Ösophagusvarizen

VonParswa Ansari, MD, Hofstra Northwell-Lenox Hill Hospital, New York
Überprüft/überarbeitet Apr. 2023
DIE AUSGABE FÜR MEDIZINISCHE FACHKREISE ANSEHEN

Ösophagusvarizen sind vergrößerte Venen in der Speiseröhre, die starke Blutungen verursachen können.

  • Ösophagusvarizen werden durch hohen Blutdruck in Blutgefäßen in der und um die Leber herum (portale Hypertension) verursacht.

  • Ösophagusvarizen verursachen in der Regel keine Symptome, können aber spontan bluten.

  • Die Blutungen können sehr stark sein und einen Schock verursachen oder sogar zum Tod führen.

  • Ärzte diagnostizieren und behandeln Ösophagusvarizen mittels Endoskopie.

Die Varizen können sich auch im oberen Teil des Magens im Übergang zur Speiseröhre bilden. Diese werden als Magenvarizen bezeichnet und verursachen ähnliche Symptome.

Ursachen von Ösophagusvarizen

Ösophagusvarizen werden durch Folgendes verursacht:

Die Pfortader ist die große Vene, welche die Leber mit Blut aus dem Darm und anderen Organen wie Milz, Bauchspeicheldrüse und Gallenblase versorgt. Hoher Blutdruck in der Pfortader wird als portale Hypertension (oder portale Hypertonie) bezeichnet. Die häufigste Ursache portaler Hypertension in medizinisch gut versorgten Ländern ist eine Vernarbung der Leber aufgrund einer Zirrhose.

Ansicht von Leber und Gallenblase

Bei portaler Hypertension entstehen zusätzliche Gefäße, sogenannte Kollateralen, die die Leber umgehen. Diese Kollateralen verbinden das Pfortadersystem unter Umgehung der Leber direkt mit dem allgemeinen Blutkreislauf. Kollaterale entstehen an bestimmten Stellen. Die gefährlichsten Stellen sind am unteren Ende der Speiseröhre sowie am oberen Teil des Magens. Die Entstehung dieser Gefäße an diesen Stellen ist gefährlich, da sich die Gefäße vergrößern und stark winden und verdrehen. Sie sind als Varizen oder Krampfadern bekannt. Diese vergrößerten Varizen sind brüchig und können platzen, was zu massiven gastrointestinalen Blutungen führt. Normalerweise gibt es keinen offensichtlichen Auslöser für die Gefäßruptur.

Symptome von Ösophagusvarizen

Menschen mit Ösophagusvarizen haben gewöhnlich keine Symptome, bis die Varizen zu bluten anfangen. Anschließend erbrechen Betroffene hellrotes Blut, manchmal in großen Mengen. Die Blutung ist schmerzlos.

Betroffene, die viel Blut verlieren, können Anzeichen eines Kreislaufschocks aufweisen und sich schwindlig und schwach fühlen und schwitzen. Ihr Herz schlägt möglicherweise schnell und ihr Blutdruck kann niedrig sein.

Diagnose von Ösophagusvarizen

  • Endoskopie

Ärzte vermuten blutende Ösophagusvarizen, wenn Patienten, die bekanntermaßen an einer chronischen Lebererkrankung leiden, insbesondere an Zirrhose, plötzlich Blut erbrechen. In diesem Fall wird ein biegsamer Beobachtungsschlauch (Endoskop) durch den Mund eingeführt, um die Speiseröhre zu untersuchen. Wenn Varizen entdeckt werden, können sie durch das Endoskop auch behandelt werden, um die Blutung zu stoppen.

Vergrößerte Venen in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen)
Einzelheiten ausblenden
Auf diesem Foto sind vergrößerte Venen in der Speiseröhre zu sehen (Pfeile).
Bild von David M. Martin, MD.

Behandlung von Ösophagusvarizen

  • Intravenös verabreichte Flüssigkeiten und manchmal eine Bluttransfusion

  • Endoskopische Behandlungen, um die Blutung zu stoppen

  • Intravenöse Gabe von Octreotid

  • Mitunter Antibiotika

  • Manchmal ein Verfahren zum Anlegen eines portosystemischen Shunts

Patienten mit Varizenblutungen benötigen normalerweise intravenös Flüssigkeit, um ihren Blutverlust zu ersetzen. Bei großem Blutverlust ist möglicherweise eine Bluttransfusion notwendig.

Während der Endoskopie können Ärzte Behandlungen durchführen, um die Blutung zu stoppen. Am häufigsten werden Bänder um die Varizen angebracht, um sie zu schließen (ein Verfahren, das als endoskopisches Banding bezeichnet wird). Manchmal werden Substanzen in die Varizen gespritzt, die sie verschließen (eine sogenannte Injektions-Sklerotherapie). Gleichzeitig können die Medikamente Octreotid oder Vasopressin intravenös verabreicht werden, um die Blutung zu stoppen.

Wenn die Blutungen trotz dieser Behandlungen anhalten, kann ein Verfahren zum Anlegen eines sogenannten portosystemischen Shunts durchgeführt werden. Bei diesem Verfahren wird die Pfortader oder eine ihrer Verzweigungen mit einer Vene des allgemeinen Blutkreislaufs verbunden, sodass der Großteil des Blutes, das normalerweise zur Leber fließt, umgelenkt wird und die Leber umgeht. Dieser Bypass (Shunt) senkt den Druck in der Pfortader, sodass Blutungen leichter unter Kontrolle gebracht werden können. Es gibt verschiedene Arten von portosystemischen Shunts. Beim Anlegen eines transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunts (TIPS) wird unter Röntgensicht ein Katheter mit einer Nadel über eine Vene im Hals in die Lebervenen eingeführt. Mit diesem Katheter wird eine direkte Verbindung (Shunt) zwischen der Pfortader (oder einer ihrer Verzweigungen) und einer der Lebervenen angelegt. Weniger häufig wird für das Anlegen eines portosystemischen Shunts ein chirurgischer Eingriff vorgenommen.

Wenn das Leben einer Person wegen der Stärke der Blutung in unmittelbarer Gefahr ist, während sie auf das Shuntverfahren wartet, kann der Arzt einen Schlauch mit Ballons in die Speiseröhre des Patienten einführen. Die Ballons werden aufgeblasen, um die Varizen zusammenzudrücken, wodurch die Blutung kontrolliert wird. Dies ist nur eine vorübergehende Maßnahme. Es können dehnbare Ösophagusstents aus Metall verwendet werden, um die Varizen zusammenzudrücken und die Blutung einzudämmen.

Menschen mit Zirrhose und Blutungen können sich eine bakterielle Infektion zuziehen und erhalten deshalb ein Antibiotikum.

Selbst nach erfolgreicher Behandlung können Ösophagusvarizen erneut bluten, insbesondere wenn die Lebererkrankung der betroffenen Person weiterhin besteht. Ärzte können Medikamente wie Betablocker verabreichen, um die portale Hypertension zu kontrollieren, aber Menschen, die weiterhin Probleme haben, benötigen unter Umständen eine Lebertransplantation.