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Hanta-Virusinfektion

Von

Thomas M. Yuill

, PhD, University of Wisconsin-Madison

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Bunyaviridae enthalten die Gattung Hantavirus, die aus mindestens 4 Serogruppen mit 9 Viren besteht und 2 große, sich teilweise überschneidenden, Krankheitsbilder verursacht:

HFRS wird durch das Hantaan-, Seoul-, Dobrava- (Belgrad-) und Puumala-Virus hervorgerufen. HPS wird durch Sin-Nombre-, Black-Creek-Canal-, Bayou- und New-York-1-Virus hervorgerufen.

Hantaviren kommen weltweit bei wilden Nagetieren vor, die die Viren lebenslang mit dem Urin und Kot ausscheiden. Die Übertragung findet primär zwischen den Nagetieren statt. Zu einer Übertragung auf den Menschen kann es durch Inhalation von Aerosolen kommen, die Nagetierausscheidungen enthalten. Aktuelle Untersuchungen weisen darauf hin, dass es in seltenen Fällen auch zu einer Übertragung von Mensch zu Mensch kommen kann. Natürlich erworbene und Laborinfektionen kommen immer häufiger vor.

Die labormedizinische Diagnose einer Hanta-Virusinfektion wird durch serologische Untersuchungen und die Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT) gestellt. Die serologischen Untersuchungen bestehen aus einem enzymgekoppelten Immunosorbentassay (ELISA) und einer Bestätigung mittels Western-Blot oder Immunoblotassays. Die Virusanzucht ist technisch anspruchsvoll und erfordert ein Labor der biologischen Sicherheitsstufe 3 (BSL 3).

Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS)

(epidemische Nephrosonephritis ; Koreanisches hämorrhagisches Fieber ; Nephropathia epidemica)

Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) beginnt als influenzaähnliche Krankheit und kann zu Schock, Blutung und Nierenversagen fortschreiten. Die Diagnosestellung erfolgt mittels serologischer Untersuchungen und Polymerase-Kettenreaktion. Die Letalität beträgt 6–15%. Die Therapie erfolgt u. a. mit Ribavirin i.v.

Einige Formen der HFRS sind leicht (z. B. Nephropathia epidemica durch Puumala-Virus verursacht, die in Skandinavien, dem westlichen Teil der ehemaligen Sowjetunion und Europa auftritt). Andere sind schwerwiegend (z. B. durch das Hantaan-Virus, wie es in Korea, China und Russland vorkommt, oder durch das Dobrava-Virus, wie es auf dem Balkan vorkommt).

Die Infektion wird auf den Menschen durch Inhalation von Ausscheidungen von Nagetieren übertragen.

Symptome und Beschwerden

Die Inkubationszeit beträgt ca. 2 Wochen.

Bei leichten Formen verläuft die Infektion oft asymptomatisch.

Bei Auftreten von Symptomen von HFRS ist der Beginn plötzlich, mit hohem Fieber, Kopf-, Rücken - und Bauchschmerzen.

Eine relative Bradykardie ist vorhanden, und bei ca. der Hälfte der Patienten kommt es zu einer vorübergehenden leichten Hyptension, die bei einer Minderheit zusammen mit Schock auftritt. Nach dem 4. Tag entwickelt sich ein Nierenversagen.

Etwa 20% der Patienten weisen eine Lethargie auf. Bei 1% der Patienten kommt es zu Anfällen oder schweren fokal-neurologischen Symptomen. Der Hautausschlag verblasst wieder, Patienten entwickelt eine Polyurie und erholen sich über mehrere Wochen. Eine Proteinurie, Hämaturie und Pyurie können sich entwickeln. Nierenversagen kann auftreten.

Diagnose

  • Serologische Tests oder Polymerase-Kettenreaktion

Der Verdacht auf ein hämorrhagisches Fieber mit Nierensyndrom besteht bei Patienten mit möglicher Exposition, wenn diese Fieber, eine Blutungstendenz und Niereninsuffizienz aufweisen.

Dann werden Blutbild, Elektrolyte, Nierenfunktionsparameter, Gerinnungsparameter und Urinwerte bestimmt. Während des hypotensiven Stadiums steigt Hämatokrit an und es kommt zu einer Leukozytose und Thrombozytopenie. Eine Albuminurie, Hämaturie sowie Erythrozyten- und Leukozytenzylinder können vorkommen, meist zwischen dem 2. und dem 5. Tag. Während der diuretischen Phase kommt es häufig zu Elektrolytstörungen.

Die endgültige Diagnose eines HFRS beruht auf serologischen Tests oder Polymerase-Kettenreaktion.

Prognose

Während der diuretischen Phase kann es infolge von Volumenmangel, Elektrolytstörungen oder sekundären Infektionen zu Todesfällen kommen. Die Erholungsphase dauert meist 3–6 Wochen, kann aber auch bis zu 6 Monate erfordern.

Die Gesamtletalität beträgt 6–15%, nahezu alle Todesfälle kommen bei Patienten mit schweren Verläufen vor. Bleibende Nierenfunktionsstörungen sind selten, ausgenommen bei den schweren Formen, die in den Balkanländern auftreten.

Therapie

  • Ribavirin

  • Manchmal Dialyse

Die Behandlung von hämorrhagischem Fieber mit Nierensyndrom erfolgt mit Ribavirin i.v.: Anfangsdosis 33 mg/kg (maximal, 2,64 g), gefolgt von 16 mg/kg alle 6 h (maximal 1,28 g alle 6 h) für 4 Tage, dann 8 mg/kg alle 8 h (maximal, 0,64 g alle 8 h) für 3 Tage.

Insbesondere während der diuretischen Phase sind supportive Maßnahmen wichtig, ggf. inkl. Dialyse.

Hanta-Virus-bedingtes pulmonales Syndrom (HPS)

Das Hanta-Virus-bedingte pulmonale Syndrom kommt vor allem im Südwesten der USA vor sowie in Südamerika und in Panama. Es beginnt als influenzaähnliche Krankheit und verursacht innerhalb weniger Tage ein nichtkardiales Lungenödem. Die Diagnosestellung erfolgt mittels serologischer Untersuchungen und der Reverse-Transkriptase–Polymerase-Kettenreaktion. Die schwereren Formen haben eine Todesrate von bis zu 50%. Die Therapie ist unterstützend.

Die meisten Fälle von HPS werden verursacht durch

  • Die Sin Nombre (Four Corners Virus, Muerto Canyon Virus), Anden und Choclo Hantaviren.

Andere werden verursacht durch

  • Das Black-Creek-Kanal-Virus, das Muleshoe-Virus und das Bayou-Virus im Südosten der USA und Mexiko.

  • Die New-York-Virus an der Ostküste der USA

  • Das Convict-Creek-Virus und das Isla Vista-Virus an der Westküste Nordamerikas

  • Die Laguna Negra, das Anden-ähnliche Virus Hu39694, Lechiguanas, Oran, Zentral-Plata, Buenos Aires, Rio Mamore, Rio Mearim, Juquitiba, Juquitiba-ähnliches, Ape Aime Itapua, Araukarien, Jabora, Neembucu, Anajatuba, Castelo dos Sonhos, Maripo, und Bermejo Hantaviren in Südamerika

Die Infektion wird auf den Menschen durch Inhalation von Ausscheidungen von Nagetieren der Gattung Sigmodontinae (insbesondere von Hirschmäusen) übertragen. Die meisten Fälle kommen westlich des Mississippi im Frühling oder Sommer, insbesondere nach heftigem Regen, vor.

Symptome und Beschwerden

HPS beginnt als unspezifische influenzaähnliche Krankheit mit akutem Fieber, Kopfschmerzen und gastrointestinalen Beschwerden. 2–15 Tage später (median: 4 Tage) entwickeln Patienten rasch nichtkardiogene pulmonale Ödeme und Blutdruckabfall.

Mehrere Patienten weisen eine Kombination von HFRS und HPS auf. Leichte Fälle von HPS können auftreten.

Diagnose

  • Serologische Tests oder Polymerase-Kettenreaktion

Der Verdacht auf ein Hantavirus-Lungensyndrom besteht bei Patienten mit einer möglichen Exposition, wenn diese ein ansonsten nicht erklärbares klinisch oder radiologisch nachweisbares Lungenödem haben. Im Röntgenthoraxbild können verstärkte Gefäßzeichnungen, Kerley-B-Linien, bilaterale Infiltrate oder Pleuraergüsse sichtbar sein.

Bei Verdacht auf HPS sollte eine Echokardiographie durchgeführt werden, um ein kardiogenes Lungenödem auszuschließen.

Meist werden auch ein Blutbild, Leberparameter und Urinwerte bestimmt. HPS verursacht eine leichte neutrophile Leukozytose, Hämokonzentration und Thrombozytopenie. Eine moderate Erhöhung der LDH, AST und ALT, bei erniedrigtem Serumalbumin, ist charakteristisch. Die Urinanalyse zeigt nur minimale Auffälligkeiten.

Die Diagnosestellung des Hantavirus-Lungensyndroms erfolgt mittels serologischer Untersuchungen oder Reverse-Transkriptease–Polymerase-Kettenreaktion.

Prognose

Bei Patienten, die die ersten wenigen Tage überleben, zeigt sich rasch eine Besserung, und sie erholen sich innerhalb der nächsten 2–3 Wochen wieder vollständig, meist ohne Folgeerscheinungen. Die schwereren Formen von HPS weisen eine Todesrate von bis zu 50% auf.

Therapie

  • Supportive Behandlung

Die Behandlung des Hantavirus-Lungensyndroms ist unterstützend. Es können eine mechanische Beatmung, exakte Volumenersatztherapie und der Einsatz vasopressorischer Substanzen erforderlich werden. Bei einer schweren kardiopulmonalen Insuffizienz kann eine extrakorporale mechanische Oxygenierung (ECMO) lebensrettend sein.

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