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Läuse

(Pedikulose)

Von

James G. H. Dinulos

, MD, Geisel School of Medicine at Dartmouth

Inhalt zuletzt geändert Sep 2018
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Quellen zum Thema

Läuse können die Kopfhaut, den Körper, die Schambehaarung und die Wimpern befallen. Kopfläuse werden durch engen Kontakt übertragen, Kleiderläuse unter beengten, überfüllten Bedingungen und Filzläuse durch sexuellen Kontakt. Symptome, Befunde, Diagnostik und Behandlung hängen von der Lokalisation des Befalls ab.

Läuse sind flügellose, blutsaugende Insekten, die den Kopf (Pediculus humanus var. capitis), den Körper (P. humanus var. corporis) oder die Schambehaarung (Phthirus pubis) befallen. Diese 3 Läusearten unterscheiden sich deutlich bezüglich Morphologie und klinischem Krankheitsbild ( Ein näherer Blick auf Läuse.). Kopf- und Filzläuse leben direkt auf dem Wirt; Kleiderläuse leben in der Kleidung. Alle Formen treten weltweit auf.

Kopfläuse

Ein näherer Blick auf Läuse.

Ein näherer Blick auf Läuse.

Kopfläuse befallen meistens Mädchen zwischen 5–11 Jahren, können aber grundsätzlich beinahe jeden befallen. Bei dunkelhäutigen Menschen sind sie weniger häufig. Kopfläuse werden bei engem Kontakt leicht von Mensch zu Mensch übertragen (z. B. in Haushalten und Klassenräumen) und können vom Haar durch elektrostatische Entladungen oder Wind fortgetragen werden. Eine Übertragung auf diesem Wege (oder durch gemeinsames Benutzen von Kämmen, Bürsten und Hüten) erscheint plausibel, ist jedoch nicht erwiesen. Es besteht kein Zusammenhang zwischen Kopflausbefall und schlechter Hygiene oder niedrigem sozioökonomischen Status.

Der Befall betrifft typischerweise Haar und Kopfhaut, kann aber auch andere beharrte Bereiche umfassen. An einer aktiven Infektion sind meist 20 Läuse beteiligt und es besteht ein starker Juckreiz. Das Untersuchungsergebnis ist meist unauffällig, abgesehen von gelegentlichen Kopfhautexkoriationen und Adenopathie der posterioren Halslymphknoten.

Die Diagnose wird durch den Nachweis lebender Läuse gestellt. Läuse werden nachgewiesen, indem das nasse Haar sorgfältig von der Kopfhaut an mit einem feinzinkigen Kamm (Kammborsten sind etwa 0,2 mm auseinander) durchgekämmt wird. Meist finden sich die Läuse am Hinterkopf oder hinter den Ohren. Nissen werden häufiger gesehen und sind ovale, grauweiße Eier, die an der Basis der Haarschäfte befestigt sind. Jede erwachsene weibliche Laus legt 3–5 Eier täglich, sodass normalerweise weitaus mehr Nissen als Läuse vorhanden sind, die deswegen auch nicht als Maß für die Infestationsschwere herangezogen werden dürfen.

Die Behandlung ist in der Tabelle Behandlungsmöglichkeiten für Läuse zusammengestellt. Substanzresistenz ist verbreitet und sollte mit oralem Ivermectin sowie mit häufig wechselnden Pedikuloziden geregelt werden. (Anmerkung der Redaktion: Cave! Ivermectin ist in Deutschland nicht im humanmedizinischen Bereich zugelassen!) Nach dem Auftragen eines topischen Pedikulizids werden die Nissen entfernt, indem ein feiner Kamm auf nassem Haar (Nasskämmen) eingesetzt wird. Die Abtötung lebender (lebensfähiger) Nissen ist von besonderer Bedeutung zur Prävention eines erneuten Befalls. Lebende Nissen fluoreszieren unter der Woodlicht-Lampe. Die meisten Pedikulozide töten auch Nissen ab. Abgestorbene Nissen bleiben nach erfolgreicher Behandlung zurück und sind kein Hinweis auf eine aktive Infektion; sie müssen nicht entfernt werden. Nissen wachsen mit der Zeit von der Kopfhaut weg. Sofern weniger als 0,5 cm von der Kopfhaut entfernt keine Nissen vorhanden sind, kann eine aktive Infektion ausgeschlossen werden. Es konnte gezeigt werden, dass Heißluft > 88% der Nissen tötet, jedoch unterschiedlich effektiv bei der Tötung geschlüpfter Läuse war. Dreißig Minuten Heißluft, etwas kühler als bei einem Haartrockner, kann eine wirksame Zusatzmaßnahme zur Behandlung von Kopfläusen sein.

Unterschiedlich beurteilt wird, ob die persönlichen Gegenstände von Menschen mit Läusen oder Nissen gereinigt werden müssen und ob Kinder mit Kopfläusen oder Nissen von der Schule ferngehalten werden müssen. Keiner dieser Ansätze wird durch die derzeitige Datenlage gestützt. Allerdings empfehlen einige Experten ein Ersetzen persönlicher Gegenstände oder eine gründliche Reinigung, die durch ein Trocknen bei 55° C für 30 min gefolgt wird. Gegenstände, die nicht gewaschen werden können, können für 2 Wochen in einer luftdichten Plastiktüte aufbewahrt werden, um die Läuse abzutöten, die nur etwa 10 Tage leben.

Kleiderläuse

Kleiderläuse leben v. a. auf Bettwäsche und Kleidung, nicht auf dem Menschen, und treten am häufigsten unter beengten, überfüllten Verhältnissen auf (z. B. Militärbaracken) sowie bei Menschen mit niedrigem sozioökonomischen Status. Die Übertragung erfolgt durch das gemeinsame Benutzen kontaminierter Kleidungsstücke und Bettwäsche. Kleiderläuse sind die wichtigsten Überträger von epidemischem Typhus, Fünftagefieber und Rückfallfieber.

Kleiderläuse verursachen Juckreiz und führen durch ihre Bisse zu kleinen, roten Pünktchen, die meist gemeinsam mit länglichen Kratzmarken, Urtikaria oder einer oberflächlichen bakteriellen Infektion auftreten. Besonders häufig finden sich diese Befunde auf Schultern, Gesäß und Bauch. An der Körperbehaarung finden sich gelegentlich auch Nissen.

Die Diagnose wird durch Nachweis der Läuse und Nissen in Kleidungsstücken, v. a. an den Nähten, gestellt.

Die primären therapeutischen Maßnahmen sind die gründliche Reinigung (z. B. Reinigung, die durch ein Trocknen bei 65° C gefolgt wird) oder Erneuerung von Kleidung und Bettwäsche, was oft schwierig ist, weil die Betroffenen oft nur wenig Ressourcen und keinen Einfluss auf ihre Umgebungsbedingungen haben.

Filzläuse

Filzläuse werden bei Jugendlichen und Erwachsenen sexuell übertragen und können bei Kindern durch engen Kontakt mit den Eltern auftreten. Außerdem können sie durch infizierte Gegenstände (z. B. Handtücher, Bettwäsche, Kleidungsstücke) übertragen werden. Meist sind die Scham- und perianalen Haare betroffen, allerdings ist eine Ausbreitung auf Oberschenkel, Rumpf und Gesichtsbehaarung möglich (Bart und Wimpern).

Bilder von Schamlippenläusen

Filzläuse verursachen Juckreiz. Körperliche Befunde sind kaum zu erheben, bei einigen Patienten finden sich Exkoriationen und eine regionale Lymphadenopathie und/oder Lymphadenitis. Durch die antikoagulatorischen Eigenschaften des Läusespeichels während der Blutmahlzeit entstehen blasse, blaugraue Makulae (Maculae ceruleae) auf Rumpf, Gesäß und Oberschenkeln, die jedoch untypisch für den Filzlausbefall sind. Der Befall der Wimpern geht mit Augenjucken, -brennen und -reizung einher.

Die Diagnose wird durch Nachweis von Nissen und/oder Läusen mittels sorgfältiger Inspektion (Woodlicht-Lampe) oder mikroskopischer Analyse gestellt. Ein den Befall stützender Befund sind verstreute, dunkelbraune Pünktchen (Läuseexkret) auf Haut oder Unterwäsche.

Die Behandlung ist in der Tabelle Behandlungsmöglichkeiten für Läuse zusammengestellt. Die Therapie des Lid- und Wimpernbefalls ist oft schwierig und erfolgt mit Vaseline, Physostigminsalbe, oralem Ivermectin oder physikalischer Entfernung mit einer Pinzette. Sexualpartner sollten ebenfalls behandelt werden.

Tabelle
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Behandlungsoptionen für Läuse

Behandlung

Anleitung

Kommentare

Kopfläuse

Malathion 0,5%

Auf trockenem Haar und Kopfhaut anwenden, waschen und in 8–12 h ausspülen, Kopfhaut einschamponieren und Nissen entfernen

Kann in 7–9 Tagen wiederholt werden, wenn lebende Nissen (Nissen, die näher als 0,5 cm an der Kopfhaut liegen) zu sehen sind

Hochwirksam, aber nicht Behandlung erster Wahl wegen der Entflammbarkeit und des unangenehmen Geruchs

Permethrin, andere Pyrethroide, Pyrethrine*

Haare waschen und auf nasses Haar anwenden, hinter den Ohren und im Nacken; abwaschen nach 10 Minuten

Kann in 7 Tagen wiederholt werden, wenn lebende Nissen (Nissen, die näher als 0,5 cm an der Kopfhaut liegen) zu sehen sind

Kontraindiziert bei Patienten, die auf die Chrysanthemen-Pflanzenfamilie empfindlich sind

Nasskämmen mit einem Nissenkamm aus Metall

Sollte mit allen Behandlungen kombiniert werden

1%iges Lindan-Shampoo

Shampoo auftragen, für 4–5 Minuten einseifen, ausspülen und mit feinem Kamm kämmen

Nach 1 Woche wiederholen

Zunehmende Substanzresistenz

Toxizität (z. B. Anfälle) nicht typisch bei der Behandlung von Kopfläusen, aber nicht für Kinder < 2 Jahren, Menschen mit einem unkontrollierten Anfallsleiden oder für schwangere oder stillende Frauen empfohlen

Kann nicht an den Augenwimpern verwendet werden

Ivermectin

200 mcg/kg p.o. für 1 Dosis

Nach 7 –10 Tagen wiederholen

Nützlich gegen resistente Läuse

Cetaphil®-Reiniger

Auftragen, für 2 Minuten warten, Überschuss auskämmen, Haare föhnen, 8 h warten, dann shamponieren und Nissen mit Nasskämmen entfernen

Wenn nötig, wöchentlich wiederholen

Kleiderläuse

Behandlung des Juckreizes und der sekundären Infektion

Topische Maßnahmen werden nicht verwendet, da Kleiderläusein in der Kleidung sind

Kleidung und Bettzeug waschen und bei mindestens 65° C trocknen

Chemische Reinigung oder Bügeln der Kleidung

Filzläuse

1%iges Lindan-(60 ml)-Shampoo

Wie bei Kopfläusen

Wie bei Kopfläusen

Pyrethrine* mit Piperonylbutoxid-(60 ml)-Shampoo

Auf trockenem Haar und Haut auftragen, für 10 Minuten belassen, ausspülen und nach 7–10 Tagen wiederholen

Kann nicht mehr als 2-mal in 24 h aufgetragen werden

1%ige Permethrin-(60 ml)-Creme

Wie bei Kopfläusen

Muss nach 10 Tagen wiederholt werden

Läuse in den Augenlidern

Vaselinsalbe

3- bis 4-mal täglich für 8–10 Tage auftragen

Fluorescein fällt 10–20%

Auf die Augenlider aufgetragen

Bietet sofortige pedikulizide Wirkung

*Pyrethrine sind natürliche Bestandteile von Chrysanthemen mit starker insektizider Wirkung, Pyrethroide sind synthetische und natürliche Verwandte von Pyrethrin und Permethrin ist ein häufig verwendetes synthetisches Pyrethroid. Pyrethrine werden mit einem Piperinsäuren-Derivat (Piperonylbutoxid) kombiniert, um die Wirksamkeit zu erhöhen.

Wichtige Punkte

  • Kopf- und Filzläuse leben auf Menschen, während Kleiderläuse in der Kleidung leben.

  • Die Diagnose wird über das Auffinden lebender Läuse und Nissen bestätigt.

  • Kopf- oder Filzläuse werden mit einer topischen Substanz (z. B. ein Pyrethroid) oder oralem Ivermectin behandelt.

  • Kleiderläuse werden symptomatisch und durch das Beseitigen der Lausquelle behandelt.

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