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Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch

Von

Stephen D. Silberstein

, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2020| Inhalt zuletzt geändert Mai 2020
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Von Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch (Rebound-Phänomen) spricht man, wenn Menschen, die zu viele Kopfschmerzmittel einnehmen, über mehr als 3 Monate an mehr als 15  Tagen pro Monat an Kopfschmerzen leiden.

  • Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch treten normalerweise bei Patienten mit Migräne oder Spannungskopfschmerzen auf.

  • Die Art von Kopfschmerzen variiert von Mensch zu Mensch.

  • Der Arzt diagnostiziert Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch aufgrund der Häufigkeit der Einnahme von Kopfschmerzmitteln und des Auftretens von Kopfschmerzen bei den Betroffenen.

  • Behandelt werden diese Kopfschmerzen, indem das Kopfschmerzmittel abgesetzt und ein anderes Kopfschmerzmittel verschrieben wird, um die Symptome zu behandeln, die durch das Absetzen des Arzneimittels verursacht werden, und oft auch, indem Medikamente zur Behandlung der ursprünglichen Kopfschmerzerkrankung verschrieben werden.

Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch treten bei 1 bis 2 Prozent der Allgemeinbevölkerung auf. Männer sind häufiger davon betroffen als Frauen.

Die meisten Menschen mit dieser Art von Kopfschmerzen nehmen Kopfschmerzmittel gegen Migräne oder Spannungskopfschmerzen ein. Dabei nehmen sie diese Medikamente zu häufig oder zu viel davon ein, weil sie die Schmerzen nicht effektiv lindern.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen von Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch sind die folgenden:

  • Opioide

  • Schmerzmittel (Analgetika), die Butalbital enthalten (ein Barbiturat)

  • Einnahme von Aspirin oder Paracetamol mit Koffein

Die übermäßige Verwendung von anderen nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), Ergotamin und Triptanen (zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen und Migräne) kann ebenfalls diese Erkrankung verursachen.

Die Ursache von Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch ist bislang kaum geklärt. Menschen mit dieser Art von Kopfschmerzen können jedoch ein überempfindliches Nervensystem haben. Das heißt, dass die Nervenzellen im Gehirn, die Schmerzen auslösen, zu schnell stimuliert werden.

Substanzabhängigkeit kommt bei Personen mit Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch häufiger vor. Sie können auch eine genetische Veranlagung für Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch haben.

Symptome

Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch treten täglich oder fast täglich auf und sind häufig schon vorhanden, wenn die Betroffenen aufwachen. Stelle und Art der Schmerzen sind von Mensch zu Mensch verschieden. Die Betroffenen können auch Übelkeit verspüren, reizbar werden und Konzentrationsschwierigkeiten haben.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

Die Diagnose von Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch stützt sich darauf, wie häufig Menschen, die regelmäßig Kopfschmerzmittel einnehmen, Kopfschmerzen haben und wie oft sie diese Kopfschmerzmittel einnehmen.

Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch werden diagnostiziert, wenn alle der folgenden Kriterien vorliegen:

  • Kopfschmerzen treten bei Menschen mit einer Kopfschmerzerkrankung mehr als 15 Tage im Monat auf.

  • Die Betroffenen nehmen seit mehr als 3 Monaten regelmäßig zu viele oder mehrere Medikamente zur Linderung ihrer Kopfschmerzen ein.

  • Keine andere Kopfschmerzerkrankung erklärt die Symptome besser.

Bei wie vielen Tagen pro Monat ein übermäßiger Gebrauch eines Arzneimittels vorliegt, ist vom jeweiligen Arzneimittel abhängig:

  • 10 Tage oder mehr pro Monat für Ergotamin, Triptane, Opioide oder kombinierte Kopfschmerzmittel

  • 15 Tage oder mehr pro Monat für Paracetamol, Aspirin oder andere nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

In seltenen Fällen wird eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Prognose

Mit entsprechender Behandlung verschwinden die Schmerzen bei etwa 50 Prozent der Patienten nach 10 Jahren wieder (Remission). Menschen mit Migräne erholen sich tendenziell besser als jene mit Spannungskopfschmerzen.

Bei Personen, die nach einem Behandlungsjahr weniger Kopfschmerztage pro Monat haben, hält die Remission tendenziell länger an.

Behandlung

  • Beratung zur Vermeidung von übermäßigem Substanzgebrauch

  • Entzug des übermäßig eingesetzten Kopfschmerzmittels

  • Anwendung einer anderen Art von Kopfschmerzmitteln, um Entzugssymptome zu behandeln, die nach dem Absetzen des Arzneimittels auftreten

  • Medikamente zur Vorbeugung gegen die ursprünglichen Kopfschmerzen (normalerweise Migräne)

  • Bei Bedarf andere Arzneimittel zur Vorbeugung von Entzugssymptomen

Die Betroffenen werden angewiesen, die zuvor übermäßig eingesetzten Medikamente nicht mehr zu verwenden. Sie werden auch angewiesen und dazu ermutigt, sich gesunde Lebensgewohnheiten anzueignen.

Normalerweise wird das übermäßig eingesetzte Medikament abrupt abgesetzt. Bei Menschen, die Opioide, Barbiturate oder Benzodiazepine in hohen Dosen einnehmen, wird die Menge des übermäßig eingesetzten Medikaments über 2 bis 4 Wochen allmählich verringert. Werden diese Medikamente zu abrupt abgesetzt, können Symptome wie Übelkeit, Unruhe, Angstzustände und Schlafstörungen auftreten. Das Absetzen von jeglichen Schmerzmitteln kann dazu führen, dass Kopfschmerzen häufiger auftreten, länger andauern und intensiver werden. Die Symptome nach dem Absetzen eines Arzneimittels können einige Tage oder bis zu 4 Wochen andauern.

Ein Notfallmedikament wird zur Behandlung von Kopfschmerzen eingesetzt, die nach Absetzen des übermäßig eingesetzten Arzneimittels auftreten. Nach Möglichkeit wird eine andere Art von Kopfschmerzmitteln verwendet. Die Anwendung von Notfallmedikamenten wird nach Möglichkeit auf weniger als zweimal pro Woche eingeschränkt.

Eine präventive medikamentöse Behandlung gegen die ursprünglichen Kopfschmerzen wird vor oder nach dem Absetzen des übermäßig eingesetzten Medikaments eingeleitet.

Wenn Notfallmedikamente und präventive medikamentöse Behandlungen voraussichtlich keine wirksame Linderung der Symptome ergeben, können andere Arzneimittel (sogenannte Übergangs- oder Überbrückungsmedikamente) verabreicht werden. Übergangsmedikamente (siehe Tabelle mit Arzneimitteln zur Behandlung von Migräne) umfassen Folgendes:

  • Ein Kortikosteroid

  • Dihydroergotamin

  • Prochlorperazin und Diphenhydramin

  • Clonidin (zur Linderung von Entzugssymptomen, wenn das übermäßig eingesetzte Medikament ein Opioid war)

  • Phenobarbital (zur Vorbeugung von Entzugskrämpfen, wenn das übermäßig eingesetzte Medikament ein Barbiturat war)

Nach der Behandlung einer Störung durch übermäßigen Medikamentengebrauch werden Patienten angewiesen, die Anwendung von Kopfschmerzmedikamenten zur Unterdrückung von einsetzenden Kopfschmerzen wie folgt zu beschränken:

  • Bei NSAR auf weniger als 6 Tage pro Monat

  • Bei Triptanen, Ergotamin oder kombinierten Kopfschmerzmitteln auf weniger als 4 Tage pro Monat

Medikamente, die zur Vorbeugung von Kopfschmerzen verwendet werden, sollten wie verordnet fortgesetzt werden.

Den Patienten wird empfohlen, ein Kopfschmerztagebuch zu führen. In ihm notieren die Betroffenen Häufigkeit und Zeitpunkt der Attacken, mögliche Auslöser und ihre Reaktion auf die Behandlung. Mithilfe dieser Informationen können die Auslöser identifiziert und eventuell umgangen werden. Die Betroffenen können dann ihre Behandlung unterstützen, indem sie die auslösenden Reize meiden, und der Arzt kann die Behandlung besser planen und anpassen.

Biofeedback und andere kognitive Techniken (wie Entspannungstraining, Hypnose und Stressmanagement) können den Betroffenen helfen, ihre Kopfschmerzen zu kontrollieren, zu vermindern oder mit ihnen besser umzugehen, indem sie die Art der Konzentration ihrer Aufmerksamkeit verändern. Mit Biofeedback können die Schmerzen kontrolliert werden.

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