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Somatische Belastungsstörung und verwandte Störungen – Überblick

Von

Joel E. Dimsdale

, MD, University of California, San Diego

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2020| Inhalt zuletzt geändert Okt 2020
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Quellen zum Thema

Die somatische Belastungsstörung (Somatic Symptom Disorder, SSD) und verwandte Störungen sind psychische Gesundheitsstörungen, die durch eine intensive Fixierung auf körperliche (somatische) Symptome gekennzeichnet sind und zu erheblichem Leid führen und/oder den Lebensalltag beeinträchtigen.

Die meisten psychischen Gesundheitsstörungen zeichnen sich durch psychische Symptome aus. Das bedeutet, die Betroffenen haben ungewöhnliche oder verstörende Gedanken, Gemütszustände und/oder Verhaltensweisen. Bei der somatischen Belastungsstörung treten psychische Faktoren in Form von körperlichen Symptomen auf (ein Prozess, der als Somatisierung bezeichnet wird). Die Betroffenen beschäftigen sich jedoch hauptsächlich mit körperlichen (somatischen – von soma, dem griechischen Wort für Körper) Symptomen, wie Schmerzen, Schwäche, Müdigkeit, Übelkeit oder anderen körperlichen Empfindungen. Die Person kann eine medizinische Erkrankung haben, welche die Symptome verursacht oder zu diesen beiträgt, dies muss aber nicht der Fall sein. Allerdings reagiert eine Person mit somatischen Belastungsstörungen oder einer damit verbundenen Erkrankung übermäßig auf eine solche Erkrankung.

Jeder Mensch reagiert auf emotionaler Ebene, wenn er körperliche Symptome aufweist. Bei Personen mit somatischer Belastungsstörung kommt es als Reaktion auf ihre Symptome jedoch zu außergewöhnlich intensiven Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen. Um eine Störung von einer normalen Reaktion auf das Krankheitsgefühl abzugrenzen, muss das Ansprechen darauf intensiv genug sein, um bei den Betroffenen (und manchmal anderen Personen) erhebliches Leid zu verursachen und/oder ihre alltägliche Lebensweise zu beeinträchtigen.

Die verschiedenen Reaktionen der Betroffenen definieren die spezifische vorliegende Störung wie folgt:

  • Bei Konversionsstörungen (Störung mit funktionellen neurologischen Symptomen) entwickeln sich körperliche Symptome, die denen einer Erkrankung des Nervensystems ähneln.

  • Bei der artifiziellen Störung geben die Personen ohne äußerlich ersichtlichen Grund (wie zum Beispiel, um von der Arbeit freigestellt zu werden) vor, Symptome zu haben.

  • Bei der Krankheitsangststörung haben Betroffene eine ausgeprägte Angst vor der Möglichkeit, eine schwere Erkrankung zu haben oder zu bekommen.

  • Manchmal kann die Einstellung oder das Verhalten die Erkrankung einer Person negativ beeinflussen. Diese Erkrankung nennt man psychologische Faktoren, die andere Erkrankungen beeinflussen.

  • Bei der somatischen Belastungsstörung sind die Betroffenen aufgrund ihrer Symptome beunruhigt, ständig besorgt und/oder suchen wegen der Symptome sehr häufig den Arzt auf.

Da Personen mit einer dieser Störungen glauben, körperliche Symptome zu haben, gehen sie tendenziell eher zum Arzt als zu einer Fachkraft in der psychischen Gesundheitsfürsorge.

Die somatische Belastungsstörung und verwandte Störungen können auch bei Kindern auftreten.

Die Behandlung variiert in Abhängigkeit von der Störung der betroffenen Person, schließt jedoch im Allgemeinen die Psychotherapie ein.

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Körper und Geist

Es wird seit langem diskutiert, welchen Einfluss das Zusammenspiel von Körper und Geist auf die Gesundheit hat. Obwohl im Allgemeinen Körper und Geist als unterschiedliche Einheiten betrachtet werden, stehen sie tatsächlich derart in einer Wechselbeziehung, dass ihre Auswirkungen, wie in den folgenden Fällen beschrieben, nicht voneinander trennbar sind:

  • Sozialer und psychischer Stress kann viele körperliche Krankheiten wie Diabetes mellitus, koronare Herzkrankheit und Asthma verschlimmern.

  • Stress und andere geistige Abläufe können schlimmer werden oder körperliche Symptome verlängern. Personen, die depressiv oder ängstlich sind, können beispielsweise stärker leiden, wenn sie krank werden oder sich verletzen, als Personen in einer besseren Gemütsverfassung.

  • Stress kann selbst dann körperliche Symptome verursachen, wenn keine körperliche Erkrankung vorliegt. Kinder können zum Beispiel Bauchschmerzen bekommen oder es kann ihnen übel werden, wenn sie Angst davor haben, zur Schule zu gehen, oder Erwachsene bekommen Kopfschmerzen, wenn sie unter emotionaler Belastung stehen.

  • Gedanken und Ideen können Einfluss darauf nehmen, wie eine Erkrankung verläuft. Beispielsweise gibt es Menschen mit Bluthochdruck, die dessen Vorliegen oder dessen Ernsthaftigkeit verleugnen. Das Verleugnen kann bei der Linderung der Angst helfen, aber es kann sie auch davon abhalten, ihren Behandlungsplan zu befolgen. Beispielsweise nehmen sie nicht die verschriebenen Medikamente ein, wodurch sich ihr Leiden verschlimmert.

  • Eine gewöhnliche physische Erkrankung kann zu psychischen Problemen führen oder diese beeinflussen. Beispielsweise können Menschen mit einer lebensbedrohlichen, immer wiederkehrenden oder chronischen körperlichen Störung depressiv werden. Die Depression wiederum kann dazu beitragen, dass sich die Auswirkungen der körperlichen Störung verschlimmern.

  • Eine physische Störung des Gehirns, wie die Alzheimer-Krankheit, kann das Wesen der Person und/oder die Fähigkeit, klar zu denken, beeinträchtigen.

Wenn Stress oder psychische Faktoren zu körperlichen Symptomen führen, kann es Ärzten schwerfallen, die Ursache festzustellen. Zur Klärung der Situation sind möglicherweise zahlreiche diagnostische Tests erforderlich.

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