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Tollwut

Von

John E. Greenlee

, MD, University of Utah School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2020| Inhalt zuletzt geändert Jul 2020
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Die Tollwut ist eine Virusinfektion des Gehirns, die durch Tiere übertragen wird und eine Entzündung von Gehirn und Rückenmark hervorruft. Wenn das Virus erst einmal das Rückenmark und das Gehirn erreicht hat, ist die Tollwut fast immer tödlich.

  • In der Regel wird das Virus übertragen, wenn ein Mensch von einem infizierten Tier gebissen wird, in den USA sind das meist Fledermäuse. In anderen Ländern, in denen Hunde nicht routinemäßig gegen Tollwut geimpft werden, können auch Hunde das Virus übertragen.

  • Tollwut kann Rastlosigkeit und Verwirrtheit oder Lähmung hervorrufen.

  • Das Virus kann mittels einer Hautbiopsie nachgewiesen werden.

  • Die Infektion kann verhindert werden, indem die Wunde sofort gereinigt wird und Tollwut-Impfstoff und Immunglobulin injiziert werden.

Das Virus wird durch den Speichel eines infizierten Tieres übertragen. Die Viren wandern von der Stelle, an der sie in den Körper gelangt sind (gewöhnlich ein Biss), entlang der Nervenbahnen zum Rückenmark und dann zum Gehirn, wo sie sich vermehren. Von da aus gelangen sie entlang anderer Nerven in die Speicheldrüsen und auf diese Weise in den Speichel. Wenn das Tollwutvirus erst einmal das Rückenmark und das Gehirn erreicht hat, ist die Tollwut fast immer tödlich. Das Virus braucht jedoch mindestens 10 Tage – gewöhnlich 30 bis 50 Tage –, bis es das Gehirn erreicht hat (wie lange hängt von der Stelle des Bisses ab). Während dieses Zeitraums können Maßnahmen ergriffen werden, um das Virus zu stoppen und den Tod zu verhindern. Nur selten entwickelt sich Tollwut Monate oder Jahre nach einem Tierbiss.

Tollwut verursacht jährlich mehr als 55.000 Todesfälle weltweit. Die meisten Todesfälle treten in ländlichen Gebieten Lateinamerikas, Asiens und Afrikas auf. In den USA sterben nur einige wenige Menschen pro Jahr.

Ursachen

Das Tollwutvirus kommt weltweit in vielen Wild- und Haustierarten vor. Tollwütige Tiere können mehrere Wochen lang krank sein, bevor sie sterben. In dieser Zeit verbreiten sie oft die Krankheit.

Das Tollwutvirus, das im Speichel eines infizierten Tiers vorhanden ist, wird übertragen, wenn das Tier ein anderes Tier oder einen Menschen beißt oder – sehr selten – ableckt. Das Virus kann unbeschädigte Haut nicht durchdringen. Es kann nur in den Körper durch einen Einstich bzw. eine andere Verletzung in der Haut oder durch die Nase bzw. den Mund gelangen, wenn viele in der Luft herumfliegende virenhaltige Tröpfchen eingeatmet werden (das kann in einer Höhle passieren, die infizierte Fledermäuse enthält).

Viele verschiedene Säugetiere, wie Hunde, Katzen, Waschbären, Stinktiere und Füchse, können Tollwut auf den Menschen übertragen.

In den USA wurde die Tollwut bei Hunden durch Impfungen größtenteils eliminiert, so dass Wildtiere, gewöhnlich Fledermäuse, aber auch Füchse, Stinktiere oder Waschbären, die Quelle der Tollwut darstellen. In vielen Fällen werden Fledermausbisse nicht bemerkt. Die meisten Todesfälle infolge von Tollwut werden durch Bisse infizierter Fledermäuse verursacht.

In Ländern, wo Hunde nicht routinemäßig gegen Tollwut geimpft werden (u. a. die meisten Länder in Lateinamerika, Afrika, Asien und der mittlere Osten), werden die meisten Todesfälle durch Bisse infizierter Hunde verursacht. Einige wenige Fälle werden durch Bisse von anderen Tieren verursacht, u. a. von Affen, die manchmal als Haustiere gehalten werden.

Nagetiere (wie Hamster, Meerschweinchen, Rennmäuse, Eichhörnchen, Streifenhörnchen, Ratten und Mäuse), Kaninchen oder Hasen erkranken selten an Tollwut. In den USA sind keine Fälle bekannt, bei denen diese Tiere Tollwut bei Menschen verursacht haben. Vögel und Reptilien erkranken nicht an Tollwut.

Wussten Sie ...

  • In den USA brauchen Menschen, die von Kaninchen und den meisten kleinen Nagetieren, wie Hamster, Rennmäuse, Eichhörnchen, Ratten und Mäuse, gebissen werden, fast nie eine Tollwutimpfung.

  • Fledermäuse sind für die meisten der wenigen Tollwuttodesfälle in den USA verantwortlich.

Symptome

Die Bisswunde kann schmerzen oder sich taub anfühlen. Fledermausbisse verursachen gewöhnlich keine Symptome.

Die Symptome der Tollwut treten auf, wenn das Tollwutvirus das Gehirn oder das Rückenmark erreicht – gewöhnlich innerhalb von 30 bis 50 Tagen, nachdem ein Mensch gebissen wurde. Dieser Zeitraum kann jedoch von 10 Tagen bis zu mehr als einem Jahr variieren. Je näher der Biss am Gehirn ist (zum Beispiel im Gesicht), desto schneller treten die Symptome auf.

Tollwut kann mit Fieber, Kopfschmerzen und allgemeinem Unwohlsein beginnen. Die meisten Menschen werden rastlos, verwirrt und unkontrollierbar erregt. Ihr Verhalten kann bizarr sein. Sie können halluzinieren und an Schlaflosigkeit leiden. Die Speichelproduktion erhöht sich stark. Muskelkrämpfe in Rachen und Kehlkopf treten auf, weil die Tollwut den Gehirnbereich beeinträchtigt, der das Schlucken, Sprechen und Atmen steuert. Die Krämpfe können unerträglich schmerzhaft sein. Schon ein leichter Windhauch oder der Versuch, Wasser zu trinken, kann die Krämpfe auslösen. Darum können an Tollwut erkrankte Menschen nicht trinken. Aus diesem Grund wird die Krankheit manchmal Hydrophobie (Angst vor dem Wasser) genannt.

Wenn sich die Krankheit im Gehirn ausbreitet, werden die Betroffenen immer verwirrter und erregter. Letztendlich kommt es zum Koma und Tod. Die Todesursache können eine Blockade der Atemwege, Krampfanfälle, Erschöpfung oder ausgedehnte Lähmungserscheinungen sein.

Bei 20 Prozent der Betroffenen beginnt die Tollwut mit einem Kribbeln oder der Lähmung der Gliedmaße, die gebissen wurde. Die Lähmung bewegt sich dann durch den Körper hindurch. Bei diesen Menschen ist gewöhnlich das Denkvermögen nicht beeinträchtigt und die meisten anderen Tollwutsymptome entwickeln sich nicht.

Diagnose

  • Untersuchung und Tests von Hautproben, Speichel und Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Entnahme durch Spinalpunktion)

Ärzte vermuten Tollwut, wenn die Patienten Kopfschmerzen haben, verwirrt sind und andere Symptome der Erkrankung aufweisen, insbesondere, wenn die Betroffenen von einem Tier gebissen wurden oder in Kontakt mit Fledermäusen kamen (z. B. wenn sie eine Höhle erforschten). Viele Menschen mit Tollwut wissen jedoch nicht, dass sie von einem Tier gebissen wurden oder Fledermäusen ausgesetzt gewesen waren.

Eine Hautprobe wird entnommen (gewöhnlich aus dem Hals) und unter dem Mikroskop untersucht (Hautbiospie), um zu bestimmen, ob das Virus vorhanden ist. Speichelproben werden auch auf das Virus untersucht. Eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) wird durchgeführt, um eine Probe der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (die Flüssigkeit, die durch das Gewebe fließt, welches das Gehirn und das Rückenmark bedeckt) zu entnehmen. Diese Probe wird ebenfalls untersucht.

Die Polymerase-Kettenreaktions(PCR)-Technik, die viele Kopien eines Gens erzeugt, wird verwendet, um die DNA-Sequenz des JC-Virus in einer Probe der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit zu identifizieren. Mehrere Proben der Flüssigkeiten, die zu verschiedenen Zeitpunkten entnommen werden, werden untersucht, um die Wahrscheinlichkeit des Virusnachweises zu erhöhen.

Vorbeugung

Bevor ein Tier beißt

Am besten ist es, Tierbisse, insbesondere Bisse von Wildtieren, zu vermeiden. Haustieren, die man nicht kennt, und Wildtieren sollte man sich nicht nähern. Anzeichen für Tollwut können bei Wildtieren unauffällig sein, doch ist ihr Verhalten oft auf folgende Weise auffällig:

  • Wilde Tiere sind möglicherweise nicht scheu und haben keine Angst, wenn sich ihnen Menschen nähern.

  • Nachtaktive Tiere (wie Fledermäuse, Stinktiere, Waschbären und Füchse) sind tagsüber unterwegs.

  • Fledermäuse geben ungewöhnliche Geräusche von sich oder haben Schwierigkeiten beim Fliegen.

  • Tiere beißen, ohne provoziert zu werden.

  • Tiere sind schwach oder erregt und bösartig.

Ein Tier, das möglicherweise Tollwut hat, sollte nicht aufgehoben werden, um ihm zu helfen. Ein erkranktes Tier beißt oft. Wenn ein Tier krank wirkt, sollte man die örtlichen Gesundheitsbehörden anrufen, die es entfernen können.

Menschen, für die es wahrscheinlich ist, dass sie mit dem Tollwutvirus in Kontakt kommen, sollten den Tollwutimpfstoff vor dem Kontakt erhalten. Dazu gehören:

  • Tierärzte

  • Labormitarbeiter, die mit Tieren Umgang haben, die möglicherweise Tollwut haben

  • Menschen, die sich mehr als 30 Tage in Entwicklungsländern aufhalten, wo Tollwut bei Hunden weit verbreitet ist

  • Menschen, die Fledermaushöhlen erforschen

Drei Impfstoffdosen werden in einen Muskel injiziert. Die erste Dosis wird sofort verabreicht (wird als Tag 0 bezeichnet). Die anderen Injektionen werden an Tag 7 und zwischen den Tagen 21 und 28 verabreicht. Die Injektionsstelle kann schmerzen und anschwellen, doch gewöhnlich nur leicht. Schwerwiegende allergische Reaktionen sind selten.

Die Impfung schützt die meisten Menschen bis zu einem gewissen Grad für den Rest ihres Lebens. Mit der Zeit lässt der Schutz jedoch nach. Wenn der Kontakt voraussichtlich andauert, werden die Betroffenen regelmäßig getestet. Sollten die Werte der schützenden Antikörper niedrig sein, wird eine Auffrischung verabreicht.

Nach einem Tierbiss

Die Betroffenen sollten die Wunde direkt nach dem Biss gründlich mit Wasser und Seife reinigen. Tiefe Stichwunden werden mit fließendem Wasser ausgespült. Dann sollten die Personen einen Arzt aufsuchen. Der Arzt reinigt die Wunde mit einem Antiseptikum namens Benzalkoniumchlorid. Er schneidet möglicherweise die zerfetzten Ränder der Wunde ab.

Ärzte versuchen auch zu entscheiden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Tollwut übertragen wurde. Eine frühzeitige Entscheidung ist notwendig, da Tollwut gewöhnlich nur verhindert werden kann, wenn die entsprechenden Maßnahmen rasch ergriffen werden.

Unmittelbar nach einem Tierbiss kann mit keinem Test bestimmt werden, ob das Tollwutvirus übertragen wurde. Daher ist es möglich, dass Menschen, die gebissen wurden, Tollwut-Immunglobulin und -Impfstoff injiziert wird, um Tollwut zu vermeiden. Tollwut-Immunglobulin, das aus Antikörpern gegen das Virus besteht, liefert sofort Schutz, jedoch nur für kurze Zeit. Der Tollwut-Impfstoff stimuliert den Körper dazu, Antikörper gegen das Virus zu produzieren. Der Impfstoff bietet einen Schutz, der allmählicher beginnt, dafür aber viel länger anhält.

Ob der Impfstoff und das Immunglobulin erforderlich sind, hängt davon ab, ob die Betroffenen in der Vergangenheit mit dem Tollwut-Impfstoff immunisiert wurden und um welche Tierart es sich handelt und in welchem Zustand das Tier ist. Ärzte bestimmen zum Beispiel Folgendes:

  • Ob das Tier eine Fledermaus, ein Hund, ein Waschbär oder etwas anderes war

  • Ob das Tier krank wirkte

  • Ob der Angriff provoziert wurde

  • Ob das Tier beobachtet werden kann

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Wer sollte sich gegen Tollwut impfen lassen?

In den USA hängt die Entscheidung, ob sich jemand, der von einem Tier gebissen wurde, impfen lassen sollte, von der Art und dem Zustand des Tieres ab.

Bei Menschen, die von einem Haushund, einer Hauskatze oder einem als Haustier gehaltenen Frettchen gebissen wurden: Wenn das Tier gesund wirkt und 10 Tage lang beobachtet werden kann, wird der Impfstoff nur verabreicht, wenn das Tier Tollwutsymptome entwickelt. Wenn das Tier irgendwelche Symptome entwickelt, die auf Tollwut hinweisen, erhalten die Betroffenen den Impfstoff und Tollwut-Immunglobuline sofort. Tiere, die Tollwutsymptome entwickeln, werden eingeschläfert (euthanasiert), und ihr Gehirn wird auf das Tollwutvirus hin untersucht. Wenn das Tier nach 10 Tagen immer noch gesund ist, hatte es zum Zeitpunkt des Bisses keine Tollwut und eine Impfung ist nicht erforderlich.

Wenn der Zustand eines Tieres nicht bestimmt werden kann (z. B. weil es entkommen ist), werden die Gesundheitsbehörden befragt, um zu bestimmen, wie wahrscheinlich es ist, dass Tollwut in diesem bestimmten Gebiet auftritt und ob der Impfstoff gegeben werden sollte. Wenn keine lokalen Gesundheitsbehörden erreichbar sind und Tollwut möglich ist, wird der Impfstoff sofort verabreicht. In sehr seltenen Fällen in den Vereinigten Staaten werden Impfstoff und Immunglobuline sofort verabreicht, wenn ein Tier Tollwut hat oder zu haben scheint.

Menschen, die von Stinktieren, Waschbären, Füchsen, den meisten anderen Fleischfressern oder Fledermäusen gebissen werden: Bei einem solchen Tier wird Tollwut angenommen, es sei denn, es kann getestet werden und die Ergebnisse sind negativ. Normalerweise werden der Impfstoff und die Immunglobuline sofort verabreicht. Es wird nicht empfohlen, 10 Tage zu warten, um Wildtiere zu beobachten. Diese Tiere werden nach Möglichkeit eingeschläfert, und ihr Gehirn wird so schnell wie möglich auf das Tollwutvirus untersucht. Der Impfstoff wird abgesetzt, wenn der Test auf das Tollwutvirus bei dem Tier negativ ausfällt.

Da die Betroffenen möglicherweise einen Fledermausbiss nicht bemerken, wird ihnen der Impfstoff verabreicht, wenn ein Biss möglich scheint. Wenn z. B. jemand aufwacht und es befindet sich eine Fledermaus im Zimmer, dann wird der Impfstoff verabreicht.

Bei Personen, die von Nutztieren, kleinen Nagern, großen Nagern (z. B. Murmeltieren und Bibern), Kaninchen oder Hasen gebissen wurden: Jeder Bissvorfall wird individuell betrachtet und es werden die Gesundheitsbehörden befragt. Personen, die von Hamstern, Meerschweinchen, Rennmäusen, Eichhörnchen, Streifenhörnchen, Ratten, Mäusen, anderen kleinen Nagetieren, Kaninchen oder Hasen gebissen wurden, brauchen fast nie eine Tollwut-Impfung.

Wenn Personen, die gebissen wurden, eine vorbeugende Behandlung benötigen und zuvor noch nicht immunisiert wurden, wird ihnen sofort (am Tag 0) Tollwut-Immunglobulin und -Impfstoff verabreicht. Immunglobulin wird, wenn möglich, in die Wunde injiziert. Die Betroffenen erhalten drei weitere Impfstoffinjektionen: an den Tagen 3, 7 und 14. Personen mit einem geschwächten Immunsystem (durch eine Erkrankung wie AIDS oder durch ein Arzneimittel) erhalten am Tag 28 eine zusätzliche Injektion.

Wenn die Personen bereits geimpft waren, ist das Risiko für eine Tollwuterkrankung verringert. Die Wunde muss jedoch umgehend gereinigt werden und eine Injektion des Tollwut-Impfstoffs wird sofort und an Tag 3 verabreicht.

Behandlung

  • Linderungsmaßnahmen

Nachdem sich die Symptome entwickelt haben, kann keine Behandlung helfen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Infektion praktisch immer tödlich. Bei der Behandlung geht es um die Linderung der Symptome und darum, dass es den Betroffenen so gut wie möglich geht. Selten erhalten die Betroffenen eine Versorgung in der Intensivstation, um lange Zeit zu überleben.

Weitere Informationen

  • Centers for Disease Control and Prevention: Rabies Diese Website enthält Links zur Art der Übertragung von Tollwut, zu den Symptomen, zur Vorbeugung von Tollwut vorbeugt und dazu, wann medizinische Versorgung einzuholen ist, sowie Informationen für bestimmte Personengruppen und andere Ressourcen.

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