Es gibt eine Reihe verschiedener kongenitaler oder erworbener Syndrome, die sich auf Veränderungen von Blutgefäßen in der Mukosa oder Submukosa des Gastrointestinaltrakts beziehen. Diese Gefäße können rezidivierende Blutungen verursachen, die jedoch selten massiv sind. Die Diagnose erfolgt endoskopisch und nur in Einzelfällen angiographisch. Die Behandlung erfolgt in der Regel durch endoskopische Blutstillung, gelegentlich durch angiographische Embolisation oder chirurgische Resektion.
Gefäßektasien (Angiodysplasien, arteriovenöse Fehlbildungen) sind erweiterte, verschlungene Gefäße, die sich typischerweise im Zäkum und im Colon ascendens entwickeln. Sie treten hauptsächlich bei Personen ab > 60 Jahren auf und sind in dieser Altersgruppe die häufigste Ursache für Blutungen im unteren Gastrointestinaltrakt (1). Sie werden ursächlich als degenerative Veränderungen betrachtet und treten nicht in Verbindung mit anderen Gefäßanomalien auf. Die meisten Patienten haben 2 oder 3 Läsionen, die typischerweise 0,5–1,0 cm große, leuchtend rote, flache oder gering erhabene Veränderungen darstellen und von einer dünnen Epithelschicht bedeckt sind.
Gefäßerweiterungen treten auch in Verbindung mit einer Reihe von systemischen Krankheiten (z. B. Nierenversagen, Aortenstenose, Zirrhose, CREST-Syndrom [Calcinosis cutis, Raynaud-Phänomen, ösophageale Dysmotilität, Sklerodaktylie, Teleangiektasien) und nach Bestrahlung des Darms auf.
Dieses Foto zeigt eine vaskuläre Ektasie in der Darmwand.
Gefäßerweiterungen im Magenantrum (sog. Wassermelonenmagen oder GAVE-Syndrom) bestehen aus großen dilatierten Venen, die linear im Magen verlaufen und das Bild einer Wassermelone ergeben. Die Erkrankung tritt vor allem bei älteren Erwachsenen auf und ihre Ursache ist unbekannt, obwohl sie in engem Zusammenhang mit Leberzirrhose steht (2, 3).
Gastrische antrale vaskuläre Ektasien (GAVE) sind große, dilatierte Venen, die linear entlang des Magens in einem Muster verlaufen, das an eine Wassermelone erinnert.
Die hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie (Rendu-Osler-Weber-Syndrom) ist eine autosomal-dominant vererbte Krankheit, die durch multiple Gefäßläsionen in verschiedenen Körperregionen, inkl. des gesamten GIT, geprägt ist. GI-Blutungen treten nur selten vor dem 50. Lebensjahr auf (4).
Die Dieulafoy-Läsion ist eine ungewöhnlich große Arterie, die die Darmwand durchbricht, manchmal durch die Mukosa erodiert und massive Blutungen verursacht; sie tritt v. a. im proximalen Magen auf.
Die Dieulafoy-Läsion ist eine große Arterie, die die Magenwand durchdringt. Sie ist von Bedeutung, da sie durch die Schleimhaut erodieren und massive Blutungen verursachen kann.
Arteriovenöse Fehlbildungen und Hämangiome, beides angeborene Krankheiten der Blutgefäße, können im GIT auftreten, sind aber selten.
Literatur
1. Bermont A, Abu-Freha N, Cohen DL, Abu-Kaf H, Abu Juma A, Abu Galion F, Aminov R, Shirin H. Epidemiology and risk factors for angiodysplasias of the upper and lower gastrointestinal tract: A large population-based study. Dig Liver Dis. 2025 Jan;57(1):220-224. doi: 10.1016/j.dld.2024.07.037
2. Thomas A, Koch D, Marsteller W, Lewin D, Reuben A. An Analysis of the Clinical, Laboratory, and Histological Features of Striped, Punctate, and Nodular Gastric Antral Vascular Ectasia. Dig Dis Sci. 2018 Apr;63(4):966-973. doi: 10.1007/s10620-018-4965-z
3. Selinger CP, Ang YS. Gastric antral vascular ectasia (GAVE): an update on clinical presentation, pathophysiology and treatment. Digestion. 2008;77(2):131-7. doi: 10.1159/000124339
4. McDonald J, Stevenson DA. Hereditary Hemorrhagic Telangiectasia. 2000 Jun 26 [updated 2021 Nov 24]. In: Adam MP, Feldman J, Mirzaa GM, Pagon RA, Wallace SE, Amemiya A, editors. GeneReviews® [Internet]. Seattle (WA): University of Washington, Seattle; 1993–2025.
Symptome und Beschwerden von vaskulären GI-Läsionen
Gefäßläsionen sind schmerzlos.
Die Patienten machen häufig nur durch Häm-positiven Stuhl oder geringe Mengen von frischem rotem Blut aus dem Rektum auf sich aufmerksam. Die Blutungen treten oft intermittierend auf, zum Teil mit langen blutungsfreien Intervallen. Patienten mit Blutungen des oberen GIT können sich mit Meläna vorstellen.
Größere Blutungen sind ungewöhnlich, außer bei Patienten, die Blutungen infolge einer Dieulafoy-Läsion haben.
Diagnose von vaskulären GI-Läsionen
Endoskopie
Gefäßläsionen werden meist endoskopisch diagnostiziert.
Wenn die Routineendoskopie nicht zur Diagnose führt, können eine Dünndarmendoskopie, eine Kapselendoskopie, eine intraoperative Endoskopie oder viszerale Angiographie erforderlich werden.
Mit Technetium-99m markierte Untersuchungen der Erythrozyten sind weniger spezifisch, können aber helfen, die Läsion so weit zu lokalisieren, dass eine Endoskopie oder Angiografie möglich ist.
Behandlung von vaskulären GI-Läsionen
Endoskopische Koagulation
Eine endoskopische Koagulation (mit Hitzesonden, Laser, Argon-Beamer oder bipolarer Elektrokoagulation) ist bei zahlreichen vaskulären Läsionen wirkungsvoll. Gefäßektasien werden mit endoskopischer Koagulation behandelt, wenn sie als Ursache der Blutung angesehen werden. Endoskopische Clips können bei einigen Läsionen angewendet werden. Vaskuläre Läsionen treten häufig wieder auf, obwohl es einige Evidenz gibt, dass Somatostatinanaloga wie Octreotid die Notwendigkeit von Transfusionen und endoskopischen Eingriffen verringern können (1, 2).
Das Risiko einer erneuten Blutung nach einem endoskopischen Eingriff bei vaskulären Läsionen wird auf etwa ein Drittel der Patienten geschätzt (1). Schwächere Rezidivblutungen können einfach mittels Eisensubstitutionstherapie behandelt werden.
Ausgeprägtere Blutungen, die sich mit endoskopischen Maßnahmen nicht erfolgreich behandeln lassen, können eine angiographische Embolisation oder eine chirurgische Resektion erforderlich machen. Das Risiko einer Rezidivblutung ist geringer als nach einer endoskopischen Intervention (3).
Literatur zur Behandlung
1. Sengupta N, Feuerstein JD, Jairath V, et al. Management of Patients With Acute Lower Gastrointestinal Bleeding: An Updated ACG Guideline. Am J Gastroenterol. 2023;118(2):208-231. doi:10.14309/ajg.0000000000002130.
2. Becq A, Sidhu R, Goltstein LCMJ, Dray X. Recent advances in the treatment of refractory gastrointestinal angiodysplasia. United European Gastroenterol J. 2024;12(8):1128-1135. doi:10.1002/ueg2.12648
3. Omori J, Kaise M, Nagata N, Aoki T, et al. Characteristics, outcomes, and risk factors of surgery for acute lower gastrointestinal bleeding: nationwide cohort study of 10,342 hematochezia cases. J Gastroenterol. 2024 Jan;59(1):24-33. doi: 10.1007/s00535-023-02057-9.
Wichtige Punkte
Eine Vielzahl von hereditären und erworbenen Gefäßanomalien kann leichte bis mäßige GI-Blutungen (meist niedriger) hervorrufen.
Bevorzugte Behandlung ist Endoskopie mit Koagulation von Läsionen.



