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Übersicht über Vaginitis

Von

Oluwatosin Goje

, MD, MSCR, Cleveland Clinic, Lerner College of Medicine of Case Western Reserve University

Inhalt zuletzt geändert Mai 2018
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Quellen zum Thema

Vaginitis (Kolpitis) ist eine infektionsbedingte oder nichtinfektionsbedingte Entzündung der Vaginalmukosa, manchmal ist auch die Vulva beteiligt. Die Symptome umfassen vaginalen Ausfluss, Reizung, Juckreiz und Rötung. Die Diagnose wird durch Prüfung des Vaginalsekrets gestellt. Die Behandlung ist auf die Ursache und Schwere der Symptome ausgerichtet.

Ätiologie

Die häufigsten Ursachen sind je nach Alter der Patientin verschieden. Vulvitis und Vulvovaginitis haben einige der gleichen Ursachen.

Kinder

Bei Kindern wird eine Vaginitis gewöhnlich durch die Flora des Magen-Darm-Traktes verursacht (unspezifische Vulvovaginitis). Ein Faktor, der bei Mädchen im Alter von 2–6 Jahren oft dazu beiträgt, ist mangelhafte perineale Hygiene (z. B. Säubern von hinten nach vorn und Verzicht auf das Händewaschen nach dem Stuhlgang; Berührung mit den Fingern, insbesondere bei Juckreiz).

Auch chemische Zusätze in Schaumbädern oder Seifen können eine Entzündung verursachen.

Fremdkörper (z. B. Toilettenpapier) können eine unspezifische Vaginitis mit blutigem Ausfluss hervorrufen.

Manchmal ist eine Vulvovaginitis bei Kindern auf eine Infektion mit einem spezifischen Erreger (z. B. Streptokokken, Staphylokokken, Candida sp., seltener Oxyuren) zurückzuführen.

Frauen im gebärfähigen Alter

Bei diesen Frauen ist eine Vaginitis gewöhnlich durch eine Infektion bedingt. Am häufigsten sind

Lactobacillus sp. ist die vorherrschende Keimart der normalen Vaginalflora bei Frauen im gebärfähigen Alter. Die Besiedelung mit diesem Bakterium hält den pH-Wert der Vagina im Normbereich (pH 3,8–4,2) und verhindert damit ein Überwuchern von pathogenen Bakterien. Darüber hinaus sorgen hohe Östrogenkonzentrationen für eine ausreichend dicke Vaginalhaut, wodurch die lokale Abwehr gestärkt wird.

Faktoren, die zu einer Überwucherung durch pathogene Bakterien in der Vagina beitragen, sind:

  • Ein alkalischer vaginaler pH-Wert, verursacht durch Menstruationsblut, Sperma oder zu wenige Laktobazillen

  • Mangelhafte Hygiene

  • Häufige Scheidenspülungen

Eine Vaginitis kann auch durch Fremdkörper (z. B. einen vergessenen Tampon) entstehen. Eine nichtinfektiöse entzündliche Vaginitis kommt selten vor.

Frauen nach der Menopause

Gewöhnlich führt die starke Östrogenabnahme dazu, dass die Vaginalhaut dünner wird; dadurch steigt die Anfälligkeit für Infektionen und Entzündungen. Darüber hinaus können bestimmte Behandlungsmodalitäten (z. B. Oophorektomie, Beckenbestrahlung, einige Chemotherapeutika) ebenfalls einen Östrogenverlust nach sich ziehen. Vermindertes Östrogen begünstigt die Entwicklung einer entzündlichen (insbesondere atrophischen) Kolpitis.

Mangelhafte Hygiene (z. B. bei inkontinenten oder bettlägerigen Patientinnen) kann aufgrund einer chemischen Reizung durch Urin oder Kot oder einer unspezifischen Infektion zu einer chronischen Entzündung der Vulva führen.

Bakterielle Vaginose, Candida-Vaginitis und Trichomonaden-Vaginitis kommen in der Postmenopause selten vor, dann aber am ehesten bei Frauen mit Risikofaktoren.

Frauen jeden Alters

In jedem Alter, Bedingungen, die zu vaginalen oder Vulva-Infektion prädisponieren

  • Fisteln zwischen Darm und Genitaltrakt, die der Darmflora ermöglichen, den Genitaltrakt zu bediedeln

  • Becken-Strahlung oder Tumoren, die das Gewebe durchbrechen und somit die normale Wirtsabwehr gefährden.

Nichtinfektiöse Vulvitis ist für bis zu 30% der Vulvovaginitis-Fälle verantwortlich. Sie kann aufgrund einer Überempfindlichkeits- oder Reizreaktion auf Hygienesprays oder Parfüms, Damenbinden, Waschmittel, optische Aufheller, Weichspüler, Stofffarben, synthetische Fasern, Badewasserzusätze, Toilettenpapier oder gelegentlich auch auf Spermizide, vaginale Gleitmittel oder Cremes, Latexkondome, vaginale Ringkontrazeptiva oder Diaphragmen entstehen.

Symptome und Beschwerden

Eine Vaginitis führt zu einem vaginalen Fluor, der sich vom normalen Ausfluss unterscheidet. Bei Kindern tritt der normale Ausfluss gewöhnlich bei hohen Östrogenkonzentrationen auf – z. B. während der ersten beiden Lebenswochen, weil vor der Geburt Östrogen von der Mutter auf das Kind übergeht (leichte Blutungen können beim plötzlichen Abfall der Östrogenspiegel stattfinden), und in den Monaten vor der Menarche, wenn die Östrogenproduktion zunimmt.

Der normale vaginale Ausfluss ist gewöhnlich milchig-weiß oder klar, geruchlos und nicht irritierend; er kann eine Feuchtigkeit der Vagina verursachen, die stark genug ist, die Unterwäsche zu nässen.

Ausfluss aufgrund einer Vaginitis wird von Pruritus, Erythem, manchmal Brennen, Schmerzen oder leichter Blutung begleitet. Pruritus kann den Schlaf stören. Dysurie und Dyspareunie sind möglich. Bei der atrophischen Vaginitis ist der Ausfluss spärlich, Dyspareunie ist häufig, und die Vaginalhaut erscheint dünn und trocken. Obwohl die Symptome bei den jeweiligen Vaginitistypen variieren können, gibt es große Überschneidungen (siehe Tabelle: Häufige Vaginitisarten).

Tabelle
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Häufige Vaginitisarten

Erkrankung

Typische Symptome und Befunde

Diagnosekriterien

Mikroskopische Befunde

Differenzialdiagnose

Bakterielle Vaginose

Grauer dünnflüssiger Ausfluss mit Fischgeruch; keine Dyspareunie

Gelegentlich Pruritus und Irritation

Drei der folgenden:

  • Grauer Ausfluss

  • pH > 4,5

  • Fischgeruch

  • Schlüsselzellen (engl. clue cells)

Schlüsselzellen (engl. clue cells), Verminderung der Bazillen, Vermehrung der Kokkobazillen

Trichomonaden-Vaginitis

Candida-Vaginitis

Dickflüssiger, weißer Ausfluss, vaginaler und manchmal vulvärer Pruritus mit oder ohne Brennen, Hautreizung oder Dyspareunie

Typischer Ausfluss, pH < 4,5 und mikroskopischer Befund*

Hefeknospen, Pseudohyphen oder Myzelien; am besten mit 10%iger Kaliumhydroxidlösung zu sehen

Kontaktreizung oder allergische Vulvitis

Chemische Reizung

Vulvodynie

Trichomonaden-Vaginitis

Reichlicher, übelriechender, gelb-grüner Ausfluss, Dysurie, Dyspareunie, Rötung

Mikroskopische Identifikation* des Erregers (ggf. durch Kultur)

Bewegliche Geißelprotozoen, vermehrte Granulozyten

Bakterielle Vaginose

Entzündliche Vaginitis

Entzündliche Vaginitis

Eitriger Ausfluss, Trockenheit und Dünnwerden der Scheidenhaut, Dyspareunie, Dysurie; meistens bei Frauen in der Postmenopause

pH > 6, negative Geruchsprobe und charakteristische mikroskopische Befunde

Vermehrte Granulozyten, Parabasalzellen und Kokken, erniedrigte Bazillen

Erosiver Lichen planus

* Kultur ist erforderlich, wenn die mikroskopischen Befunde negativ sind oder die Symptome andauern.

Eine Vulvitis kann Rötung, Pruritus und manchmal Druckempfindlichkeit und Ausfluss an der Vulva verursachen.

Diagnose

  • Klinische Untersuchung

  • Vaginaler pH-Wert sowie NaCl- und KOH-Nativpräparat

Eine Vaginitis wird anhand klinischer Kriterien und Laboruntersuchungen in der Sprechstunde diagnostiziert. Zuerst wird eine Probe des Vaginalsekrets mit Hilfe eines mit Wasser benetzten Spekulums entnommen; die Messung des pH-Werts erfolgt mit Indikatorpapier, das die Bestimmung in 0,2-Intervallen zwischen 4,0 und 6,0 erlaubt. Die Sekretproben werden mittels Watteträger auf 2 Objektträger aufgebracht. Anschließend wird die erste Probe mit 0,9%iger Natriumchlorid-Lösung (NaCl-Nativpräparat) und die zweite mit 10%iger Kaliumhydroxidlösung (KOH-Nativpräparat) verdünnt. Das KOH-Präparat wird auf Amine untersucht, die einen ausgeprägten Fischgeruch verursachen und bei Trichomonaden-Vaginitis oder bakterieller Vaginose produziert werden (Geruchsprobe). Das NaCl-Nativpräparat wird unter dem Mikroskop unverzüglich auf Trichomonaden untersucht, da diese innerhalb von Minuten auf dem Objektträger unbeweglich werden und dadurch schwer erkennbar sein können. Kaliumhydroxid löst alle Zellen außer Pilzfäden auf und erleichtert somit deren Identifikation.

Wenn die klinischen Kriterien und die Tests nicht eindeutig ausfallen, kann man eine Pilz- oder Trichomonadenkultur aus dem Ausfluss anlegen.

Andere Gründe für den Ausfluss müssen ausgeschlossen werden:

  • Ein Fremdkörper: Bei Kindern mit vaginalem Ausfluss muss man an einen vaginalen Fremdkörper denken.

  • Zervizitis: Zervikaler Ausfluss aufgrund einer Zervizitis kann dem einer Vaginitis ähneln.

  • Entzündliche Erkrankungen des Beckens: Abdominalschmerzen, zervikaler Bewegungsschmerz oder zervikale Entzündung deuten auf eine Adnexitis (PID) hin.

  • Krebs: in Ausfluss, der wässrig, blutig oder beides ist, kann bei einem Vulva-, Vaginal- oder Zervixkarzinom auftreten; Malignome können von einer Vaginitis durch Inspektion und Papanicolaou (Pap) Tests differenziert werden.

  • Hauterkrankungen: Vaginaler Juckreiz und Ausfluss können durch Hauterkrankungen (z.B. Psoriasis, Tinea versicolor) verursacht werden, die sich in der Regel nach Vorgeschichte und Hautbefund unterscheiden lassen.

Bei Kindern mit Trichomonaden-Vaginitis muss nach Anzeichen von sexuellem Missbrauch gesucht werden. Haben sie Ausfluss unklaren Ursprungs, sollte man an die Möglichkeit einer Zervizitis denken, die durch eine sexuell übertragene Infektion verursacht sein kann. Bei Frauen mit bakterieller Vaginose oder Trichomonaden-Vaginitis (die das Risiko für sexuell übertragene Krankheiten erhöhen) wird der zervikale Fluor auf Neisseria gonorrhoeae und Chlamydia trachomatis als häufige Erreger der sexuell übertragenen PID untersucht.

Behandlung

  • Hygieniemaßnahmen

  • Symptomatische Behandlung

  • Behandlung der zugrunde liegenden Ursache

Die Vulva sollte so sauber wie möglich gehalten werden. Seifen und unnötige, lokal aufgetragene Präparate (z. B. Hygienesprays) sollten vermieden werden. Die intermittierende Anwendung von Eisbeuteln oder warmen Sitzbädern mit oder ohne Zusatz von Natron kann Hautreizungen und Pruritus lindern.

Bei Symptomen, die mäßig bis stark ausgeprägt sind oder auf andere Maßnahmen nicht ansprechen, können Medikamente erforderlich sein. Bei Pruritus aufgrund nicht-infektiöser Bedingungen kann man ein Kortikosteroidpräparat (z. B. topisches 1%iges Hydrokortison, 2-mal/Tag nach Bedarf) auf die Vulva, jedoch nicht auf die Vaginalhaut applizieren. Orale Antihistaminika setzen den Juckreiz herab und machen müde, sodass die Patientin besser schlafen kann.

Infektionen und andere Ursachen müssen behandelt und Fremdkörper entfernt werden.

Mädchen vor der Pubertät sollte man die Grundlagen einer guten perinealen Hygiene beibringen (z. B. sich nach dem Stuhlgang und dem Wasserlassen von vorn nach hinten zu säubern, die Hände zu waschen, Berühren des Damms zu vermeiden). Bei chronischer Vulvitis aufgrund von Bettlägerigkeit oder Inkontinenz kann eine bessere Vulvahygiene hilfreich sein.

Wichtige Punkte

  • Häufige altersbedingte Gründe für eine Vaginitis sind nichtspezifische (oft hygieneabhängig) Vaginitis und chemische Reizung bei Kindern, bakterielle Vaginose sowie Candida- und Trichomonaden-Vaginitis bei Frauen im gebärfähigen Alter und atrophische Vaginitis bei postmenopausalen Frauen.

  • Vaginitis wird hauptsächlich aufgrund der klinischen Symptomatik, des vaginalen pH-Werts sowie durch NaCl- und KOH-Nativpräparate diagnostiziert.

  • Infektionen und andere spezifische Ursachen sowie Symptome werden behandelt; Möglichkeiten zur Verbesserung der Hygiene werden gegebenenfalls mit der Patientin besprochen.

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