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Orales Plattenepithelkarzinom

Von

Bradley A. Schiff

, MD, Montefiore Medical Center, The University Hospital of Albert Einstein College of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Apr 2018
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Quellen zum Thema

Mundkrebs bezeichnet Krebs, der zwischen der Rotgrenze der Lippen und dem Verbindungspunkt zwischen hartem und weichem Gaumen oder dem hinteren Drittel der Zunge auftritt. Über 95% der Menschen mit oralen Plattenepithelkarzinomen rauchen Tabak, trinken Alkohol oder beides. Läsionen im Frühstadium, die noch heilbar wären, verursachen selten Beschwerden; daher sind zur Prävention und Früherkennung dieser tödlichen Krebserkrankung Vorsorgeuntersuchungen (Screenings) erforderlich. Die Behandlung erfolgt mit Chirurgie, Strahlentherapie oder beidem, obwohl Operationen bei der Behandlung der meisten Mundhöhlentumoren eine größere Rolle spielen. Die allgemeine 5-Jahres-Überlebensrate (alle Lokalisationen und Stadien kombiniert) beträgt > 50%.

Etwa 34.000 Menschen in den USA erkranken jährlich an einem Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle. In den USA treten orale Plattenepithelkarzinome meist erst nach dem 50. Lebensjahr auf. Bei Männern stellen sie einen Anteil von 3%, bei Frauen einen Anteil von 2% aller Krebserkrankungen dar. Wie bei den meisten Kopf- und Halslokalisationen ist das Plattenepithelkarzinom der häufigste Mundkrebs.

Hauptrisikofaktoren für ein orales Plattenepithelkarzinomen sind

  • Rauchen (besonders > 2 Packungen/Tag)

  • Alkoholkonsum

Das Risiko nimmt deutlich zu, wenn der tägliche Alkoholkonsum die Grenzwerte von 170 g für Spirituosen, 425 g für Wein bzw. 1020 g für Bier überschreitet. Durch starkes Rauchen in Verbindung mit Alkoholmissbrauch erhöht sich das Risiko bei Frauen um schätzungsweise das 100-Fache und bei Männern um das 38-Fache.

Ein Plattenepithelkarzinom der Zunge kann auch durch eine chronische Entzündung wie Karies, die exzessive Nutzung von Mundwasser, Kautabak oder die Verwendung von Betelpfriemen hervorgerufen werden. Orales humanes Papillomavirus (HPV), das typischerweise über den oralen Genitalkontakt erworben wird, kann eine Rolle in der Ätiologie einiger oraler Krebsarten spielen; HPV wird jedoch bei Mundkrebs viel seltener identifiziert als bei oropharyngealem Krebs.

Rund 40% der intraoralen Plattenepithelkarzinome gehen vom Mundboden oder der Zunge (Seitenränder bzw. Unterseite) aus. Etwa 38% aller Plattenepithelkarzinome entwickeln sich an der Unterlippe. Dabei handelt es sich in der Regel um einen durch Sonnenlichtexposition hervorgerufenen Tumor der äußeren Hautoberfläche.

Symptome und Beschwerden

Die oralen Läsionen sind zunächst asymptomatisch, was ein Schlaglicht auf die Notwendigkeit des oralen Screenings wirft. Die meisten Zahnärzte prüfen während der routinemäßigen Untersuchung sorgfältig Mundhöhle und Oropharynx und können durch Bürsten eine Biopsie auffälliger Areale gewinnen. Die Läsionen können sich in Erythroplakie- oder Leukoplakieherden befinden und exophytisch oder ulzerierend wachsen. Bei Tumoren bilden sich häufig feste Indurationen mit gerolltem Rand. Wenn sich die Läsionen vergrößern, können Schmerzen, Dysarthrie und Schluckbeschwerden auftreten.

Manifestationen des Oralen Plattenepithelkarzinom

Diagnose

  • Biopsie

  • Endoskopie zur Detektion eines zweiten Primärtumors

  • Röntgenthorax und CT von Kopf und Hals

Alle verdächtigen Bereiche sollten biopsiert werden. Je nach Präferenz des Chirurgen kann eine Inzisions- oder Bürstenbiopsie durchgeführt werden. Zum Ausschluss eines zweiten Primärtumors werden bei allen Patienten mit Mundhöhlenkrebs eine direkte Laryngoskopie und Ösophagoskopie durchgeführt. Eine CT von Kopf und Hals wird in der Regel durchgeführt sowie auch ein Röntgenthorax. Wie jedoch bei den meisten Lokalisationen in Kopf und Hals spielt PET/CT eine immer größere Rolle bei der Evaluation von Patienten mit Mundhöhlenkrebs.

Tabelle
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Stadieneinteilung von Kopf- und Halstumoren

Stadium

Tumor (maximale Penetration)*

Regionale Lymphknotenmetastasen

Fernmetastasen

1

T1

N0

M0

II

T2

N0

M0

III

T3 oder

N0

M0

T1–3

N1

M0

IVA

T1–3

N2

M0

T4a

N0–2

M0

IVB

T4b

jedes N

M0

jedes T

N3

M0

IVC

jedes T

jedes N

M1

TNM-Klassifikation: T1 = Tumor 2 cm in größter Ausdehnung; T2 = 2–4 cm in größter Ausdehnung bzw. Befall von 2 Arealen spezifischer Lokalisation; T3 = Tumor > 4 cm in größter Ausdehnung bzw. Befall von 3 Arealen spezifischer Lokalisation; T4 = Invasion spezifischer Strukturen (4a ist eine moderat fortgeschrittene lokale Erkrankung und 4b is eine stark fortgeschrittene lokale Erkrankung).

N0 = kein Lymphknotenbefall (LK); N1 = 1 LK 3 cm; N2 = LK von 3–6 cm oder mehrere Knoten; N3 = LK > 6 cm.

M0 = keine; M1 = vorhanden.

Prognose

Auf die Zunge begrenzte Karzinome (ohne Lymphknotenbeteiligung) haben eine 5-Jahres-Überlebensrate von > 75%. Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt bei lokal begrenzten Mundbodenkarzinomen 75%, bei Lymphknotenmetastasen sinkt die Überlebensrate auf etwa die Hälfte. Die Metastasierung erfolgt zuerst in regionale Lymphknoten und später in die Lunge.

Unterlippenkarzinome metastasieren nur selten, sodass die 5-Jahres-Überlebensrate bei 90% liegt. Oberlippenkarzinome wachsen aggressiver und metastasieren auch eher.

Therapie

  • Chirurgie, mit der postoperativer Bestrahlung oder Radiochemotherapie nach Bedarf

Für die meisten Krebserkrankungen der Mundhöhle, ist eine Operation die erste Behandlung der Wahl. Strahlung oder Radiochemotherapie wird postoperativ durchgeführt, wenn die Krankheit weiter fortgeschritten ist oder hohe Risikoeigenschaften besitzt. (Siehe auch die Zusammenfassung des National Cancer Institute Lip and Oral Cavity Cancer Treatment.)

Eine selektive Halsdissektion ist indiziert, wenn das Risiko von Lymphknotenmetastasen mehr als 15–20% beträgt. Obwohl kein wirklicher Konsens darüber besteht, werden Halsdissektionen in der Regel für Läsionen (größte Ausdehnung 2 bis 4 cm) im Stadium T2 und die meisten T1-Läsionen mit einer Invasionstiefe von etwa ≥ 4 mm durchgeführt.

Eine routinemäßige chirurgische Rekonstruktion ist der Schlüssel zur Verringerung postoperativer oraler Behinderungen; die Verfahren reichen von lokalen Gewebelappen bis zur Übertragung freien Gewebes. Eine Therapie der Sprach- und Schluckstörungen kann nach bedeutenden Resektionen erforderlich sein.

Die Strahlentherapie stellt eine alternative Behandlung dar. Eine Chemotherapie wird nicht routinemäßig als Primärtherapie verwendet, wird aber als adjuvante Therapie zusammen mit einer Strahlenbehandlung bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung empfohlen.

Die Behandlung von Plattenepithelkarzinomen der Lippe besteht in der chirurgischen Exzision mit Rekonstruktion, um die postoperative Funktion zu maximieren. Großflächige prämaligne Lippenveränderungen können chirurgisch abgeschält oder die befallene Schleimhaut vollständig mit dem Laser abgetragen werden. Mohs-Chirurgie kann verwendet werden. Danach empfiehlt es sich, Cremes mit Lichtschutzfaktor aufzutragen.

Wichtige Punkte

  • Die Hauptrisikofaktoren für Plattenepithelkarzinomen sind schweres Rauchen und Alkoholkonsum.

  • Mundkrebs ist anfänglich manchmal asymptomatisch, sodass ein orales Screening (in der Regel durch Zahnärzte und Zahntechniker) zur Früherkennung nützlich ist.

  • Zum Ausschluss eines zweiten Primärtumors werden eine direkte Laryngoskopie und Ösophagoskopie durchgeführt.

  • Sobald der Krebs bestätigt ist, werden eine CT von Kopf und Hals und ein Röntgenthorax oder eine PET/CT durchgeführt.

  • Die anfängliche Behandlung erfolgt in der Regel chirurgisch.

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