis oder bakterieller Vaginose produziert werden (Geruchsprobe). Das NaCl-Nativpräparat wird unter dem Mikroskop unverzüglich auf Trichomonaden untersucht, da diese innerhalb von Minuten auf dem Objektträger unbeweglich werden und dadurch schwer erkennbar sein können. Trichomonaden sind birnenförmig mit Flagellen, oft beweglich und durchschnittlich 7–10 μm (ungefähr so groß wie Leukozyten), gelegentlich aber auch bis zu 25 μm groß. Bei einer Trichomoniasis, sind auch zahlreiche Neutrophile vorhanden. Trichomoniasis wird auch häufig diagnostiziert, indem der Organismus gesehen wird, wenn ein Papanicolaou-(Pap)-Test durchgeführt wird.

Alternativ können immunochromographische Flussmessstabtests oder NAAT, die von einigen Laboratorien verfügbar sind, durchgeführt werden. Bei Frauen sind diese Tests sensitiver als mikroskopische Untersuchung oder Kultur. Zudem kann NAAT konfiguriert werden, um gleichzeitig andere Organismen oder andere sexuell übertragbare Krankheiten wie Chlamydien oder Gonorrhö zu erkennen.

Kultur von Urin oder Harnröhrenabstrichen ist der einzige validierte Test zum Nachweis von T. vaginalis bei Männern. Bei Männern ist die Mikroskopie von Urin nicht sensitiv und NAAT und Messstabtests sind nicht streng validiert worden; jedoch legen epidemiologische Studien nahe, dass für NAAT Harnröhrenabstriche besser sind als Urin.

Wie bei der Diagnose einer jeden anderen STD sollten bei Patienten mit Trichomoniasis andere häufige STDs wie z. B. Gonorrhoe und Chlamydieninfektionen ausgeschlossen werden.

Therapie

  • Orale Gabe von Metronidazol oder Tinidazol

  • Behandlung der Sexualpartner

Metronidazol oder Tinidazol 2 g p.o. als Einzeldosis heilt bei bis zu 95% der Frauen die Krankheit aus, wenn Sexualpartner simultan behandelt werden. Die Effektivität von Einzeldosisschemata bei Männern ist nicht so eindeutig, daher erfolgt die Therapie üblicherweise mit Metronidazol oder Tinidazol 500 mg p.o. 2-mal täglich über 5–7 Tage.

Wenn eine Infektion bei Frauen besteht und eine Reinfektion von Sexualpartnern ausgeschlossen wurde, werden Frauen zunächst mit Metronidazol oder Tinidazol 2 g p.o. einmalig oder Metronidazol 500 mg 2-mal täglich für 7 Tage erneut behandelt. Wenn das anfängliche Wiederbehandlungsschema versagt, kann Metronidazol oder Tinidazol 2 g 1-mal täglich für 5 Tage wirksam sein.

Metronidazol kann eine Leukopenie, Disulfiram-ähnliche Reaktionen auf Alkohol oder Superinfektionen durch Candida hervorrufen. Eine relative Kontraindikation besteht während der frühen Schwangerschaft, nach dem 1. Trimester sollte es aber keine Gefahr mehr für den Fetus darstellen. Tinidazol wird während der Schwangerschaft als nicht so sicher angesehen und daher nicht verwendet.

Sexualpartner sollten begutachtet und gegen Trichomoniasis mit Tinidazol 2 g in einer Einzeldosis oder Metronidazol 500 mg 2-mal täglich für 5 Tage behandelt werden und sollten auf andere sexuell übertragbare Krankheiten gescreent werden. Wenn die Einhaltung der Nachkontrolle von Sexualpartnern mit hoher Wahrscheinlichkeit schlecht durchführbar ist, kann auch bei Sexualpartnern von Patienten mit einer nachgewiesenen Trichomoniasis eine Therapie eingeleitet werden, ohne dass die Diagnose beim Partner bestätigt wurde. Dieses Vorgehen erfordert aber zumindest die Zustimmung des Partners.

Wichtige Punkte

  • Trichomoniasis kann asymptomatisch sein, vor allem bei Männern, oder Vaginitis oder manchmal Urethritis verursachen.

  • Bei Frauen erfolgt die Diagnose durch eine mikroskopische Untersuchung von Vaginalsekret, Messstabtests oder NAAT.

  • Bei symptomatischen Männern erfolgt die Diagnose durch Kultur des Urins, Harnröhrenabstrich oder möglicherweise NAAT.

  • Patienten und deren Sexualpartner werden mit oralem Metronidazol oder Tinidazol behandelt.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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