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Schwebeteilchen

Von

Christopher J. Brady

, MD, Wilmer Eye Institute, Retina Division, Johns Hopkins University School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Quellen zum Thema

Schwebeteilchen sind Trübungen, die sich über das visuelle Feld bewegen und nicht mit externen visuellen Objekten zusammenhängen.

Pathophysiologie

Mit zunehmendem Alter kann sich der Glaskörper zusammenzuziehen und von der Retina separieren. Das Alter, in dem diese Änderung auftritt, variiert, liegt aber meist zwischen 50 und 75 Jahren. Während dieser Separation kann der Glaskörper intermittierend an der Retina ziehen. Der mechanische Zug stimuliert die Retina, die ein Signal sendet, das vom Gehirn wahrgenommen und als Licht interpretiert wird. Eine vollständige Separation des Glaskörpers führt zu einer Vermehrung der Schwebeteilchen, die Jahre andauern kann.

Der Zug kann jedoch auch ein Loch auf der Retina verursachen (Netzhautriss), und wenn Flüssigkeit hinter den Riss gelangt, kann es zu einer Netzhautablösung kommen. Eine Netzhautablösung kann auch durch andere Faktoren (z. B. Trauma, primäre Netzhauterkrankungen) verursacht werden. Lichtblitze, die bei Netzhautablösungen häufig vorkommen, nennt man Photopsien. Photopsien können auch auftreten, wenn man sich die Augen reibt oder nach dem Erwachen umherschaut.

Ätiologie

Die häufigste Ursache von Glaskörperschwebeteilchen ist

  • Idiopathische Kontraktion des Glaskörpers

Weniger häufige Erreger sind in Einige Ursachen von Schwebeteilchen aufgelistet.

Seltene Ursachen der Schwebeteilchen sind intraokulare Tumoren (z. B. Lymphome) und Vitritis (Entzündung des Glaskörpers). Intraokulare Fremdkörper können Schwebeteilchen verursachen, aber manifestieren sich in der Regel mit anderen Symptomen, wie Visusverlust, Augenschmerzen oder Rötung.

Tabelle
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Einige Ursachen von Schwebeteilchen

Ursache

verdächtige Befunde*

Diagnostischer Ansatz

Gutartige Erkrankungen

Idiopathische Schwebeteilchen

Leichte, stabile Schwbeteilchen, die intermittierend in das Blickfeld gelangen und sich bewegen, wenn das Auge bewegt wird

Oft wie Zellen oder Fäden geformt

Durchscheinend

Werden unter bestimmten Lichtverhältnissen eher bemerkt (z. B. bei hellem Sonnenlicht)

Normale Sicht

Können in beiden Augen auftreten, müssen aber nicht synchron sein

Normale Augenuntersuchung

Klinische Bewertung

Schwere Erkrankungen des Glaskörpers oder der Netzhaut

Plötzliche, spontane, kontinuierliche Schauer von Lichtblitzen (Photopsien)

Vorhang eines Sehverlusts, der sich über das Gesichtsfeld bewegt, Gesichtsfeldausfall (meist peripher)

Anomale Retinauntersuchung (z. B. erscheint die abgelöste Netzhaut als blasser, wabernder Fallschirm)

Mögliche Risikofaktoren (z. B. kürzlich erlittenes Trauma, Augenoperation, schwere Myopie)

Indirekte Ophthalmoskopie durch einen Ophthalmologen nach Pupillenerweiterung

Netzhautriss

Plötzliche, spontane Photopsien

Können auch in der Peripherie der Netzhaut auftreten, und sind eventuell nur durch indirekte Ophthalmoskopie sichtbar

Indirekte Ophthalmoskopie durch einen Ophthalmologen nach Pupillenerweiterung

Glaskörperablösung

Zunahme einseitiger Schwebeteilchen über 1 Woche–3 Monate bei Patienten mit durchschnittlichem Alter von 50–75 Jahren

Schwebeteilchen, die wie Spinnenweben sind

Ein großes Schwebeteilchen, das sich in das zentrale Gesichtsfeld hinein und wieder heraus bewegt

Spontane Photopsien

Indirekte Ophthalmoskopie durch einen Ophthalmologen nach Pupillenerweiterung

Glaskörperblutung

Proliferative diabetische Retinopathie oder Traumata in der Anamnese

Visusverlust, der das gesamte Gesichtsfeld beeinträchtigen kann

Verlust des Rotreflexes

Indirekte Ophthalmoskopie durch einen Ophthalmologen nach Pupillenerweiterung

Glaskörperentzündung (z. B. Zytomegalievirus, Toxoplasma, oder Pilzchorioretinitis)

Schmerzen

Visusverlust

Visusverlust, der das gesamte Gesichtsfeld betrifft

Retinaläsionen (manchmal ähnlich einem Wattebausch "cotton wool spots"), die keinem arteriellen oder venösen Versorgungsgebiet entsprechen

Risikofaktoren (z. B. AIDS)

Verminderter Rotreflex

Kann auch bilateral sein

Beurteilung und Prüfung durch einen Ophthalmologen, basierend auf vermuteter Ursache

Nichtokulare Störungen

Okulare Migräne

Bilaterale, synchrone Lichtblitze, die sich oft im Zickzack für 10–20 Minuten auf dem peripheren Gesichtsfeld hin- und herbewegen

Eventuell verschwommenes zentrales Gesichtsfeld

Eventuell Kopfschmerzen nach visuellen Symptomen

Eventuell Migräne in der Anamnese

Klinische Bewertung

* Unilateral sofern nicht anders spezifiziert.

Beurteilung

Das wichtigste Ziel ist es, schwere Glaskörper- und Netzhauterkrankungen zu identifizieren. Wenn diese Störungen nicht ausgeschlossen werden können, sollten die Patienten von einem Ophthalmologen, der ein indirektes Ophthalmoskop nach Pupillenerweiterung benutzt, untersucht werden. Das Erkennen einer okularen Migräne ist ebenfalls hilfreich.

Anamnese

Fragen zum akutellen Krankheitsverlauf sollten den Beginn und die Dauer der Symptome sowie die Form und das Volumen der Schwebeteilchen feststellen und ob sie unilateral oder bilateral sind und ob ein Trauma vorausgegangen ist. Der Patient sollte versuchen, Schwebeteilchen von Lichtblitzen (wie bei Photopsien) oder gezackten Linien über dem Gesichtsfeld (wie bei Migräne) zu unterscheiden. Wichtige assoziierte Symptome umfassen Visusverlust (und dessen Verteilung im Gesichtsfeld) und Augenschmerzen.

Die Überprüfung der Organsysteme sollte nach Symptomen möglicher Ursachen wie Kopfschmerzen (okulare Migräne) und geröteten Augen (Glaskörperentzündung) suchen.

In der Anamnese sollten Diabetes (einschließlich diabetischer Retinopathie), Migräne-Kopfschmerzen, Augenoperationen, schwere Myopie und alle Erkrankungen, die das Immunsystem (z. B. AIDS) betreffen könnten, erfragt werden.

Körperliche Untersuchung

Die Augenuntersuchung sollte einigermaßen vollständig sein. Die am besten korrigierte Sehschärfe wird gemessen. Die Augen werden auf eine Rötung inspiziert. Die Gesichtsfelder werden bei allen Patienten beurteilt. Allerdings ist die Erkennung von Gesichtsfeldausfällen durch Untersuchungen am Krankenbett sehr wenig sensitiv, weswegen die Unfähigkeit, einen solchen Defekt aufzuzeigen, kein Beweis dafür ist, dass der Patient ein vollständiges Gesichtsfeld hat. Extraokulare Bewegungen und Pupillenreaktionen auf Licht werden bewertet. Wenn Patienten ein rotes Auge oder Augenschmerzen haben, werden die Hornhäute nach einer Fluorescein-Färbung unter Vergrößerung untersucht und es wird, wenn möglich, eine Spaltlampenuntersuchung vorgenommen. Der Augendruck wird gemessen (Tonometrie).

Die Ophthalmoskopie, die nach einer Erweiterung der Pupillen vorgenommen wird, ist der wichtigste Teil der Untersuchung. Um die Pupillen zu erweitern, stellt der Arzt zuerst sicher, dass die Pupillengröße und Lichtreaktionen aufgezeichnet werden, flößt dann die Tropfen ein, in der Regel jeweils 1 Tropfen eines kurzwirksamen α-adrenergen Agonisten (z. B. 2,5% Phenylephrin) und eines Zykloplegikums (z. B. 1% Tropicamid oder 1% Cyclopentolat). Die Pupillen sind etwa 20 Minuten, nachdem diese Tropfen eingeflößt wurden, voll erweitert. Eine Ophthalmoskopie wird durch fachfremde Mediziner mittels eines direkten Ophthalmoskops durchgeführt. Ein Ophthalmologe führt eine indirekte Ophthalmoskopie durch, die einen vollständigeren Überblick über die Netzhaut und insbesondere die Peripherie liefert.

Warnzeichen

Die folgenden Befunde sind von besonderer Bedeutung:

  • Plötzliche Zunahme der Schwebeteilchen

  • Photopsien

  • Visusverlust, diffus oder fokal (Gesichtsfeldausfall)

  • Kürzliche Augenoperation oder kürzliches Augentrauma

  • Augenschmerzen

  • Verlust des Rotreflexes

  • Anomale Netzhautbefunde

Interpretation der Ergebnisse

Auf eine Netzhautablösung deuten eine plötzliche Zunahme von Schwebeteilchen, Photopsien oder eine ihrer anderen, spezifischeren Eigenschaften (z. B. Gesichtsfeldausfälle, retinale Anomalien) hin. Bilaterale, synchrone Symptome deuten auf okulare Migräne hin, obwohl Patienten oft Schwierigkeiten damit haben, die Lateralität ihrer Symptome zu entschlüsseln (z. B. interpretieren sie ein Flimmerskotom des linken Gesichtsfelds beider Augen als Defekt des linken Auges). Der Verlust des Rotreflexes deutet auf eine Trübung des Glaskörpers (z. B. Glaskörperblutung oder -entzündung) hin, kann aber auch durch fortgeschrittene Katarakte verursacht werden. Ein Visusverlust deutet auf eine ernsthafte Erkrankung hin, die eine Dysfunktion des Glaskörpers oder der Netzhaut verursacht.

Tests

Bei Patienten, die eine Beurteilung durch einen Ophthalmologen erfordern, müssen eventuell Tests durchgeführt werden. Die Tests können aber durch oder nach Absprache mit dem Ophthalmologen ausgewählt werden. Zum Beispiel benötigen Patienten mit Verdacht auf Chorioretinitis eventuell mikrobiologische Tests.

Therapie

Idiopathische Schwebeteilchen bedürfen keiner Behandlung. Andere Erkrankungen, die die Symptome verursachen, werden behandelt.

Wichtige Punkte

  • Schwebeteilchen an sich deuten selten auf eine ernsthafte Erkrankung.

  • Patienten mit irgendwelchen anomalen Befunden bei der Untersuchung erfordern eine Überweisung an einen Ophthalmologen.

  • Wenn Schwebeteilchen von anderen Symptomen begleitet werden (z. B. anhaltende Lichtblitze, visuelles Defizit, Gefühl eines sich bewegenden Vorhangs des Visusverlusts) oder sich plötzlich entwickeln, benötigen die Patienten, unabhängig von den Untersuchungsbefunden, eine Überweisung an einen Ophthalmologen.

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